Österreich im Rennen um CL-Fixplatz auf der Pole

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Österreich steht vor dem vielleicht entscheidendsten Jahr in der UEFA 5-Jahreswertung in der jüngeren Vergangenheit.

Wenn mit dem SK Rapid am Mittwoch der erste rot-weiß-rote Vertreter in die Europacup-Saison 2020/21 startet, in der Corona-bedingt vieles anders sein wird, ertönt zugleich der Startschuss zum Rennen um den begehrten elften Platz des UEFA-Rankings, der erneut recht wahrscheinlich drei europäische Fixplätze, unter anderem einen in der Champions League, verspricht.

Mit der Konkurrenz aus der Türkei und der Ukraine im Rücken und jener aus den Niederlanden und Belgien vor Augen startet Österreich auf Platz zehn und damit mit einer so guten Ausgangslage wie nie zuvor in die bereits laufende europäische Spielzeit.

LAOLA1 analysiert, was passieren muss, damit der zuletzt zwei Mal verpasste Champions-League-Fixplatz wieder nach Österreich wandert und klärt auf, in welcher Form das Corona-Virus auch die 5-Jahreswertung beeinflussen wird.

Die Implikationen des Corona-Virus

Bevor es mit der Analyse losgeht, muss darüber gesprochen werden, welche Auswirkungen das Corona-Virus auf die kommende Europacup-Saison haben wird. Dass es großen Einfluss nehmen wird, steht nämlich außer Frage. Das hat sich bereits in der Qualifikation gezeigt. In der Vorqualifikationsrunde der Champions League musste der kosovarische Meister KF Drita eine 0:3-Pleite auf dem Papier gegen den FC Linfield aus Nordirland hinnehmen, nachdem Behörden in der Schweiz, wo das Spiel auf neutralem Boden stattfinden hätte sollen, die Kosovaren wegen mehrerer Corona-Fälle in Quarantäne steckte.

Das gleiche Schicksal erlitt auch Dritas kosovarischer Ligakonkurrent FC Prishtina sowie der slowakische Meister Slovan Bratislava, beide Teams konnten aufgrund von mehreren Infizierten in der eigenen Mannschaft nicht zu ihren Auswärtsspielen antreten und schieden kampflos aus. Und auch die Partie des SK Rapid bei Lokomotiva Zagreb (Mittwoch, 19 Uhr im LIVE-Ticker) war vor wenigen Wochen noch in der Schwebe, nachdem sich im kroatischen Kader fünf Spieler infizierten. Spielabsagen werden in dieser Saison wohl nicht nur einmal vorkommen, es gilt nur zu hoffen, dass die Pandemie nicht zu sehr wettbewerbsverzerrend wirkt.

Zudem hat das Virus auch Auswirkungen auf den Qualifikations-Modus. Da der Terminplan der UEFA viel zu straff ist, werden alle Duelle der Champions-League- und Europa-League-Qualifikation in nur einem Spiel entschieden, das Heimrecht wird ausgelost. Die Ausnahme macht das CL-Playoff, das aufgrund der Vermarktungsrechte weiter mit Hin- und Rückspiel absolviert wird.

Deswegen musste auch die Vergabe der Punkte für die 5-Jahreswertung in der Qualifikation adaptiert werden. Statt nur einem Punkt gibt es sowohl in der Champions-League- als auch in der Europa-League-Qualifikation jetzt eineinhalb Zähler für einen Sieg. Geteilt durch Österreichs Fünfer-Divisor würde sich jeder Erfolg in der Vorausscheidung also mit 0,3 statt zuvor mit 0,2 Punkten in der 5-Jahreswertung niederschlagen. Für ein Remis nach regulärer Spielzeit plus Verlängerung gibt es einen Punkt (=0,2 für Österreich) und selbst für eine Niederlage bekommt man 0,5 Zähler (=0,1 für Österreich) gutgeschrieben. Im Playoff und in den Hauptbewerben bleibt alles beim Alten, auch die vier Bonuspunkte (=0,8 für Österreich) für einen Champions-League-Einzug bleiben erhalten.

