Was vom Debakel übrig blieb

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Was von Rapids 0:6-Debakel in Valencia übrig blieb

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Was in Valencia war, bleibt in Valencia - so müsste eigentlich Rapids Devise nach dem bitteren 0:6-Debakel gegen Valencia lauten.

Mit dem desaströsen Auftritt in der spanischen Metropole hat man sich binnen einer Woche im zweiten Bewerb die Möglichkeit verbaut, noch eine Runde zu überstehen.

Nach dem Cup-Aus und jenem bevorstehenden, unvermeidbaren in der Europa League gilt der ganze Fokus nun der Meisterschaft – der letzten verbliebenen Titelchance.

Nicht auszumalen, was eine zusätzliche Derby-Niederlage in der Woche der Wahrheit bedeutet hätte. Nach dem Albtraum im Mestalla müssen die Grün-Weißen nun ihre Lehren ziehen.

Die eine oder andere Erkenntnis drängt sich nicht nur aufgrund der Europacup-Niederlage auf:

  • Noch nicht auf dem Herbstlevel

Vier Spiele hat die Barisic-Elf im Frühjahr erst in den Beinen. So richtig aufgeblüht sind die Grün-Weißen aber nocht nicht. Gegen den Wolfsberger AC verschlief man die erste Hälfte, ehe man doch noch den Turnaround schaffte. Im Cup gegen die Admira enttäuschte man auf allen Linien, da sich die Südstädter mutig dagegenstemmten. Die bisher beste Leistung war noch gegen die Austria zu sehen und selbst in der Generali-Arena war das Glück mit dem Führungstreffer aus Abseits und dem Elfmeter in der Anfangs-Viertelstunde auf Seiten der Hütteldorfer. Für den großen Showdown im Mestalla hätte durchaus der Europacup-Lauf des Herbstes geholfen. Der damalige Wille und jene Verbissenheit fehlten diesmal, ein Aufbäumen wurde ebenso vermisst, wie die bis dato praktizierte „Brust-raus-Mentalität“. Auch spielerisch hinkte man dem Gezeigten weit hinterher. Trainer Zoran Barisic wich dieser Frage im Vorfeld des Hinspiels in Valencia gekonnt aus und wollte den Vergleich mit der Eingespieltheit vor dem Jahreswechsel nicht ziehen. Abwehrchef Mario Sonnleitner bestätigte LAOLA1 hingegen: „Wir waren im Herbst konzentrierter und haben besser gespielt. Diesmal haben wir einfach einen rabenschwarzen Tag erwischt.“

Rapid werden in Valencia die Grenzen aufgezeigt. Impressionen eines Albtraum-Spiels: Bild 1 von 21 | © GEPA
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  • Defensive Anfälligkeit

Die sechs Gegentore in Valencia kamen nicht von ungefähr. Auch in der Meisterschaft kassierten die Hüttedorfer heuer verhältnismäßig viele Gegentore. Gegen die Spanier lag es aber vor allem an der fehlenden Robustheit und Zweikampfstärke, um den Fledermäusen die Schneid abzukaufen. Normalerweise hält sich Trainer Zoran Barisic mit öffentlicher Kritik zurück, das zaghafte Attackieren seiner Schützlinge war dem 45-jährigen Wiener diesmal aber ein Dorn im Auge. „Wir waren definitiv vorbereitet. Aber wir haben einfach nicht bedacht, dass wir Zweikampfstärke brauchen. Das war das große Manko. Der Gegner war beweglich und technisch gut. Wir haben aber keine taktischen Fouls gemacht und die Läufe nicht aufgenommen. Wenn wir Duelle bestritten haben, hat die allesamt der Gegner gewonnen.“ Erst im zweiten Durchgang präsentierte sich das Team laut Chefbetreuer „giftiger“, allerdings ließen die Spanier Rapid auch besser aussehen, da sie mindestens einen Gang zurückschalteten. Wieder einmal auffällig war die fehlende Unterstützung für die Außenverteidiger. Sowohl Philipp Schobesberger auf rechts als auch Florian Kainz auf links vernachlässigten das Umschaltspiel und ließen ihre Hinterleute Mario Pavelic und Stefan Stangl im Eins-gegen-Eins alt aussehen. „Taktische Fehler waren sicher da. Zweikampfstärke hat gefehlt, wir haben nicht miteinander gearbeitet. Da fallen viele Dinge zusammen, damit so etwas passiert“, wusste auch Sonnleitner. Bei den bisherigen Europacup-Auftritten im Herbst waren noch die mannschaftliche Geschlossenheit, das gute Verschieben und die gemeinsame Arbeit nach hinten ein Markenzeichen Rapids.

