Als Österreich Fußball-Weltmeister war

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Beim Freundschaftsspiel zwischen Peru und Schweden am 9. Juni 2018 stand der WM-Titel auf dem Spiel. Das behaupten zumindest Anhänger der inoffiziellen Fußball-Weltmeisterschaft. Die Idee dahinter: Wie etwa beim Boxen verteidigt der jeweilige Titelhalter in jedem Spiel die Weltmeisterschaft, verliert er, ist sein Bezwinger neuer Weltmeister.

Die inoffizielle WM wurde demnach mit dem ersten Länderspiel der Fußball-Geschichte zwischen England und Schottland erstmals ausgespielt. Weil der Titel bei einem Unentschieden nicht wechseln kann, blieb dieser vorerst vakant, da sich die Erzrivalen am 30. November 1872 0:0 trennten. Im zweiten Länderspiel behielt England mit 4:2 das bessere Ende für sich und krönte sich zum ersten inoffiziellen Weltmeister.

Der Engländer Paul Brown gilt als Vater des inoffiziellen WM-Titels. Der Journalist definierte 2003 die Regeln und konstruiert die Geschichte des Titels bis zum heutigen Tag.

Österreich durfte sich zweimal inoffizieller Weltmeister nennen und sorgte bei seinem ersten Titelgewinn für ein Novum.


Die Geburt des Wunderteams

16. Mai 1931, Österreich empfängt Schottland vor 37.000 Zusehern auf der Hohen Warte in Wien. Die Gäste kommen als inoffizieller Weltmeister und noch ungeschlagen auf dem europäischen Festland in die Bundeshauptstadt.

Die favorisierten Schotten wurden überraschend mit einer 5:0-Packung wieder nach Hause geschickt - das Wunderteam war geboren. Österreich krönt sich erstmals zum inoffiziellen Weltmeister und sorgt für eine Revolution. Die rot-weiß-rote Equipe ist der erste Titelträger außerhalb der britischen Inseln. Knapp 60 Jahre lang haben England, Schottland, Wales, Irland und Nordirland die inoffizielle WM unter sich ausgemacht.

Aufstellung Österreich vs. Schottland:

TOR - Rudolf Hiden (Rapid Wien)

ABWEHR - Roman Schramseis (Rapid Wien), Josef Blum (Vienna)

MITTELFELD - Georg Braun (Wiener AC), Josef Smistik (Rapid Wien), Karl Gall (Austria Wien)

ANGRIFF - Karl Zischek (Wacker Wien), Friedrich Gschweidl (Vienna), Matthias Sindelar (Austria Wien), Anton Schall (Admira Wien), Adolf Vogl (Admira Wien)

Österreich verteidigte den Titel elf Mal (9 Siege, 2 Unentschieden), bevor sich England den Titel am 7. Dezember 1932 an der Stamford Bridge holen konnte. Das 3:4 in London war die einzige Niederlage des Wunderteams.

Österreichs erste Regentschaft als inoffizieller Weltmeister:

Datum Heimmannschaft Gastmannschaft Ergebnis Austragungsort
16.05.1931 Österreich Schottland 5:0 Wien
24.05.1931 Deutschland Österreich 0:6 Berlin
16.06.1931 Österreich Schweiz 2:0 Wien
14.09.1931 Österreich Deutschland 5:0 Wien
04.10.1931 Ungarn Österreich 2:2 Budapest
29.11.1931 Schweiz Österreich 1:6 Basel
20.03.1932 Österreich Italien 2:1 Wien
24.04.1932 Österreich Ungarn 8:2 Wien
22.05.1932 Tschechoslowakei Österreich 1:1 Prag
17.07.1932 Schweden Österreich 3:4 Stockholm
02.10.1932 Ungarn Österreich 2:3 Budapest
23.10.1932 Österreich Schweiz 3:1 Wien
07.12.1932 England Österreich 4:3 London

Nach dem Premierentriumph konnte Österreich den Titel nur ein weiteres Mal gewinnen. Im Oktober 1967 besiegte die ÖFB-Elf die Sowjetunion mit 1:0 in einem EM-Qualifikationsspiel.

Aufstellung Österreich vs. Sowjetunion:

TOR - Wilhelm Harreither (LASK)

VERTEIDIGUNG - Walter Gebhardt (Rapid Wien), Walter Glechner (Rapid Wien), Johann Eigenstiller (Wacker Innsbruck), Karl Fröhlich (Austria Wien), Gerhard Sturmberger (LASK), Walter Stamm (Admira Wien)

MITTELFELD - Walter Koleznik (GAK), Helmut Siber (Wacker Innsbruck)

ANGRIFF - Rudolf Flögel (Rapid Wien), Leopold Grausam (Rapid Wien)

Der Titel konnte drei Mal verteidigt werden: Ein 7:1 gegen Zypern und zwei 1:1 gegen Griechenland und Rumänien. Das EM-Quali-Spiel gegen die Hellenen wurde in der Schlussphase nach Ausschreitungen zwar abgebrochen, hat aber Bestand in offiziellen Rekordbüchern der UEFA, da das Spiel nicht neu ausgetragen wurde.