Rang 16/17 17/18 18/19 19/20 202/21 Punkte verbl. Teams
1 Spanien 20,142 19,142 19,571 18,928 2,285 80,640 7/7
2 England 14,928 20,071 22,642 18,571 2,285 78,497 7/7
3 Italien 14,250 17,333 12,642 14,928 2,285 61,438 7/7
4 Deutschland 14,571 9,857 15,214 18,714 2,285 60,641 7/7
5 Frankreich 14,416 11,500 10,583 11,666 2,000 50,165 6/6
6 Portugal 8,083 9,666 10,900 10,300 0,800 39,749 5/5
7 Russland 9,200 12,600 7,583 4,666 1,333 35,382 6/6
8 Belgien 12,500 2,600 7,800 7,600 0,800 31,300 5/5
9 Niederlande 9,100 2,900 8,600 9,400 0,800 30,800 5/5
10 ÖSTERREICH 7,375 9,750 6,200 5,800 0,000 29,125 5/5
11 Türkei 9,700 6,800 5,500 5,000 0,900 27,900 5/5
12 Ukraine 5,500 8,000 5,600 7,200 0,800 27,100 5/5
13 Schottland 4,375 4,000 6,750 9,750 0,375 25,250 4/4
14 Zypern 5,500 7,000 6,125 5,125 0,375 24,125 4/4
15 Dänemark 8,500 5,250 4,875 5,125 0,000 23,750 4/4
16 Serbien 2,875 6,375 6,000 6,000 0,750 22,000 4/4
17 Griechenland 5,800 5,100 5,100 4,900 0,300 21,200 5/5
18 Schweiz 4,300 6,500 3,900 6,400 0,000 21,100 4/4
19 Kroatien 5,125 5,125 5,750 4,375 0,000 20,375 5/5
20 Tschechische Republik 5,500 5,500 6,500 2,500 0,000 20,000 5/5

8. Belgien (31.300):

Champions League

Gruppenphase: Club Brügge

Qualifikation (3. Runde, Liga-Weg): KAA Gent (=Fixplatz in EL-Gruppenphase)

Europa League

Gruppenphase: Royal Antwerpen

Qualifikation (2. Runde, Liga-Weg): Standard Lüttich

Qualifikation (3. Runde, Liga-Weg): Sporting Charleroi

Wie erwartet konnte Österreich in der Vorsaison keinen Angriff auf Belgien, das auch zum Start der Spielzeit 2019/20 auf Rang acht lag, starten.

Und auch heuer wird ein solches Unterfangen schwierig, obwohl die Belgier, deren Jupiler Pro League in der 5-Jahreswertung jahrelang völlig außerhalb des rot-weiß-roten Horizonts lag, nur knapp zwei Zähler voran liegen. Wie eigentlich immer - ein Ausrutscher von nur 2,6 Punkten in der Saison 2017/18 ausgenommen - punkteten die belgischen Vertreter brav und fuhren in der Vorsaison dank einer starken Leistung im Kollektiv 7,6 Punkte ein. Dabei fiel es nicht ins Gewicht, dass nur KAA Gent und Club Brügge, die beide im Sechzehntelfinale der Europa League scheiterten, eine K.o.-Phase erreichten.

Zur neuen Saison muss Belgien gleich auf zwei richtige Kaliber verzichten. KRC Genk und Zulj-Klub RSC Anderlecht lagen beide bei Abbruch der Saison in der Jupiler Pro League unter dem "Strich" und dürfen so 2020/21 europäisch nur zusehen. Stattdessen startet der Club Brügge, der beim Corona-bedingten Liga-Abbruch klar an der Spitze lag und deswegen zum Meister gekürt wurde, erneut in der Gruppenphase der Champions League. Auch Gent hat die Chance auf diese, die Flamen steigen - wahrscheinlich ungesetzt - in Runde drei des Liga-Wegs der CL-Quali ein. Ein Europa-League-Start ist Gent damit sicher.

An der EL-Gruppenphase ebenfalls teilnehmen darf Royal Antwerpen. Der älteste Fußballverein des Landes konnte im nach der Corona-Pause nachgeholten Cup-Finale Brügge schlagen und darf deswegen erstmals in der Klubgeschichte in der Europa League ran. Standard Lüttich und Sporting Charleroi müssen in der EL-Qualifikation ran. Während Lüttich in allen Runden gesetzt wäre, ist Charleroi schon beim Einstieg in Runde drei ungesetzt und deswegen ein möglicher Gegner des LASK.

Prognose:

Auch wenn Belgien weit davon entfernt ist, in Bestbesetzung in die bereits laufende Europacup-Saison zu gehen, ist das belgische Kollektiv zu stark, um von Österreich heuer abgefangen zu werden.