  • Offensichtliche Klassenunterschiede

Nicht nur aufgrund des Endergebnisses konnte nach den 90 Minuten bei den Valencianern keiner einen offensichlichten Klassenunterschied leugnen. Zwar hat man im Laufe der Europacup-Saison große Namen wie Ajax Amsterdam, Shakhtar Donetsk oder Villarreal ärgern können, trotzdem ist Rapid noch nicht in der Lage, dauerhaft mit Mannschaften dieses Kalibers mitzuhalten. Dass die spanische La Liga zweifelsohne über die österreichische zu stellen ist, ist nichts Neues. Allerdings offenbarte das Spiel, dass selbst der Zwölfte der Tabelle Rapid vor massive Probleme stellen kann – noch dazu, wo Valencia normalerweise in den Top fünf anzutreffen ist. „Alles in allem hat man gesehen, dass uns noch sehr viel auf eine Mannschaft wie Valencia fehlt. Sie sind eindeutig besser als wir, wir haben da noch sehr viel zu lernen und zu arbeiten“, stellte Barisic klar. Zwar wurde schon im Vorfeld der Partie auf die Stärken des Gegners hingewiesen, trotzdem war eine gewisse Zuversicht zu erkennen, zumindest mithalten zu können. Oft genug wurde betont, dass alles passen muss, um international reüssieren zu können – davon war Rapid im Mestalla weit entfernt.

  • Überschätzung im grün-weißen Umfeld

Selten zuvor war vor einem Europacup-Spiel so positive Stimmung im grün-weißen Umfeld zu erkennen, wie vor dem Gastspiel in Valencia. Bei einem spanischem Mittelständer, der nur einen Sieg aus den letzten 13 Liga-Spielen einfahren konnte und dessen erfolgreichen Zeiten schon lange zurückliegen, kann man schon etwas mitnehmen – so der Tenor. Weit gefehlt, wie sich herausstellen sollte. Prinzipiell ist Rapid wieder dort angelangt, sich nicht schon im Vorhinein klein zu machen und bemüht durchaus die Gesetze des Fußballs, dass alles möglich sei. Das ist prinzipiell positiv. Allerdings nimmt die Überschätzung manchmal überhand, auch wenn man sich im Herbst mit starken Auftritten ein gewisses Selbstvertrauen aneignen konnte. Die Enttäuschung danach ist dementsprechend größer, da die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt wurden. Überraschungen werden immer möglich sein, trotzdem wird Rapid sowie auch jeder andere österreichische Verein in den kommenden Jahren und darüber hinaus, nie gegen einen Stammgast in den Top 5 von La Liga mit so einer Geschichte (6x spanischer Meister, 2x CL-Finalist) als Favorit gehen. So realistisch muss man an solche Duelle herangehen.

  • Trübung einer höchst erfolgreichen Europacup-Saison

Obwohl der 0:6-Albtraum derzeit die Schlagzeilen bestimmt, sollte nicht vergessen werden, dass hinter Rapid eine lange, erfolgreiche Europacup-Saison liegt. In der Champions-League-Qualifikation hat man mit dem Aufstieg gegen Ajax Amsterdam alle Erwartungen übertroffen und zudem gegen Shakhtar nur haarscharf den Einzug in die Gruppenphase verpasst. Trotz allem hat man sich mit dem Trostpreis Europa League angefreundet und in sechs Gruppenspielen für Furore gesorgt: Sechs Spiele, fünf Siege, eine Niederlage. Als Gruppensieger erstmals seit 1996 wieder international zu überwintern, war schon aller Ehren wert. Daran ändert auch das bevorstehende Aus im Sechzehntelfinale gegen Valencia nichts. „Wir haben bis hierher eine schöne Reise durch Europa gehabt. Jetzt müssen wir uns aber auf die Meisterschaft konzentrieren“, strich Barisic auch in den Stunden der höchsten Europacup-Niederlage der Vereinsgeschichte das Positive hervor. Auch Sonnleitner versuchte den Schalter sofort wieder auf das Wesentliche umzulegen: „Der Traum ist jetzt vorbei, wir müssen trotzdem nach vorne blicken – so schwer es ist.“


Aus Valencia berichtet Alexander Karper

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