Endstand
2:0
1:0 , 1:0
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Salzburg: National hui, international pfui?

Die "Bullen" lieferten all ihre schlechtesten Saisonleistungen in der Europa League ab. In Anderlecht kosteten ihnen desaströse 45 Minuten wichtige Punkte:

Salzburg: National hui, international pfui? Foto: © GEPA

Der FC Salzburg zeigt in dieser Saison auf nationaler und internationaler Ebene unterschiedliche Gesichter.

Während die "Bullen" in ADMIRAL Bundesliga und UNIQA ÖFB-Cup noch ungeschlagen unterwegs sind und dabei vor allem in den Spielen gegen die direkte Konkurrenz um die Meisterschaft glänzten, ist im Europacup der Wurm drinnen.

Nach einem noch recht souveränen 1:0-Auswärtssieg bei Levski Sofia, das seither immerhin sieben Punkte in der UEFA Europa League sammeln konnte, setzte es zunächst eine 0:4-Heimwatschen gegen den AC Milan, dann ein sehr enttäuschendes 2:2 beim NK Celje und nun das:

Einen in der bisherigen Saison sehr inkonsistent auftretenden RSC Anderlecht lassen die Salzburger am Donnerstag 45 Minuten lang wie eine absolute Top-Mannschaft ausschauen. Am Ende verliert man mit 0:2 (Spielbericht>>>).

"Eine völlig verdiente Niederlage", ächzt Kapitän Haris Tabakovic danach.

0,0 Expected Goals

Diese Einschätzung basiert vor allem auf dem im ersten Durchgang im Lotto Park Vorgetragenen. Nach einem eigentlich noch recht guten Start mit mehreren hohen Ballgewinnen ging bei den Salzburgern ab Spielminute zehn überhaupt nichts mehr.

Anderlecht schien sich immer wieder recht mühelos vor den "Bullen"-Kasten kombinieren zu können, während von den Gästen aus der Mozartstadt nicht der Hauch von Gefahr ausging. Null Abschlüsse, ein Expected-Goals-Wert von 0,0 und nur drei Ballberührungen im gegnerischen Sechzehner war das traurige Zwischenfazit zur Pause.

"Wir waren in Halbzeit eins nicht schnell genug im Kopf, um Entscheidungen zu treffen, und auch nicht mutig", bemängelt Trainer Danny Röhl.

Anderlecht habe sich nach einem frühen Freistoßtor, welches "Bullen"-Goalie Christian Zawieschitzky auf seine Kappe nahm, vor heimischem Publikum in einen "Flow" gespielt, so der Deutsche.

Tabakovic: "Sie haben echt einen guten Ball gespielt"

Tabakovic erklärt ergänzend: "Wir wollten einen guten Mix aus hohem und ganz tiefen Pressing haben, kein Zwischending. Wir haben keine Bälle gewonnen, nach vorne ging gar nichts. Wir haben es versucht, aber wir haben nicht eine Chance herausgespielt."

Gleichzeitig hält der Bosnier fest: "Aber man muss einfach zugeben, dass sie das sehr gut gemacht haben."

Anderlecht sei nicht umsonst ein Top-Team einer Liga, die in der momentanen 5-Jahreswertung auf Rang sieben liegt. "Sie waren einfach viel, viel besser in der ersten Halbzeit. Sie haben echt einen guten Ball gespielt", zieht Tabakovic den Hut.

Yorbe Vertessen, als Belgier bestens über den RSCA informiert, meint gegenüber "Canal+": "Sie waren sogar besser, als wir es erwartet hatten. Sie haben verdient gewonnen, wir haben kein Mittel gegen sie gefunden."

Röhl über Halbzeit zwei: "Haben das hervorragend gemacht"

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Danny Röhl bemühte sich am Donnerstag um eine betont positive Aufarbeitung
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Anderlecht-Experte Florent Malice verriet LAOLA1 vor der Partie, dass Anderlecht eine durchaus launische Mannschaft sei, die Probleme bekommt, wenn sie unter Druck gesetzt wird. Dies war nach Seitenwechsel durchaus zu beobachten.

