EL-Finale: Was für das jeweilige Team spricht

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Wer wird heute die Vorherrschaft des FC Sevilla in der Europa League (LIVE-Ticker ab 20:45 Uhr) offiziell beenden?

Das Duell Ajax Amsterdam gegen Manchester United bietet das wohl namhafteste EL-Endspiel seit Jahren. Beide Teams kämpfen nach langer Durststrecke wieder um einen internationalen Titel.

Doch welche Mannschaft wird sich am Ende durchsetzen? Welchem Team sollten Fußballfans die Daumen drücken?

Zwei LAOLA1-Redakteure haben dieses Thema heiß diskutiert:

Andreas Gstaltmeyr: Genug mit Mourinhos Schonkost!

Warum die ersten zwei Zeilen leer sind? So viel Leidenschaft schwappte in dieser Saison oft aus Partien der Millionentruppe Manchester United über. Ganz anders Ajax.

Die berühmte Talenteschmiede aus Amsterdam feiert in dieser Saison ihre Renaissance und verzückt Fußball-Europa. Der stark pressende, immer auf schnelles Spiel in die Spitze ausgelegte Offensivfußball würde auch die im letzten Jahr verstorbene Vereinslegende Johan Cruyff zum Lächeln bringen.

Neun der zehn jüngsten Startelf-Formationen (rund 22 Jahre) in dieser EL-Saison gehen auf das Konto von Ajax. Lasse Schöne (30), Kapitän Davy Klaassen (24) und Joel Veltman (25) sorgen für die nötige Erfahrung. Die Mischung stimmt also, die Leidenschaft sowieso. Oder wie sonst kann man gegen Schalke ein praktisch bereits verlorenes Spiel noch in der Verlängerung in Unterzahl drehen?

Genau dieser Enthusiasmus fehlt Manchester. Und so langweilig spielen sie auch. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass United gegen die niederländischen Angriffslawinen die klassische Mourinho’sche Mauertaktik wählen wird. Aus Ajax-Sicht? Wunderbar! Nichts Anderes ist der Traditionsklub aus 30 Partien in der Eredivisie, Spiele gegen PSV Eindhoven und Feyenoord ausgenommen, gewohnt.

Eine Lücke findet die Truppe von Peter Bosz immer. Und bei allem Respekt, die Defensive von Manchester United war zudem schon mal furchteinflößender. Eric Bailly fehlt rotgesperrt, die Ersatzleute wirken oft behäbig. Schnelligkeit hätte Manchester aber dringend nötig gegen die Wirbelwinde Amin Younes und Bertrand Traore. Was diese anrichten können, mussten Schalke (0:2, 4:17 Torschüsse) und Lyon (1:4) schmerzvoll erfahren.

Den Heimvorteil aus diesen Partien werden die mehr als 10.000 Ajax-Fans auch mit in die Friends-Arena nach Stockholm bringen. Binnen 25 Minuten war das Kontingent vergriffen. Im ersten Europacup-Finale seit 1996 gieren alle darauf, das Team endgültig wieder auf die Fußball-Landkarte zurückzuschreien.

Während Ajax von Saisonbeginn an auf den Titel brannte, ist für die Engländer die Europa League nur Mittel zum Zweck (=CL-Quali). In einer hochkommerzialisierten Welt, in der die Champions League wohl bald nicht mehr im Free-TV zu sehen sein wird, sollte man Ajax als Gegenpol, als Stimme für all die Ausbildungsklubs, an diesem Mittwoch die Daumen drücken.

Die Zeit ist reif für diese Youngsters! Darunter auch Justin Kluivert. Und die Geschichte lehrt: Ein Kluivert weiß, wie man ein Europacup-Finale entscheidet. Vater Patrick schoss den Klub 1995 zum CL-Sieg. Übrigens auch an einem 24. Mai...

Philipp Seelmann: Defense wins Championships

Spielt Ajax starken Offensivfußball? Auf jeden Fall! Werden die Niederländer ihre internationale Titel-Durststrecke nach 22 Jahren beenden? Nein, und der Hauptgrund dafür ist der Trainer von Manchester United, Jose Mourinho.

Der Portugiese kann Finale wie kaum ein Zweiter. Insgesamt 13 Mal stand er mit verschiedenen Teams in nationalen und internationalen Pokalfinalspielen, und seine beeindruckende Bilanz lautet: elf Siege (u.a. CL-Siege mit FC Porto und Inter Mailand) bei nur zwei Niederlagen.

„The Special One“ wird auch am Mittwoch die geeignete Taktik finden, und diese beruht nun einmal oft auf einer soliden Defensive. Muss man als Fan nicht mögen, ist sicherlich nicht so attraktiv anzusehen wie ein Offensivfeuerwerk, aber am Ende zählt nur das Ergebnis.

Bei all dem Hype um die Ajax-Offensive wird zudem oft vergessen, wie anfällig die Niederländer in der Defensive sein können. Nur zum Vergleich: Die „Red Devils“ kassierten in der K.o.-Phase der Europa League in acht Spielen nur vier Gegentreffer, so viele wie Ajax in den beiden Halbfinal-Partien gegen Lyon hinnehmen musste.

Und sollte die Abwehr einmal patzen, dann hat United mit David de Gea und Sergio Romero zwei sehr starke Keeper zur Auswahl, wobei interessant sein wird, ob Mourinho weiterhin auf den Argentinier setzt oder beim Saisonhöhepunkt doch die spanische Nummer eins zwischen den Pfosten steht.

In der Defensive wird Mourinho definitiv umstellen müssen, da Eric Bailly gesperrt ist, aber auch beim Finalgegner fällt mit dem gesperrten, 27-jährigen „Oldie“ Nick Viergever ein Stammspieler in der Abwehr aus. Ein nicht zu unterschätzender Faktor könnte die größere Erfahrung der Engländer auf internationaler Bühne sein, die trotz der langen Verletztenliste (u.a. Superstar Zlatan Ibrahimovic) eine schlagkräftige Truppe auf den Platz bringen werden, die den Ajax-Youngsters das Leben schwermachen wird.

Außerdem weiß Mourinho, dass er trotz des Ligapokal-Triumphs nur mit dem Titel in der Europa League, eine Trophäe, die in der beeindruckenden Sammlung des englischen Rekordmeisters noch fehlt, die Saison retten kann. Damit würde United Geschichte schreiben, denn sie wären erst der fünfte Verein nach Bayern, Chelsea, Juventus und Ajax, der alle drei UEFA-Bewerbe für sich entscheiden konnte.

Eine passende Story für das Finale wäre, wenn ausgerechnet der erst 19-Jährige Marcus Rashford den entscheidenden Treffer für Manchester United erzielt, denn nicht nur bei Ajax - die nebenbei erwähnt wie alle großen Fußballklubs ein an der Börse notiertes und profitorientiertes Unternehmen sind - gibt es talentierte Nachwuchsspieler.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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