RBS hofft: Die irrsten Europacup-Aufholjagden

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Der FC Red Bull Salzburg steht vor einer Mammutaufgabe!

Nach dem mageren Auftritt in der Commerzbank-Arena, welcher eine 1:4-Niederlage nach sich zog, muss beim Team von Jesse Marsch schon alles zusammenlaufen, um Eintracht Frankfurt im Rückspiel in der ausverkauften Bullen-Arena noch in Gefahr zu bringen (Donnerstag, ab 21 Uhr auf DAZN, RTL und im LIVE-Ticker).

Salzburg benötigt mindestens drei Tore, Hoffnung gibt lediglich das Auswärtstor, nachdem man bereits mit 0:4 im Hintertreffen lag. Doch es gibt einige Beispiele, wo Europacup-Wunder dieser Art Wirklichkeit wurden.

Sogar rot-weiß-rote Vertreter können auf eindrucksvolle Aufholjagden zurückblicken, international gibt es nicht nur aufgrund der noch frischen Erinnerungen an Liverpools Comeback gegen Barcelona oder Barcas irrem Aufstieg gegen Paris St. Germain genügend Beispiele.

LAOLA1 verschafft einen Überblick über die größten Aufholjagden:

Die rot-weiß-roten Aufholjagden nach 3-Tore-Rückstand:

Einen 3-Tore-Rückstand (oder mehr) konnten Österreichs Vertreter im Europacup erst zwei-, wenn man die aktuellen Regeln hernimmt, sogar erst einmal wettmachen.

1985: Dynamo Dresden - SK RAPID WIEN, Hinspiel 3:0, Rückspiel 0:5

Es war einmal... und Rapid stand nach dem Ausschalten von Celtic Glasgow sensationell im Viertelfinale des Europacups der Cupsieger. Der Gegner: Dynamo Dresden. Die Auswärtsfahrt lohnte sich für die zahlreichen Fans nicht. Dresden überrollte die Wiener beim 0:3 in Deutschland. Für SCR-Trainer Otto Baric war Dynamo damals "europäische Spitzenklasse". Dieses Prädikat bewiesen aber die Hütteldorfer im Rückspiel. Mit einem entfesselten Auftritt gelang am 20. März 1985 ein 5:0-Kantersieg, das "Wunder von Hütteldorf". Pacult staubte einen vergebenen Elfmeter von Panenka zum 1:0 ab, Lainer traf per Kopf zum 2:0, abermals Pacult sorgte für den 3:0-Pausenstand, das Hinspiel-Ergebnis war egalisiert. Panenka per Elfer und Krankl machten die Sensation mit ihren Toren perfekt.

1957: AC Milan - SK Rapid Wien, Hinspiel 1:4, Rückspiel 5:2 (noch keine Auswärtstorregel)

Es war noch eine andere Zeit, denn Rapid holte im Rückspiel zwar einen 1:4-Rückstand durch einen 5:2-Heimsieg auf, da es noch keine Auswärtstorregel gab, allerdings unterlag man im Entscheidungsspiel mit 2:4.

Rot-weiß-rote Sternstunden nach 2-Tore-Rückstand:

1995: Sporting Lissabon - SK RAPID WIEN, Hinspiel 2:0, Rückspiel 0:4 n.V.

Einen 2-Tore-Rückstand konnte Rapid im Achtelfinale gegen Sporting Lissabon 1994/95 drehen, im Cup der Cupsieger. Die Ausgangsposition war nach dem 0:2 in Portugal gleich wie bei Salzburg ein Jahr davor, die Entscheidung spannend wie selten. Der aktuelle SCR-Trainer Didi Kühbauer sorgte früh für das 1:0 (25.), das 2:0 (92.) erzielte Christian Stumpf per Kopf erst in der Nachspielzeit, nur eine Minute nachdem Dani fürs Ballwegschießen Gelb-Rot sah. Verlängerung! In dieser trafen abermals Stumpf (105.) und Carsten Jancker (110.) in Überzahl.

1994: Sporting Lissabon - AUSTRIA SALZBURG, Hinspiel 2:0, Rückspiel 0:3 n.V.

Vor der Red-Bull-Ära schaffte Salzburg nur ein Mal den Aufstieg nach einer Hinspiel-Niederlage mit zwei Toren Unterschied, ein Jahr früher als Rapid gegen denselben Gegner - 1993/94 schoss ausgerechnet Adi Hütter, der nun mit Eintracht Frankfurt als Gegner gegenübersteht, die Austria im Achtelfinale des UEFA-Cups gegen Sporting Lissabon mit seinem Tor zum 2:0 in die Verlängerung, ehe Martin Amerhauser den legendären Aufstieg fixierte, der schließlich bis ins UEFA-Cup-Finale, das gegen Inter verloren ging, führte.

