Die "dicken Eier" der Austria

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Foda: "Uns fehlt halt auch irgendetwas"

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„Ich habe meiner Mannschaft in der Pause gesagt, dass sie richtig dicke Eier gezeigt hat, weil es sehr schwer war, gegen dieses Team zu spielen. Aber gerade in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit haben wir das Spiel in den Griff bekommen.“

Nach 30 Minuten hätte wohl auch Thorsten Fink nicht geahnt, dass Austria Wien den Schlager gegen Sturm Graz noch mit 2:1 für sich entscheiden und über den Herbstmeister-Titel jubeln würde.

Denn die erste Halbzeit stand lange Zeit im Zeichen der Steirer, die durch Ex-Austrianer Sascha Horvath bereits in Minute drei in Führung gingen. Olarenwaju Kayode brachte die Wiener erst kurz vor dem Seitenwechsel mit der ersten echten Chance der Gastgeber zurück ins Spiel.

Taktische Eigenverantwortung

Ergo war in der Halbzeit auch nicht nur von „dicken Eiern“ die Rede. „Der Trainer hat zu uns gesagt, dass die ersten 25 Minuten sehr schlecht waren, wir nicht ins Spiel gekommen sind und uns durch unsere eigenen Abspielfehler verunsichern haben lassen“, berichtete Alexander Gorgon, „erst nach 25 Minuten war es wieder okay. Dann haben wir auch das Tor gemacht und sind in der zweiten Halbzeit komplett anders rausgekommen.“

Der 27-Jährige war es letztlich auch, der die Veilchen mit seinem elften Saison-Treffer in Minute 81 zum Sieg geschossen hat.

Der Weg dahin war ein beschwerlicher. Allerdings auch einer, der die zunehmende Reife des Tabellenführers untermauert. Zu Beginn kam die Austria mit dem Pressing Sturms überhaupt nicht zurecht. Erst mit Fortdauer der Partie stellte man sich auf die aggressive Herangehensweise der „Blackies“ ein, und zwar durchaus ohne Zutun des Coaches, wie dieser stolz feststellte:

„Wir können in dieser Situation ja eigentlich nur die Bälle wegschlagen oder wir spielen hinten rum, holen uns den Ball mit einem Sechser, dem Achter und dann kommt auch noch der Zehner dazu. Dann bekommt der Gegner natürlich ein Problem, wenn er ganz vorne pressen will, weil wir zwischen den Linien immer einen Spieler frei haben – Gorgon und Zulechner sind dann zwischen die Linien gekommen. Deswegen mussten sie ein bisschen tiefer stehen. Das hat meine Mannschaft taktisch klug umgesetzt, aber das habe nicht ich gemacht, das haben die Spieler selbst gemacht. Das ist sehr, sehr lobenswert.“

„Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend, die Leistung sehr“

Eine taktische Raffinesse, auf die Sturm zunehmend weniger Antworten wusste. Dabei ging der ursprüngliche Matchplan von Beginn an bestens auf.

„In der ersten Hälfte haben wir hoch attackiert, viele Bälle gewonnen und dann gut umgeschaltet. Die Austria hatte ihren Ballbesitz nur am eigenen Strafraum, das ist ungefährlich. In der zweiten Halbzeit hatten wir Lücken drinnen, die Austria ist überlegener geworden und mit dem Ballbesitz in die gefährliche Zone gekommen“, analysierte Lukas Spendlhofer.

Nach der inferioren Darbietung gegen Mattersburg war diese Leistung fraglos eine Steigerung, dennoch steht man zum wiederholten Mal in dieser Saison gegen eines der Top-3-Teams ohne Punktgewinn da. Der Rückstand auf Herbstmeister Austria beträgt inzwischen zehn Punkte.

Dennoch präsentierte sich Trainer Franco Foda nicht unzufrieden: „Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend, die Art und Weise, wie meine Mannschaft Fußball gespielt hat, jedoch sehr – vor allem in der ersten Halbzeit.“

„Uns fehlt halt auch irgendetwas“

Man habe den Gegner permanent unter Druck gesetzt, sehr hoch verteidigt, früh gepresst, gute Balleroberungen gehabt: „Eigentlich hätten wir nach 30 Minuten höher führen müssen. Nach dem 1:1 hatten wir noch die Riesen-Möglichkeit durch Simon Piesinger auf das 2:1.“

In Halbzeit zwei sah auch Foda ein anderes Spiel, vor allem in der Phase unmittelbar nach dem Wiederanpfiff: „Da waren wir nicht mehr so präsent, es war ein ausgeglichenes Spiel. Beide Mannschaften haben versucht, noch das zweite Tor zu erzielen, der Austria ist es gelungen, uns leider nicht. Deswegen fahren wir mit null Punkten nach Graz.“

Das Brutale am Fußball sei, dass schon am Tag nach dem Spiel niemand mehr von der Leistung sprechen würde, sondern nur das Ergebnis sehe.

