"Rijeka war eine Notlösung, aber..."

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Alexander Gorgon mischt mit HNK Rijeka die kroatische Liga auf.

Der Ex-Austrianer liegt elf Runden vor Schluss vier Punkte vor Dinamo Zagreb an der Spitze. "Wenn wir kühlen Kopf bewahren, könnte das Unmögliche tatsächlich möglich werden", sagt der 28-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Die Situation erinnert den neunfachen Saisontorschützen, der im August 2016 nach Kroatien wechselte, stark an die letzte Meistersaison mit den Veilchen (2012/13).

"Es ist relativ ähnlich. Auch Rijeka hat sich sehr lange bedeckt gehalten. Doch je länger wir den Abstand in der Tabelle zu Zagreb halten konnten, desto mehr haben wir signalisiert, dass wir Meister werden wollen."

Es wäre der erste Meistertitel für Rijeka in der Vereinsgeschichte.

VIDEO: Fan jagt Schiri bei Rijeka-Spiel mit Greifzange!

(Artikel wird nach VIDEO fortgesetzt)

Im großen LAOLA1-Interview spricht Alexander Gorgon über den unglaublichen Lauf seines neuen Klubs, seine Eindrücke von Kroatien und das ÖFB-Team.

LAOLA1: Alex, es läuft bei HNK Rijeka und dir. So hast du dir dein neues Abenteuer wohl nicht einmal in deinen kühnsten Träumen vorgestellt.

Alexander Gorgon: Natürlich wollte ich so erfolgreich wie möglich sein, aber dieser Lauf war nicht vorhersehbar. Wir liegen vier Punkte vor Dinamo Zagreb an der Tabellenspitze. Das ist einfach eine riesengroße Überraschung. Zagreb hat im letzten Jahrzehnt den Fußball in Kroatien geprägt, wurde zehn Mal in Folge Meister.

LAOLA1: Spürt man bei deinem Klub, dass heuer etwas ganz Besonderes passieren könnte - ihr steht immerhin auch schon im Cupfinale?

Gorgon: Man merkt, dass die ganze Stadt den Fußball lebt. Wenn man zum Beispiel Spazieren geht und dabei mit Leuten redet, dann sagen sie dir: „Hey, ihr habt es geschafft, dass ich mich am Montag schon wieder auf das Wochenende freue, weil ich euch dann wieder bei einem Fußballspiel zuschauen kann.“ Das Feedback ist einfach unheimlich positiv. Rijeka ist keine große Stadt, deswegen ist man mit relativ vielen Menschen tagtäglich konfrontiert. Alle beim Verein sind extrem aufgeblüht, es herrscht eine positive Anspannung. Es wäre der erste Meistertitel für den Klub. Wenn man genau zu dieser Zeit ein Teil der Mannschaft ist, auch regelmäßig zum Einsatz kommt und einiges zum Erfolg beiträgt, wäre es etwas für die Ewigkeit. Die Kollegen, die schon länger hier sind, haben gesagt, dass wenn wir tatsächlich Meister werden, dann würden wir einen ganz besonderen Status in Rijeka erhalten.

LOALA1: Fühlst du dich ein bisschen an die letzte Meistersaison der Austria in der Saison 2012/13 zurückversetzt?

Gorgon: Ja, es ist eine relativ ähnliche Situation. Es ist hier genauso, wie damals bei der Austria, als lange nicht darüber gesprochen wurde, dass der Meistertitel das Ziel ist. Auch Rijeka hat sich sehr lange bedeckt gehalten. Es hieß nur: Wir wollen Dinamo ärgern, aber es gibt diesen großen finanziellen Unterschied… Doch je länger wir den Abstand in der Tabelle zu Zagreb halten konnten, desto mehr haben wir signalisiert, dass wir Meister werden wollen. Das war bei der Austria nach der Winterpause genauso. Eine weitere Parallele ist, dass wir in dieser Saison fast keine Verletzten haben und viele Akteure am Limit spielen – sie können einfach Woche für Woche ihre Topleistung abrufen. Wir spielen zwar jetzt nicht mehr so souverän wie im Herbst, gewinnen aber dennoch. Wenn wir kühlen Kopf bewahren, könnte das Unmögliche tatsächlich möglich werden.

Alle österreichischen Torschützen in der Premier League:

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MARKO ARNAUTOVIC: 22 Tore

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Der ÖFB-Teamspieler ist seit September 2013 für Stoke City aktiv.

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PAUL SCHARNER: 21 Tore:

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Der Niederösterreicher absolvierte für Wigan Athletic und West Bromwich 221 Matches in der höchsten englischen Spielklasse.

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ANDREAS WEIMANN: 17 Tore

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Der Wiener spielte für Aston Villa 113 Mal in der Premier League. Zurzeit ist er bei Wolverhampton in der Championship, in der er auch schon für den FC Watford und Derby County kickte.

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EMANUEL POGATETZ: 4 Tore

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Der Steirer absolvierte für Middlesbrough und West Ham 116 Partien in der Premier League.