1988: Zalgiris Vilnius - FK AUSTRIA WIEN, Hinspiel 2:0, Rückspiel 2:5

Eine violette Sternstunde in der 1. Runde des UEFA-Cups der Saison 1988/89. Mit einem 0:2 blamierte man sich in der Sowjetunion, um dann in Wien groß zurückzuschlagen. Hannes Pleva mit einem Doppelpack (5., 14.), Herbert Prohaska (6.), Attila Sekerlioglu (45.) und Jose Alberto Percudani (73.) erzielten die Austria-Tore beim 5:2-Heimspielsieg. Das Duell hatte etwas Gutes: Wenig später holten die Wiener Valdas Ivanauskas, Arminas Narbekovas und Robertas Fridrikas, auf die sie in den Duellen mit den Litauern aufmerksam wurden, zu den Violetten.

Wenn Salzburg das Hinspiel in der RB-Ära verloren hat...

Vor der RB-Ära konnte Salzburg nur 1993/94 einen 2-Tore-Rückstand noch in einen Aufstieg umwandeln. In der Red-Bull-Ära sieht die Bilanz folgendermaßen aus:

Saison

Bewerb Runde Gegner Hin/Rück Aufstieg oder Aus?
06/07 CL-Quali
  1. Runde
FC Zürich (SUI) 1:2 (a)/2:0 (h) Aufstieg
07/08 UEFA Cup
  1. Runde
AEK Athen (GRE) 0:3 (a)/1:0 (h) Aus
08/09 UEFA Cup
  1. Runde
FC Sevilla (ESP) 0:2 (a)/0:2 (h) Aus
09/10 CL-Quali Playoffs Maccabi Haifa (ISR) 1:2 (h)/0:3 (a) Aus
09/10 Europa League Sechzehntelfinale Lüttich (BEL) 2:3 (a)/0:0 (h) Aus
10/11 CL-Quali Playoffs Hapoel Tel Aviv (ISR) 2:3 (h)/1:1 (a) Aus
11/12 EL-Quali Playoffs Omonia Nikosia (CYP) 1:2 (a)/1:0 (h) Aufstieg
11/12 Europa League Sechzehntelfinale Metalist Kharkiv (UKR) 0:4 (h)/1:4 (a) Aus
12/13 CL-Quali
  1. Runde
Düdelingen (LUX) 0:1 (a)/4:3 (h) Aus
14/15 CL-Quali
  1. Runde
Qarabag (AZE) 1:2 (a)/2:0 (h) Aufstieg
14/15 Europa League Sechzehntelfinale Villarreal (ESP) 1:2 (a)/1:3 (h) Aus
15/16 EL-Quali Playoffs Dinamo Minsk (BLR) 0:2 (a)/2:0 bzw. 2:3 n.P. (h) Aus

17/18 Europa League Viertelfinale Lazio Rom (ITA) 2:4 (a), 4:1 (h) Aufstieg
17/18 Europa League Semifinale Olympique Marseille (FRA) 0:2 (a), 2:1 n.V. (h) Aus
18/19 Europa League Sechzehntelfinale FC Brügge (BEL) 1:2 (a), 4:0 (h) Aufstieg
18/19 Europa League Achtelfinale SSC Napoli (ITA) 0:3 (a), 3:1 (h) Aus
19/20 Europa League Sechzehntelfinale Eintracht Frankfurt (GER) 1:4 (a), ?:? ???

Die internationalen Top-Aufholjagden:

2019: FC Barcelona - FC LIVERPOOL, Hinspiel: 3:0, Rückspiel 0:4

Die irrste Aufholjagd aus der jungen Vergangenheit! Der FC Liverpool war im CL-Semifinale 2019 eigentlich schon out, ein 0:3 gegen den FC Barcelona im Camp Nou der vermeintliche Sargnagel. Doch dann gelang der Elf von Jürgen Klopp die Sternstunde, welche den Finaleinzug und den CL-Triumph überhaupt möglich möchte. Doppelpacks von Divock Origi und Georgino Wijnaldum machten die furiose Aufholjagd perfekt. Besonders in Erinnerung: Der entscheidende Treffer nach der Eckball-Finte von Trent Alexander-Arnold auf Origi. Und Anfield bebte!

2018: FC Barcelona - AS ROMA, Hinspiel 4:1, Rückspiel 0:3

Wieder Barcelona. So überraschend es ist, tauchen die Katalanen hier sehr oft auf. Auch 2018 schied Barca aus, diesmal im Viertelfinale, obwohl nach dem 4:1 im heimischen Stadion alles klar schien. Dann der große Albtraum aus Barca-Sicht im Stadio Olimpico. Mit 0:3 ging man gegen die Roma unter und war weg vom Fenster.

