Happel-Stadion als doppelte ÖFB-"Baustelle"

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Selten sind sie geworden, die Fußball-Feste im Ernst-Happel-Stadion.

Am Sonntag ist es wieder einmal so weit, wenn Österreich im ausverkauften Prater-Oval Rekord-Weltmeister Brasilien fordert (ab 16 Uhr im LIVE-Ticker).

Wenn es ganz blöd (oder gut - je nach Blickwinkel) läuft, könnte der Schlager vorerst sogar das letzte Länderspiel in der altehrwürdigen Arena sein, wenngleich das im Moment kein wahrscheinliches Szenario zu sein scheint.

Für die ÖFB-Funktionäre ist das Happel-Stadion derzeit jedenfalls auf zwei Ebenen, die es getrennt von einander zu betrachten gilt, eine Verhandlungs-Baustelle.

Bundesliga-Vertreter: "Österreich braucht neues Nationalstadion"

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Nations League im Happel-Stadion? Die Zeit drängt

Verhandlungs-Baustelle Nummer zwei hätte bekanntlich zum Ziel, dass im Prater in Bälde eine echte Baustelle aufgemacht wird - sprich ein Neubau des Stadions, damit das Nationalteam endlich eine zeitgemäße und im internationalen Vergleich würdige Heimstätte zur Verfügung hat.

Aber dazu später mehr, denn Baustelle Nummer eins ist die dieser Tage wesentlich dringlichere, hier geht es nämlich um eine Entscheidungsfindung bis spätestens Ende nächster Woche.

Das ÖFB-Team ist zuletzt für die Tests gegen Slowenien, Russland und Deutschland auch deswegen nach Klagenfurt beziehungsweise Innsbruck ausgewandert, weil im Dauer-Streit rund um die Mietbedingungen keine Lösung mit der Sportstadt Wien erzielt werden konnte.

Am 12. Oktober soll das erste Heimspiel im Rahmen der UEFA Nations League gegen Nordirland im Idealfall im Happel-Stadion über die Bühne gehen. 120 Tage vor diesem Match muss der Austragungsort bei der UEFA genannt werden, Stichtag ist der 15. Juni.

Verhandlungen auf Hochdruck

Die Verhandlungen mit der Stadt Wien laufen dabei auf Hochdruck. "Wir sind bezüglich der Länderspiel-Standorte jetzt in wieder sehr konstruktiven Gesprächen mit der neuen Stadtregierung in Wien", betont ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer.

"Gerade wenn wir sportlich erfolgreich sind oder es attraktive Gegner gibt, wäre es schön, in der Hauptstadt im größten Stadion zu spielen."

Thomas Hollerer

Präsident Leo Windtner hätte bereits am Dienstag ein Gespräch mit Sportstadtrat Peter Hacker geführt und bereits am heutigen Donnerstag einen Folgetermin bekommen.

"Ich hoffe sehr, dass wir auf einem guten Weg sind und gemeinsam eine Lösung finden, damit wir auch in Zukunft im Ernst-Happel-Stadion spielen können. Wir möchten das auch sehr gerne tun. Es ist natürlich das größte Stadion, das wir haben. Gerade wenn wir sportlich erfolgreich sind oder es attraktive Gegner gibt, wäre es schön, in der Hauptstadt im größten Stadion zu spielen", betont Hollerer, der mehrmals seine Dankbarkeit für die Gesprächsbereitschaft der Stadt zum Ausdruck bringt.

Dass Vertreter des Fußball-Bundes derzeit verbal äußerst freundliche Signale in Richtung der neuen Wiener Regierung senden, liegt auf der Hand. Schließlich geht es bei beiden "Baustellen" um das liebe Geld.

Kein Vertrag? Dann müssen Stadion-Alternativen her

Im "Standard" hieß es zuletzt, dass der ÖFB bislang pro Länderspiel die überschaubar Summe von 50.000 Euro an Mietkosten an die Stadt Wien zu bezahlen hatte. Dieser Betrag soll nun deutlich angehoben werden. So zumindest der Wunsch der Stadt.

"Es ist selbstverständlich, dass sich der ÖFB im Rahmen der finanziellen Bedingungen bewegen möchte. Bei uns ist es jedoch wichtig, dass das Spiel selbst für uns in einem positiven Rahmen abgebildet werden kann. Aber wir sind gerne bereit, gemeinsam Lösungen zu finden, mit denen beide Seiten gut leben können", meint Hollerer.

Gelingt es bis zum Ablaufen der 120-Tage-Frist einen validen Vertrag mit der Stadt Wien abzuschließen, dann werden die Nations-League-Heimspiele und vermutlich auch die Partien in der folgenden EM-Qualifikation wohl weitestgehend im Happel-Stadion steigen.

Aber was, wenn nicht? "Wenn es diesen Vertrag nicht gibt, dann kann das Happel-Stadion natürlich nicht genannt werden", so Hollerer, "dann bleibt uns ja gar nichts übrig, als Alternativen zu suchen."