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SEBASTIAN PRÖDL: 3 Tore:

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Der Steirer verteidigt seit Sommer 2015 für den FC Watford in der Premier League.

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CHRISTIAN FUCHS: 2 Tore

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Der Niederösterreicher wechselte im Sommer 2015 zu Leicester City und krönte sich mit dem Underdog 2016 sensationell zum Meister.

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STEFAN MAIERHOFER: 1 Tor

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Der Stürmer kam neun Mal für Wolverhampton in der Premier League zum Einsatz und netzte im September 2009 gleich bei seinem Debüt gegen Blackburn.

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LAOLA1: NK Rijeka hat in dieser Saison noch kein Spiel verloren – sei es Meisterschaft, Cup, oder sogar Europa-League-Quali. Das ist doch unglaublich, oder?

Gorgon: Das ist eine schöne Serie für die Bücher. Wir denken vor einem Spiel aber nicht daran, obwohl es natürlich schon ein bisschen beflügelt, denn es zeigt, dass es ganz schwer ist, gegen uns zu gewinnen. Es ist eine schöne Sache für den Kopf. Zuletzt wurde auch darüber berichtet, dass wir die einzige europäische Mannschaft sind, die noch nicht verloren hat. Das ist natürlich auch etwas Schönes.

LAOLA1: Es scheint, als hättest du deine Form aus der Vorsaison konservieren können: Neun Tore und ein Assist in 16 Spielen sprechen eine klare Sprache. Ist es dir leicht gefallen, so schnell Fuß zu fassen?

Gorgon: Dazu gehört auch ein wenig Glück. Ein paar Sachen müssen einfach aufgehen. Ich habe aber auch sehr viel dafür gemacht. Ich hatte keine leichte Vorbereitung, da ich quasi zwei Monate auf Vereinssuche war und nur individuell trainiert habe. Dabei bin ich jeden Tag ans Limit gegangen, habe mich teilweise selbst gequält. Ich bin meinem Papa sehr dankbar, er hat mich dabei sehr unterstützt. Ich bin topfit zu Rijeka gekommen und habe nur etwa eine Woche gebraucht, um mich an den Mannschaftsbetrieb zu gewöhnen. Im Team sind super Charaktere. Du wirst sofort herzlich aufgenommen. Viele sind es auch gewöhnt, dass Jahr für Jahr eine neue Mannschaft zusammengestellt wird, weil der Klub vom Verkauf von Spielern lebt.

LAOLA1: Du hast dich in einem deiner ersten Spielen gleich mit einem Doppelpack gegen Dinamo Zagreb vorgestellt. Das war bestimmt hilfreich.

Gorgon: Ich wollte mich in diesem Spiel unbedingt beweisen. Denn eine Woche zuvor bin ich gegen den Letzten Cibalia beim Stand von 0:0 für die letzte halbe Stunde eingewechselt worden. In der letzten Minute gab es Elfmeter für uns, ich habe mich gut gefühlt, bin angetreten und habe nur die Latte getroffen. Somit blieb es beim torlosen Remis. Danach war es etwas unangenehm, weil man mich als großen Transfer angekündigt hat, ich aber vom Elferpunkt versagt habe. Doch die Partie gegen Dinamo kam genau zur richtigen Zeit. Ich habe meine Chance von Anfang an bekommen und konnte zwei Mal treffen. Seit diesem Zeitpunkt lief es wie im Märchen.

LAOLA1: Ist dir die Umstellung von Österreich auf Kroatien auch deswegen so leicht gefallen, weil die kroatische Liga der österreichischen Bundesliga sehr ähnlich ist?

Gorgon: Nein. Es war so, dass ich gemerkt habe, dass ich eine neue Herausforderung benötige. Ich wollte eine neue Liga, ein neues Umfeld sehen. Das hat mich beflügelt. Ich bin mit einem frischen Kopf an die Sache herangegangen. Ich war neugierig, offen für etwas anderes. Ich habe richtig aufleben können.

"Ich bin dem Verein sehr dankbar und möchte am liebsten meine Karriere bei der Austria beenden. Es war aber der Zeitpunkt bei mir da, wo ich gedacht habe, entweder ich wage jetzt einmal ein Abenteuer, oder nicht. Ich bereue den Schritt nicht und würde es wieder so machen."

Gorgon über Austria-Abschied

LAOLA1: Ist der Umkehrschluss, dass für dich bei der Austria nach den vielen Jahren die Luft draußen war.

Gorgon: Das Ganze hin und her im letzten halben Jahr in Wien war sehr anstrengend, weil jeder wissen wollte, wie es weitergeht. Mein Plan ist ein bisschen ins Stocken geraten. Es war mühsam, das Ganze zu erklären bzw. manche Sachen nicht erklären zu können. Gewisse Dinge, die im Hintergrund laufen, muss man eben für sich behalten. Es war jedenfalls eine wunderschöne Zeit bei der Austria. Ich bin dem Verein sehr dankbar und möchte am liebsten meine Karriere bei der Austria beenden. Es war aber der Zeitpunkt bei mir da, wo ich gedacht habe, entweder ich wage jetzt einmal ein Abenteuer, wo ich andere Länder, andere Kulturen und eine andere Sprache kennenlerne, oder nicht. Und ich habe diese Veränderung gebraucht. Auf der anderen Seite war ich keinesfalls unglücklich bei der Austria, aber tief in mir war das Verlangen nach einer Veränderung. Ich bereue den Schritt nicht und würde es wieder so machen.