2017: Paris St. Germain - FC BARCELONA, Hinspiel 4:0, Rückspiel 1:6

Ebenfalls noch nicht lange her ist eine der bittersten Stunden von PSG! Barcelona wurde im Achtelfinale 2017 in Paris vorgeführt, hatte eigentlich schon die Koffer gepackt und stand nach einem 0:4 vor dem internationalen Saisonende. Doch dann kam das "Wunder" von Camp Nou. Ein 6:1-Sieg wie vom anderen Stern ließ Cavani und Co. staunen - Neymar spielte damals noch für den Gegner. Nach dem Anschlusstreffer zum 1:3 wirken die Franzosen beruhigt, doch Barca gelingen ab der 88. Minute tatsächlich noch drei Tore. Unglaublich!

2015: FC Porto - FC BAYERN MÜNCHEN, Hinspiel 3:1, Rückspiel 1:6

Die Portugiesen witterten die Sensation und nützten eine schwache Vorstellung der Bayern, um sich einen 3:1-Vorteil im Heimspiel zu verschaffen. Wenig später war im Rückspiel davon aber nicht mehr viel übrig. Das katastrophale Ergebnis aus Porto-Sicht: 1:6. Und Bayern stieg dadurch ins Semifinale der Champions League auf.

2013: AC Milan - FC BARCELONA, Hinspiel 2:0, Rückspiel: 0:4

Im CL-Achtelfinale 2012/13 wachten die Katalanen erst im Rückspiel auf. Allerdings lief man einem 0:2-Rückstand nach, auch aufgrund eines sehenswerten Treffers von Kevin-Prince Boateng. Ein Doppelpack von Lionel Messi sowie Treffer von David Villa und Jordi Alba machten den Aufstieg im Rückspiel aber doch noch möglich.

2005: AC Milan - FC LIVERPOOL Hinspiel 3:3 (3:0), 2:3 i.E.

Die wohl denkwürdigste Aufholjagd in einem Finale: Diese gelang zweifellos dem FC Liverpool im CL-Finale 2005. Die Italiener starteten furios, führten zur Halbzeit mit 3:0 durch Tore von Paolo Maldini (3.) und Hernan Crespo (39., 44.). Doch dann kamen die Reds eindrucksvoll zurück. Binnen sieben Minuten gelang Steven Gerrard (54.), Vladimir Smicer (56.) und Xabi Alonso (60.) der Ausgleich. Im Elfmeterschießen behielt Liverpool mit 3:2 die Oberhand. Andriy Shevchenko scheiterte am Helden im Tor Jerzy Dudek.

2004: AC Milan vs. DEPORTIVO LA CORUNA, Hinspiel 4:1, Rückspiel 0:4

Selbst die risikofreudigsten aller La-Coruna-Fans setzten keinen Cent mehr auf ein Weiterkommen ihrer Mannschaft, die das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen den Titelverteidiger mit 1:4 verlor. Das Rückspiel im Estadio Riazor ging jedoch in die Geschichte ein. Pandiani (5.), Valeron (35.) und Luque (44.) versetzten die "Rossoneri" bereits vor der Pause in Schockstarre, mit dem 4:0 durch Fran (76.) war das Spiel endgültig gelaufen. Das Star-Ensemble aus der Lombardei erlebte ein bis dahin noch nie dagewesenes CL-Waterloo.

2000: Chelsea - FC BARCELONA, Hinspiel 3:1, Rückspiel 1:5 n.V.

Dieses Spiel im CL-Viertelfinale 1999/2000 kann Barcelona als Beispiel hernehmen. Im Heimspiel gegen Chelsea wurde ein 3:1 aufgeholt, in der Verlängerung traf Rivaldo per Elfmeter und Patrick Kluivert sorgte für den Endstand und den damit verbundenen Aufstieg.

1999: Olympique Lyon - SV WERDER BREMEN, Hinspiel 3:0, Rückspiel 0:4

Schon mal vom "Wunder an der Weser" gehört? Kein Zufall, gilt der SV Werder Bremen doch als Spezialist, was Aufholjagden betrifft. Eine davon ereignete sich am 4. Dezember 1999. Ein 0:3 aus dem Hinspiel bei Olympique Lyon galt es für die Mannschaft von Thomas Schaaf (ja, der war damals schon Trainer in Bremen) zu drehen. Bode brachte die Norddeutschen früh in die Spur (16.), die Vorlage dazu gab Herzog. Der ÖFB-Rekord-Internationale zeichnete höchstselbst für das 2:0 verantwortlich (39.), Baumann egalisierte in Minute 54 das Hinspiel-Ergebnis. Nach dem 4:0 durch Pizarro (77.), das auch den Endstand darstellte, glich das Weser-Stadion einem Tollhaus.

