Josef Kühbauer: Der Bruder des "ruhigeren" Didi

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Am Samstagabend steigt der LASK in das Geschehen im ÖFB-Cup ein (20:30 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker). Die von Dominik Thalhammer trainierten Athletiker treffen in Wiener Neustadt auf den ASV Siegendorf, angeführt von Cheftrainer Josef Kühbauer.

Der Nachname hat im österreichischen Fußball durchaus Gewicht, Josef ist der knapp dreieinhalb Jahre ältere Bruder von Ex-ÖFB-Nationalspieler Didi Kühbauer, dem jetzigen Rapid-Trainer.

Sowohl der LASK als auch Siegendorf absolvieren am Samstag ihr erstes Pflichtspiel der neuen Saison. Dieses hätten die Burgenländer schon längst abhalten sollen, ein Coronafall machte dies aber zu nichte.

Trainer Josef Kühbauer erklärt im LAOLA1-Interview, was zur großen Cup-Sensation notwendig ist und spricht außerdem über die Posse um die Regionalliga Ost, den SV Mattersburg und seinen Bruder.

LAOLA1: Die heurige Vorbereitung war durch Corona und das Theater um die Aufstockung der Regionalliga Ost durchaus turbulent. Wirkte sich das auf die sportliche Arbeit mit dem Team aus?

Kühbauer: Auf jeden Fall war es anders. Wir mussten selbst eine Woche zuhause bleiben. Das ist alles ein bisschen Neuland für uns. Eine Woche aus dem Training hinaus zu müssen, ist nicht wirklich förderlich gewesen in der Vorbereitung. Aber das ist leider so.

LAOLA1: Am Samstag steht das erste Pflichtspiel mit dem Duell im Cup gegen den LASK an. Wie ist die Erwartungshaltung? Träumen ist zwar erlaubt, Favorit ist man naturgemäß aber nicht.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Weitere Videos

Kühbauer: Man muss schon ein bisschen realistisch bleiben. Wenn alles für uns rennt, dann ist es möglich. Aber wir wissen, dass das eine Top-drei-Mannschaft in Österreich ist, die einen hervorragenden Fußball gespielt hat im letzten Jahr, eine sehr gute Mannschaft hat. Nichtsdestrotz müssen wir an unsere Chance glauben.

LAOLA1: Warum könnte die Überraschung gelingen?

Josef Kühbauer als Kapitän des SV Mattersburg im Cup-Spiel gegen Rapid im September 1998. Die Hütteldorfer gewannen auswärts mit 5:3.
Foto: © GEPA

Kühbauer: Im Fußball ist alles möglich. Wir wissen, wie schwer es wird. Der LASK muss ganz einen schlechten Tag haben, alle 15, 16 von uns müssen einen perfekten Tag haben, dann ist es möglich. Wenn man realistisch ist, na klar, das ist unheimlich schwer. Die Chancen stehen sicherlich nur eins zu 99, aber wenn man nicht an das eine Prozent glaubt, darf man gar nicht spielen.

LAOLA1: In Ihrem Kader gibt es den einen oder anderen Ex-Profi. Vor allem das Trio Dober, Prosenik, Drazan sticht heraus. Was bringen die drei für den Rest des Kaders mit?

Kühbauer: Drazan ist verletzt, kann ja leider nicht spielen, ist aber menschlich schwerst in Ordnung. Ganz ein toller Bursch. Na klar, sie bringen die Erfahrung mit, das professionelle Auftreten. Das den Jungen weiterzugeben, das ist schon super so. Ein paar Tipps während des Trainings, während des Spiels, das ist nur förderlich.

LAOLA1: Muss sportlich das Ziel der Kampf um den Meistertitel in der Burgenlandliga und der Aufstieg in die Regionalliga Ost sein?

