Living in America: Die Geschichte des Max Moser

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NCAA-Tournament, dritte Runde: Die Duke Blue Devils müssen im Endturnier der US-College-Meisterschaft gegen Fordham ins Elfmeterschießen. Duke steckt drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den 2:2-Ausgleich ein, mit dem selben Spielstand geht es in die Entscheidung.

Maximilian Moser tritt beim Stand von 7:8 zum Elfmeter an. Der junge Vorarlberger ist mit seinen beiden Assists in der regulären Spielzeit ausschlaggebend dafür, dass die Blue Devils es überhaupt ins Elfmeterschießen geschafft haben. Der 20-Jährige verschießt, die Saison der Duke Blue Devils ist vorbei.

"Im Elfmeterschießen zu verlieren ist natürlich bitter, dass es mich getroffen hat, doppelt", sagt Moser im Gespräch mit LAOLA1.

"Dass meine Assists uns dahin gebracht haben, tröstet in dem Moment wenig. Es ist schade, wenn du gegen ein klar unterlegenes Team, das nach 90 Minuten nur zwei Torschüsse hatte, das Match in den letzten Minuten abgibst und dann nach zehn Runden im Elfmeterschießen verlierst. Aber das ist eben Fußball."

Duke ist mit großen Hoffnungen in das Turnier gegangen, die an Platz sechs gereihte Mannschaft von Trainer John Kerr hätte in der nächsten Runde gegen den großen Rivalen North Carolina gespielt.

Doch trotz der Enttäuschung schaut Moser positiv auf die Saison zurück: "Wir können mit der abgelaufenen Saison sehr zufrieden sein, hätten es aber auch weiter schaffen können. Nach der Enttäuschung überwiegt jetzt aber die Freude darüber, dass wir gegen die Top-Mannschaften in Amerika gezeigt haben, dass wir oben mitspielen können. Das war für das ganze Team eine tolle Erfahrung."

Nicht die übliche Fußball-Karriere

Max Moser spielte in der Saison 2015/16 für Austria Lustenau
Foto: © GEPA
Der Weg Mosers ist nicht die Standard-Karriere eines Fußballers. Moser wechselte aus der Jugendmannschaft von Viktoria Bregenz zur Akademie Vorarlberg. 2015 nimmt Austria Lustenau den damals 18-Jährigen unter Vertrag. Der junge Verteidiger pendelt in seinem einzigen Jahr bei der Austria zwischen Erste Liga und Landesliga. Für die Amateure kommt Moser 13 Mal zum Einsatz. Bei den Profis sitzt er zumeist auf der Bank, kommt zu fünf Einsätzen, zwei davon von Beginn.
Warum entscheidet man sich als aufstrebender Jung-Profi für den Sprung in die US-amerikanischen College-Ligen? "Ich wollte Studium und Sport kombinieren, was in Österreich bedeutet hätte, dass die Erste Liga kein Thema mehr gewesen wäre. Deshalb habe ich mich nach einem Jahr bei der Austria schweren Herzens entschieden den Verein zu verlassen und nach Amerika zu gehen", begründet Moser den Schritt.
Das sei kein Rückschritt gewesen, im Gegenteil: "Die Möglichkeiten die man in Amerika als junger Spieler geboten bekommt, sind unglaublich. In Europa weiß kaum jemand, wie professionell und hart hier gearbeitet wird."
Moser schwärmt von der Professionalität bei Duke: "Wenn du zu deinen Spielen fliegst, von Nike komplett ausgerüstet wirst, Fitnesstrainer hast, die dir jeder Zeit zur Verfügung stehen und auf den besten Anlagen trainieren kannst, dann hast du definitiv bessere Möglichkeiten als bei manchen Klubs zu Hause."

"Auf Du" mit Fjörtoft und Pulisic

Bei den Blue Devils spielen zwei große Namen, auch wenn andere Träger wohl bekannter sind. Der Sohn von Rapid-Wien-Legende Jan Aage Fjörtoft, Markus, schnürte für die letzten drei Jahre seine Schuhe für Duke. Fjörtoft ist nächste Saison nicht mehr in der NCAA spielberechtigt, da er als "Senior" das Alters-Limit überschritten hat.

"Markus ist für mich ein Vorbild, vor allem weil er als Kapitän großen Anteil daran hatte, unsere Mannschaft wieder unter die besten Teams in Amerika zu bringen", schwärmt Moser vom 23-jährigen Norweger.

