Mit der B-Elf ins Halbfinale

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Mit der zweiten Garde ins Halbfinale

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Der Abwehrchef? Fehlt. Der Mittelfeldmotor? Fehlt. Der Superstar? Fehlt.

Es ist nur ein kleiner Auszug an Spielern, die Frankreich im Vorfeld der Heim-EURO vorgeben musste – einerseits aufgrund von Verletzungen, andererseits verzichtete Teamchef Didier Deschamps freiwillig auf seine vermeintlichen Leistungsträger.

Dazu musste die „Equipe Tricolore“ auch noch im Laufe der Endrunde Ausfälle aufgrund von Gelbsperren hinnehmen.

Macht alles nichts, Frankreich steht im Halbfinale der Europameisterschaft und macht sich berechtigte Hoffnungen auf den Turniersieg. Zunächst muss aber noch die Hürde Deutschland genommen werden.

Bei den Wettanbietern gilt man nicht als Favorit auf den Titel. Wäre dies mit all den fehlenden Superstars anders? LAOLA1 blickt auf die fehlenden Akteure.

Die vermeintliche Wunschelf:

Wäre alles nach Wunsch verlaufen, würde die französische Nationalelf wohl an vier Positionen anders aussehen – drei davon bilden die Defensiv-Offensiv-Achse in der Mitte.

Raphael Varane hat sich in den letzten Jahren bei Real Madrid vom Toptalent zu einem der besten Innenverteidiger der Welt entwickelt. Er beherrscht nahezu alles, was ein moderner Defensivmann braucht: Tolle Zweikampftechnik, gutes Stellungsspiel und eine unglaubliche Präzission im Spielaufbau. Dazu besticht er mit seiner Schnelligkeit.

Seinen Stammplatz bei der EURO hatte er eigentlich sicher, doch dann der Schock: Kurz vor Ende der letzten Saison zog er sich einen Oberschenkelmuskelriss zu, eine Turnier-Teilnahme war dadurch vom Tisch. Sein Ersatz: Adil Rami, vor einem Jahr noch beim kriselnden AC Milan vom Hof gejagt, ist er mittlerweile Stammspieler beim FC Sevilla.

Lassana Diarras Karriere war beinahe schon vorbei. Von 2009 bis 2012 war auch er bei Real Madrid engagiert, dort war er aber nie unumstrittener Stammspieler. Es folgte der Wechsel nach Russland, zunächst zu Anzhi Makhachkala, später zu Lokomotive Moskau.

Doch auch in Russland lief es nicht nach Wunsch, nach einem Streit mit Trainer Leonid Kuchuk wurde er bei Lok suspendiert. Ein ganzes Jahr lang fand er daraufhin keinen neuen Verein, ehe ihm mit Beginn der Saison 2015/16 Olympique Marseille eine neue Chance anbot. So kehrte er auch wieder ins Blickfeld Deschamps‘ zurück. Dem Märchen fehlt allerdings sein Happy End, eine Knieverletzung beendete seinen EURO-Traum. Sein Ersatz: N’Golo Kante, vor zwei Saisonen noch Zweitliga-Spieler ist er mittlerweile englischer Meister mit Leicester und einer der besten Franzosen bei diesem Turnier.


Wird ein Franzose MVP der EURO? Die LAOLA1-Dreierkette diskutiert darüber:


Die Posse um Karim Benzema ist ohnehin bekannt. Nach seinem Erpressungsskandal rund um das Sex-Video vom ehemaligen Teamkollegen Mathieu Valbuena hat der Verband ein Machtwort gesprochen und den Superstar von Real Madrid vom Team suspendiert. Sein Ersatz: Arsenals Olivier Giroud, der vor dem Turnier viel Kritik einstecken musste, aber mit drei Treffern großen Anteil am Halbfinal-Einzug hat.

Auf der Linksverteidigerposition hätte Benoit Tremoulinas von Euro-League-Sieger FC Sevilla eine Alternative zum fehleranfällig agierenden Patrice Evra sein können, ein Meniskusriss verhinderte aber eine Turnier-Teilnahme.

Die Elf der fehlenden Spieler:

Neben den vier genannten Spielern haben es noch weitere Topakteure nicht in den Kader geschafft. Besonders in der Innenverteidigung hat es den zweifachen Europameister schwer getroffen. Neben Varane musste auch Jeremy Mathieu (FC Barcelona/Meniskuseinriss), Kurt Zouma (FC Chelsea/Kreuzbandriss), Aymeric Laporte (Athletic Bilbao/Kreuzbandriss) und Mamadou Sakho (FC Liverpool/Dopingsperre bis 30. Mai) absagen. So kam Samuel Umtiti bei der EM zu seinem Teamdebut.

Auch im Mittelfeld und Sturm würden sich die meisten Nationen alle zehn Finger abschlecken, um Spieler zur Verfügung zu haben, die es bei den Franzosen nicht in den Kader geschafft haben. Samir Nasri hat Deschamps aufgrund seines schwierigen Charakters ignoriert. Bei Hatem Ben Arfa, der vor wenigen Tagen zu PSG wechselte, und Geoffrey Kondogbia, für den Inter Mailand vor einem Jahr noch über 30 Millionen Euro Ablöse zahlte, reichte die Leistung nicht für eine Nominierung. Auch Adrien Rabiot (PSG) und Francis Coquelin (FC Arsenal) konnten den Coach nicht überzeugen.

Der in Mexiko spielende Andre-Pierre Gignac bekam zudem den Vorzug gegenüber Alexandre Lacazette, der in den letzten beiden Saisonen 54 Treffer für Olympique Lyon erzielte. Auch auf Sevilla-Goalgetter Kevin Gameiro verzichtete Deschamps freiwillig.

Die Aufstellung gegen Deutschland:

„Never change a winning Team“ – dieses Motto wird Didier Deschamps im Halbfinale gegen den aktuellen Weltmeister wohl nicht beherzigen. Man rechnet wieder mit einer Rückkehr zum 4-3-3, die im Viertelfinale gesperrten Kante und Rami werden an Stelle von Moussa Sissoko und Umtiti ins Team rücken.


Die Aufstellung gegen Island:

Beim überzeugenden 5:2-Sieg gegen Island im Viertelfinale spielte die „Equipe Tricolore“ mit einem 4-2-3-1-System. Geht es nach Ex-Weltmeister Bixente Lizarazu, ist diese Formation gegen Deutschland nicht spielbar. "Wenn sie nicht die ganze Zeit dem Ball hinterherlaufen wollen, wäre die Rückkehr zum 4-3-3 mit N'Golo Kante als zentralem Prellbock auf der Sechs womöglich die bessere Idee“, so der Ex-Bayern-Star in seiner Zeitungskolumne.

Am Ende muss aber Didier Deschamps entscheiden, wie er seine „B-Elf“ aufstellt.


Julian Saxer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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