Der erste Eindruck zählt

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Kainz, Gucher, Onisiwo: Der erste Eindruck zählt

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Florian Kainz weiß ganz genau: „Man sollte immer einen guten ersten Eindruck hinterlassen!“

Denn wer weiß, wie viele weitere Chancen sich bieten.

Es gibt bekanntlich leichtere Aufgaben, als die Beförderung in den Kreis des österreichischen Fußball-Nationalteams zu schaffen.

Das Niveau ist ein hohes, das Vertrauen von Teamchef Marcel Koller in Spieler, die ihn sportlich wie menschlich überzeugt haben, ein großes.

Bekommt man die Gelegenheit zum „Casting“ beim Schweizer, gilt es zu überzeugen.

Aufgrund diverser Absagen sind für das Spanien-Camp des ÖFB-Teams neben Torhüter Andreas Lukse auch Kainz, Robert Gucher und Karim Onisiwo erstmals in den Kader gerutscht. LAOLA1 betrachtet die Situation der drei Feldspieler unter den „Team-Babys“:

FLORIAN KAINZ

„Wir hatten schon einige Taktikeinheiten und das ist sehr interessant, weil man es früher ja nur im Fernsehen gesehen hat“, betont Kainz.

Dabei hätte er „einiges Neues“ erfahren, auch wenn er bei Rapid im selben System spielen würde und diverses schon gekannt hätte: „Auch die Videoanalysen sind sehr interessant, worauf der Teamchef speziell wert legt. Es ist schon wichtig, so etwas aufzunehmen. Diese Dinge kann ich dann auch wieder in den Verein mitnehmen.“

Es ist schon einiges, womit „Rookies“ im ÖFB-Team konfrontiert sind. Sie sollen sich möglichst schnell im System von Marcel Koller zurechtfinden, das die etablierten Kadermitglieder inzwischen seit Jahren intus haben. Gleichzeitig gilt es sich menschlich zu integrieren und sportlich einen derart positiven Eindruck zu hinterlassen, um für weitere Einladungen in den erlauchtesten Kreis in Fußball-Österreich in Frage zu kommen.

Kommen, um zu bleiben. Das ist natürlich auch das Ziel von Kainz. Schließlich sei das Nationalteam ein Lebenstraum: „Wenn man von kleinauf Fußball spielt, träumt man einfach davon. Deswegen bin ich sehr glücklich, dass ich dabei sein darf und unternehme alles, damit ich auch in weiterer Zukunft dabei bin.“

Leichter gesagt, als getan, denn der Teamchef setzt bekanntlich auf einen eher engen Kreis an Auserwähltern. Dies ist auch dem Steirer bewusst:

„Ich bin durch die Ausfälle von Zlatko Junuzovic und Martin Harnik nachnominiert worden. Also weiß ich meine Situation ganz gut einzuschätzen. Aber ich versuche mich im Training aufzudrängen, damit der Trainer einen guten Eindruck von mir hat, und dann bei Rapid wieder meine Leistungen zu bringen. Es ist natürlich schwer, in den Kader zu rücken, weil der Stamm sehr groß und das Team sehr gut ist. Aber ich gebe mein Bestes.“

Für die eigene Weiterentwicklung ist diese Woche in Orihuela jedoch so oder so Gold wert. Kainz versucht, so viele Lerninhalte wie möglich aufzusaugen, sich von den Kollegen einiges abzuschauen.

„Es ist natürlich interessant zu sehen, wie die anderen Außenspieler – zum Beispiel Marko Arnautovic oder Jakob Jantscher – spielen. Von ihnen kann man im Training sehr viel lernen. Beide sind super Spieler. Arnautovic ist körperlich und technisch extrem stark, der hat alles“, schwärmt der 23-Jährige.