Nach dieser Saison fällt der Jupiler Pro League allerdings die gewaltig starke Saison 2016/17 aus der Wertung, in der unfassbare 12,5 Punkte erreicht werden konnten. Damit liegt Österreich nach aktuellem Stand zum Start der nächsten Saison mit fast drei Punkten Vorsprung sogar deutlich vor Belgien auf Rang acht - daran kann sich aber noch einiges ändern.

9. Niederlande (30.800)

Champions League

Qualifikation (Gruppenphase): Ajax Amsterdam

Qualifikation (2. Runde, Liga-Weg): AZ Alkmaar gegen Viktoria Pilsen (CZE)

Europa League

Qualifikation (Gruppenphase): Feyenoord Rotterdam

Qualifikation (2. Runde, Liga-Weg): Willem II

Qualifikation (3. Runde, Liga-Weg): PSV Eindhoven

Die Niederlande haben in der abgelaufenen Europacup-Saison wie befürchtet erneut richtig geliefert, Österreich zum zweiten Mal in Folge von Rang elf verdrängen können und die Spielzeit 2019/20 am Ende sogar auf Rang zehn beendet.

Ajax hat sich in der Champions-League-Gruppenphase erneut teuer verkauft, musste schließlich aber sehr unglücklich ins Europa-League-Sechzehntelfinale umsteigen, wo die jungen Holländer vom FC Getafe aus dem Bewerb gekickt wurden. Im Sechzehntelfinale der Europa League stand auch AZ Alkmaar, die talentierte Truppe wurde dort bekanntlich allerdings vom LASK eliminiert. Die Linzer schalteten zuvor bereits die PSV Eindhoven in der Gruppe aus, wo auch Feyenoord scheiterte. Im Gesamten kamen die holländischen Vertreter auf imposante 9,4 Punkte, da keine Mannschaft so richtig ausließ.

Wenig spricht aktuell dafür, dass sich das heuer ändert, auch wenn im Moment nur zwei Eredivisie-Teams fix in einer Gruppenphase stehen. Ajax - zum Zeitpunkt des Eredivisie-Abbruch Tabellenführer - darf erneut in der Champions League starten, könnte dort mit etwas Glück noch in Lostopf zwei aufrücken und hat bis auf Hakim Ziyech bisher kaum schwerwiegende Abgänge zu verzeichnen. Kurzum: Die talentierten Amsterdamer könnten erneut richtig dick punkten. Auch Feyenoord darf bereits mit einer Gruppenphase planen, nämlich mit jener der Europa League.

AZ Alkmaar hat die Corona-Pandemie doppelt hart getroffen. Die Nordholländer lagen punktegleich mit Ajax auf Rang zwei der Tabelle, als die niederländische Meisterschaft abgebrochen wurde. Alkmaar konnte sogar die beiden direkten Duelle mit dem Liga-Krösus für sich entscheiden, musste sich wegen der schlechteren Tordifferenz am Ende aber mit Rang zwei begnügen - auch das Einreichen eines Protests gegen diese Entscheidung bei der UEFA half nichts. Platz zwei hätte in Holland in dieser Saison zu einem Start in Runde drei der Champions-League-Quali und damit einer Fix-Teilnahme an der Europa League gereicht, wenn der Europa-League-Sieger 2019/20 sich bereits über die Liga für die Champions League qualifiziert hätte.

Da die Wiederaufnahme der Europa-League-Saison im Viertelfinale Corona-bedingt nach der Auslosung für Runde zwei der Champions-League-Quali stattgefunden hat und noch Klubs, die kein Fixticket für die Champions League über die Meisterschaft erreichen konnten, dabei waren, half es Alkmaar aber nichts, dass mit dem FC Sevilla ein Verein, der die obigen Kriterien erfüllen würde, sich den Titel sicherte. Damit muss AZ bereits in Runde zwei der CL-Quali einsteigen und bei einem Ausscheiden gegen Viktoria Pilsen weitere zwei Runden in der EL-Vorausscheidung überstehen, um erneut an der EL-Gruppenphase teilnehmen zu dürfen.

Auf jeden Fall in der EL-Quali ran muss PSV Eindhoven, die eine schwache Saison hinter sich hat und beim Abbruch nur auf Rang vier lag. Das nun von Ex-Salzburg-Coach Roger Schmidt trainierte Team müsste für eine erneute Gruppenphasen-Teilnahme zwei Runden als gesetztes Team überstehen. Überraschungsteam Willem II darf sich ebenso an dem Qualifikations-Weg der Europa League versuchen. Die Tillburger wären bei einem Überstehen von Runde zwei aber bereits ungesetzt.