LAOLA1: Apropos andere Länder, andere Sitten. Vor ein paar Wochen ist in eurem Duell gegen Hajduk Split ein Hooligan auf das Spielfeld gelaufen und wollte auf den Schiedsrichter losgehen (Hier geht's zum VIDEO). Was ist dir bei dieser Szene durch den Kopf gegangen?

Gorgon: Das war sehr gruselig. Plötzlich kommt ein vermummter Mann aufs Spielfeld, hat eine Greifzange in der Hand und geht in Richtung Schiedsrichter. Da merkst du, dass es im Vergleich zu Österreich riesengroße Unterschiede in der Sicherheit und Organisation gibt. In Österreich gelangt so jemand nicht auf den Rasen. Er wird sofort von Ordnern oder Polizisten überwältig. In Split war der Mann zwischen vier und fünf Minuten am Spielfeld und auf der Laufbahn. Erst dann kam die Polizei. Es war echt keine angenehme Situation.

LAOLA1: In Österreich wird bekanntlich gerne über die Infrastruktur gesudert, in Kroatien ist es aber wahrscheinlich noch schlimmer.

Gorgon: Ich habe schon bei der Austria gewusst, wie gut es uns eigentlich in Österreich geht und es schätzen gelernt. In Kroatien habe ich gemerkt, was es heißt, ohne eine angemessene Infrastruktur für eine Erste Liga zu spielen. Außer gegen Dinamo, Split und Osijek hast du keine echten Fußballstadien. Es gibt meistens nur eine Haupttribüne, eine kleinere Tribüne gegenüber und hinter den Toren hast du gar nichts. Das ist schon bitter. Als richtiger Fußballer fühlst du dich beim Aufwärmen dann wirklich nicht. Die Spielfelder sind auch in einem ganz schlechten Zustand. Es ist alles sehr ausbaufähig. Das Land kann sich aber nach dem Krieg finanziell nicht aufrappeln. Ich weiß auch nicht, was politisch falsch läuft. Es wäre sehr viel Potenzial nach oben vorhanden. Da sollte man in Österreich froh sein, was man hat.

LAOLA1: Dennoch verlassen immer wieder gut Kicker die kroatische Liga. Ist es für dich auch vorstellbar, nach einer guten Saison wieder etwas Neues auszuprobieren?

Gorgon: Ich habe immer gesagt, dass Rijeka vielleicht ein Zwischenschritt für etwas Größeres sein hat müssen. Und ich bin ehrlich und sage, dass Rijeka eine Notlösung war. Es ist aber perfekt aufgegangen. Ich denke, ich habe meinen Wert noch einmal steigern können. Jetzt möchte ich so viel wie möglich erreichen, damit ich vielleicht noch einen Schritt machen kann. Wenn also im Sommer etwas Attraktives reinflattert, wäre ich nicht abgeneigt.

LAOLA1: Angesichts der Kaufen- und Verkaufen-Philosophie des Vereins würden dir bei einem guten Angebot keine Steine in den Weg gelegt werden, oder?

Gorgon: Genau so ist es. Die Verantwortlichen haben gesagt, dass es nicht angedacht ist, einen Spieler drei Jahre zu halten. Je nach Leistung und Erfolgen sollte er maximal nach dem zweiten Jahr wieder verkauft werden, damit der Verein ein Plus-Geschäft macht. So gesehen ist es eine Win-Win-Situation für Verein und Spieler.

LAOLA1: Hat sich eigentlich Teamchef Marcel Koller irgendwann bei dir gemeldet?

Gorgon: Nein, es hat keinen Kontakt gegeben. Ich beschäftige mich mit dem Thema Nationalteam auch gar nicht. Sollte irgendwann der Zeitpunkt kommen und ich meine Chance erhalten, wäre ich sehr glücklich, aber ich hoffe nicht vor jeder Nominierung, dass ich dabei bin. Dafür sind im Team sehr starke Legionäre aus Top-Ligen. Kroatien gehört nicht dazu, deswegen mache ich mir keine falschen Hoffnungen.

LAOLA1: Hat es eine Phase in deiner Karriere gegeben, wo du mit einer Einberufung gerechnet bzw. dir gedacht hast, dass du sie dir verdient hättest?

Gorgon: Vielleicht kurz in jener Zeit, als ich mit der Austria Meister geworden bin. Ich war auch einmal auf Abruf. Doch das war auch die Zeit, wo ein Stamm im ÖFB-Team gefunden wurde. Das Nationalteam hat tolle Leistungen geboten und es gab keinen Grund, etwas zu ändern. Danach hatte ich Pech mit Verletzungen und dann war es sehr schwer.

Textquelle: © LAOLA1.at

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