Kühbauer: Das wollen wir unbedingt, na ganz klar. Das ist gar kein Thema. Das ist das oberste Ziel, obwohl wir wissen, dass es heuer schwerer wird. In der vergangenen Saison hätten wir es hundertprozentig geschafft. Heuer wird es schwerer, weil Parndorf nachgerüstet hat. Aber nichtsdestotrotz: Unser Ziel ist und bleibt der Meistertitel.

Jeder, der vom Fußball kommt weiß, dass das sicher nicht die richtige Entscheidung war.

Josef Kühbauer über die verpasste Aufstockung der Regionalliga Ost.

LAOLA1: Man hätte durch das Aus des SV Mattersburg die Chance gehabt, in die Regionalliga Ost aufzusteigen, wenn diese aufgestockt worden wäre. Auf der Vereinswebsite findet sich ein wortgewaltiges Statement zur Causa. Welche Lösung hätten Sie in Anbetracht der Gesamtsituation bevorzugt?

Kühbauer: Wenn wir uns ehrlich sind, es geht um Fußball und nicht um Vereine. Vor einem Monat war ein Platz frei, dann haben sie sich zusammengesetzt und haben gesagt: "Es geht nicht, denn es wollen drei aufsteigen." Sie können sich nicht einigen. Zwei Wochen später sind dann drei Plätze frei, man kann sich nicht einigen, und dann will man die nicht aufsteigen lassen. Ganz ehrlich, ich verstehe das nicht. Man will immer das beste für die Vereine, dann muss ich auch schauen, dass ich die Regionalliga aufstocke. Und jetzt werden alle Vereine, die im letzten halben Jahr gut geführt wurden, bestraft. Die, die schlecht gearbeitet haben und deswegen nicht absteigen können, sind belohnt worden. Das ist für mich unverständlich, muss ich ganz ehrlich sagen.

LAOLA1: Als Aufstiegsaspirant, der im nächsten Jahr in der Regionalliga spielen könnte: Finden Sie, dass die Regionalliga wie ein "Beiwagerl" zu den einzelnen Landesligen geführt wird?

Kühbauer: Diesen Anschein macht es zur Zeit. Sonst hätte man es aufgestockt.

LAOLA1: Glauben Sie, dass die Landespräsidenten Angst vor den weiteren möglichen Konsequenzen hatten? Wurde zu mutlos agiert?

Kühbauer: Ich will da nicht viel reden. Es ist alles gesagt worden. Sie wollten es nicht, deswegen haben sie nicht gemacht. Ich glaube, wenn man etwas will, dann wäre das sicher gegangen. Ich weiß, dass bei uns Deutschkreutz nicht aufsteigen hätte wollen. Das ist jetzt so. Jeder, der vom Fußball kommt weiß, dass das sicher nicht die richtige Entscheidung war.

LAOLA1: Das Ende des SV Mattersburg sorgte in den letzten Wochen für Schlagzeilen. Was bedeutet das für den Fußball im Burgenland?

Kühbauer: Das ist sicherlich nicht förderlich gewesen, weil man jetzt wirklich keinen Spitzenverein mehr hat. Den jungen Burschen, die in der Akademie in Mattersburg sind, fehlt die Perspektive. Es kann sein, dass das eine oder andere Talent sagt, dass er nicht nach Mattersburg (in die Akademie, Anm.) geht, sondern woanders hin, vor dem Hintergrund Bundesliga zu spielen. Was wirklich kommt, wird man in den nächsten fünf, sechs Jahren sehen.

LAOLA1: Glauben Sie, dass der burgenländische Profifußball nachhaltig beschädigt ist, wenn der Verein mit der größten Strahlkraft wegfällt?

Kühbauer: Ich glaube nicht, dass in den nächsten Jahren ein Verein aus dem Burgenland in den Profibetrieb einsteigt. Ich kann mir keinen Verein vorstellen, der das finanziell aushalten würde.

Dass man das mit 1.000 oder 2.000 Zuschauen nicht finanzieren kann, ich glaube, das war jedem klar.