Prognose:

Dass Österreich die Niederlande in der Saison 2017/18 hinter sich gelassen hat, wird eine Ausnahme bleiben - die holländischen Kapazitäten sind schlicht größer.

Die Summen, die am niederländischen Transfermarkt sowohl generiert als auch ausgegeben werden, kann man mit jenen in Österreich kaum vergleichen. Ajax nahm alleine durch den Verkauf von Hakim Ziyech an den FC Chelsea 40 Millionen Euro ein, ein gewisser Erling Haaland verließ Salzburg im Winter um vergleichsweise mickrige 20 Millionen Euro. Im Gegenzug übersiedelte das brasilianische Top-Talent Antony um über 16 Millionen Euro nach Amsterdam, auch eine Rückholaktion von Luis Suarez vom FC Barcelona in die niederländische Hauptstadt steht im Gespräch.

Obwohl die direkten österreichisch-niederländischen Duelle im Europacup in den letzten Jahren fast ausnahmslos an die rot-weiß-roten Vertreter gingen, ist und bleibt uns die Eredivisie um mindestens einen Schritt voraus. Der Rückstand von 1,675 Zählern von Österreich auf die Niederlande wird heuer kaum aufzuholen sein.

10. Österreich (29.125)

Champions League

Qualifikation (Playoff, Meister-Weg): FC Salzburg (=Fixplatz in EL-Gruppenphase)

Qualifikation (2. Runde, Liga-Weg): Rapid Wien gegen Lokomotiva Zagreb (CRO)

Europa League

Gruppenphase: Wolfsberger AC

Qualifikation: (2. Runde, Liga-Weg): TSV Hartberg

Qualifikation: (3. Runde, Liga-Weg): LASK

Österreich startet zum ersten Mal in der Geschichte der 5-Jahreswertung auf Rang zehn in eine europäische Saison, noch nie war der Ausgangs-Punktewert mit 29,125 Zählern so hoch wie heuer. Ein Zuckerschlecken wird die Saison 2020/21 deswegen aber sicher nicht.

Der Grund, warum Österreich aktuell so gut wie nie zuvor dasteht, liegt darin, dass wir im Moment auf vier grandiose Spielzeiten hintereinander zurückblicken können. Die drei Fixplätze aus der Vorsaison konnten perfekt ausgenutzt werden, Salzburg (Champions League), der LASK und der WAC (beide Europa League) konnten bei ihrer allerersten Teilnahme am jeweiligen Bewerb allesamt überzeugen und mehr Punkte einfahren als erhofft. Da fällt auch das Quali-Debakel von Sturm und der Wiener Austria nicht zu schwer ins Gewicht. Das Ziel, die 3,800 Punkte, die nach der letzten Saison rausfielen, zumindest zu verteidigen, konnten die Eurofighter mit 5,8 Punkten mehr als übertreffen.

In welche Richtung es heuer und in Zukunft für Österreichs Ambitionen in der 5-Jahreswertung geht, könnte sich bereits am Mittwoch entscheiden. Der Ausgang des Spiels des SK Rapid bei Lokomotiva Zagreb könnte maßgeblichen Anteil daran nehmen, ob Österreich auch in den nächsten Jahren rund um die Top-10 mitmischen darf. Schalten die Hütteldorfer den kroatischen Vizemeister aus, würden sie automatisch in der Europa-League-Gruppenphase stehen und hätten zumindest eine Mini-Chance auf eine Champions-League-Teilnahme. Bei einem Scheitern in Kroatien hätte Rapid immerhin noch die Chance auf die Europa League, müsste dafür als gesetztes Team allerdings zwei Quali-Runden überstehen - trotz Setzung kein einfaches Unterfangen. Bisher hat Rapid mit der Ausnahme Helsinki in der Qualifikation aber stets überzeugt. Auch in der EL-Gruppenphase waren die Hütteldorfer, die mit etwas Glück sogar noch in Lostopf zwei landen könnten, stets eine Konstante und für viele Punkte gut.

Den LASK trennen nur zwei Spiele von der erneuten Teilnahme an der EL-Gruppenphase. Eine Qualifikation dafür ist den Linzern, die in Runde drei noch gesetzt sind und im Playoff nicht mehr, durchaus zuzutrauen, nimmt man die letztjährige Glanzleistung als Maßstab her. Bisher läuft die Vorbereitung der Athletiker unter Neo-Coach Dominik Thalhammer aber nur mäßig, zudem fehlen in der Offensive mit den Abgängen Joao Klauss, Dominik Frieser und Samuel Tetteh und durch die schwere Verletzung von Thomas Goiginger ein Großteil der Schlüsselkräfte der Vorsaison. Ein Durchmarsch in die Gruppenphase ist vom LASK deswegen leider eher nicht zu erwarten.

