So spannend war der ÖFB-Personal-Poker selten

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Ist das nicht herrlich?

Mit so viel Spannung durfte man in der Teamchef-Ära von Marcel Koller noch selten einer Aufstellung entgegenfiebern.

Dreierkette oder doch weiter Viererkette? Welches Personal? Wie viele Stürmer? Wohin mit David Alaba?

Der Anforderung, weniger ausrechenbar zu sein und dem gegnerischen Teamchef mehr Denkaufgaben mit auf den Weg zu geben, wird der Schweizer im Vorfeld des WM-Qualifikations-Spiels gegen Moldawien definitiv gerecht.

Koller rechnet mit Paul Scharner ab:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


Auch am Tag vor dem Match wollte sich Koller naturgemäß nicht in die Karten blicken lassen.

Die Vorzüge einer Dreierkette

Bezüglich der Vorteile einer Dreierkette meinte der 56-Jährige: "Ich hoffe, das wird man dann auf dem Platz sehen. Man hat natürlich in der Vorwärtsbewegung mehr Spieler zur Verfügung und sollte das dann auch dementsprechend ausnützen."

Ähnlich argumentiert auch Aleksandar Dragovic die Vorzüge dieser Variante.

Einiges spricht im Vorfeld dafür, dass Koller tatsächlich seine bisherige Maxime über Bord wirft und sich trotz kurzer Vorbereitungszeit über einen Systemwechsel drübertraut. Flexibilität ist im heutigen Fußball wichtig und nicht zuletzt einige seiner eigenen Schützlinge weisen immer wieder darauf hin, wie etwa Kapitän Julian Baumgartlinger.

Irgendwann muss man damit beginnen, nachdem sich das Dreierketten-Experiment bei der EURO 2016 gegen Island als wenig nachhaltig erwiesen hatte und im verkorksten Herbst eine ähnliche Maßnahme kein Thema mehr war. Moldawien könnte dafür der richtige Gegner sein.

Wagt Koller diesen Schritt doch nicht, kann man ihm immerhin zu einem gut inszenierten Bluff gratulieren.

Aber welche Startelf soll nun für das dringend benötigte Erfolgserlebnis gegen Moldawien sorgen? Varianten gibt es unzählige. Die richtige zu erraten, könnte ein Ding der Unmöglichkeit sein, weil kein Außenstehender die Überlegungen von Koller und seinem Stab kennt. Aber gehen wir einmal einige durch:

Wo spielt Alaba?

Gerade bei einem Umstieg auf eine Dreierkette sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Aber der Reihe nach: Dass Heinz Lindner im Tor spielen wird, ist angesichts der Zwangspausen von Andreas Lukse sehr wahrscheinlich.

Bezüglich der Abwehrformation sind Aleksandar Dragovic, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger die klaren Favoriten. Das Trio bildete auch schon gegen Island die Dreierkette. Prödl kennt diese Variante vom FC Watford, Hinteregger hat sie beim FC Augsburg bereits gespielt, lediglich Dragovic kennt sie nicht aus dem Verein. Dass neben dem zuletzt als Linksverteidiger unglücklichen Kevin Wimmer mit Michael Madl ein fünfter Innenverteidiger nominiert wurde, deutet ebenso auf diesen Plan hin.

Eine - im wahrsten Sinne des Wortes - zentrale Frage: Wo ist David Alaba am besten aufgehoben? Weiter im Zentrum oder auf der linken Seite?

(Ein Beispiel mit Janko im Angriff und Alaba links)

Eine mögliche Antwort gab der Bayern-Star selbst bereits vergangene Woche, als er meinte: "Der Teamchef hat erwähnt, dass es links im Mittelfeld eine Option ist, wenn wir hinten mit einer Dreierkette spielen."

Dies würde insofern Sinn machen, da die Kandidaten für diese Position, anders als auf der rechten Seite, nicht gerade Schlange stehen. Marko Arnautovic macht weiter vorne tendenziell mehr Sinn, Markus Suttner genoss zuletzt überschaubar viel Vertrauen - und ein Vorteil der Dreierkette ist es schließlich, dass die Problemzone Außenverteidiger, und hier vor allem jene links in der Viererkette, entschärft werden könnte.

Wer spielt rechts?

Dass Stefan Ilsanker den gesperrten Baumgartlinger ersetzt, gilt als wahrscheinlich. Auch der Leipzig-Legionär war übrigens Mitglied der Island-Startelf, seine Kopfballstärke wäre bei Standards gefragt. Neben ihm könnte Zlatko Junuzovic zum Zug kommen.

