Foda: "Ich weiß, dass wir gut spielen werden"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Österreichs Nationalteam startet am Dienstag um 20:45 Uhr (LIVE im LAOLA1-Ticker) mit dem Test gegen Uruguay in eine neue Ära.

Teamchef Franco Foda gibt sich vor seinem Debüt als ranghöchster Trainer Fußball-Österreichs betont zuversichtlich:

"Ich bin entspannt, weil ich ein gutes Gefühl habe. Ich habe gesehen, wie sich die Mannschaft im Trainingslager präsentiert hat und weiß, dass wir auch gut spielen werden."

Nervosität ist dem Deutschen nach den guten Eindrücken aus dem Camp in Marbella also fremd, dennoch muss auch er zugeben: "Klar, bei der Nationalhymne wird es etwas anderes sein, das ist etwas Außergewöhnliches für mich."


Die wichtigsten Fragen vor dem Foda-Einstand: 

Wie begründet Foda seine Zuversicht?

Der 51-Jährige ist hochzufrieden, wie die Mannschaft in dieser Kennenlern-Woche auf und außerhalb des Platzes mitgezogen hat. "Niveau und Qualität waren wirklich gut. Die Mannschaft hat relativ schnell verstanden, was ich mir von ihr erwarte und die Dinge schnell umgesetzt", berichtet Foda und betont: "Obwohl einige nicht mit dabei sind, haben wir auf einigen Positionen die Qual der Wahl. Das Potenzial ist also da, jetzt gilt es dieses Potenzial abzurufen."

Steht die Startelf bereits?

"Bitte fragen Sie mich nicht nach der Aufstellung", macht Foda aus seiner ersten Startelf als Teamchef ein großes Geheimnis, verrät jedoch, dass die Formation bis auf zwei, drei Positionen im Prinzip bereits stehen würde. "Generell habe ich einen klaren Plan und ich werde auch keine großen Veränderungen vornehmen", erklärt der gebürtige Mainzer, der seinen Schützlingen die Aufstellung zwei bis zweieinhalb Stunden vor dem Spiel verkünden wird, wobei die meisten ohnehin schon ahnen würden, ob sie von Beginn an zum Einsatz kommen oder nicht: "Jeder Spieler hat ein gewisses Gefühl, ob er spielt oder nicht, da du Abläufe trainierst genau wie offensive und defensive Standardsituationen."

Wie lauten die personellen Überlegungen?

Gut möglich, dass sich die offenen Personalfragen vor allem im offensiven Bereich finden. Foda weist immer wieder auf die dortige Qual der Wahl hin. "Was ich diese Woche im Training gesehen habe, hätte es sich jeder verdient zu spielen. Aber es können leider nur elf beginnen", erklärt der Teamchef. So sieht der ÖFB-Personalpoker derzeit in den einzelnen Formationen aus:

TOR:

"Es könnte auch Jörg Siebenhandl beginnen, oder?" Franco Foda will auch die Frage im Tor spannend halten. Zur Erinnerung: Marcel Koller überraschte bei seinem ersten Länderspiel in der Ukraine mit der Nominierung von Robert Almer in die Startelf - eine Wahl die richtungsweisend für die kommenden Jahre sein sollte. Dies kann auch diesmal passieren, der klare Favorit auf das Einser-Leiberl gegen Uruguay ist jedoch Heinz Lindner. Der Grasshoppers-Legionär verfügt mit 15 A-Team-Einsätzen als einziger des ÖFB-Goalie-Trios über Länderspiel-Erfahrung und hat sich zuletzt nichts zu Schulden kommen lassen. Doch sollte Foda in seinem Sturm-Goalie Siebenhandl oder in Pavao Pervan die bessere Lösung sehen, ist auch eine Überraschung nicht auszuschließen. Ob zwei Keeper zum Einsatz kommen und jeweils 45 Minuten ihre Können unter Beweis stellen dürfen, will der Teamchef vom Spielverlauf abhängig machen.