Der TSV Hartberg ist indes als absolute Wundertüte zu bezeichnen, was gerade im aktuellen Quali-Modus, in dem jede Runde in nur einem Spiel entschieden wird, ein Vorteil sein kann. Die Oststeirer gehen jedes Match mit einer Alles-oder-nichts-Mentalität an und könnten so in der Qualifikation auch deutlich höher einzuschätzende Gegner ärgern. Taktieren gehört nämlich nicht zu den Hartberger Stärken, weswegen das Wegfallen der Rückspiele eine durchaus ernstzunehmender Vorteil für den TSV werden kann. In Runde zwei wäre Hartberg dank des Länderkoeffizientens sogar noch gesetzt, ab Runde drei allerdings nicht mehr. Für ein etwaiges Playoff könnten die Oststeirer wiederum eine Setzung erben, nämlich dann, wenn sie in Runde drei einen im Playoff gesetzten Gegner ausschalten. Ein Hartberger Vorstoßen bis in den Hauptbewerb ist allerdings freilich utopisch und wäre der Gipfel eines jetzt schon unglaublichen Fußballmärchens.

Ein solches hat der Wolfsberger AC bereits hinter sich. Die Lavanttaler werden zum zweiten Mal hintereinander an der Europa-League-Gruppenphase teilnehmen - ein Satz, für den man vor wenigen Jahren in Österreich noch für verrückt erklärt worden wäre. Wie schon 2018/19 schloss der WAC die Bundesliga erneut auf Rang drei ab und hat somit die EL-Gruppenphase sowie einen dicken Batzen an Geld sicher. Erneut werden die "Wölfe" aus dem letzten Topf bei der Auslosung gezogen und der absolute Underdog ihrer jeweiligen Gruppe sein. Dass das kein Problem darstellt, haben die Kärntner bereits im letzten Herbst bewiesen, als sie den Aufstieg in die K.o.-Phase nur unglücklich verpassten und die direkten Duelle mit den Fußball-Größen Borussia Mönchengladbach und der AS Roma im Gesamtvergleich sogar für sich entscheiden konnten. Auch ohne Shon Weissman wird der WAC in diesem Herbst die europäische Bühne erneut sicher nicht punktelos verlassen.

Die Europa-League-Gruppenphase ebenfalls bereits fixiert hat der FC Salzburg. Dass die "Bullen" allerdings nach Größerem streben, ist hinlänglich bekannt. Nachdem Salzburg im letzten Herbst erstmals Champions-League-Blut geleckt hat, ist man in der Mozartstadt so heiß wie nie zuvor auf die "Königsklasse". Zum bereits zwölften Mal versuchen sich die "Bullen" heuer an der CL-Qualifikation, erneut sind sie im Playoff klarer Favorit. Dass das nicht viel zu bedeuten hat, haben die letzten Jahre gezeigt. Immer wieder haben sich die Salzburger gegen am Papier deutlich schwächere Gegner angeschüttet. Nun ist der Champions-League-Fluch aber gebrochen und die Mozartstädter sind bereit für eine erneute "Königsklassen"-Teilnahme. Auch heuer sind von den Salzburgern die meisten Punkte für die 5-Jahreswertung zu erwarten, egal ob sie an der Champions League, in der sie aus Lostopf drei gezogen werden würden, oder an der Europa League (Lostopf eins) teilnehmen werden.

Prognose:

Eine Verteidigung von Platz zehn ist nur realistisch, wenn Österreich neben Salzburg und dem WAC eine dritte Mannschaft in eine Gruppenphase bringt.

Die beste Chance darauf hat freilich der SK Rapid. Mit Lok Zagreb haben die Hütteldorfer das glücklichste Los gezogen, gegen die Kroaten müssen die Wiener einfach drüber kommen. Landen die Hütteldorfer erneut in einer Gruppenphase - in welcher auch immer - darf man von ihnen auch wieder viele Punkte erwarten.

Beim LASK und Hartberg kann man indes nicht mit einer Gruppenphase rechnen, zu hoch ist die Varianz, die durch den aktuellen Quali-Modus entstanden ist. Sollten es tatsächlich erstmals seit 2009 gar vier österreichische Mannschaften in einen UEFA-Hauptbewerb schaffen, wäre die Aussicht auf eine weitere grandiose Saison in der 5-Jahreswertung aber natürlich blendend.

