Innerhalb der Mannschaft sah die Erwartungshaltung freilich ganz anders aus. "Es gibt keinen Grund, den Platz zu betreten, wenn du glaubst, dass du es nicht schaffen kannst. Ich habe meinen Teamkollegen vor dem Spiel gesagt: 'Jungs, wir können es schaffen'", so Matchwinner Samuel Adeniran.
Kapitän Sascha Horvath ergänzt: "Wir haben gewusst: Keiner glaubt an uns, außer wir, weil wir vielleicht nicht ganz dicht sind."
Anständig verabschieden war keine Option
Strippenzieher hinter der irren Aufholjagd war freilich Coach Dietmar Kühbauer. "Anständig verabschieden", wie man es in Fußball-Österreich gerne tut, war für den Burgenländer schlicht keine Option:
"Die Jungs sind mit dem Ziel rausgegangen, dass sie da drüberkommen. Sie waren scharf und wollten wirklich weiterkommen. Dass es so passiert ist, ist für mich kein Zufall."
"Grundsätzlich sagt man dann: 'Pack die Geige!'"
Schon im ersten Spiel in Glasgow unterlagen die "Athletiker" als sicher nicht schlechtere Mannschaft mit 0:3, trotz eines ansprechenden Beginns im Rückspiel gerieten sie wieder rasch in Rückstand.
"Das Tor haben wir uns eigentlich selbst geschossen, weil wir unachtsam waren", schüttelt Kühbauer den Kopf. "Dann bist du 0:4 hinten und grundsätzlich sagt man dann: 'Pack die Geige!'"
Irre physische Leistung
Genau darauf hatten die Stahlstädter Kicker aber überhaupt keine Lust. Zuerst der rasche Ausgleich nach einem Glasgower Eigenfehler, dann der Traumstart nach der Pause dank Robert Ljubicic.
"Dann hast du nochmal einen Ruck in der Mannschaft gespürt, sie haben für mich 'outstanding' gespielt. Für eine österreichische Mannschaft war das von der Physis, vom Willen, von der Mentalität ein unglaubliches Spiel. Celtic war nicht mehr vorhanden", zieht Kühbauer den Hut.
Tatsächlich hatte man das Gefühl, Österreichs Meister würde jenen aus Schottland am liebsten mit Haut und Haar fressen. Ein Traumtor von Samuel Adeniran nach einer guten Stunde leitete eine Schlussphase schwarz-weißen Powerfußballs ein; die Glasgower Gäste liefen praktisch nur mehr hinterher.
Ein Lucky Punch, der sich abzeichnete
Auch wenn das für die Verlängerung notwendige 4:1 erst in wortwörtlich letzter Sekunde fiel, kam der Treffer für Kühbauer nicht überraschend, "weil sie nicht mehr verteidigen konnten. Sie waren stehend k.o."
Der LASK wirkte trotz zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger vollzogenen Wechseln viel frischer und spielte sich regelrecht in einen Rausch.
Hätten Robert Ljubicic und Kasper Jörgensen nicht körperliche Probleme angezeigt, hätte Kühbauer überhaupt nicht getauscht, "weil wir im Flow waren. Es wäre schlimm, dann irgendwas verändern zu wollen".
Schlicht in allen Belangen besser
"Dieses Herz und diese Leidenschaft abzurufen, ist schon unglaublich."
In der Verlängerung mussten sich beide Teams zunächst nochmal sammeln, am Ende bewies der LASK den längeren Atem und schlicht mehr Qualität als der mit einem deutlich höheren Etat ausgestattete britische Traditionsverein.
"Wir waren in allen Belangen besser, auch fußballerisch. Das hört sich überheblich an, aber das sind Fakten, die nicht ich aufstelle, sondern die sich aufgrund unseres Spiels ergeben. Sie waren dem heute nicht gewachsen, so ehrlich muss man sein", so Kühbauer.
Über sein Team sagt der 55-Jährige: "Dieses Herz und diese Leidenschaft abzurufen, ist schon unglaublich."
Die große Party wird es nach diesem historischen Erfolg in Linz nicht geben. Bereits am morgigen Mittwoch steht die nächste Trainingseinheit am Programm, am Samstag geht es zum Auswärtsspiel nach Altach - und in bereits zwei Wochen erfolgt der Anpfiff für die Champions League.
Kühbauer träumt von Duell mit Simeone
Bei der am Donnerstag stattfindenden Auslosung wird der LASK aus Topf 4 gezogen und garantiert einige der stärksten Vereine der Welt zugelost bekommen.
Diese Gegner sind für den LASK möglich>>>
Einen Wunschgegner wollen die "Athletiker" unisono nicht verraten. "Ich glaube, dass wir oftmals Außenseiter sein werden, deswegen wird es wurscht sein, wen wir kriegen", erklärt Kühbauer gewohnt trocken.
Dass ihn ein Duell mit seinem erklärten Lieblingsklub Atletico Madrid und Trainer-Vorbild Diego Simeone reizen würde, ist dabei ein offenes Geheimnis.
"Nicht einfach nur in der Champions League mitspielen"
Egal wie die Gegner schlussendlich heißen werden, das klare Ziel des LASK ist "in der Champions League nicht einfach nur mitzuspielen, sondern auch gute Leistungen zu bringen und vielleicht auch was mitzunehmen", macht Horvath klar.
Goalie Jungwirth fügt an: "Ich glaube, die Mannschaft kann richtig viel erreichen."
Demjenigen, der das nach dem, was sich am Dienstag auf der Linzer Gugl abspielte, noch bezweifelt, ist kaum noch zu helfen.