Mangelt es an Typen?

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Fragen, die sich nach dem CL-Aus stellen

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Einmal mehr hat es für Red Bull Salzburg nicht sollen sein.

Auch im neunten Anlauf scheiterte der österreichische Meister, erstmals in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen.

Die "Bullen" waren noch nie so nahe dran.

Sie spielten im sechsten CL-Playoff erstmals Verlängerung, mussten sich aber am Ende Dinamo Zagreb mit 1:2 geschlagen geben.

Der Knackpunkt war freilich der Ausgleich zum 1:1 in der 87. Minute. Inklusive Nachspielzeit fehlten sieben Minuten auf den großen Traum.

Stattdessen gab es auch noch den zweiten Gegentreffer und es folgten viele Tränen der Enttäuschung. Aber warum kam es soweit?

LAOLA1 analysiert die schmerzvolle Niederlage und wirft den Fokus auf Fragen, die sich nach dem bitteren CL-Aus stellen.

  • War der Gameplan richtig?

Ja. Die erste Hälfte war die beste unter Oscar Garcia, der im Winter das Ruder bei Salzburg übernahm. Die Hausherren spielten aus einer kontrollierten Defensive heraus, überließen dem Gegner weitestgehend den Ball (37 Prozent RBS-Ballbesitz vor der Pause, 38 danach) und pressten auf der richtigen Höhe und in den passenden Momenten erfolgreich. Sie zwangen die Kroaten beim Spielaufbau zu Fehlern, in der Folge entstanden gefährliche Aktionen und auch Chancen. Wie jene von Valon Berisha (8.), bei der der Norweger zumindest das Tor treffen muss. Garcia kündigte an, auf Sieg spielen zu wollen, seine Mannschaft ließ in der ersten Hälfte diesbezüglich keinen Zweifel aufkommen. Schlicht die Chancenauswertung war einmal mehr ein Sargnagel. Neben Berisha, der in der 80. Minute seine zweite und weitaus bessere Möglichkeit auf das 2:0 vergab, scheiterte auch Soriano mit einer guten Möglichkeit. "Es wäre natürlich wichtig gewesen, das 2:0 zu erzielen", wusste Christian Schwegler, der auch die fehlende Cleverness in der Verlängerung hervorhob: "Da hätten wir vielleicht länger versuchen müssen, das Gegentor zu verhindern, damit die Chance bestehen bleibt." Salzburg lief völlig unnötig in einen Konter. Der schwächere Gegner gewann einmal mehr mit Cleverness, während der stärkere Gastgeber diese im Finish der regulären Spielzeit vermissen ließ. Man ließ die Kroaten so lange flanken, bis sie getroffen hatten. Hier hätte man den Hebel ansetzen müssen, auch von der Seitenlinie aus. Aber der Gameplan war nicht schuld an der Niederlage, schließlich hatte man den Gegner so gut im Griff wie noch nie zuvor in einem CL-Playoff mit Red-Bull-Beteiligung. Nur brachte man das 1:0 nicht clever genug über die Zeit.

  • Riskierte Garcia zu viel?

Nein. Jonatan Soriano wurde nach seiner Oberschenkel-Verletzung am Spieltag matchfit und konnte beginnen. Wenn der beste Spieler einer Mannschaft in einem "Spiel des Jahres" spielen kann, dann muss man ihn spielen lassen. Und es hat sich auch ausgezahlt, alleine wegen seines Zuspiels auf Valentino Lazaro, der das 1:0 erzielte. Sorianos Ballsicherheit und -verteilung half zudem mit, dass man zu gefährlichen Situationen in der gegnerischen Hälfte kam. Der Kapitän rackerte 120 Minuten, weil er auch musste. Schließlich war das Wechselkontigent nach 66 Minuten erschöpft. Schwegler, Lazaro und Wanderson mussten alle vom Feld genommen werden. Garcia ging mit dem Wissen ins Spiel, dass es sowohl für Soriano als auch für Wanderson eigentlich nicht für 90 Minuten reichen würde. Mit den Verletzungen von Schwegler und Lazaro konnte der Spanier natürlich nicht rechnen und hatte Pech, doch die Wechselpolitik verantwortet er. Diadie Samassekou erinnerte an Naby Keita vor zwei Jahren in Malmö. Zu jung, zu unerfahren, zu überfordert für so ein Spiel, bei dem es um so viel geht. Doch der 20-Jährige bekam den Vorzug gegenüber Munas Dabbur und Fredrik Gulbrandsen, die 90 Minuten lang zuschauten. Auf der anderen Seite brachte Zlatko Kranjcar mit Innenverteidiger Gordon Schildenfeld als "Center" die pure Routine, die das 1:1 auflegte und dann dicht machte. Solche Wechsel entscheiden Duelle wie diese.

