Premier League im Blut

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Tottenhams Dele Alli: Ein kometenhafter Aufstieg

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Publikumsliebling bei einem Top-Klub der Premier League, einer der den Unterschied ausmachen kann. Wer als 19-jähriger Neuzugang diese Attribute auf sich vereint, muss verdammt viel auf dem Kasten haben. Die Rede ist von Tottenhams Dele Alli.

Der zentrale Mittelfeldspieler, der erst im Sommer von den MK Dons aus der dritten Liga kam, hat schon sieben Treffer und fünf Assists auf dem Konto. Viel wichtiger: Er ist der Taktgeber der „Spurs“. Aufgrund seiner überragenden läuferischen und kämpferischen Fähigkeiten sowie seiner starken Technik ist der Teenager wie für die Premier League geschaffen.

Alli eroberte Englands Elite-Liga im Sturm und debütierte nach nur vier Startelfeinsätzen bei Tottenham für das A-Nationalteam. Führt er das Team aus Nordlondon sogar zum heißersehnten Titel?

Es begann in Milton Keynes

Allis Geschichte beginnt in Milton Keynes, wo er am 11. April 1996 als Bamidele Jermaine Alli geboren wurde. Milton Keynes ist eine Stadt, die auf keine große Tradition im Fußball zurückblicken kann. Erst als die MK Dons im Jahr 2004 die Nachfolge des kultigen aber insolventen FC Wimbledon antraten, hinterließ der Ort erste Spuren auf der Profi-Landkarte.

Auch deswegen ist leicht erklärbar, dass Alli keinen lokalen Klub unterstützte, sondern von klein auf Fan des FC Liverpool war. Sein großes Idol: Steven Gerrard. Heute wird er mit der Legende der „Reds“ verglichen, früher bestaunte er ihn stundenlang auf Videos.

Früher, das war auch 2007, als Alli im Alter von elf Jahren ein Probetraining bei den bereits erwähnten Dons absolvierte. Weil er aber nicht auf ein Freundschaftsspiel gegen Chelsea mitdurfte, brach er seine Zelte beim damaligen Viertligisten schnell wieder ab und kehrte zum Amateur-Klub City Colts FC zurück. Dort begann sein Fuballerleben.

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20. Platz: West Ham United (2015: - )

Umsatz: 160,9 Mio. Euro

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19. Platz: FC Internazionale (2015: 17. Platz)

Umsatz: 164,8 Mio. Euro

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18. Platz: Everton (2015: 20. Platz)

Umsatz: 165,1 Mio. Euro

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17. Platz: Newcastle United (2015: 19. Platz)

Umsatz: 169,3 Mio. Euro

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16. Platz: AS Roma (2015: - )

Umsatz: 180,4 Mio. Euro

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15. Platz: Atletico Madrid (2015: 15. Platz)

Umsatz: 187,1 Mio. Euro

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14. Platz: AC Milan (2015: 12. Platz)

Umsatz: 199,1 Mio. Euro

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13. Platz: FC Schalke 04 (2015: 14. Platz)

Umsatz: 219,7 Mio. Euro

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12. Platz: Tottenham Hotspur (2015: 13. Platz)

Umsatz: 257,5 Mio. Euro

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11. Platz: Borussia Dortmund (2015: 11. Platz)

Umsatz: 280,6 Mio. Euro

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10. Platz: Juventus Turin (2015: 10. Platz)

Umsatz: 323,9 Mio. Euro

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9. Platz: Liverpool FC (2015: 9. Platz)

Umsatz: 391,8 Mio. Euro

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8. Platz: Chelsea (2015: 7. Platz)

Umsatz: 420 Mio. Euro

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7. Platz: Arsenal (2015: 8. Platz)

Umsatz: 435,5 Mio. Euro

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6. Platz: Manchester City (2015: 6. Platz)

Umsatz: 463,5 Mio. Euro

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5. Platz: FC Bayern München (2015: 3. Platz)

Umsatz: 474 Mio. Euro

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4. Platz: Paris St. Germain (2015: 5. Platz)

Umsatz: 480,8 Mio. Euro

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3. Platz: Manchester United (2015: 2. Platz)

Umsatz: 519,5 Mio. Euro

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2. Platz: FC Barcelona (2015: 4. Platz)

Umsatz: 560,8 Mio. Euro

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 1. Platz: Real Madrid (2015: 1. Platz)

Umsatz: 577 Mio. Euro

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Mangelnde Reife?

Wie der Zufall so wollte, war Colts-Manager Mark Walsh auch für die U11 der Dons verantwortlich. Nach einem Jahr Überzeugungsarbeit kehrte Alli wieder zu MK zurück. „Natürlich wollte ich gegen Chelsea spielen. Ich habe gesagt: ‚Ich komme nicht mehr wieder‘. Ich war noch sehr jung und ziemlich unreif“, blickt der heute 19-Jährige gegenüber der „BBC“ auf seine Anfangszeit zurück.

Diese mangelnde Reife kommt manchmal auch heute noch durch. Vor wenigen Wochen warf Alli beim 4:1-Sieg über Sunderland Gegenspieler Patrick van Aanholt einen Ball ins Gesicht. Der Schiedsrichter ahndete die Situation nicht.

Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino konstatierte daraufhin: „Er ist wie er ist. Er ist wie dein Sohn. Manchmal musst du ihm Liebe geben, manchmal musst du hart zu ihm sein.“

Überragende Cup-Partie

Alli scheint aber seinen Weg zu machen. Das hat er auch schon in der League One bei den Dons getan. Er debütierte mit 16 bei den Profis. Insgesamt absolvierte er 74 Spiele in Englands dritthöchster Spielklasse. Dabei gelangen ihm 22 Tore und 12 Assists – extrem torgefährlich für einen zentralen Mittelfeldspieler.

Zum ersten Mal wurde der 1,88-m-Mann im August 2014 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Beim unglaublichen 4:0 von Milton Keynes über das frisch von Louis van Gaal übernommene Manchester United erzielte Alli zwar kein Tor, war aber einer der überragenden Akteure und ließ gestandene Profis wie Shinji Kagawa ein ums andere Mal alt aussehen.

„Jeder Idiot kann das“

Die Interessenten standen Schlange, den Zuschlag bekamen die Spurs. Im Winter 2014/15 sicherten sie sich für fünf Millionen Pfund (ca. 6,5 Millionen Euro) die Dienste des damaligen Junioren-Nationalspielers.

"Tottenham hat fünf Millionen gezahlt. Das ist gar nichts. 20 Millionen für einen Superstar zahlen. Das kann jeder Idiot."

Harry Redknapp

Die für englische Verhältnisse äußerst schlanke Ablösesumme brachte Harry Redknapp dazu, gegen die Scouting-Abteilungen mancher Großklubs auszuholen: „Tottenham hat fünf Millionen gezahlt. Das ist gar nichts. 20 Millionen für einen Superstar zahlen. Das kann jeder Idiot“, wetterte der Kult-Trainer in seiner Kolumne beim „Standard“.

Bevor Alli für Tottenham aufgeigen sollte, wurde er für ein halbes Jahr an die Dons zurückverliehen und verhalf dem Klub aus der Stadt, in der das F1-Team von Red Bull beheimatet ist, noch schnell zum Aufstieg in die Championship – Auszeichnung zum besten Young Player der Football League (zweite bis vierte Spielklasse) inklusive.

Chance ergriffen

In Nordlondon angekommen, ging es weiterhin rasant bergauf. Dabei profitierte Alli (wie sein Nebenmann Eric Dier, der in der vergangenen Saison noch den Rechts- oder Innenverteidiger gab) auch davon, dass sich das letztjährige Mittelfeld-Duo der „Spurs“, bestehend aus Nabil Bentaleb und Ryan Mason, mit Verletzungen herumschlagen musste.

Trotzdem ist die Art und Weise, wie der Youngster seine Chance ergriff, beeindruckend. Prompt spielte er sich in die Herzen der Fans, die Engländer lieben nicht nur seine Tore, sondern auch seine Tacklings. Abseits seiner fußballerischen Fähigkeiten besticht der 19-Jährige mit seiner körperlichen Verfassung. Dem Vernehmen nach ist Alli der fitteste Spieler im Tottenham-Kader.

Alli und Wimmer kennen sich gut
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Es dauerte nicht lange, bis Roy Hodgson anklopfte. Bereits im Oktober 2015 debütierte er nach einer Handvoll Premier-League-Einsätze für die „Three Lions“, was so manch heimischen Fußballfan an einen Spruch von Peter Pacult zurückerinnern kann (Anm.: Der damalige Rapid-Coach Peter Pacult im Jahr 2010 nach der Nominierung von Christopher Trimmel für das Nationalteam: „Manche jungen Spieler haben nur zweimal mit dem Hintern wackeln müssen.“).

Seine Skeptiker strafte Alli aber spätestens bei seinem ersten Einsatz von Beginn an Lügen, als er beim 2:0 im Freundschaftsspiel gegen Frankreich neben einer brillanten Performance auch ein Weitschuss-Krachertor aus dem Hut zauberte.

DAS Tor gegen Crystal Palace

Der 19-Jährige ist ein nicht unwesentlicher Baustein dafür, dass Tottenham hinter Sensationsleader Leicester auf Rang zwei rangiert und vom Titel träumen darf. Im Jänner belohnten dies die Klub-Verantwortlichen mit einer Vertragsverlängerung bis 2021 zu deutlich besseren Bezügen.

Bei all der Euphorie darf aber nicht vergessen werden, dass Alli noch ein ungeschliffener Diamant ist. Ungeschliffen, das kann bedeuten, dass er etwas ungestüm in Zweikämpfe geht. Bereits im November musste er seine erste Gelbsperre absitzen.

January's goal of the month winner

You (unsurprisingly!) voted this wonder strike by Dele Alli as your January Under Armour UK Spurs Goal of the Month winner! #COYS

Posted by Tottenham Hotspur on Mittwoch, 10. Februar 2016

Ungeschliffen, das kann aber auch heißen, dass er auf Ideen kommt, die einem gewöhnlichen Spieler nicht einfallen würden. So zum Beispiel bei seinem Zaubertor Ende Januar gegen Crystal Palace (3:1). 84. Minute, 1:1. Nach einem Kopfball-Zuspiel von Christian Eriksen nimmt sich Alli den Ball an mit rechts an, spielt ihn sich über den Kopf auf, dreht sich einmal um die eigene Achse und versenkt das Leder volley im linken Eck.

Die Menge staunt, Tottenham siegt schließlich 3:1 und die Fans liegen Alli einmal mehr zu Füßen.

 

Mate Esterhazy

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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