Anderlecht-Experte Florent Malice verriet LAOLA1 vor der Partie, dass Anderlecht eine durchaus launische Mannschaft sei, die Probleme bekommt, wenn sie unter Druck gesetzt wird. Dies war nach Seitenwechsel durchaus zu beobachten.
Als die Salzburger den "Mauves et Blancs" mit einem höheren, giftigeren Pressing entgegentraten, verloren sie ganz schnell die Lust am Kicken und wurden plötzlich kaum mehr gefährlich.
"Die Reaktion hat mir gut gefallen", so Röhl. Der Deutsche hat zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen: "Meine Spieler haben das in der zweiten Halbzeit hervorragend gemacht - wie sie zurückgekommen sind und das umgesetzt haben, was wir wollten."
Man sei "30 Minuten am Drücker gewesen, ohne die ganz großen Chancen rauszuspielen. Aber man hat gemerkt, dass Anderlecht nicht mehr sein Spiel aufziehen konnte", lautet die Analyse des "Bullen"-Trainers.
Das fehlt international noch
Das soll nicht despektierlich klingen, aber es ist schon ein Unterschied, ob du in Anderlecht oder in der Bundesliga gegen eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel spielst.
Dem Ausgleich kamen die Salzburger einmal durch einen Kopfball von Tabakovic nach einem Eckball und einmal durch Tim Drexler, der nach einem Freistoß an RSCA-Goalie Colin Coosemans bzw. dessen Gesicht scheiterte, nur halbwegs nahe. Schlussendlich nutzte Marten Winkler eine der vielen Konterchancen zum 2:0-Endstand für Anderlecht.
"Am Ende verlierst du das Spiel in der ersten Halbzeit", lautet Tabakovics Fazit. Und Röhl sagt: "Um in Europa Punkte zu holen, brauchst du mehr als nur 45 gute Minuten."
Europäisch tue man sich bisher vor allem deshalb schwerer als in den nationalen Bewerben, weil die Gegner schlicht besser sind. "Das soll nicht despektierlich klingen, aber es ist schon ein Unterschied, ob du in Anderlecht oder in der Bundesliga gegen eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel spielst", hält der Deutsche fest.
Nun gehe es darum, auch international dorthin zu kommen, Mannschaften vor derartige Probleme zu stellen, wie es national bisher stets gelang: "Die Entscheidungsfindung muss in der Europa League schneller sein, du musst noch perfekter im Pressing abgestimmt sein", fordert Röhl.
Zum Siegen gezwungen
Auch den Umstand, dass es vor allem in der Defensive viele Ausfälle vor diesem Spiel zu beklagen gab, will der 37-Jährige nicht unerwähnt lassen: "Wir haben eine Mannschaft auf dem Platz gehabt, die in dieser Form wenig zusammengespielt hat. Dafür haben es meine Jungs in der zweiten Halbzeit hervorragend gemacht."
Die schlechte Ausgangslage mit nur vier Zählern aus ebenso vielen absolvierten Ligaphase-Spieltagen will Röhl nicht überbewerten: "Wir haben von vier Spielen drei auswärts und jenes zuhause mit dem AC Milan gegen ein Schwergewicht Europas gespielt. Aber das soll keine Ausrede sein."
Ausreden gelten ab sofort sowieso nicht mehr. In den nächsten zwei Runden stehen Heimspiele gegen das noch punktelose Ararat Armenia und Sparta Prag an. Werden beide Partien gewonnen, ist ein Weiterkommen quasi fix. Bei auch nur einem Remis aus diesen Duellen könnte die Zwischenrunde hingegen schon in weite Ferne rücken.
"Ich freue mich auf diese zwei Heimspiele. Da müssen wir auf jeden Fall punkten, dann sehen wir, was im neuen Jahr passiert. Mit vier Punkten ist noch alles möglich, wir sind weder raus noch weiter", gibt sich Röhl gewohnt pragmatisch.