Sportstadtrat lässt aufhorchen: "Taugliches Stadion"

Welche man hier in konkret in der Hinderhand habe, will der Generalsekretär nicht verraten: "Es kommen alle Stadien in Frage, die die jeweiligen Kriterien und Kapazitätserfordernisse erfüllen." Ein Gang in die Bundesländer, etwa nach Klagenfurt oder Salzburg, würde sich wohl anbieten.

Fest steht nur: Es ist nur eine Frage von Tagen, bis dieses Rätsel gelöst sein wird. Keine Frage von Tagen, sondern eher von Monaten und im Worst Case Jahren scheint die Diskussion rund um den vom ÖFB erhofften Neubau des Happel-Stadions zu werden.

"Fakt ist: Wir haben ein ziemlich taugliches Stadion, das man auch noch verbessern kann", ließ Hacker diese Woche im "Standard" in Bezug auf das Happel-Stadion aufhorchen. Aus Kostengründen würde er nötigenfalls für eine Sanierung der Arena plädieren.

Befürworter eines neuen Nationalstadions können nur hoffen, dass der Wiener Sportstadtrat diese Worte nicht tatsächlich allzu ernst meint, sondern sich im Rahmen eines klassischen politischen Geplänkels Verhandlungsspielraum mit der Bundesregierung verschaffen möchte.

Neubau-Diskussion soll "nicht versanden"

Denn die große Frage lautet naturgemäß: Wer bezahlt die Rechnung? Hacker spielte den Ball sogleich Sportminister Heinz-Christian Strache, einem Befürworter eines Neubaus, zu. Letztlich sollte sich zumindest ein politischer Konsens quer über alle Parteigrenzen hinweg finden lassen, dass sich über die Sinnhaftigkeit, Steuergeld in eine Sanierung zu stecken, mehr als trefflich streiten ließe.

"Die Neubau-Diskussion ist eine, die man mit der notwendigen Ruhe führen muss, die aber natürlich nicht irgendwo versanden soll."

Thomas Hollerer

Dem ÖFB bleibt vorerst nichts anderes übrig, als abzuwarten. "Die Neubau-Diskussion ist eine, die man mit der notwendigen Ruhe führen muss, die aber natürlich nicht irgendwo versanden soll", betont Hollerer, "am Ende der Diskussion muss man schon auch eine politische Entscheidung mit allen Beteiligten herbeiführen, ob und in welcher Form welche Schritte Sinn machen. Aber Priorität hat jetzt sicherlich, dass wir die anstehenden Deadlines für die Nennungen für die Nations League bei den Pflichtspielen entsprechend einhalten können."

Der Traum von Neubau-Befürwortern, dass das Brasilien-Länderspiel das vorerst letzte im Happel-Stadion ist, weil demnächst schon die Errichtung eines neuen Stadions beschlossen wird, wird sich also nicht erfüllen, weil vom Zeitrahmen her ohnehin unrealistisch.

Sollten ÖFB und die Stadt Wien bezüglich einer weiteren Mietvereinbarung entgegen der aktuell optimistischen Einschätzungen auf keinen Nenner kommen, würde sich das Happel-Stadion vorerst zumindest mit einem Kracher von der Länderspiel-Bühne verabschieden.

Hollerer: "Brasilien kostet viel"

"Brasilien kostet viel", verrät Hollerer, dass der Fußball-Bund für diesen hochkarätigen Gegner tief in die Tasche griff. Genaue Summen dürfe er aufgrund rigider Vertraulichkeitsklauseln nicht nennen. Branchenüblich wäre der untere siebenstellige Euro-Bereich.

Für den ÖFB ist diese Begegnung jedoch unterm Strich kein schlechtes Geschäft. "Die Grundvoraussetzung ist, dass wir nicht mit einem Minus aussteigen. Es wird bei uns kein Länderspiel freundschaftlicher Art geben, das wir so abwickeln, dass wir in finanziellen Zahlen gesehen negativ aussteigen. Aber selbst wenn der finanzielle Überschuss nur ein geringer ist, darf man nicht vergessen, dass viele andere Faktoren eine Rolle spielen. Nachdem wir es leider nicht zur WM nach Russland geschafft haben, können wir unseren Fans attraktive Gegner bieten. Wir können unseren Sponsoren und Partnern eine attraktive Plattform bieten. Das sind alles Faktoren, die man in einem Gesamtpaket abwägen muss."

Brasilien selbst sei ein Gegner, der Sonderwünsche deponiere. Alleine der Tross der "Selecao" umfasst rund 100 Personen. "Das sind schon riesige Dimensionen", verdeutlicht Hollerer.

1600 VIP-Gäste werden am Sonntag im Stadion erwartet. Man darf davon ausgehen, dass sich auf der Ehrentribüne auch einige Politiker befinden werden, die über die Zukunft des Nationalstadions entscheiden.

Textquelle: © LAOLA1.at

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