Doch nicht nur auf dem Platz erwies sich Fjörtoft als wichtig: "Wir verbringen neben dem Platz viel Zeit miteinander, er ist ein cooler Typ und hat mir auch extrem geholfen, mich hier einzuleben."

Fjörtoft hat nun die Chance sich beim so genannten Combine für Teams aus der MLS zu empfehlen. Moser ist von der Qualität Fjörtofts überzeugt: "Ich weiß, dass er als Spieler genug Qualität hat, sich dort dann auch durchzusetzen."

Doch nicht nur den jungen Fjörtoft durfte der gebürtige Bregenzer bereits kennenlernen, Vater Jan Aage ist gelegentlich in North Carolina zu Gast. "Er war dieses Jahr für das ein oder andere Spiel am Campus und freut sich immer, wenn er mit jemandem Deutsch sprechen kann."

Der andere bekannte Name im Team der Blue Devils ist Pulisic. Will Pulisic, um genau zu sein. Der Cousin von Dortmund-Shooting-Star Christian steht für Duke zwischen den Pfosten. "Will ist auf und neben dem Platz ein super Typ. Er hat diese Saison des öfteren ein Spiel für uns gerettet", meint Moser.

Geballte "Ländle-Power"

Neben dem dreimaligen-U-19-Nationalspieler Moser steht noch ein weiterer Vorarlberger im Kader der Duke Blue Devils, nämlich Matthias Frick. Moser und Frick kennen sich gut, die beiden spielten in der Akademie Vorarlberg miteinander, gingen im Ländle auf die gleiche Schule. "Wir sind sehr gute Freunde. Er ist über die gleiche Agentur wie ich nach Amerika gekommen und wurde Duke als neuer Spieler vorgeschlagen."

Moser spielte beim Wechsel von Frick eine wichtige Rolle: "Ich habe dann natürlich öfters mit ihm telefoniert und mich auch mit den Trainern getroffen, um über ihn zu reden. Ich bin froh, dass die Trainer sich dann auf mich verlassen haben und sich entschieden haben, ihn auch nach Durham zu holen."

Auch Frick war von der Möglichkeit an einer der besten Universitäten der USA studieren und spielen zu können begeistert: "Er war überwältigt, was Duke zu bieten hat und konnte dann genau so wenig wie ich nein sagen."

(Text wird unter Diashow fortgesetzt)

Duke University – Harvard des Südens

Moser ist nicht nur zum Fußballspielen in die USA gegangen, er studiert an einer der renommiertesten Universitäten des Landes. Duke wurde 1838 gegründet und befindet sich in Durham, North Carolina. Die Schule ist Sportfans als Brutstätte einiger der besten Basketballer der NBA bekannt. Shane Battier, Kyrie Irving, Grant Hill und andere spielten unter dem legendären "Coach K" Mike Krzyzewski.

Moser (11) und Duke vor dem Spiel gegen Fordham
Foto: © Duke Athletics

Hunderte bekannte Politiker (u.a.: Richard Nixon), Geschäftsleute (u.a.: Apple-CEO Tim Cook), Schauspieler und andere erfolgreiche Menschen, beendeten an der Top-Uni ein Studium.

Welches Studium Moser einmal abschließen möchte, steht noch nicht fest: "Auf vielen Universitäten in Amerika musst du dich erst nach deinem zweiten Studienjahr festlegen, was du studieren möchtest. Ich habe bisher einige Kurse genommen, die mir für ein Medizinstudium angerechnet werden können - ich habe mich aber noch nicht festgelegt. Ich will mir meine Optionen noch möglichst lange offen halten und sehen, was mich sonst noch alles interessiert. Ich finde dieses System zu studieren wirklich sehr gut."

Moser bekommt die Balance zwischen Fußball und Studium gut hin, er hat Auszeichnungen für seine sportlichen als auch für seine akademischen Leistungen erhalten. "Ich muss mir auf jeden Fall meine Zeit gut einteilen, vor allem während der Saison weil dir die Kombination aus Studium und Sport schon einiges abverlangt", weiß der College-Kicker.

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Sein Elternhaus und seine bisherige Schule in Vorarlberg sieht der 20-Jährige als wichtigen Faktor: "Meine Zeit an der Mehrerau und meine Eltern haben auf jeden Fall großen Anteil daran, dass ich immer probiere, mein Bestes zu geben."

Die Umstellung vom Leben in Österreich zum Studieren in den Staaten bezeichnet Moser als "schnell und problemlos". Sportlich war der Wechsel in die USA schnell überwunden: "Die Mannschaft und die Trainer haben mich super aufgenommen. Der Teamgeist, den wir hier jeden Tag erleben, ist typisch für Amerika und ein Grund dafür, warum ich es so genieße hier."

