Ivanschitz greift nach historischem Titel

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Andreas Ivanschitz und die Seattle Sounders greifen in der Nacht auf Sonntag (2:00 Uhr MEZ) nach einem historischen Erfolg.

Für den Burgenländer und seinen Klub geht es im Finale gegen den Toronto FC um den ersten Meistertitel in der Major League Soccer (MLS). Ivanschitz wäre der erste Österreicher, der die MLS gewinnt.

"Jeder ist überglücklich, im Endspiel zu sein, und wenn man so nahe am Ziel ist, will man natürlich auch den Titel", sagt der 33-Jährige der APA.

Am letzten Drücker in die Playoffs

Dass es Ivanschitz und die Sounders überhaupt bis ins MLS-Finale schafften, grenzt schon an ein kleines Wunder - noch Mitte Juli lag der Klub aus dem Nordwesten der USA in der Western Conference auf dem letzten Platz. "Die Experten haben uns nur noch eine siebenprozentige Chance auf die Play-offs gegeben", erzählt Ivanschitz.

Dann aber gelang die Wende: Die Sounders landeten in der Regular Season der Western Conference noch an der vierten Stelle und gewannen in der Folge die K.o.-Duelle mit Sporting Kansas City, FC Dallas und den Colorado Rapids. Nun geht es gegen den Toronto FC, der in der Regular Season im Osten Dritter wurde und deshalb im Endspiel vor eigenem Publikum antreten darf.

"Wegen des Heimvorteils ist Toronto wahrscheinlich ein bisschen zu favorisieren, aber in einem Finale kann viel passieren", erklärt Ivanschitz vor der Partie im über 30.000 Zuschauer fassenden BMO Field, wo Österreichs U20-WM-Vierte 2007 drei Partien absolvierten.

Herausragende Spieler des Final-Kontrahenten sind Ex-Juventus Profi Sebastian Giovinco sowie die US-Teamspieler Jozy Altidore und Michael Bradley. Die beiden Letzteren verloren übrigens 2007 im US-Dress das U20-WM-Viertelfinale in Toronto gegen Österreich mit 1:2 nach Verlängerung.

Mittlerweile zählt das Duo im US-A-Team und gemeinsam mit Giovinco auch bei Toronto zu den großen Stützen. "Dieses Dreieck hat enormes offensives Potenzial, da gilt es kompakt und aggressiv zu verteidigen", fordert Ivanschitz.

"US-Fußball wird jedes Jahr besser"

Der 33-Jährige kam im Sommer 2015 zu den Sounders und brachte es in der laufenden MLS-Saison auf 30 Spiele, 3 Tore und 8 Assists. Dabei stellte er fest, dass das Niveau der Liga nicht so hoch wie jenes im spanischen oder deutschen Oberhaus sei. "Aber in den Play-offs wird das Tempo höher. Und generell wird der US-Fußball jedes Jahr besser", meinte der frühere Mainz- und Levante-Legionär.

Bei Seattle ist Ivanschitz im 4-2-3-1-System von Coach Brian Schmetzer die Rolle als linker Flügel zugedacht. "Da kann ich auch in die Mitte ziehen", sagt der Burgenländer, der auch zu den Ausführern der Standard-Situationen zählt.

Zuletzt musste er allerdings wegen einer Innenbandverletzung im Knie sechs Wochen pausieren. Sein Comeback gab Ivanschitz am 23. November im Hinspiel gegen Colorado, bei der Retourpartie vier Tage später stand er bereits in der Startformation und wurde in der 51. Minute ausgetauscht. "Natürlich fehlt mir noch die Zeit für die komplette Matchfitness, aber ich versuche, bis zum Spiel noch so viel wie möglich aufzuholen."

Bleibt Ivanschitz bei Seattle?

Im Falle seines Einsatzes wäre Ivanschitz, der als Profi erst einen Titel holte (Meister 2005 mit Rapid), der erste aktive Österreicher in einem MLS-Finale. Emanuel Pogatetz' Klub Columbus Crew verlor das Vorjahres-Endspiel, wobei der Steirer damals aber nicht im Kader stand. Andreas Herzog mit LA Galaxy 2004 und Michael Gspurning mit den Sounders 2012 kamen bis ins Semifinale.

Der Goalie blieb zwei volle Jahre in Seattle - wie lange der Aufenthalt von Ivanschitz beim Verein aus der 650.000-Einwohner-Stadt noch dauern wird, ist offen. Sein Vertrag läuft mit Jahresende aus. "Wir setzen uns erst nach dem Finale zusammen, es gibt noch keine Tendenz. Ich würde mich freuen, wenn ich verlängern könnte."

Der Burgenländer hat sich mit seiner Frau und den drei Kindern im Alter von neun, sechs und zwei Jahren im Nordwesten der USA gut eingelebt, auch wenn die Entfernung zur Heimat groß und die Kommunikation mit Freunden und Verwandten aufgrund des Zeitunterschieds von neun Stunden schwierig ist. "Es ist eine aufregende Zeit und eine komplett neue Erfahrung für uns", erzählt Ivanschitz, der mit seiner Familie ein Haus in der 120.000-Einwohner-Stadt Bellevue 15 Minuten von Seattle entfernt bezogen hat.

40.000 Zuschauer pro Spiel

Seattle sei eine "extrem sportbegeisterte Stadt", berichtet der Mittelfeldspieler - allerdings ohne einen NBA- oder NHL-Klub. Vielleicht ist das ein Mitgrund, warum es die 2009 in die MLS eingestiegenen Sounders mit über 40.000 Zuschauern bei Heimspielen auf den höchsten Schnitt der gesamten Liga bringen. "Allein schon deswegen wäre es an der Zeit, den Fans einen Titel zu schenken", betonte Ivanschitz.

Mit einem Finalerfolg würde für den Linksfuß ein Traum in Erfüllung gehen. Jener von einer Rückkehr in die Nationalmannschaft dürfte wohl Illusion bleiben. Seit seinem Wechsel in die USA vor eineinhalb Jahren hat es laut Ivanschitz kaum Kontakt mit Teamchef Marcel Koller gegeben.

Bei der Bekanntgabe des EM-Großkaders im vergangenen Mai schien der Mittelfeldspieler noch auf der Abrufliste auf, seither aber wurde er auch nicht mehr in den erweiterten Kreis berufen. Damit könnte sein 69. Länderspiel am 3. Juni 2014 beim 2:1 im Testspiel auswärts gegen Tschechien das letzte gewesen sein.

Von den jüngsten Auftritten der ehemaligen ÖFB-Kollegen sah der zwölffache Team-Torschütze in den USA zumeist nur zeitversetzt die Highlights. "Sie hatten ein bisschen ein schwieriges Jahr", vermutet Ivanschitz.

Textquelle: © LAOLA1.at

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