1994: FC Valencia - KARLSRUHER SC, Hinspiel 3:1, Rückspiel 0:7

Unfassbar! Der KSC war gegen den spanischen Tabellenführer in Valencia mit 1:3 unterlegen, doch im Rückspiel folgte die große Wende im Stile des Rapid-Siegs gegen RB Salzburg am Ostersonntag 2008. Nach 63 Minuten stand es 6:0, das Spiel ging mit 7:0 an die Deutschen, bei denen sich Edgar Schmitt mit vier Treffen den Spitznamen "Euro-Eddy" verdiente. Der Weg führte bis ins Halbfinale, wo gegen Austria Salzburg Endstation war.

1989: Dynamo Berlin vs. SV WERDER BREMEN, Hinspiel 3:0, Rückspiel 0:5

Ein weiterer Geniestreich Werders. Wie elf Jahre später zog man im Hinspiel - diesmal gegen Dynamo Berlin, einen Rivalen aus der DDR - mit 0:3 den Kürzeren. Kein Grund, um deshalb vorzeitig klein beizugeben. Im Gegenteil: Werder startete einen unvergleichlichen Sturmlauf und führte Dynamo regelrecht vor. Kutzop, Hermann und Riedle glichen das Hinspiel aus, Burgsmüller und Schaaf (ja, genau der) stellten schlussendlich den 5:0-Kantersieg und den damit verbundenen Aufstieg sicher.

1987: Honved Budapest - PANATHINAIKOS ATHEN, Hinspiel: 5:2, Rückspiel: 1:5

Die Griechen lagen im Hinspiel der 3. UEFA-Cup-Runde 1987/88 in Ungarn bereits 0:5 zurück, beendeten das Spiel dann noch mit 2:5. Im Rückspiel überflügelte PAO die Ungarn mit 5:1. Kein anderes Team hat es sonst geschafft, ein zwischenzeitliches 0:5 wettzumachen.

1986: Dynamo Dresden - BAYER UERDINGEN, Hinspiel 2:0, Rückspiel 3:7

Ein Hinspiel kann man schon einmal 0:2 verlieren. Doch beim Halbzeitstand von 1:3 im Rückspiel war die Hoffnung aus Uerdinger Sicht wohl schon gering. Doch das Wunder nahm seinen Lauf. Dynamo verlor Bernd Jakubowski verletzt und sein Ersatzmann Jens Ramme kassierte noch 6 Gegentore - und nach dem Spiel sogar Morddrohungen. Ein legendäres 3:7.

1985: Mönchengladbach - REAL MADRID, Hinspiel: 5:1, Rückspiel: 0:4

Es war in Gladbachs Glanzzeit unter Trainer Jupp Heynckes, als man die Königlichen in der 3. Runde des UEFA-Cups daheim mit 5:1 abschoss - und doch noch scheiterte. Jorge Valdanos früher Doppelpack nach 17 Minuten brachte Real im Rückspiel auf Kurs, Santillana machte ebenfalls mit einem Doppelschlag (76., 89.) erst in der letzten Minute alles klar. Stürmer Juanito, der nach einem Finalsieg gegen Köln auch den Pokal stemmen durfte, meinte: "Ich war spanischer Internationaler, habe bei zwei Weltmeisterschaften gespielt, Trophäen mit Madrid gewonnen, aber dieses Comeback hat alles getoppt. Es ist der glücklichste Tag meines Lebens."

1984: Queens Park Rangers - PARTIZAN BELGRAD 6:2, Rückspiel: 0:4

In der 2. Runde des UEFA-Cups 1984/85 startete das Londoner Team mit einem 6:2 im altehrwürdigen Highbury-Stadion, der damaligen Heimstätte Arsenals. Doch in Belgrad folgte die Ernüchterung: 0:4, das Aus. QPR-Mittelfeldspieler Gary Waddock betonte, dass man "gesehen habe, was passieren kann, wenn man im Europacup-Rückspiel einen schlechten Start erwischt". Nach dem 3:0 in Minute 46, folgte die Erlösung in Minute 64.

1961: La Chaux de Fonds - LEIXOES, Hinspiel 6:2, Rückspiel: 0:5

In der ersten Runde des Cups der Cupsieger 1961/62 drehte der portugiesische Europacup-Debütant nach einer 2:6-Klatsche im ersten Spiel daheim die Partie durch Treffer von Osvaldo Silva (24., 30.), Oliveirinha (46., 71.) und Mario Ventura (52.).

Die größten europäischen Aufholjagden im VIDEO:

Textquelle: © LAOLA1.at

Europa League: Salzburg hofft gegen Frankfurt auf "schnelles Tor"

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