Während der WAC zumindest sicher kein Kanonenfutter in der Europa League sein wird, man aber auch nicht böse sein kann, wenn dem doch der Fall ist, ist der FC Salzburg nach den vergangenen Jahren fast schon zum Abliefern verpflichtet. Gewinnen die "Bullen" das Champions-League-Playoff, sind Österreich zusätzliche 0,8 Bonuspunkte für das Erreichen der CL-Gruppenphase sicher und der Grundstein für ein weiteres überdurchschnittliches Punktejahr wäre gelegt. Tritt dieser Fall ein, würde Österreich schon mal mit mindestens 1,4 Punkten am diesjährigen Konto in die Gruppenphasen gehen, da es durch den aktuellen Quali-Modus auch bei Niederlagen "Gratis-Punkte" gibt.

Am Ende der Saison sollte Österreich ein Wert zwischen fünf und sechs Zähler am 5-Jahreskonto reichen, um zumindest Rang elf zu verteidigen. Diese Zahl ergibt sich, wenn man sich den Trend der verfolgenden Türkei, der in den letzten Jahren stets klar nach unten zeigte, und der Ukraine, die allerdings ein gutes Vorjahr hatte, ansieht. Eine genaue Voraussage lässt sich allerdings freilich nicht treffen, zu viele Faktoren werden in dieser wahrscheinlich äußerst "Corona-verseuchten" Saison reinspielen.

Im kommenden Sommer fallen mit der Saison 2016/17 sogar 7,375 Punkte raus. Diese zu verteidigen, wird zwar ein Ding der Unmöglichkeit, die österreichischen Klubs sind aber gut darin beraten, diesen Wegfall so gut wie möglich aufzufangen. Mit einer eingestreuten Seuchen-Saison könnte die Aufbauarbeit der letzten Jahre schnell niedergerissen werden und der katastrophale Fall eintreten, dass Österreich langfristig aus den Top-15 rutscht.

11. Türkei (27.900)

Champions League

Gruppenphase: Basaksehir Istanbul

Europa League

Gruppenphase: Sivasspor

Qualifikation: (2. Runde, Liga-Weg): Galatasaray Istanbul

Qualifikation: (3. Runde, Liga-Weg): Alanyaspor, Besiktas Istanbul

Der türkische Total-Crash dürfte in dieser Saison endlich zu seiner vollen Entfaltung kommen.

Nachdem die Türken in der Vorsaison mit fünf Punkten ihre schlechteste Spielzeit seit 2011 aufs Papier brachten, könnte es heuer eine nochmal deutlich größere Watschn für die sich seit Jahren am absteigenden Ast befindliche Süper Lig geben. Dass es am Ende von 2019/20 überhaupt fünf Zähler wurden und die Türkei so knapp vor Österreich Platz elf verteidigen konnte, liegt einzig und allein an Basaksehir Istanbul. Der aktuelle türkische Meister überstand seine Europa-League-Gruppe unter anderem dadurch, dass er den WAC etwas glücklich zweimal schlug und im Sechzehntelfinale noch Sporting Lissabon rauswarf, ehe im Achtelfinale nach der Corona-Pause gegen den FC Kopenhagen Schluss war. Alle anderen drei Süper-Lig-Vertreter setzten ihre europäische Saison völlig in den Sand und wurden in ihren Gruppen jeweiliger Letzter.

Heuer sind die türkischen Aussichten nicht gerade rosiger. Im Gegenteil, mit Fenerbahce Istanbul und Trabzonspor muss die Türkei heuer gleich ohne zwei ihrer vier "Großen" in die europäische Schlacht ziehen. Während bei Fenerbahce schlicht sportliche Gründe zum Verpassen des Europacups führten, wurde Vizemeister Trabzonspor von der UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay für zwei Jahre vom Europacup ausgeschlossen.

Stattdessen rückte Besiktas nach und durfte wie Rapid in der zweiten Runde der Champions-League-Quali starten. Dort scheiterten die Hauptstädter allerdings bereits am Dienstag an Schwab-Klub PAOK und müssen nun in der EL-Quali ran. In dieser wäre Besiktas zwar stets gesetzt, einfach wird es für den 15-fachen türkischen Meister allerdings nicht, auch in die Gruppe zu kommen. Im Vorjahr blamierte sich Besiktas mit nur einem Sieg und fünf Pleiten als topgesetztes Team in der Europa League, die Kaderstärke bei den Istanbulern hat seither nochmal deutlich nachgelassen.