"Für die Visitenkarte ist es mit Sicherheit kein Nachteil, wenn man im Nationalteam spielt"

Mit Jantscher wiederum spielte Kainz einst noch gemeinsam bei Sturm Graz. Vor eineinhalb Jahren verließ er seinen Stammverein durch einen umstrittenen Transfer zu Rapid. Ob die Beförderung ins Nationalteam die Bestätigung sei, damals richtig gehandelt zu haben?

Dies könne man nicht sagen, weil man nicht weiß, wie es bei Sturm gelaufen wäre: „Aber es ist schon so, dass ich aufgrund des Wechsels zu Rapid noch einmal einen Schritt gemacht habe. Für meine Entwicklung war es wichtig, dass ich einmal ein anderes Umfeld erlebe.“

Der nächste logische Schritt wäre der Sprung ins Ausland. Kainz betont, dass er sich darüber keine Gedanken machen und sich in Wien wohl fühlen würde. Auch um eine Chance im Nationalteam zu bekommen, müsse man nicht zwingend jenseits der Landesgrenzen sein Geld verdienen:

„Drei der Spieler, die diesmal neu dazu gekommen sind, spielen in der Bundesliga. Aber natürlich haben die Spieler im Ausland schon viele Erfahrungen gemacht und sind auch zurecht im Nationalteam. Ich glaube aber nicht, dass es ein Muss ist, dass ich im Ausland spiele.“

Doch auch Kainz ist bewusst: „Für die Visitenkarte ist es mit Sicherheit kein Nachteil, wenn man im Nationalteam spielt.“


ROBERT GUCHER

Wie Kainz ist auch auch Robert Gucher ein Steirer, der jedoch einen komplett anderen Weg eingeschlagen hat. Schon mit 17 verschlug es den Mittelfeldspieler nach Italien zu Frosinone, wohin er vor über drei Jahren nach einem Österreich-Zwischenstopp zu Kapfenberg zurückgekehrt ist.

Mit inzwischen 24 Jahren hat er längst das Lebensgefühl der Wahlheimat angenommen. „Bei Interviews tu ich mir auf Italienisch leichter als auf Deutsch“, lacht Gucher und versucht seinen oststeirischen Dialekt in Zaum zu halten.

Die erstmalige Einberufung ins Nationalteam ist für Gucher die Krönung des beinahe märchenhaften Durchmarsches mit seinem Arbeitgeber aus der Serie C in die Serie A:

„Für mich ist es einfach die Bestätigung meines Weges, der nicht immer einfach war. Die letzten drei Jahre waren sehr schön, nur am Anfang dieser drei Jahre bin ich in die dritte Liga zurückgegangen. Das war kein leichter Schritt. Aber im Nachhinein habe ich alles richtig gemacht. Eigentlich ist es so aufgegangen, wie ich es mir wahrscheinlich nicht einmal erträumt hätte.“

Wie die übrigen Neulinge sei er unglaublich gut aufgenommen worden: „Das zeigt, was für ein Team-Spirit hier herrscht.“

Gleich wie für Kainz ist auch für Gucher der Grundkurs in Sachen Nationalteam sehr interessant: „Wir Neuen lernen die Ideen des Trainers kennen, bestimmte Laufwege, bestimmte taktische Anweisungen – Dinge, die die Mannschaft schon intus hat.“

"Ich bin von der Taktik-Schule aus Italien sehr viel gewohnt. Es ist eigentlich nicht extrem viel Neues dazugekommen, weil wir im Verein seit drei Jahren einen ähnlichen Fußball spielen"

Wobei sich zumindest auf taktischer Seite die Umstellung in Grenzen hält: „Ich bin von der Taktik-Schule aus Italien sehr viel gewohnt. Es ist eigentlich nicht extrem viel Neues dazugekommen, weil wir im Verein seit drei Jahren einen ähnlichen Fußball spielen. Die Mannschaft hat es mir auch sehr einfach gemacht, das kennenzulernen. Man kann zu jedem einzelnen Spieler hingehen, und er wird dir helfen oder Tipps geben. Das ist sehr wichtig für einen neuen Spieler.“

Dem früheren GAK-Kicker ist bewusst, dass gerade auf seiner Position im zentralen Mittelfeld großer Konkurrenzkampf herrscht. Was David Alaba, Julian Baumgartlinger oder Stefan Ilsanker in der EM-Qualifikation im Zusammenspiel mit Zlatko Junuzovic abgeliefert haben, betrachtet er als „großes Kino“. Zudem hoffen auch die verletzt fehlenden Veli Kavlak, Christoph Leitgeb, Yasin Pehlivan beziehungsweise der zuletzt eingeladene Rapidler Stefan Schwab auf ein EM-Ticket.

