Das kann die UEFA Europa Conference League

Das kann die UEFA Europa Conference League
 

Manche Geschichten schreibt tatsächlich nur der Fußball.

So geschehen am finalen Spieltag der deutschen Bundesliga 2020/21: Ausgerechnet jener Max Kruse, der noch im März "keinen Bock" auf die von der UEFA neu kreierte Europa Conference League hatte, schoss sein Team Union Berlin last minute in die Qualifikationsphase genau dieses Bewerbs.

Kruses Motivation für die ECL dürfte sich bis heute nicht geändert haben. "Ich habe meine Meinung zu der Liga gesagt, die ändere ich nicht, ich will ja glaubwürdig bleiben", erklärte der 33-Jährige nach seinem Goldtreffer. Dies mag man dem 14-fachen deutschen Teamspieler als Arroganz auslegen, die öffentliche Wahrnehmung des neuen UEFA-Bewerbs ist wenige Wochen vor dessen Einführung allerdings weitläufig nicht die beste.

Auch in Österreich, wo ab Donnerstag im Duell Austria Wien gegen den WAC das letzte ECL-Ticket ausgespielt wird (19 Uhr im LIVE-Ticker), hat die Europa Conference League zu Unrecht noch keinen guten Ruf.

LAOLA1 klärt darüber auf, warum der neuartige UEFA-Bewerb vor allem für Ligen aus der zweiten Reihe wie der Bundesliga enorm positiv sein kann und was in der ECL am Spiel steht.

Zwischen 0 und 4 österreichische Vertreter

Die erste Ausgabe der Europa Conference League könnte mit hoher rot-weiß-roter Beteiligung, aber auch ganz ohne Bundesliga-Vertreter über die Bühne gehen.

Der SK Rapid könnte über Umwege in der ECL landen. Die Hütteldorfer starten als Vizemeister in Runde zwei des Liga-Wegs der Champions-League-Quali und dürften bei einem Aus in der dritten Runde der Europa-League-Quali weitermachen, bei einem anschließenden Aufstieg ins Europa-League-Playoff wäre Rapid mindestens die Europa-Conference-League-Gruppenphase sicher. Scheitern die Grün-Weißen allerdings bereits in Runde drei der EL-Quali, haben sie eine letzte Chance im Playoff der ECL-Quali. Dort wäre Rapid nach aktuellem Stand allerdings ungesetzt, es wäre also ratsam, bereits zuvor eine Gruppenphase abzusichern. In der Auslosung zur ECL-Gruppenphase würde Rapid aller Voraussicht nach in Topf zwei landen.

Der SK Sturm hat indes bereits die erste Gruppenphasen-Teilnahme seit zehn Jahren sicher. Da die Grazer in der Bundesliga-Endtabelle Rang drei belegten und Red Bull Salzburg auch den Cupsieger stellte, kommen die "Blackies" in den Genuss, am Europa-League-Playoff teilzunehmen. Dort wird Sturm im neu eingeführten Prioritätensystem der UEFA mit Priorität 1 gezogen und wird deshalb eine sportlich machbare Aufgabe am Weg in die Europa League zugetragen bekommen. Sollten die in den letzten Jahren international nicht immer glänzend aufgelegten Steirer dennoch scheitern, ist ihnen zumindest das Trostpflaster Europa-Conference-League-Gruppenphase sicher. Bei der Gruppenauslosung der ECL würde Sturm aus Topf drei gezogen werden.

Der LASK müsste als Bundesliga-Vierter zwei Quali-Runden auf dem Weg in die Europa Conference League überstehen. Obwohl die Linzer die Saison in einer Formkrise beendeten, ist ihnen dieses Unterfangen durchaus zuzutrauen. Aufgrund der grandiosen Europacup-Leistungen der letzten Jahre haben sich die Athletiker einen Klubkoeffizienten aufgebaut, der ihnen in allen Quali-Runden eine Setzung ermöglicht. In der Ungesetzten-Liste werden sich viele schlagbare Gegner wiederfinden, gegen die die Linzer klar zu favorisieren sind. Der LASK wäre bei der ECL-Auslosung mit etwas Glück sogar topgesetzt.