Als die Salzburger den "Mauves et Blancs" mit einem höheren, giftigeren Pressing entgegentraten, verloren sie ganz schnell die Lust am Kicken und wurden plötzlich kaum mehr gefährlich.

"Die Reaktion hat mir gut gefallen", so Röhl. Der Deutsche hat zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen: "Meine Spieler haben das in der zweiten Halbzeit hervorragend gemacht - wie sie zurückgekommen sind und das umgesetzt haben, was wir wollten."

Man sei "30 Minuten am Drücker gewesen, ohne die ganz großen Chancen rauszuspielen. Aber man hat gemerkt, dass Anderlecht nicht mehr sein Spiel aufziehen konnte", lautet die Analyse des "Bullen"-Trainers.

Das fehlt international noch

Das soll nicht despektierlich klingen, aber es ist schon ein Unterschied, ob du in Anderlecht oder in der Bundesliga gegen eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel spielst.

Danny Röhl

Dem Ausgleich kamen die Salzburger einmal durch einen Kopfball von Tabakovic nach einem Eckball und einmal durch Tim Drexler, der nach einem Freistoß an RSCA-Goalie Colin Coosemans bzw. dessen Gesicht scheiterte, nur halbwegs nahe. Schlussendlich nutzte Marten Winkler eine der vielen Konterchancen zum 2:0-Endstand für Anderlecht.

"Am Ende verlierst du das Spiel in der ersten Halbzeit", lautet Tabakovics Fazit. Und Röhl sagt: "Um in Europa Punkte zu holen, brauchst du mehr als nur 45 gute Minuten."

Europäisch tue man sich bisher vor allem deshalb schwerer als in den nationalen Bewerben, weil die Gegner schlicht besser sind. "Das soll nicht despektierlich klingen, aber es ist schon ein Unterschied, ob du in Anderlecht oder in der Bundesliga gegen eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel spielst", hält der Deutsche fest.

Nun gehe es darum, auch international dorthin zu kommen, Mannschaften vor derartige Probleme zu stellen, wie es national bisher stets gelang: "Die Entscheidungsfindung muss in der Europa League schneller sein, du musst noch perfekter im Pressing abgestimmt sein", fordert Röhl.

Zum Siegen gezwungen

Auch den Umstand, dass es vor allem in der Defensive viele Ausfälle vor diesem Spiel zu beklagen gab, will der 37-Jährige nicht unerwähnt lassen: "Wir haben eine Mannschaft auf dem Platz gehabt, die in dieser Form wenig zusammengespielt hat. Dafür haben es meine Jungs in der zweiten Halbzeit hervorragend gemacht."

Die schlechte Ausgangslage mit nur vier Zählern aus ebenso vielen absolvierten Ligaphase-Spieltagen will Röhl nicht überbewerten: "Wir haben von vier Spielen drei auswärts und jenes zuhause mit dem AC Milan gegen ein Schwergewicht Europas gespielt. Aber das soll keine Ausrede sein."

Ausreden gelten ab sofort sowieso nicht mehr. In den nächsten zwei Runden stehen Heimspiele gegen das noch punktelose Ararat Armenia und Sparta Prag an. Werden beide Partien gewonnen, ist ein Weiterkommen quasi fix. Bei auch nur einem Remis aus diesen Duellen könnte die Zwischenrunde hingegen schon in weite Ferne rücken.

"Ich freue mich auf diese zwei Heimspiele. Da müssen wir auf jeden Fall punkten, dann sehen wir, was im neuen Jahr passiert. Mit vier Punkten ist noch alles möglich, wir sind weder raus noch weiter", gibt sich Röhl gewohnt pragmatisch.

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