Frankreich: Deschamps kann Geschichte schreiben

Frankreich: Deschamps kann Geschichte schreiben Foto: © getty
 

Welt- und Europameister als Spieler und Trainer: Dieses zuvor noch nie gelungene Kunststück könnte Didier Deschamps bei der EM vollenden.

Als Teamchef von Frankreich stehen die Chancen von der Papierform sehr gut, der Weltmeister gilt auch bei den Buchmachern als Topfavorit auf den EM-Titel, ist einer der großen Gejagten. Um das Ziel zu erreichen, wurde im Vorfeld der EM gar Stürmerstar Karim Benzema pardoniert.

Der Real-Star gab am Mittwoch in der Vorwoche beim 3:0 gegen Wales nach mehr als fünfeinhalbjähriger Abwesenheit sein Comeback im Teamdress und bot abgesehen von einem vergebenen Elfmeter eine ansprechende Leistung.

Bei der Generalprobe am Dienstag gegen Bulgarien - auch ein 3:0-Sieg - schied er allerdings vor der Pause am Knie angeschlagen aus. Es könnte daher sein, dass Deschamps seinen Traumsturm zum EM-Start am Dienstag umbauen muss.

Sollte Benzema fit sein, lastet großer Druck auf ihm. Nicht nur wegen seiner 30 Tore in 46 Pflichtspielen für Real Madrid, sondern weil seine Nominierung überraschend gekommen war, nachdem er wegen der Verwicklung in den Fall um eine Erpressung von Mathieu Valbuena Ende 2015 zunächst suspendiert und dann nicht mehr berücksichtigt worden war.

Die Causa ist noch immer nicht ausgestanden, im Oktober muss der 33-Jährige erneut vor Gericht erscheinen. Um erfolgreich zu sein, wurde darüber hinweggesehen, zudem wurden auch die alten Meinungsverschiedenheiten mit Deschamps ausgeräumt.

"Was passiert ist, ist passiert. Jetzt zählt, was auf dem Platz passiert, da will ich mein Bestes zeigen", sagte Benzema.

Die Hoffnungen sind groß, dass der Routinier sein Torkonto im Teamdress von 27 Treffern in 83 Länderspielen aufbessern kann. "Jeder, nicht nur ein Spieler, muss auf seinem besten Level sein", nahm Kapitän Hugo Lloris den Druck von Benzema.

Das unterstrich auch Deschamps. "Ich möchte die drei Stürmer nicht vom Rest der Mannschaft trennen. Unser Abschneiden wird davon abhängen, was jeder Einzelne bringen wird. Da gehören die Verteidiger und Mittelfeldspieler genauso dazu."

Hochkarätiger Kader "keine Garantie für Erfolg"

Im Sturm scheinen grundsätzlich Benzema neben Kylian Mbappe und dahinter Antoine Griezmann gesetzt. Wenn man dann auch noch einen wie Olivier Giroud, der am Dienstag doppelt traf, in der Hinterhand hat, kann man personell nicht besser aufgestellt sein.

Ein ähnliches Prunkstück ist dahinter das Mittelfeld rund um Paul Pogba und Champions-League-Sieger N'Golo Kante. "Er würde sich den Ballon d'Or verdienen. Er ist immer eine treibende Kraft, von der Körpergröße zwar klein, aber aus sportlicher Sicht riesengroß", lobte Deschamps den Chelsea-Motor.

Allgemein sieht sich Deschamps privilegiert, so viele hochkarätige Spieler zu haben. "Das ist aber keine Garantie für den Erfolg." Als Spieler hat er den EM-Triumph 2000 bereits ausgekostet, zwei Jahre davor war er Weltmeister, wie auch als Teamchef 2018.

Nun will er die positive Entwicklung von "Les Bleus" mit dem zweiten Double aus WM und EM krönen, was bisher noch keine Nation geschafft hat.

Rekorde für Deschamps Nebensache

Dass er damit doppelt Geschichte schreiben würde, hat für ihn keine große Bedeutung. "Auch wenn ich immer ein Wettkämpfer bin, jage ich dem nicht hinterher. Rekorde waren nie eine treibende Kraft für mich", sagte der 52-Jährige gegenüber dem "kicker".

Schon jetzt ist er - neben Franz Beckenbauer und Mario Zagallo - einer von drei Akteuren, die als Spieler und Coach Weltmeister wurden. Die Endrunde in Russland war das große Highlight, nachdem es zuvor ein WM-Viertelfinale (2014) und EM-Finale gegen Portugal (2016) gegeben hatte.

Der Pfeil ist also während der fast neunjährigen Amtszeit immer nach oben gegangen.

Und geht es nach Deschamps, soll das auch in Zukunft so weitergehen, auch wenn sein Vertrag vorerst nur bis zum Ende der WM 2022 in Katar gültig ist. "Ich denke aktuell nicht darüber nach, wieder ein Klub-Trainer zu sein. Ich bin sehr glücklich", betonte der 103-fache Ex-Teamkicker.

Noch glücklicher würde ihn Frankreichs dritter EM-Titel nach 1984 und 2000 machen. Auf dem Weg warten mit Deutschland und Titelverteidiger Portugal gleich in der Gruppenphase zwei große Brocken. Anlaufschwierigkeiten wie in früheren Turnieren darf man sich keine erlauben.

Spielplan der Gruppe F>>>

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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