Doch auch der Deutsche musste eingestehen: „Uns fehlt halt auch irgendetwas. Man will ja gegen diese Spitzenteams nicht nur gut spielen, sondern auch etwas mitnehmen. Es fehlen dann letztlich ein paar Prozent und dafür gibt es sicher Gründe.“

„Wir wissen, in welcher Situation wir sind“

Letztlich passte der Auftritt am Verteilerkreis zum launenhaften Herbst in Schwarz-Weiß. Positive und negative Erkenntnisse wechselten sich munter ab und am Ende stimmte das Ergebnis nicht.

„Wir sind selbst schuld“, bekannte Marvin Potzmann, „wir haben gut angefangen, uns aber immer mehr zurückdrängen lassen. Eigentlich haben wir vieles richtig gemacht, aber zum Schluss hinaus hat uns die Aggressivität gefehlt.“

Austria Sturm
Ballbesitz 60,4% 39,6%
Zweikämpfe 56,95% 43,05%
Eckbälle 4 8
Torschüsse 13 9
Torschüsse außerhalb Strafraum 2 4
Torschüsse innerhalb Strafraum 11 5
Kopfballchancen 3 1
Abseits 2 5
Fouls 12 21

Im Kampf um einen Top-3-Platz geraten die Grazer immer mehr ins Hintertreffen. „Wir wollten unbedingt gewinnen oder zumindest einen Punkt mitnehmen. Das ist uns leider nicht gelungen. Wir wissen, in welcher Situation wir sind“, betonte Potzmann.

Spendlhofer hoffte im Hinblick auf den Kampf um ein Ticket für den Europacup: „Letzte Saison war der Herbst auch nicht so rosig, dafür das Frühjahr sehr gut. Wir müssen versuchen, das wieder so umzusetzen. Dann ist noch einiges drin.“

„Wir können uns für diesen Titel nichts kaufen“

Durchhalteparolen wie diese hat man im violetten Lager derzeit nicht vonnöten. Anders als Sturm erwies man sich in der ersten Meisterschaftshälfte als effizienter Punktehamster, auch aus bisweilen schwachen Partien nahm man einiges mit.

Herbstmeister ist freilich ein Titel ohne Mittel, den man jedoch ebenso gerne mitnimmt. „Es ist nur eine Momentaufnahme, aber auf jeden Fall eine Bestätigung der guten Arbeit“, meinte Gorgon. Alexander Grünwald ergänzte: „Wir können uns für diesen Titel nichts kaufen.“

Gerade dieses Duo hat jedoch auch die beiden schwierigen Jahre nach dem Meistertitel 2013 miterlebt und genießt den derzeitigen Höhenflug umso mehr.

„Es ist nur ein kleiner Schritt von vielen, aber speziell nach der letzten Saison hätte uns das keiner zugetraut. Es war schon ein größerer Umbruch, wir haben viele neue Spieler und einen neuen Trainer. Aber ich möchte gar nicht mehr so viel über die alte Saison reden. Wir sind froh, dass wir wieder in der Erfolgsspur sind“, freute sich Grünwald.

„Falscher Zeitpunkt, die Ziele höher zu schrauben“

Gorgon wiederum wollte zwar nicht von Genugtuung sprechen, fand jedoch: „Wir haben so hart gearbeitet, dass wir uns endlich einmal selbst belohnt haben. Die letzten Jahre waren sehr schlecht, es gab sehr viel Negatives. Wir sind einfach froh, dass wir das Ganze langsam vergessen machen können und zu alter Stärke zurückfinden.“

Die Ziele nach oben korrigieren will in Favoriten jedoch niemand. Vielmehr gelte die Konzentration den letzten beiden Matches vor der Winterpause in Wolfsberg und gegen Altach.

„Danach können wir die Ziele entweder neu definieren oder sie so beibehalten, wie man sie am Anfang festgesetzt hat“, kündigte Gorgon an.

Und auch der Trainer spricht lieber von einer Momentaufnahme als von neuen Vorhaben. „Es ist der falsche Zeitpunkt, um die Ziele höher zu schrauben. Es ist zu früh“, so Fink.


Peter Altmann/Martin Wechtl

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