ABWEHR:

Ausgehend von einer Viererkette wird die Nominierung der beiden Innenverteidiger sehr interessant. Es ist anzunehmen, dass zwei Spieler aus dem Trio Aleksandar Dragovic, Kevin Wimmer und Kevin Danso den Zuschlag bekommen. Die Erfahrung spricht für die beiden Premier-League-Legionäre Dragovic und Wimmer - hier könnte Linksfuß Wimmer den linken Part einnehmen, Dragovic den rechten. Youngster Danso hat bei seinen bisherigen Bewährungsproben jedoch eine gute Figur abgegeben. Ähnliches gilt für Moritz Bauer als Rechtsverteidiger, wobei auch Stefan Lainer schon erste ÖFB-Gehversuche in den Beinen hat. Auf der linken Seite spricht vieles für das vierte Länderspiel (unter dem vierten Teamchef) von Andreas Ulmer.

MITTELFELD:

Im zentralen defensiven Mittelfeld sollten Kapitän Julian Baumgartlinger und Florian Grillitsch gesetzt sein. Die weitere Anordnung hängt davon ab, ob Foda ein 4-2-3-1 oder wie zuletzt unter Koller ausprobiert ein 4-4-2 mit Marko Arnautovic als zweiter Spitze spielen lässt. Ausgehend vom gewohnten 4-2-3-1 ist "Arnie" auf der linken Seite gesetzt. Die Rolle des Zehners sowie jene am rechten Flügel scheinen die umstrittensten zu sein - für diese Positionen gibt es mit Marcel Sabitzer, Alessandro Schöpf, Valentino Lazaro, Louis Schaub und Florian Kainz auch die meisten Kandidaten, die im Prinzip jeweils jede dieser beiden Positionen bekleiden könnten. Foda bedauert zudem den Ausfall von Michael Gregoritsch, der gut trainiert hätte und wegen dessen Fehlen er seinen Plan hätte verändern müssen. Sabitzer war in Marbella phasenweise angeschlagen. Sollte er fit genug sein, hat er ob seiner Erfahrung gute Karten, am rechten Flügel zu beginnen. Schöpf hat nach seiner Knieverletzung noch wenig Spielpraxis, wäre aber ein logischer Kandidat auf das Erbe von Zlatko Junuzovic auf der Zehn. Schaub wird von Foda eher am Flügel eingeplant und hat mit jeweils einem Tor in den letzten drei Länderspielen Eigenwerbung betrieben. Aber auch Kainz, den Foda aus Sturm-Zeiten bestens kennt, und Lazaro, der bei der Hertha immer besser in Schwung kommt, haben Argumente auf ihrer Seite. Mit dem universell einsetzbaren Stefan Hierländer beziehungsweise Philipp Schobesberger gibt es auch noch weitere Alternativen. Foda begründet die Tendenz, es diesmal eher noch einmal mit Viererkette zu versuchen, damit, angesichts der vielen Kandidaten nicht einen Offensivspieler für eine Defensivkraft opfern zu wollen. Man darf gespannt sein, wer den Zuschlag erhält.

ANGRIFF:

Gegen Serbien hat Guido Burgstaller den Bann gebrochen und endlich sein erstes Länderspiel-Tor erzielt. Alles andere als eine Nominierung des Schalke-Legionärs an vorderster Front wäre eine Überraschung, noch dazu, da mit Gregoritsch eine Alternative fehlt. Die einzig verbliebene Möglichkeit im Angriff, Deni Alar, kennt Foda zwar in- und auswendig, wartet jedoch noch auf sein Länderspiel-Debüt.

Ist eine Dreierkette ausgeschlossen?

Foda ist der Meinung, dass die ÖFB-Elf bereits ein System mit Dreierkette spielen könnte. Diesmal ist die Wahrscheinlichkeit einer Viererkette jedoch größer. "In Zukunft wollen wir variabel auftreten", unterstreicht der ÖFB-Coach, "aber jetzt hatten wir nur eine Woche Zeit, ich musste die Spieler erst einmal kennenlernen, und auch die Spieler mussten sich erst einmal am Trainer orientieren, wie er funktioniert." Zu Beginn auf dem meistens unter Marcel Koller angewandten System aufzubauen und bezüglich Dreierkette darauf zu warten, dass die zahlreichen vor allem in der Defensive fehlenden Kräfte mit an Bord sind, macht durchaus Sinn.

Wie oft will Foda wechseln?