Akademisch war der Schritt groß, doch auch diesen meisterte er mit Bravour: "Akademisch war ich die ersten Monate gefordert - vom Ländle Gymnasium an eine Top Uni, der Wechsel hatte es in sich. Aber ich bin sehr zufrieden, für schlechte Noten bin ich zu ehrgeizig."

"An der Duke musst du einfach Basketball Fan sein!"

Moser damals in der Ersten Liga
Foto: © GEPA

Für Hobbies bleibt neben Sport und Uni wenig Zeit: "Meine Woche ist während der Saison komplett verplant. Mit Hausübungen, Prüfungen und Auswärtsspielen bleibt da manchmal kaum mehr Zeit. Ich versuche während der Woche immer wenigstens einen Tag zu haben, wo ich mich weder auf die Schule, noch auf Fußball konzentriere. Zweiteres fällt mir schwerer, ich verbringe den freien Tag dann meistens doch auf dem Fußballplatz, um selber noch ein bisschen zu trainieren."

Die bekannte Basketball-Mannschaft der Universität hat mit dem Vorarlberger einen großen Fan: "Ich bin ein großer Duke-Basketball-Fan, da wir Sportler freien Eintritt und manchmal auch Sitzplatzkarten bekommen und die beste Basketballmannschaft in Amerika spielen sehen können."

"Hin und wieder bin ich auch auf Damen-Spielen, natürlich nur aus sportlicher Neugierde", schaut Moser auch den weiblichen Kickern auf die Beine.

"Die Universität nützt jede Möglichkeit aus, alle Sportler so oft wie möglich zusammen zu bringen. Wir haben einige Gebäude an der Uni, zu denen nur Sportler Zugang haben, wo wir uns dann auch hin und wieder treffen und miteinander essen. Zusätzlich treffe ich den einen oder andern auch in den Kursen, die ich besuche", erzählt Moser zur Verbindung zu den anderen "Student-Athletes", wie die Sportler in den USA genannt werden.

"Es ist immer wieder cool zu sehen, wenn es jemand in die NBA schafft und du noch kurz davor zusammen mit den Spielern in einem Kurs gesessen bist und die Chance hattest, sie persönlich kennen zu lernen."

Die Basketballer genießen die meiste Aufmerksamkeit, doch als Fußballer ist man am Duke-Campus auch kein Unbekannter, wie Moser schildert. "Fußball wird in den Staaten und auch bei uns am Campus immer populärer. Dadurch, dass wir eine starke Saison gespielt haben, sind auch dementsprechend mehr Zuschauer zu unseren Spielen gekommen."

Sogar Professoren kommen zu den Heimspielen der Blue Devils. Das Leben als Uni-Sportler hat laut Moser seine Vorteile: "Als Sportler bist du an amerikanischen Universitäten generell sehr angesehen und wirst auch dementsprechend behandelt."

"The world in Vorarlberg is too small", oder?

Von Durham selbst bekommt Moser wenig mit, er verbringt die meiste Zeit auf dem Campus, der flächenmäßig ungefähr so groß wie Bregenz ist.

Wie es für Moser in der Zukunft weiter gehen soll, weiß er heute noch nicht, viel mehr konzentriert er sich auf die Gegenwart: "Ich sehe meine Zeit hier an der Duke University einfach als eine riesen Chance, die ich so vielleicht nie wieder bekomme. Ich probiere auf dem Platz und auf der Universität mein Bestes zu geben, um mir alle Möglichkeiten für die Zukunft offen zu halten. Wenn ich mit dem Studium fertig bin und auf und neben dem Platz überzeugen konnte, habe ich idealerweise die Entscheidung zwischen einem Top-Job oder der MLS. Beides wäre mir sehr sympathisch."

Ob der 20-Jährige, egal ob als Fußballer oder nicht, nach Österreich zurückkehrt, oder er sein dauerhaftes Zuhause in den USA sieht, steht noch nicht fest: "Ich genieße mein Leben in Amerika, ob ich aber für immer auf meine Heimat verzichten kann, wird sich zeigen. Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, die nächsten Jahre in Amerika zu verbringen."

Ob es Moser ohne Mamas Küche, die er sehr vermisst, in den USA aushalten wird, steht in den Sternen. Zeit das Herauszufinden, hat Maximilian Moser noch genug.


Textquelle: © LAOLA1.at

Deutsche Bundesliga: Rückblick auf die Hinrunde 2017/18

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