„Für mich ist das jetzt einmal eine erste Möglichkeit, mich zu präsentieren, dass mich der Teamchef kennenlernt und ich die Mitspieler kennenlerne. Alles weitere wird sich dann im Laufe der Saison entscheiden. Ich glaube, dass für jeden Spieler die nächsten sieben, acht Monate im Verein zählen. Dort spielt man sich in die Auslage. Das ist der wichtigere Teil für die nächste Einberufung oder die weitere Nationalteam-Karriere“, glaubt Gucher nicht, binnen dieser Trainingswoche ein EM-Ticket lösen zu können.

Dass ihm bei Frosinone der Knopf aufgegangen ist, läge daran, dass dort eine ähnliche Stimmung wie im ÖFB-Team herrschen würde: „Wir sind eine richtige Familie geworden, die seit Jahren eine Einheit bildet. Wir unternehmen auch außerhalb des Platzes viel, haben keinen Topstar drinnen und müssen alle elf in jedem Match topvorbereitet sein.“

Als Genuss möchte er die ersten Monate in der Serie A jedoch nicht bezeichnen, dafür sei der Druck vom 1. Spieltag an zu groß: „Denn wenn man es einmal mit einem kleinen Verein in die Serie A geschafft hat, willst du natürlich alles dafür tun, um oben zu bleiben.“

Nach „riesigen Problemen“ in den ersten Runden sei man inzwischen im Plansoll: „Wir hatten einfach noch den Fußball aus der Serie B drinnen, gingen sehr viel auf die zweiten Bälle, und das ist in der Serie A nicht möglich, weil sie dich mit ihrer Klasse einfach im Kreis laufen lassen. Das haben wir gemerkt, haben umgestellt und langsam kommen wir in Fahrt.“

Dennoch wird es wohl ein harter Kampf gegen den Abstieg. Mit elf Punkten aus zwölf Runden rangiert Frosinone auf dem 18. Platz.

Nach dem Aufstieg schlug Gucher sämtliche Angebote aus, weil er sich mit jenem Verein, bei dem er das Umfeld und den Trainer bestens kennt, in der Serie A etablieren wollte.

„Nach diesem Jahr würde ich aber schon gerne den nächsten Schritt machen. Das ist ein Ziel von mir“, betont das „Team-Baby“.

Womöglich würde dies auch weitere Einberufungen ins Nationalteam erleichtern.


KARIM ONISIWO

Regionalliga, Erste Liga, Bundesliga, Nationalteam – wie Gucher ist auch Karim Onisiwo der Durchmarsch aus der Drittklassigkeit gelungen, allerdings auch dank eines Vereinswechsels von Austria Salzburg zum SV Mattersburg im Sommer 2014.

„Ich habe einen schnellen Aufstieg hinter mir. Darüber bin ich sehr glücklich, es steckt aber auch sehr viel harte Arbeit dahinter. Ich bin jetzt auch viel professioneller dem Sport gegenüber geworden“, betont der Wiener, der sich selbst als „Spätstarter“ bezeichnet.

Was die Profikarriere betrifft, kann man dies auch so stehen lassen. Umso bemerkenswerter ist seine Geschichte.

Was den Erwachsenen-Fußball betrifft, ist er nämlich eher ein Frühstarter. Nach Nachwuchs-Stationen bei diversen Wiener Vereinen, unter anderem bei Rapid und der Austria, entschied er sich gegen den konventionellen Weg.