Auch Alanyaspor steigt in Runde drei der EL-Quali ein. Um den erstmals 2016 in die Süper Lig aufgestiegen Klub von der türkischen Riviera, der erstmals überhaupt am Europacup teilnimmt, muss man sich bezüglich einer erfolgreichen Qualifikation aber wohl keine großen Sorgen machen. Auch Galatasaray, das ebenfalls vom Bann Trabzonspors profitierte und deswegen in der zweiten EL-Quali-Runde einsteigen darf, muss sich gehörig steigern, um an der Europa League teilnehmen zu dürfen. Der türkische Rekordmeister wäre zwar auch bis zum Schluss gesetzt, die katastrophale Europacup-Bilanz der Istanbuler, deren Glanzzeiten längst vorüber sind, spricht aber gegen sie: Galatasaray konnte in den letzten fünf Jahren, in denen es international vertreten war, gerade mal zwei (!) von 30 Partien auf internationalem Boden gewinnen.

Sivasspor hingegen steht bereits fix in der EL-Gruppenphase - zum ersten Mal in der Klubgeschichte. Die Anatolen werden allerdings nur aus Topf vier gezogen und könnten wie alle türkischen Underdogs in den letzten Jahren in der Europa League ziemlich unter die Räder kommen. Sensationsmeister Basaksehir befindet sich als einziger türkischer Klub in den letzten Jahren im steten Aufwind und wird nun mit dem Debüt in der Champions League belohnt. Die Istanbuler, die von der Krankenhauskette Medipol und damit über Umwege von Staatschef Recep Tayyip Erdogan seit fünf Jahren kräftig finanziell unterstützt werden, sind in der "Königsklasse" aber egal in welcher Gruppe sie landen der klare Underdog. Die Istanbuler werden aus Topf vier gezogen und wären bei einer Qualifikation des FC Salzburg ein möglicher Gegner der "Bullen".

Prognose:

Die Türkei wird heuer hinter Österreich die Saison beenden.

Das Glück wurde in den letzten Jahren aufgebraucht, die spielerische Qualität ist ohnehin seit einiger Zeit nicht mehr vorhanden. Die Chancen stehen gut, dass die Türkei nur mit zwei Teams in eine Gruppenphase kommt, die beide in ihrem jeweiligen Bewerb aus dem letzten Topf gezogen werden und nicht nur deswegen ziemlich punktelos ausscheiden könnten.

Nur wenn einer der beiden Istanbuler Großklubs sich doch nochmal errappelt und die Gruppenphase der Europa League erreicht, könnte es für Österreich heikel werden. Unser Vorsprung ist mit 1,225 Punkten nämlich alles andere als komfortabel.

12. Ukraine (27.100)

Champions League

Gruppenphase: Shakhtar Donetsk

Qualifikation (3. Runde, Liga-Weg): Dynamo Kiew (=Fixplatz in EL-Gruppenphase)

Europa League

Gruppenphase: Zorya Luhansk

Qualifikation: (2. Runde, Liga-Weg): FC Kolos Kovalivka

Qualifikation: (3. Runde, Liga-Weg): Desna Chernigiv

Die Ukraine lässt einfach nicht locker!

Obwohl es zwischenzeitlich ganz düster für die Ost-Europäer aussah, konnten sie sich am Ende doch wieder rehabilitieren und mit 7,2 Zählern schlussendlich eine ganz starke Saison 2019/20 unter Dach und Fach bringen. Nachdem der FK Oleksandriya und überraschend auch Dynamo Kiew bereits in der Gruppenphase der Europa League abtreten mussten und Shakhtar Donetsk nur mit Glück Rang drei in einer der einfacheren Champions-League-Gruppen erreichte und so ins EL-Sechzehntelfinale umstieg, konnte man aus österreichischer Sicht darauf hoffen, dass nicht mehr viele Zähler auf das ukrainische Konto dazukommen würden. Genau das Gegenteil trat aber ein, Shakhtar überzeugte in der Europa League sowohl gegen Benfica Lissabon, als auch gegen den VfL Wolfsburg und zog verdient ins Finalturnier in Deutschland ein. Dort warf das ukrainische Zugpferd den FC Basel im Viertelfinale raus, ehe Inter Mailand im Semifinale eine Nummer zu groß war.

Auch heuer wird die Performance der Ukraine mit jener von Shakhtar stehen und fallen. Das Team aus Donetsk kann sich weiter auf seine Brasilianer verlassen und wird in der Champions League erneut aus Topf zwei gezogen. Auch Dynamo Kiew könnte in die "Königsklasse" einziehen, müsste dafür aber zwei Runden im schwierigen Liga-Weg der CL-Quali überstehen. Dort ist Dynamo zweimal gesetzt und wären bei einem Aufstieg von Rapid einer der drei möglichen Gegner der Hütteldorfer. Einen Platz in der EL-Gruppenphase haben die Hauptstädter bereits fix, dort sind sie im ersten Lostopf zuhause.

Abseits der beiden Großklubs wird es für die Ukraine nicht allzu viel zu holen geben. Zorya Luhansk nimmt bereits zum dritten Mal an der Europa-League-Gruppenphase teil, war dort zumeist aber nur Punktelieferant. Auch heuer werden die Ostukrainer nur aus Topf vier gezogen und werden mit einem Aufstieg wohl eher nichts zu tun haben, zumal mit Yevgen Cheberko einer ihrer wertvollsten Spieler den Klub Richtung LASK verließ.

Gänzlich neu auf der europäischen Landkarte sind der FC Kolos Kovalivka und Desna Chernigiv. Beiden Teams wird in der EL-Qualifikation aber nur wenig zugetraut, ab Runde drei wären die beiden Klubs, die zusammen einen Marktwert aufweisen, der im Bereich der Wiener Austria liegt, ungesetzt.

Prognose:

Leider ist es nicht unwahrscheinlich, dass uns die Ukraine auch in dieser Saison in die Suppe spuckt.

Serienmeister Shakhtar Donetsk lässt sich von der Schwäche der heimischen Liga nicht aus dem Konzept bringen und liefert im Europacup einfach immer wieder ab. Der wohlhabende Klub aus der Ost-Ukraine konnte in der Vorsaison auf eigene Faust 4,4 Punkte zur 5-Jahreswertung beisteuern. Auch Dynamo Kiew punktete in den letzten Jahren stets konstant und wird auch heuer seinen Anteil beitragen. Von den restlichen drei Vertretern sind nicht sonderlich viele Punkte zu erwarten.

Es gilt zu befürchten, dass die 2,025 Punkte Vorsprung, die Österreich aktuell auf die Ukraine aufweist - das sind fünf Siege und ein Unentschieden in einem Hauptbewerb - nicht reichen könnten, um die Ost-Europäer hinter uns zu behalten.

Was ist mit Schottland, Dänemark und Co.?

Von unseren einstigen Konkurrenten wie der Schweiz (21.100 Punkte zum Saisonstart), Griechenland (21.200) oder Tschechien (20.000) haben wir zumindest in den nächsten zwei Jahren unsere Ruhe. Österreich konnte gegen all diese Nationen, die in den letzten Jahren stets vor uns in der 5-Jahreswertung lagen, einen ordentlichen Vorsprung herausspielen. Auch Serbien (22.000) und Kroatien (20.375) sind aktuell (noch) weit davon entfernt, unsere Konkurrenten zu sein.

Überhaupt könnte die Schere zwischen Österreich und diesen Ländern in den nächsten Jahren noch weiter aufgehen. Zum Start der Spielzeit 2020/21 liegen sie alle außerhalb der Top-15 des UEFA-Rankings. Durch die Einführung der Europa Conference League haben alle Nationen außerhalb der ersten 15 der 5-Jahreswertung nur mehr die Möglichkeit ein (!) einziges Team entweder in der Champions League oder Europa League unterzubringen, alle anderen drei Vertreter haben maximal die Chance auf die Europa Conference League und müssen dort allesamt in der Qualifikation ran.

Einzig Dänemark (23.750), Zypern (24.125) und vor allem Schottland (25.250) sollte man im Auge behalten, alle drei Nationen befinden sich in den letzten Jahren im Aufwärtstrend. Nur die Schotten könnten uns auch heuer noch gefährlich werden, auch wenn der rot-weiß-rote Vorsprung auf die Briten im Moment noch 3,875 Punkte beträgt. Schottland kommt dabei zugute, dass sie heuer zum vorläufig letzten Mal alle eingefahrenen Punkte nur durch einen Vierer-Divisor teilen müssen. Vor allem Celtic Glasgow und die wiedererstarkten Glasgow Rangers nützten diesen Umstand in den letzten Jahren perfekt aus und knallten 2019/20 eine Saison mit 9,75 Punkten hin.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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