  • Warum spielten die Neuen keine Rolle?

Red Bull Salzburg holte vor der Saison Munas Dabbur, Marc Rzatkowski, Fredrik Gulbrandsen, Wanderson und Stefan Stangl. In den alles entscheidenden Playoff-Spielen waren vier der fünf kein Faktor. Wanderson legte Lazaro das Tor in Zagreb auf. Sonst? Millionen-Verpflichtung Munas Dabbur spielte keine einzige der 210 Minuten, in Kroatien bekam Gulbrandsen den Vorzug gegenüber dem Israeli, als es darauf ankam, nach 60 Minuten Soriano zu ersetzen. Auch wenn aller Anfang schwer ist, Dabbur ist mittlerweile schon zwei Monate dabei und wurde nicht durch Zufall Schweizer Torschützenkönig. Diese Partien kamen aber scheinbar noch zu früh für ihn. Dem Warum muss man auf den Grund gehen. Salzburg muss sich die Frage stellen: Holt man Spieler immer nur für die Zukunft oder auch für die wichtigste Zeit im Jahr? Zumindest kam man schon etwas davon ab, ausschließlich 19-jährige Talente nach Salzburg zu lotsen. Für solche Spiele braucht es aber Spieler, die den Unterschied ausmachen können, Typen, die schon etwas erlebt haben. Die hat Salzburg einfach nicht. Ein Spieler Marke Markus Rosenberg würde in solchen Partien helfen.

  • Fehlt das Sieger-Gen in K.o.-Spielen?

International definitiv. National holte man in den vergangenen drei Saisonen alle sechs möglichen Titel. International scheiterte man bekanntlich immer in der Champions-League-Quali, in der Europa League läuft es nur in der Gruppenphase gut. Bei fünf Teilnahmen gewann man zwei Mal die Gruppenphase mit weißer Weste, also sechs Siegen, einmal mit fünf und einem Remis. Doch in den K.o.-Runden folgte alsbald das Aus. Nur einmal konnte Salzburg eine solche bravourös überstehen. Am bisherigen Zenit der Red-Bull-Ära führte man Ajax Amsterdam 2014 vor - um danach dem FC Basel als klar überlegene Mannschaft zu unterliegen. Am Mittwoch war Salzburg wieder die klar bessere Mannschaft, und zog wieder den Kürzeren. Noch vor Beginn der Verlängerung waren die Köpfe unten. Bei zuvor acht gescheiterten Anläufen ist man automatisch eher negativ als positiv eingestellt. In solchen Momenten braucht es wiederum Typen. Die hat Salzburg nicht und holt sie nicht. Die Kroaten schon und deswegen entschieden sie die Partie auch in der Verlängerung. Es kam da auch nie das Gefühl auf, als würde Salzburg das Duell noch für sich entscheiden.

  • Und nun?

Am Freitag wird sich Sportchef Christoph Freund der Öffentlichkeit stellen. Bis zum 31. August wird sich entscheiden, ob noch jemand den Verein verlässt. Die heißen Kandidaten für einen Abgang sind Jonatan Soriano und Martin Hinteregger, beide haben aber noch bis 2018 bzw. 2019 Vertrag. "Ich hoffe nicht, dass Spieler von hier gehen, sondern dass vielleicht noch der eine oder andere kommt", sagte Oscar Garcia am Mittwoch. Davon ist nicht auszugehen. Garcia und die sportliche Führung sollten bezüglich Kaderplanung auf einem Nenner sein, bisweilen klingt es so, als wäre das nicht der Fall. Immer wieder lässt der Katalane zwischen den Zeilen wissen, dass er gerne noch Spieler haben würde und unzufrieden sei. Am Mittwoch antwortete er zudem auf die Frage, ob er gerne länger in Salzburg arbeiten würde, um das Ziel Champions League zu erreichen: "Das weiß ich nicht. Das hängt von den Ambitionen des Vereins in der Zukunft ab." Es gibt offenkundig einiges zu besprechen in Salzburg.



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