Schlussendlich werden auch der WAC oder die Wiener Austria an der ECL-Qualifikation teilnehmen. Der Gewinner des ECL-Playoff der Bundesliga wird in Quali-Runde zwei einsteigen. Da der Wolfsberger und der Favoritner Klubkoeffizient ähnlich hoch ist, gilt für beide: In den Runden zwei und drei wäre man sicher gesetzt, im Playoff fix ungesetzt. Bei der Gruppenauslosung würden beide Teams in Topf drei landen.

Ausgeschlossen ist, dass der FC Red Bull Salzburg im kommenden Herbst an der Europa Conference League teilnimmt. Österreichs Meister startet im Champions-League-Playoff und landet schlechtestenfalls in der Europa-League-Gruppenphase.

Viele Punkte für 5-Jahreswertung möglich

Das Ziel der UEFA mit der Europa Conference League war, vielen kleineren Ligen den Zugang zu einer europäischen Gruppenphase zu erleichtern. Zwischen neun und zwölf nationale Meister sollen sich unter das 32-Teilnehmer-Feld der ECL mischen. Garantiert wird dies durch einen geschützten Quali-Weg, der auch exotischeren Mannschaften wie dem estnischen, nordirischen oder selbst dem gibraltarischen Meister realistische Chancen auf eine Gruppenphase ermöglicht.

Dies wird dazu führen, dass das durchschnittliche sportliche Niveau in der ECL deutlich unter jenem der Europa League liegen wird. Rechnet man diesen Umstand mit dem neuen Punkteschlüssel für die 5-Jahreswertung zusammen, wird sich für Österreichs Vertreter die große Chance ergeben, sowohl Klub- als auch Nationen-Wertung in der Europa Conference League ordentlich aufzufetten.

Konkret sieht der neue Punkteschlüssel so aus, dass es weiterhin für einen Sieg in allen Gruppenphasen zwei Punkte, für ein Remis einen Zähler und für eine Niederlage logischerweise null Punkte gibt. In Österreichs Fall würden die eingefahrenen Punkte kommende Saison durch fünf geteilt werden. In der Champions League bleibt auch sonst alles beim Alten: Für eine Teilnahme an der Gruppenphase gibt es vier Bonuspunkte, für ein Erreichen des Achtelfinales fünf Bonuspunkte und für jede weitere überstandene K.o.-Runde einen Bonuspunkt.

Neu ist in der Europa League, dass es für den Gruppensieger, der direkt ins Achtelfinale aufsteigt, vier Bonuspunkte gibt. Für den Zweiten, der sich in einer Zwischenrunde mit einem Dritten der Champions League messen muss, gibt es immerhin noch zwei Bonuspunkte. Und auch in der Europa Conference League wurden Bonuspunkte eingeführt. Ein Gruppensieg, der auch in der ECL zum Aufstieg ins Achtelfinale reicht, ist zwei Bonuspunkte wert. Auch für Gruppenrang zwei, der den Aufstieg in die Zwischenrunde, wo ein Drittplatzierter der Europa League wartet, bedeutet, gibt es einen Bonuspunkt.

In den Zwischenrunden der Europa League und Europa Conference League gibt es allerdings keine Punkte zu ergattern, diese Spiele dienen ausschließlich dazu, die jeweiligen Achtelfinalisten zu bestimmen. Sowohl in der Europa Conference League als auch in der Europa League gibt es für jede überstandene K.o.-Runde ab dem Achtelfinale ebenfalls einen Bonuspunkt.

Kurzum gibt es in einer mäßig stark besetzten Europa Conference League viele Punkte für die 5-Jahreswertung zu holen. Vor allem für Österreich, das jedes Jahr hart um einen Champions-League-Fixplatz kämpft und langfristig unbedingt dafür sorgen muss, nicht aus den Top-15 zu fallen, könnte sich der neue Bewerb als absolute Goldgrube, was die 5-Jahreswertung betrifft, herausstellen.