Leicht erklärt: Er darf sechs Mal und wird dies auch sechs Mal tun. Wann genau, würde vom Spielverlauf abhängen: "Aber ich möchte diese Option ziehen und alle Spielerwechsel, die mir zur Verfügung stehen, auch vornehmen, weil ich so viele Spieler wie möglich unter Wettkampfbedingungen sehen möchte." 23 Mann stehen im Kader, ergo werden nicht alle Kicker eine Chance auf einen Einsatz bekommen. Diesbezüglich vertröstet sie der Teamchef auf März 2018: "Es wird wichtig sein, dann zwei Länderspiele zu haben, damit ich noch mehr Spieler einsetzen kann." Auch in punkto Flexibilität werde im März "der entscheidende Lehrgang" sein, weil dann alle Spieler vor Ort sein würden. Bezüglich Gegner hat Foda keine Präferenz, dies könne auch der ÖFB entscheiden. Sein Wunsch ist jedoch: "Ich möchte mich immer mit den Besten messen, also ist es wichtig, gute Testgegner zu haben."

Worauf kommt es gegen Uruguay an?

Uruguay fällt für Foda ohne jeden Zweifel unter diese Kategorie: "Eine spielerisch starke Mannschaft, das haben sie auch in der WM-Quali gezeigt, wo sie hinter Brasilien den zweiten Platz belegt haben. Sie haben mit Cavani, Godin, Gimenez, Bentancur oder Vecino außergewöhnlich gute Spieler in ihren Reihen. Leider ist Suarez nicht dabei." Nichtsdestotrotz würde es darauf ankommen, wie seine Mannschaft auftreten wird. Es gelte, aus jedem Spieler das Optimum herauszuholen und sich als Mannschaft zu präsentieren. Dennoch soll jeder Spieler auch seine individuelle Klasse zeigen dürfen: "Wir wollen gerade im Offensivbereich kreativ sein. Dort haben wir extrem viele Möglichkeiten, sind sehr gut aufgestellt." In Marbella habe man intensiv am Matchplan gearbeitet: "Wir haben eintrainiert, wie wir gegen den Ball spielen wollen, klare Verhaltensmuster im Ballbesitz, auch Laufwege."

Wie schwierig war es für Foda, seine eigenen Ideen in kurzer Zeit zu vermitteln?

Zum Nationalteam kommen laut Foda Spieler von unterschiedlichen Vereinen mit unterschiedlichen Trainern: "Jeder Trainer hat seine eigene Herangehensweise und sein eigenes System, jeder hat ein anderes Anlaufmuster. Es ist genau der Punkt, dass du alle unter einen Hut bringst und versuchst, deinen Spielplan und deine Spielphilosophie so schnell wie möglich auf die Mannschaft zu übertragen." Viele Dinge hätten seine Spieler im Training schon umgesetzt, dies gelte es im Match zu zeigen. Diesbezüglich dauernd nach Ähnlichkeiten oder Unterschieden zu Vorgänger Koller zu suchen, würde jedoch keinen Sinn machen: "Es ist auf der ganzen Welt so, dass jeder Trainer seine eigenen Ideen hat. Ich kann nur immer wieder betonen, dass Marcel Koller sehr gut gearbeitet hat und ich eine intakte Mannschaft übernommen habe. Der ÖFB hat vor meiner Zeit gute und weniger gute Spiele absolviert. Das wird bei mir auch der Fall sein."

Wie groß ist die Bedeutung dieses Testspiels?

Gegen Uruguay soll so gesehen unbedingt ein gutes Länderspiel her. Ein erfolgreiches Teamchef-Debüt würde den endgültigen Einstieg des Noch-Sturm-Coaches in diesen Job erheblich erleichtern und im Hinblick auf den März-Lehrgang für Ruhe sorgen. Außerdem ist das Argument, dass die Nations League beziehungsweise die Qualifikation für die EURO 2020 noch weit weg sind, nur bedingt richtig. Auf Nationalteam-Ebene hat man so wenig Zeit miteinander, dass jede zur Verfügung stehende Zeit Mehrwert hat und effizient genutzt werden muss - speziell die Spiele. Auch Foda stellt klar: "Für mich persönlich beginnt gegen Uruguay die Vorbereitung auf die EM und auf die Nations League. Es ist 'nur' ein Testspiel, aber wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wir wollen die Mentalität entwickeln, auch solche Spiele mit hundert Prozent anzugehen. Jeder Spieler muss auch in solchen Spielen das Beste, das in ihm steckt, geben, alles abrufen und mit großer Leidenschaft Fußball spielen."



Textquelle: © LAOLA1.at

Rapid angelt nach serbischem Flügelflitzer Milan Jevtovic

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare