St. Pöltens Dominanz als Problem der Frauen-BL

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Die ÖFB-Damen wollen die Aufmerksamkeit für ihren Sport bei der anstehenden Europameisterschaft in den Niederlanden in die Höhe schrauben.

Die heimische Bundesliga hat noch ein Problem: Mangelnde Abwechslung. Seit dem 1. Juni 2014 musste der SKN St. Pölten keine Niederlage mehr hinnehmen.

"Es macht keinen Spaß, wenn man ein Spiel mit zehn Toren Unterschied gewinnt. Manche Mannschaften fordern uns zu wenig, da ist es schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten", so SKN-Präsident Wilfried Schmaus.

Für die am 19. August startende neue Saison erwartet er eine ähnliche Rollenverteilung wie 2016/17, wo Sturm Graz vor Neulengbach und Landhaus Zweiter wurde.

Sein Team kann Gelder aus der niederösterreichischen Sportförderung lukrieren, für den Meister sind das 75.000 Euro pro Titel. Das ist ein wichtiger Teil des Gesamtbudgets, das deutlich unter einer halben Million Euro liegt.

"Es gibt nicht viele Vereine in Österreich, die ein Budget über 100.000 Euro haben", gibt der 58-Jährige Einblick.

Große Namen als kleiner Schritt

Damit durchzukommen ist für alle schwierig. Dass bei den Spielen auch die Zuschauer ausbleiben, macht die Sache nicht leichter. "Wir haben abgesehen von den Topspielen 100 bis 200 Zuschauer im Schnitt", sagt Schmaus.


Die ÖFB-Damen wurden zur EM verabschiedet:

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Das ist wohl auch ein bisschen der fehlenden Spannung geschuldet. Auch deshalb hat Schmaus die Vision der Gründung einer Mitropaliga mit den besten Teams aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei. "Das ist aber ein schwieriges, langwieriges Projekt", weiß Schmaus.

Deshalb hat die Verbesserung der eigenen Liga Priorität. Mit St. Pölten und Sturm liegen zwei auch in der Männer-Bundesliga vertretene Teams ganz vorne. Daneben gibt es auch noch den Austria-Wien-Partnerklub Landhaus.

"Es ist einer der ersten Schritte, Traditionsnamen zu kriegen, damit sich die Fans wiederfinden. Es sind aber nur kleine Schritte", sagt Schmaus.

Die Champions League als Knackpunkt

St. Pölten selbst fungiert auch erst seit einer Saison unter dem gleichen Namen wie die Männer-Truppe. Alles begann 2006 als ASV Spratzern, 2013 kam FSK St. Pölten in den Namen dazu, ehe 2016 die Ausgliederung aus dem ASV erfolgte.

"Das Frauenteam ist eigenständig und unabhängig vom SKN St. Pölten", erklärt Schmaus.

Er selbst ist seit 2008 der starke Mann im Verein, neben der nationalen Dominanz wurde auch sein Antrittsziel Champions League erreicht. Weitere Schritte nach vorne sind aufgrund der finanziellen Eingeschränktheit schwierig.

Auch deshalb wäre das Überstehen der ersten Runde der "Königsklasse" ein großer Erfolg. St. Pölten ist ungesetzt, es drohen Kaliber wie Titelverteidiger Lyon, der auf ein Budget von "6 oder 7 Millionen Euro" bauen kann.

Rapid will es "durchdacht" haben

In der Liga dürfte Austria Wien in Zukunft als dritter Bundesliga-Klub vertreten sein. Die Frage ist nur wann.

"Ob es schon 2018/19 oder 2019/20 so weit sein kann, werden wir für uns im Verein in aller Ruhe analysieren und mit unserem Partner USC Landhaus intensiv besprechen", erklärt Austrias Finanz-Vorstand Markus Kraetschmer.

Die Kooperation mit Landhaus geht in die dritte Saison.

Der Rest der Herren-Bundesliga hat vorerst keine Frauenabsichten. Salzburg widmet sich voll fokussiert der Aufgabe, den männlichen Nachwuchs voranzubringen, will keine Nebenschauplätze. Die LASK Ladies lösten sich vor Jahren auf.


Der Bundeskanzler hat einen Sonderwunsch an die ÖFB-Damen:

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"Es ist nach wie vor Thema, aber aktuell nicht. Wenn dann soll es durchdacht und konzeptionell sein", sagte Vizepräsident Thomas Kern. Rekordmeister Rapid, der laut Schmaus "ein Zugpferd" wäre, sieht das genauso.

Übertragungen als Push

Prominente Vereinsnamen werden auf Dauer aber zu wenig sein, um die Liga zu stärken.

"Solange die mediale Aufmerksamkeit fast bei Null ist, ist es auch für Sponsoren nicht interessant", kennt Schmaus das größte Problem. Spiele der Champions League, sowie zuletzt das Cup-Finale seien zwar übertragen worden, Liga-Live-Spiele sucht man aber vergebens.

"Das ist der Knackpunkt. Wir brauchen mutige Schritte. Es wäre toll, wenn man monatlich ein bis zwei Live-Spiele schaffen würde", so Schmaus. Das wäre nicht nur aus finanzieller Sicht gut.

"Damen-Skispringen hat vor zwei Jahren auch niemand gekannt. Und durch die Übertragungen kennt man die Daniela Iraschko mittlerweile", erläutert St. Pöltens Präsident.

Im "in der Bevölkerung zu wenig präsenten und nach wie vor belächelten" Frauenfußball könnte das ähnlich sein.

Der wird nun durch die Übertragung vieler EM-Partien gepusht. "Ich hoffe, dass es nicht ein Luftballon ist, der nach der EM aus ist", hat Schmaus Bedenken.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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