Finanziell ein Segen

Nun kommen wir zum Wichtigsten: Die Europa Conference League wird sich finanziell enorm lohnen. Laut einem Bericht der "APA" wird allen 32 teilnehmenden Klubs ein Startgeld von 2,94 Millionen Euro ausbezahlt. Zum Vergleich: In der Europa League wurde 2019/20 mit 2,92 Millionen Euro sogar etwas weniger ausbezahlt. Und auch im Vergleich mit der aktuellen Europa League (3,6 Millionen Euro Startgeld) muss sich die ECL nicht verstecken. Einzig die Champions League mit einem Startgeld von 15,64 Millionen Euro liegt Welten voraus.

Ein Sieg in der Europa Conference League bringt 500.000 Euro ein, ein Unentschieden 166.000 Euro. Da in der Europa League mit 630.000 Euro pro Sieg und 210.000 Euro pro Remis nur unwesentlich mehr zu verdienen ist, könnte sich die Europa Conference League gar als die profitablere der beiden Ligen erweisen. Vor allem für österreichische Klubs könnte die neue Europa League mit einem deutlich stärkeren Starterfeld zur absoluten Herkules-Aufgabe werden, während in der Europa Conference League viele schlagbare Gegner unterwegs sein werden.

Eine Europa-League-Gruppe des SK Sturm könnte zum Beispiel etwa so aussehen: SSC Napoli, Leicester City, Real Sociedad, Sturm Graz. Eine mögliche Europa-Conference-League-Gruppe des LASK wäre im Vergleich diese: LASK, Qarabag Agdam, KF Shkendija, Flora Tallinn.

Nicht berücksichtigt in dieser Milchmädchen-Rechnung sind allerdings die Ticketeinnahmen. Wenn man davon ausgeht, dass im Herbst wieder eine volle Stadionauslastung möglich ist, wird es in der Europa League deutlich größere Zuschauermagneten zu ziehen geben als in der Europa Conference League.

Fazit

Die Europa Conference League könnte sich für Österreich als absoluter Jackpot herausstellen. Klar, der neue Bewerb glänzt nicht unbedingt mit großen Namen und wird in der Vermarktung auch von der UEFA bisher eher stiefmütterlich behandelt, wenn man sich etwa die eher mickrige urpsrüngliche Hymne anhört (Hier anhören). Mittlerweile hat sich die UEFA dazu entschieden, die offizielle Europa-League-Hymne auch in der Europa Conference League zu verwenden.

Allerdings gibt es in der ECL viel Geld zu scheffeln, welches nach eineinhalb Jahren Corona-Krise in ganz Europa dringend benötigt wird. Neben monetären Einnahmen wird es außerdem viele Punkte für die 5-Jahreswertung dazuzuverdienen geben. Diese ist in Österreich in den letzten Jahren deutlich in den Fokus gerückt und steht symbolisch für den enormen Aufschwung des österreichischen Klubfußballs. In der ECL könnten die vielen Punkte, die Österreich in den kommenden Jahren rausfallen werden, abgefedert werden. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es insgesamt deutlich mehr Punkte zu ergattern gibt, also auch die Konkurrenz in der 5-Jahreswertung von der ECL profitieren wird.

In Zeiten der gescheiterten Super League gewinnen außerdem Duelle von Mannschaften aus kleineren Fußball-Nationen, die vor der Europa Conference League niemals die Chance auf eine internationale Gruppenphase gehabt hätten, an Charme. Mittlerweile wartet Fußball-Europa seit zehn Jahren auf einen Europacup-Sieger, der nicht aus einer der Top-4-Ligen kommt. Letztmals konnte der FC Porto 2011 die Europa League gewinnen. Durch die Europa Conference League könnte es endlich wieder einen internationalen Champion aus einer "kleineren" Liga geben - etwa aus Österreich.

Schlussendlich wird das Schicksal der Europa Conference League davon abhängen, wie sehr der Bewerb von den Zusehern angenommen wird. Während Fans aus den großen europäischen Fußball-Märkten wie England, Spanien oder Deutschland mit Spielen wie Rapid Wien gegen Dinamo Tiflis eher weniger anfangen werden können, werden die Herzen von Fußball-Romantikern aufgehen. Ob von diesen noch genug existieren, wird die Zukunft der Europa Conference League maßgeblich mitbestimmen. Die UEFA berücksichtigte die ECL allerdings auch in ihrer aktuellen Reform, der Fortbestand des Bewerbs dürfte zumindest bis 2027 gesichert sein.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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