Auf der rechten Seite gibt es auch in Abwesenheit des gesperrten Alessandro Schöpf, der diese Rolle von Schalke kennt, diverse Möglichkeiten. Im Prinzip ist Valentino Lazaro prädestiniert dafür - Koller baut ihn als Rechtsverteidiger auf, in Salzburg spielt er eine Etappe weiter vorne. Aber auch eine offensiv orientierte Variante mit etwa Martin Harnik oder Marcel Sabitzer scheint vorstellbar.

Dieses Duo ist aber natürlich auch im Angriff denkbar. Schon bei der Kaderbekanntgabe sprach Koller von der Möglichkeit, mit zwei oder drei Stürmern zu spielen.

(Ein Beispiel ohne Janko im Angriff)

Mit oder ohne Janko?

Marc Janko als Zielspieler und daneben Guido Burgstaller als zweite Spitze in einem klassischen 3-5-2 könnte ebenso eine Möglichkeit sein wie Arnautovic zu diesem Duo nach vorne zu ziehen und 3-4-3 zu spielen.

Wobei auch die Besetzung im Offensivbereich zahlreiche Rätsel aufgibt. Zur Erinnerung: Gegen Island probierte es Koller mit Alaba ganz vorne, ihm zur Seite standen Arnautovic und Sabitzer, das Trio hing allerdings eher in der Luft.

Bei seiner Abschluss-Pressekonferenz verdeutlichte Koller, dass er gegen Moldawiens Abwehrriegel möglichst viele schnelle und wendige Spieler in der Offensive haben möchte:

"Gegen eine Mannschaft, die wahrscheinlich mit neun Mann hinten drinnen stehen wird, ist es wichtig, dass du fußballerische Qualität hast. Wenn neun Mann hinten drinnen stehen, ist es schwierig, nur mit langen Bällen zu hantieren. Es ist wichtig, gute Fußballer zu haben, die schnell sind. Gute Technik, gute Schnelligkeit und gute Wahrnehmung sind die wichtigsten Eckdaten, um die Spieler auszusuchen."

Worte, die nicht unbedingt für Janko sprechen. Viele interpretieren die Ernennung von Alaba zum Ersatz-Kapitän als Signal dafür, dass der Basel-Legionär - eigentlich der Backup Baumgartlingers als Spielführer - nicht spielen wird.


(Ein Beispiel für ein 3-5-2 mit Alaba in zentraler Rolle)

Dies ist auch definitiv eine logische Interpretations-Möglichkeit, allerdings trug Alaba etwa schon in der Schlussphase gegen Irland die Kapitäns-Schleife, obwohl Janko auf dem Platz stand. Da scheint wenn schon eher Kollers Wunsch nach einem anderen Stürmer-Typ ein Ausschließungsgrund für Janko zu sein.

Lässt der Teamchef seinen zuletzt angeschlagenen Goalgetter tatsächlich auf der Bank, stünden mit Sabitzer, Harnik oder dem vielseitigen Burgstaller genügend Kandidaten zur Verfügung. Auch Louis Schaub kennt dieses System von Rapid ja nicht so schlecht, wenngleich es noch nicht die erhofften Erfolge gebracht hat, wodurch er als Kandidat für einen der Offensiv-Posten nicht auszuschließen ist.

Alles andere als außer Acht lassen sollte man auch die Möglichkeit, dass Alaba wie gehabt in der Zentrale aufgeboten wird - sein fester Glaube daran, dort dem Nationalteam besser helfen zu können als auf der linken Seite, ist eingehend dokumentiert.

Kommt diese Variante zum Tragen, spricht einerseits vieles für ein klassisches 3-5-2, andererseits stellt sich die Frage, wer dann links spielt (siehe oben). Doch Arnautovic?

Und wenn doch keine Dreierkette?

Setzt Koller weiterhin auf eine Viererabwehr, dürfte es wohl keine großen Rochaden geben. Die eine oder andere spannende Frage würde es jedoch auch bei einem 4-2-3-1 geben: Was macht der Schweizer in der Außenverteidigung? Links eine neue Chance für Suttner anstelle von Wimmer? Rechts Lazaro oder gar Debütant Stefan Lainer anstelle des nicht nominierten Florian Klein?

(Beispiel für ein klassisches 4-2-3-1)

Und auch hier würde sich wohl die Frage nach dem Auserwählten im Angriff stellen - weiter Janko oder doch etwa Burgstaller oder ein anderer Stürmer?

Mit welchen Gedankenspielen auch immer Koller sich gerade beschäftigt, fest steht zurzeit nur eines: Es wird spannend! Sehr sogar!




Textquelle: © LAOLA1.at

Damir Canadi rechtfertigt Rapid-Leistung mit Statistiken

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