Josef Kühbauer über den SV Mattersburg

LAOLA1: Sie waren selbst in Matterburg aktiv. Wie haben Sie den Absturz aus persönlicher Sicht miterlebt?

Kühbauer: Ich kenne Herrn Pucher sehr lange und ich hätte ihm das so nicht zugetraut. Ich sage ganz ehrlich, es war ein Schock. Das hat in diesem Ausmaß keiner für möglich gehalten. Es tut natürlich unheimlich weh. Für die Stadt Mattersburg ist das ganz, ganz traurig. Es ist auch nicht in Ordnung gewesen, so wie es war. Das war nicht in Ordnung, das hat so keiner wollen.

LAOLA1: Sie sprechen vom Schock. Hinter vorgehaltener Hand wunderte sich der eine oder andere, wo das Geld herkam und wie der Verein finanziert werden konnte. Haben Sie sich darüber auch das eine oder andere Mal darüber Gedanken gemacht?

Kühbauer: Das ist ja schon lange ein Thema. Wenn man ein bisschen im Geschäft ist, weiß man, wie viel bezahlt wird und das natürlich nicht zusammen laufen kann. Man hat halt geglaubt, dass er andere Connections hat, oder es Gönner gäbe. Aber, dass das in diesem Ausmaß ist, hat keiner geglaubt. Dass man das mit 1.000 oder 2.000 Zuschauen nicht finanzieren kann, ich glaube, das war jedem klar.

Er ist ja mittlerweile ziemlich ruhig geworden.

Josef Kühbauer über seinen Bruder

LAOLA1: Auch ihr Bruder war sehr lange in Mattersburg. Er hat am Mittwoch mit Rapid Lokomotiva Zagreb ausgeschalten. Verfolgen Sie seine Mannschaften genauer, weil er Ihr Bruder ist, oder spielt das keine Rolle?

Kühbauer: Na auf jeden Fall. Familie ist Familie, das ist ganz wichtig. Wenn es ihm gut geht, geht es uns allen gut. Ich weiß, dass das letzte halbe Jahr unheimlich schwer war. Es war enorm, dass er das Mittwoch geschafft hat, das erste Etappenziel geschafft ist.

LAOLA1: Etwas, was man Ihrem Bruder immer wieder nachsagt und er auch zeitweise bewiesen hat, ist sein hitziges Auftreten an der Seitenlinie oder in Interviews nach dem Spiel. Wie ist das als Bruder, weil man doch die andere, private Seite kennt?

Kühbauer: Ich finde, dass es schon viel besser ist. Am Anfang war es sicher so, wie Sie gesagt haben. Er ist ja mittlerweile ziemlich ruhig geworden. Wenn wir aber ehrlich sind: Mittlerweile haben wir nur mehr Leute, die sagen, was die Leute hören wollen. Mittlerweile kann man nicht mehr sagen, was man sich denkt. Das ist auch nicht gut, glaube ich. Wenn man ein Interview führt und immer nur das sagt, was jeder sagt, ist das interessant für einen Reporter?

LAOLA1: Nein, natürlich nicht.

Kühbauer: Das haben wir ja mittlerweile, oder? Wenn man sich die Interviews ansieht, ist jedes Interview gleich. Mein Bruder hat sich sehr stark verbessert, ist viel ruhiger geworden, klar. Man muss aber sagen: Der Druck ist auch enorm. Er wird natürlich anders gemessen. Wenn er etwas sagt, ist es gleich ein Wahnsinn. Wenn wer anderer viel mehr gelbe Karten hat, ist das halt normal.

LAOLA1: Ist Ihr Bruder vielleicht einer der letzten verblieben Typen im österreichischen Trainerbereich?

Kühbauer: Das weiß ich nicht, das will ich nicht behaupten. Wenn man es durchgeht, sind nicht mehr viele Typen da. Wenn ich so nachdenke, ist er sicher einer der letzten, der ein Typ ist.

Textquelle: © LAOLA1.at

Bundesliga: Sturm Graz holt Enocks Bruder Francisco Mwepu

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare