Florian Gabriel:
Didi Kühbauer hat in Österreich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der logische nächste Schritt ist daher, sich auch auf internationaler Bühne zu beweisen.
Nach dieser Fabelsaison mit dem LASK haben sich sowohl Kühbauer als auch der Verein ein Antreten in der Königsklasse ohne Zweifel verdient. Trotzdem muss man bei aller Euphorie auf dem Boden der Tatsachen bleiben: Mit Celtic Glasgow wartet eine Mannschaft, die seit Jahren regelmäßig in den höchsten europäischen Bewerben vertreten ist.
Allein vom Kaderwert ist der schottische Traditionsverein fast doppelt so schwer. Die Rollen sind also klar verteilt. Nichtsdestotrotz traue ich "Trainerfuchs" Kühbauer zu, für eine Überraschung zu sorgen. Das Zeug dazu hat er auf jeden Fall.
Sollte Kühbauer den LASK nun tatsächlich in die Champions League führen, wäre das allerdings eine Leistung, die seine ohnehin schon beeindruckende Trainerkarriere noch einmal auf ein anderes Level heben würde. Dann darf langsam wirklich über eine Statue vor der Raiffeisen Arena nachgedacht werden.
Jonas Pamperl:
Über seine Qualitäten als Trainer gibt es tatsächlich nichts mehr zu diskutieren. Deshalb wäre es für Kühbauer auch nur der verdiente Lohn, in die Champions League zu kommen.
Wie Flo aber schon anspricht, geht Celtic als Favorit in die Partie. Was nicht zu unterschätzen ist: Bei den Linzern verfügen nur Robert Ljubicic, Alessandro Schöpf, Christoph Lang und Krystof Danek über Champions-League-(Quali-)Erfahrung.
Für mich steht eher infrage, ob der LASK denn ein Team von CL-Format ist. Ich hoffe es, habe aber vor dem Duell mit Celtic meine Zweifel.
These 2: Wenn es Sturm geschafft hat, die Hearts mit einem Gesamtscore von 6:0 zu eliminieren, dann wird auch Rapid keine Probleme haben.
Jonas Pamperl:
Wir beantworten diese These nur zwei Tage nach dem 8:0 der Rapidler gegen den GAK - wie soll man also anders antworten als mit voller Zustimmung?
Im Ernst: Rapid war gegen den GAK wirklich gut, der Gegner auf der anderen Seite aber ziemlich desolat. Rückenwind wird die Hoff-Thorup-Elf auf jeden Fall mitnehmen.
Zu unterschätzen ist Heart of Midlothian allerdings nicht, auch wenn Sturm die Schotten deutlich bezwang. Die Mannschaft erlebte einen krassen Umbruch, spielte zum damaligen Zeitpunkt erst kurz in dieser Konstellation zusammen. Dazu kamen körperliche Defizite.
All das wird im Laufe der Zeit wohl eher besser als schlechter. Man sollte also nicht überrascht sein, sollte Rapid deutlich mehr mit den Hearts zu kämpfen haben.
Florian Gabriel:
In den meisten Punkten kann ich meinem Kollegen nur zustimmen. Rapid geht spätestens nach dem 8:0 gegen den GAK mit einer enorm breiten Brust in das wichtige Playoff-Hinspiel.
Die Hearts hingegen sind international in dieser Saison bisher völlig von der Rolle. Gegen Sturm schied man sang- und klanglos aus. Und auch gegen Benfica war man bei der 1:6-Klatsche im Hinspiel chancenlos. Immerhin holte man zuhause noch ein 1:1.
Ähnlich wie es Jonas oben skizziert, glaube ich auch, dass die Schotten mittlerweile stärker sind als noch im Juli gegen die Grazer. Dennoch wird das gegen Rapid nicht reichen. Die Hütteldorfer ziehen am Ende souverän in die Conference League ein.
These 3: Eine Conference-League-Teilnahme wäre nicht das Schlimmste der Welt für Salzburg. Aber dann müssen sie zumindest das Halbfinale liefern.
Florian Gabriel:
Ob eine Conference-League-Teilnahme direkt das Schlimmste auf der Welt wäre, würde ich so nicht unterschreiben. Eine herbe Enttäuschung und der nächste Rückschlag nach vielen Rückschlägen in den vergangenen drei Jahren wäre es aber ohne Zweifel.
Salzburg ist gegen den schwedischen Meister Mjällby der Favorit und sollte auf dem Papier auch in die Ligaphase der Europa League einziehen. Unter Danny Röhl präsentieren sich die "Bullen" deutlich stabiler als unter seinen Vorgängern. Einzig die Chancenverwertung bereitet noch größere Probleme.
Aber um auf die These zurückzukommen: Sollten die Mozartstädter scheitern und in der Conference League antreten müssen, dann ist zumindest das Halbfinale Pflicht. Da würde ich mitgehen.
Trotzdem bleibt meine Meinung klar: Lieber ein Achtelfinale in der Europa League als ein Halbfinale in der Conference League. Für Salzburg wäre die Europa League sportlich und vom Stellenwert her die deutlich attraktivere Bühne.
Jonas Pamperl:
Hier muss ich meinem Kollegen in zwei Punkten widersprechen. Klar, die Europa League ist prestigeträchtiger und das Verpassen dieser wäre ein harter Rückschlag.
Zumindest was die Fünfjahreswertung angeht, wäre ein Halbfinale von Salzburg in der Conference League sogar besser. In etwa (mindestens) 1,000 Punkte mehr würden die "Bullen" in diesem Szenario holen, wenn man es mit einem Achtelfinal-Aus in der Europa League vergleicht.
Ob ein Conference-League-Halbfinale wirklich so wahrscheinlich wäre, ist die andere Frage. Mit Monaco, Brighton, Freiburg, Atalanta oder auch Ajax oder Braga gibt es einige Teams, die Salzburg erst einmal schlagen muss - oder zumindest aus dem Weg gehen sollte. Möglich ist es allemal für Teams aus "kleineren Ligen", das zeigte vor zwei Jahren ja auch Rapid-Bezwinger Djurgarden.
These 4: Als Österreicher wünscht man der Austria natürlich das Weiterkommen, aber wenn man auf einen rot-weiß-roten Verein tippen muss, der im Playoff scheitert, dann ist es die Austria – und es ist nicht knapp.
Jonas Pamperl:
Da muss ich zustimmen - leider, aus österreichischer Sicht.
Austria-Braga sehe ich als das deutlichste Playoff-Duell mit heimischer Beteiligung. Die zwei wertvollsten Spieler der Portugiesen haben zu zweit einen höheren Marktwert als der gesamte Austria-Kader. Nur um einmal die Unterschiede zu verdeutlichen.
Eine Chance haben die Veilchen aber: Es ist weniger der taktische Ansatz oder eine große Schwachstelle von Braga, sondern eine Krankheitswelle. Da am Wochenende fast das komplette Team mit Magen-Darm flachlag, musste das Ligaspiel sogar abgesagt werden. Sollten sich einige wichtige Spieler nicht rechtzeitig erholen, könnte sich die Austria zumindest im Hinspiel etwas ausrechnen.
Florian Gabriel:
Auch ich kann dieser These nur zustimmen. Auf die Wiener Austria wartet eine Mammutaufgabe. Immerhin stand Sporting Braga in der vergangenen Saison im Halbfinale der Europa League.
Da wartet ohne Zweifel ein ganz anderes Kaliber als noch in der dritten Qualirunde mit Beitar Jerusalem. Und auch da hatten die Veilchen lange zu kämpfen.
Immerhin feierte man am Wochenende gegen Hartberger den ersten Sieg in der noch jungen Bundesliga-Saison. Der kann hoffentlich Auftrieb geben. Und vielleicht kann man im Hinspiel auch von der Krankheitswelle des Gegners profitieren, wie Jonas gut beschrieben hat.