Andreas Ulmer: Die unerwartete ÖFB-Rückkehr

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Irgendwie ist es eine kuriose Situation: Martin Harnik und Zlatko Junuzovic erklären mit 30 Jahren ihren Rücktritt aus dem Nationalteam, Andreas Ulmer indes will mit 32 Jahren endlich im ÖFB-Dress durchstarten.

Im fortgeschrittenen Fußballer-Alter ist der Linksverteidiger zwar das älteste Kadermitglied, aber dennoch ein gefühlter Neuling.

Kommt Ulmer gegen Uruguay zum Einsatz, wäre dies sein viertes Länderspiel - und zwar im Fall der Fälle unter dem vierten Teamchef. Sein Debüt feierte er 2009 gegen Schweden bei der letzten Partie unter Karel Brückner, Didi Constantini schenkte ihm nur ein Mal das Vertrauen, Marcel Koller schickte ihn im November 2014 gegen Brasilien ins Rennen.

"Schön, dass ich wieder dabei bin. Es kam etwas unerwartet, weil ich in den letzten Jahren kaum eine Rolle gespielt habe", freut sich der Salzburg-Kicker über seine "Rückkehr".


Gedanklich abgeschlossen hätte er mit dem Thema Nationalteam jedoch noch nicht gehabt: "Ich habe mir gesagt, so wie es kommt, kommt's. Wenn ich wieder dabei sein darf, freue ich mich und hoffe, dass ich vielleicht mein viertes Länderspiel machen darf."

Die viel diskutierte Hochzeit

Nach der tendenziell am meisten diskutierten Fußballer-Hochzeit der jüngeren Vergangenheit erschien eine erneute ÖFB-Chance jedoch unwahrscheinlich.

Nach vielen Jahren auf der Abrufliste hat Koller den Linksverteidiger im Juni für das WM-Qualifikations-Spiel in Irland nachnominiert, dieser hatte jedoch am selben Tag seine Eheschließung angesetzt.

"Das war die Entscheidung meiner Frau und von mir, dass wir da heiraten. Wir hatten die Hochzeit zuvor schon zwei Mal verschoben, zu diesem Termin hat es gut reingepasst. Ich war vorher kaum ein Thema und habe nicht damit gerechnet, dass ich zu diesem Zeitpunkt einberufen werde", erinnert sich Ulmer und meint zur folgenden Aufregung samt Zerwürfnis mit Koller:

"Ich habe es dann eh so hinnehmen müssen. Aber ich habe nie gesagt, ich heirate jetzt und komme deshalb nicht. Es gab auch Knie-Probleme, aber die Hochzeit ist groß nach draußen getragen worden."

"Sicher hätte ich mir mehr Länderspiele gewünscht"

Auch ohne "Wedding-Gate" war die bisherige ÖFB-Karriere von Ulmer eine Geschichte mit Missverständnissen. Obwohl einer der konstantesten Bundesliga-Spieler dieses Jahrzehnts, versperrten ihm im ÖFB-Team jahrelang Ex-Kapitän Christian Fuchs und Markus Suttner den Weg ins Aufgebot.

"Sicher hätte ich mir gewünscht, dass ich mehr Länderspiele gemacht hätte, aber diese Entscheidung treffe ich nicht alleine", sagt Ulmer und interpretiert es als Geschmacksache, dass ihm andere Spieler vorgezogen wurden:

"Der eine Trainer sieht es so, der andere so - wie in einem Klub. Kommt dort ein neuer Trainer, sagt er vielleicht, dass er nicht mit einem plant. Ein anderer Trainer sagt vielleicht über denselben Spieler, dass er der Beste auf der Position ist, den er bisher trainiert hat. Das ist wirklich individuell vom Trainer abhängig."

Dass er der älteste Akteur im Kader ist, sei ihm mitgeteilt worden - eine Situation, die ihn an Salzburg erinnert, wo mit Alexander Walke und Christoph Leitgeb nur zwei ältere Spieler, gleichzeitig dafür jede Menge junge Kicker unter Vertrag stünden.

Für und gegen Foda

Welche Perspektiven hat man, wenn man in diesem Alter im Nationalteam durchstarten will? Welche Ziele setzt man sich noch? Hofft man auf eine Chance auf der vakanten Position des Linksverteidigers?

"Chance hört sich so komisch an. Wenn ich noch mal ein Länderspiel oder ein paar mehr machen darf, freue ich mich riesig darüber. Wenn nicht, dann soll es eben nicht sein. Ich gehe sehr entspannt an die Sache ran. Nachdem der Teamchef weiß, wie ich spiele, wird er meine Stärken und Schwächen kennen - wir hatten ja schon einige Duelle gegeneinander."

Am Dienstag könnte Ulmer für Franco Foda spielen, am Sonntag beim Duell von Salzburg gegen Sturm Graz gegen ihn. "Das ist der Fußball", schmunzelt der Oberösterreicher und verrät grinsend, dass ihn der Teamchef noch nicht nach "Bullen"-Interna gefragt habe: "Wir hatten noch kein Einzelgespräch."

Aus den zahlreichen Aufeinandertreffen mit Sturm weiß der Routinier genau, was Foda-Mannschaften auszeichnet: "Sie sind sehr diszipliniert, mit dem Ball und gegen den Ball sehr fleißig, sehr viel unterwegs und sie spielen auch einen schönen Fußball."

Wurde die Bundesliga zu schlecht gesehen?

Generell ginge es unter dem Deutschen auf ÖFB-Ebene wieder bei null los. Ein Neubeginn, von dem auch Ulmer profitiert - und das bekanntlich nicht als einziger Bundesliga-Kicker. Ob die heimische Liga in den vergangenen Jahren zu schlecht gesehen wurde?

"Das weiß ich nicht. Da muss man den vorigen Teamchef fragen, der hat ja die Spieler einberufen."





Textquelle: © LAOLA1.at

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