„Ich bin von der Austria-Akademie abgesprungen und dann einen harten Weg gegangen. Ich bin ziemlich früh mit 16 oder 17 in den Erwachsenen-Fußball eingestiegen und habe versucht, dort Fuß zu fassen. Das war am Anfang natürlich schwierig. Da waren schon ein paar Riegel drinnen, die körperlich dagegen gehalten haben. Aber das macht dich körperlich stark. Dafür lernt man halt in der Akademie sehr viel Taktisches“, sieht Onisiwo Vor- und Nachteile seines Werdegangs.

Vor- und Nachteile, die sich bis in die Gegenwart durchziehen. „Ich habe damals individuell sehr viel gemacht. Zu meinen Vorzügen gehört die Schnelligkeit, dazu das gute Spiel im Eins gegen Eins. Im taktischen Bereich hat der Teamchef schon mit mir gesprochen und mich herangeführt. Da läuft es natürlich ganz anders als im Klub ab. Die Mannschaft hilft mir am Platz aber sehr und coacht mich. Das erleichtert mir die ganze Situation.“

Wie es - wenig überraschend - generell ein „Riesen-Unterschied“ sei, ob man beim ÖFB-Team oder beim SV Mattersburg trainieren würde: „Hier sind sehr viele Legionäre dabei. Spieler, die in ihrer Karriere schon etwas erreicht haben. Dass man mit ihnen trainieren und sich etwas abschauen darf, ist natürlich hervorragend.“

Dass er für seine bisherigen Auftritte in den Einheiten Lob der Kollegen eingeheimst hat, freut den 23-Jährigen umso mehr. Bezüglich Integration in die Gruppe trifft es sich natürlich gut, dass mit David Alaba ein Jugendfreund einer der Teamleader ist.

Wie beim Bayern-Star stammt auch Onisiwos Vater aus Nigeria. Die beiden Papas kennen einander schon lange, weshalb auch die beiden Söhne frühzeitig miteinander in Kontakt kamen:

"David und ich kennen uns von früher privat. Unser Weg hat uns dann auch bei Austria Wien zusammengeführt, wo wir ein paar Jahre zusammengespielt haben"

„David und ich kennen uns von früher privat. Unser Weg hat uns dann auch bei Austria Wien zusammengeführt, wo wir ein paar Jahre zusammengespielt haben. David ist dann in die Akademie gegangen.“

Der Kontakt sei später ein wenig abgerissen, was verständlich sei, wenn jemand einen derart erfolgreichen Weg einschlagen würde wie Österreichs zweifacher Sportler des Jahres.

Onisiwo stammt aus Favoriten, wuchs direkt neben dem FavAC-Platz auf und wohnt immer noch zehn Minuten von dort entfernt. Wie lange noch, steht in den Sternen.

Der Kontrakt bei Mattersburg läuft noch bis Sommer 2017, wobei eine strittig formulierte Klausel für Verwirrung sorgt. Egal wie dieser Vertragsstreit endet: Reif für den nächsten Schritt erscheint die Offensivkraft auf jeden Fall.

„Natürlich will man als Fußballer immer den nächsten Schritt gehen, weiter raufkommen und sich immer weiterentwickeln. Ich hatte bei Mattersburg bis jetzt eineinhalb gute Jahre und bin auch sehr dankbar dafür“, erklärt Onisiwo.

Zu sehr wolle er sich jedoch nicht mit etwaigen Angeboten beschäftigen: „In den Medien hört man, dass es Interessenten gibt, aber ich habe mich damit noch nicht abgegeben. Wir werden uns zusammensetzen und sehen, welche Interessenten es gibt. Dann wird man sehen, wie der Weg weitergeht.“

Auch für Onisiwo gilt wohl: Klappt es mit dem Debüt in einem Nationalteam, das zurzeit international für Aufsehen sorgt, ist dies für den eigenen Marktwert bestimmt kein Nachteil.


Peter Altmann

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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