Deutschland: "Nichts für schwache Nerven"

 

Deutschland steht nach einem harten Stück Arbeit im EM-Achtelfinale. Das von vielen Experten als lediglich Formsache angesehene letzte Gruppenspiel gegen Underdog Ungarn wurde jedoch zu einer echten Zitterpartie.

Bis zur 84. Minute sah es nämlich ganz danach aus, als würde die deutsche Nationalmannschaft ein Déjà-vu erleben und genauso wie bei der WM 2018 unerwartet in der Gruppenphase die Segel streichen.

Ungarn, das unbedingt einen Sieg brauchte, um noch ins Achtelfinale aufzusteigen, drängte das DFB-Team nämlich an den Rande einer Niederlage, führte das Spiel in der verregneten Allianz Arena in München über weite Strecken an, ehe Leon Goretzka Deutschland doch noch kollektiv durchatmen ließ. Am Ende reichte Deutschland ein 2:2 (Spielbericht >>>), um sich trotz durchwachsener Leistung für das Achtelfinale zu qualifizieren.

"Wir sind einfach nur erleichtert, dass wir es geschafft haben, uns als Gruppenzweiter zu qualifizieren. Wir lagen lange in Rückstand, sind dann nach dem Ausgleich gleich wieder in Rückstand geraten. Es war natürlich ein Nervenkrimi", so ein erleichterter Manuel Neuer nach dem Spiel in der "ARD".

Löw: "Moral war sensationell gut"

Auch bei Bundestrainer Joachim Löw, der haarscharf an seinem letzten Spiel als Deutschland-Trainer vorbeirauschte, ist die Erleichterung riesig. "Wir haben zwar viele Fehler gemacht, aber auch extrem gute Moral bewiesen, die war sensationell gut. Es war nichts für schwache Nerven."

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)



"Wir wussten, Ungarn haut alles rein, läuft alles zu so lange es geht. Dann sind wir leider in Rückstand geraten, da mussten wir nachlaufen, aber am Ende muss man sagen, durch diese Gruppe durchzukommen, war das Ziel", findet Löw.

Kimmich hatte kurz Bedenken

Trotz des erreichten Achtelfinal-Einzugs muss sich Löws Mannschaft nach der Partie gegen Ungarn selbstverständlich aber auch eine Menge Kritik gefallen lassen. Spielerisch konnte man überhaupt nicht anknüpfen an die starke Vorstellung gegen Portugal.

"Es ist natürlich schwer gegen so eine Mannschaft, wenn du 0:1 hinten liegst. Man hat gesehen, dass sie gegen Frankreich und Portugal über weite Strecken auch echt super verteidigt haben. Wir hatten in manchen Situationen auch nicht das Glück, mit dem Lattentreffer zum Beispiel", verteidigt Manuel Neuer das Spiel.

Joshua Kimmich gibt zu, im Laufe des Spiels bereits etwas daran gezweifelt zu haben, ob man das Ruder noch rumreißen könne. "Natürlich hat man da kurz Bedenken. Wir haben uns brutal schwergetan beim Herausarbeiten von Chancen. Wir standen im eigenen Ballbesitz nie wirklich gut, vor allem wenn wir den Ball verloren haben. Da ist der Gegner immer wieder zu gefährlichen Kontersituationen gekommen."

Goretzka: "Wenn du bei so einem Turnier etwas erreichen willst..."

Vor allem die Aktion, in der Deutschland trotz des Ausgleichs zum 1:1 nicht einmal eine halbe Minute später sofort wieder in Rückstand geriet, gab kein gutes Bild ab. "Da sind wir einfach nicht schnell genug wieder auf dem Platz, nicht wach genug vom Kopf her. Das darf natürlich niemals passieren, wenn du bei so einem Turnier etwas erreichen willst", so Leon Goretzka.

Genau dieser ließ die deutschen Fans kurz vor Spielende dann aber doch noch jubeln. "Ich bin natürlich überglücklich. Ich hab das Spiel von außen beobachtet und gesehen, es wird eng. Da nimmst du dir natürlich viel vor, dass wenn du reinkommst, du voll da bist. Glücklich gelaufen, dass mir der Ball so vor die Füße fällt."

Löw verspricht Steigerung gegen England

Mit seinem Treffer zum 2:2 bescherte der Bayern-Star der deutschen Nationalmannschaft ein Achtelfinal-Aufeinandertreffen mit England - dazu auch noch im Londoner Wembley. "Ein schöneres Spiel gibt es fast nicht, ob das im Achtelfinale sein muss, sei mal dahingestellt, aber wir sind auf jeden Fall heiß. Wir haben drei echt verschiedene Spiele gesehen, ich hoffe aber, dass wir jetzt im Turnier angekommen sind", findet Joshua Kimmich.

Manuel Neuer glaubt gegen England an eine stärkere Leistung als gegen Ungarn. "Das ist ein ganz anderes Spiel. Man hat gesehen, wie wir gegen spielstarke Mannschaften spielen. Wir haben trotzdem Selbstvertrauen, auch wenn wir gegen Ungarn nur 2:2 gespielt haben."

Bundestrainer Joachim Löw verspricht: "Wir werden gut vorbereitet sein und auch anders auftreten als heute, so viel kann ich versprechen."

Gulacsi: "Am Ende einfach nur Pech"

Einen ganz bitteren Abend erlebten indes die Ungarn, die ganz knapp an der großen Sensation dran waren. "Momentan ist es schwer, Worte zu finden. Wir haben ein gutes Spiel gemacht", so Torhüter Peter Gulacsi. "Klar hat Deutschland das Spiel dominiert, aber das haben wir auch erwartet. Am Ende ist einfach Pech, das ist sehr bitter für uns."

Trotz des momentanen Schmerzes wird in wenigen Tagen der Stolz überwiegen, dem ist sich Gulacsi sicher. "Wir haben für unser Level drei sehr gute Spiele gemacht. Die Gruppe, die wir bekommen haben, ist wahrscheinlich das schwerste, das man in Europa bekommen kann. Wir waren aber bis zur 80. Minute in der Position, dass wir weiterkommen können. Natürlich ärgert man sich da. Da entscheiden Kleinigkeiten."


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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