Im Juni 1968 musste Österreich den Titel wieder abgeben. Die Sowjets holten sich die inoffizielle Weltmeisterschaft bei einem Freundschaftsspiel zurück. Österreich unterlag im damaligen Leningrad mit 1:3.

Seitdem konnte sich die ÖFB-Elf nicht mehr zum inoffiziellen Weltmeister küren. Von 1971 bis heute stehen zwölf fehlgeschlagene Versuche (vier Unentschieden, acht Niederlagen) zu Buche. Zuletzt scheiterte man im November 2014 an Brasilien mit 1:2.

Österreichs Fehlversuche seit 1971:

Datum Heimmannschaft Gastmannschaft Ergebnis Austragungsort
04.04.1971 Österreich Ungarn 0:2 Wien
27.03.1974 Niederlande Österreich 1:1 Rotterdam
18.06.1978 Italien Österreich 1:0 Buenos Aires (ARG)
17.05.1983 Österreich Sowjetunion 2:2 Wien
25.03.1989 Österreich Italien 0:1 Wien
19.08.1998 Österreich Frankreich 2:2 Wien
01.09.2001 Spanien Österreich 4:0 Valencia
16.10.2002 Österreich Niederlande 0:3 Wien
06.09.2003 Niederlande Österreich 3:1 Rotterdam
11.10.2003 Österreich Tschechien 2:3 Wien
05.03.2014 Österreich Uruguay 1:1 Klagenfurt
18.11.2014 Österreich Brasilien 1:2 Wien

Weltmeister Nordkorea

Auch einige "Größen" des Weltfußballs durften den inoffiziellen WM-Titel ihr Eigen nennen. Die Niederländischen Antillen schockten bei der CONCACAF-Meisterschaft 1963 Mexiko. Den Titel mussten sich gleich im nächsten Spiel an Costa Rica weiterreichen.

Neben dem heutigen Curacao haben nur drei andere Mannschaften den Titel ohne erfolgreiche Verteidigung abgeben: Australien (1992), Südkorea (1995) und Venezuela (2006).

Nordkorea holte sich den Titel am 15. November 2011 durch ein 1:0 in der WM-Quali gegen Japan. Mit dabei: der spätere St. Pölten-Stürmer Kwang-Ryong Pak.

Die Ostasiaten waren zu diesem Zeitpunkt 124. der FIFA-Weltrangliste - keine andere Nation war seit der Einführung der Rangliste 1993 bei ihrem Titelgewinn niedriger gereiht. Das Team machte das meiste aus seiner Regentschaft: 13 Mal konnte die Mannschaft den Titel erfolgreich verteidigen. Im Jänner 2013 musste man sich Schweden beim Thailand Cup nach Elfmeterschießen geschlagen geben.

Da dieses Spiel von der FIFA nicht als "A-Länderspiel" gewertet wurde, von Paul Brown aber im Rahmen der inoffiziellen WM gezählt wird, bildeten sich kurzzeitig zwei Stränge des Titels. Diese führten bei der Weltmeisterschaft 2014 wieder zusammen.

Titelverteidigung in Russland

2018 wird der inoffizielle WM-Titel wieder bei der offiziellen Weltmeisterschaft verteidigt. Peru schickt sich an, die erste Mannschaft zu werden, die das Turnier als inoffizieller Weltmeister auch wieder beenden kann.

Zuletzt wurde der inoffizielle WM-Titel bei den Turnieren 2010 und 2014 verteidigt, wo jeweils der spätere Weltmeister zum neuen Titelträger wurde. Dass dies passieren würde, war klar, da sich sowohl die Niederlande 2010 als auch Uruguay 2014 für die K.o.-Phase qualifizieren konnten. Der Titel wechselt auch nach Siegen in Verlängerung oder Elfmeterschießen.

Der Weg zur Titelverteidigung kann für Peru wohl nur über drei Unentschieden in der Gruppenphase laufen. Die Südamerikaner holten sich am 5. September 2017 durch ein 2:1 in der WM-Quali gegen Bolivien den Titel. Die erste Chance auf einen Titelwechsel hat am 16. Juni Dänemark.

Zuletzt verteidigte Peru den Titel bei einem 0:0 gegen Schweden, hält aktuell bei 10 erfolgreichen Titelverteidigungen. Schon 1982 brachte Peru den inoffiziellen WM-Titel zur WM. Der spätere FIFA-Weltmeister Italien knöpfte Polen den Titel, den sich die Osteuropäer in der Gruppenphase durch ein 5:1 gegen Peru holen konnten, im Halbfinale wieder ab.

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