Grazer Stadion? Sturm wird ungeduldig

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Rapid bespielt bereits ein neues Stadion, wenngleich bisher nur wirtschaftlich erfolgreich.

Die Austria fiebert der Neueröffnung ihrer Arena im Sommer 2018 entgegen. Bezüglich Nationalstadion sind die ersten Schritte getan.

Aber nicht nur in Wien tut sich infrastrukturell einiges, auch beim LASK scheint ein neues Stadion auf Schiene zu sein.

Und in Graz? In der steirischen Landeshauptstadt herrscht bezüglich der geplanten Adaptierung des Stadions in Liebenau mehr oder weniger Stillstand - sehr zum Ärger des SK Sturm Graz.

Grazer Kampfansage:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


"Ich kann nur sagen, dass wir in der Zwischenzeit schon äußerst ungeduldig sind, weil sich die Gespräche ziehen", beklagt Präsident Christian Jauk.

20. Geburtstags des Stadions in Liebenau

Am Sonntag jährt sich das legendäre "Eröffnungsspiel" des damaligen Schwarzenegger-Stadions bereits zum 20. Mal.

Ein 4:0-Triumph von Sturm im Derby gegen den GAK war am 9. Juli 1997 der Startschuss auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte - der frühe Führungstreffer von Roman Mählich ist unter schwarz-weißen Anhängern Kult. Gilbert Prilasnig und ein Doppelpack von Ivica Vastic vollendeten die Gala, bei welcher der heutige Sturm-Coach Franco Foda ebenso in der Startelf stand wie sein Vorgänger Darko Milanic.

Die Arena im Süden von Graz war in den folgenden zwei Jahrzehnten Schauplatz einiger denkwürdiger Spiele. Zwei Jahrzehnte gehen jedoch auch nicht spurlos an einer Einrichtung wie dieser vorbei.

Die These, dass Sturm das Stadion betreffend den Anschluss gegenüber den beiden Wiener Vereinen zu verlieren droht und nun perspektivisch gesehen auch der LASK vorbeiziehen könnte, ist keine allzu gewagte. In Salzburg steht ohnehin eine moderne Arena - ebenso wie in Innsbruck und Klagenfurt, wo sie jedoch nicht von Mannschaften der höchsten Spielklasse genutzt werden.

Neidvoller Blick nach Linz

Dieser Gefahr ist man sich bei den "Blackies" natürlich bewusst. Das Grundübel sieht Jauk nach wie vor darin, dass Graz bei der Heim-Europameisterschaft - freiwillig - außen vor blieb:

"Im Zuge der EM 2008 hat es in Österreich in vielen Bundesländern ein Aufrüsten der Infrastruktur gegeben. Graz war damals nicht dabei. Damals gab es eine politische Entscheidung in der Steiermark, die hieß: 'Das wollen wir nicht haben.'"

Vor zwei Wochen führte der Sturm-Boss ein ausführliches Gespräch mit seinem LASK-Amtskollegen Siegmund Gruber.

"In Linz ist man soweit. Ich kann es nicht verifizieren, aber 30 der gewünschten 40 Millionen sind offenbar fixiert. Es ist natürlich deshalb eine politische Diskussion, weil die Gugl vor einigen Jahren um 33 Millionen Euro renoviert wurde", berichtet Jauk.

Summen, bei denen er zurecht ein wenig vor Neid erblasst. In Graz geht es um andere - deutlich geringere - Beträge. In einer ersten Tranche wurden fünf Millionen Euro für Renovierungen bewilligt. Dieses Geld floss hauptsächlich in für die Zuseher weniger sichtbare Themen wie die Haustechnik oder Leitungen.

Beschluss für sieben Millionen Euro fehlt

Insgesamt wurden für die notwendigen Adaptierungen jedoch zwölf Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die zweiten sieben Millionen Euro wurden jedoch bis dato noch nicht beschlossen. Immer noch nicht.

"Was die Geschwindigkeit betrifft, ist das nicht zufriedenstellend. Denn danach braucht man ja auch noch die Umsetzungsphase. Das heißt, wenn wir den Beschluss haben, braucht man weitere rund zwei Jahre, bis das auch im Stadion sichtbar sein wird und wir für den Stadionbesucher hoffentlich jenen Mehrwert erzielen, den wir uns vorstellen", erläutert Jauk und nennt den Gastro-Bereich, die Hospitality inklusive VIP-Klub, neue Sitze im Stadion und Arbeiten am Stadion-Vorplatz als Beispiele für die geplanten Investments.

Das Vereins-Oberhaupt berichtet von guten Gesprächen mit der Politik, konkret mit dem Landeshauptmann, dessen Stellvertreter, dem Grazer Bürgermeister und dem Sportstadtrat. Auch von der neuen Koalition in der Stadt würde es ein klares Bekenntnis geben.

"Jetzt fehlt noch das Budget des Landes. Ich bin kein Insider, aber uns wurde vermittelt, dass es ein Zweijahres-Budget geben wird. Die finale Unterschrift, der finale Beschluss fehlen", meint Jauk.

Keine Drohung eines neuen Standorts

So lange dieser finale Beschluss nicht da ist, steht die Möglichkeit, dass die geplanten Umbauten dem Sparstift zum Opfer fallen, jederzeit im Raum. Angedacht ist jedenfalls, dass sich Land und Stadt die Kosten jeweils zu 50 Prozent teilen.

Eine Beteiligung des Bundes ist laut Jauk ausgeschlossen, hier hätte es nur im Zuge der Heim-EURO eine Chance gegeben: "Der Bund fühlt sich überhaupt nicht zuständig. Das Stadion ist in Besitz der Stadt Graz und daher eine regionale steirische Angelegenheit."

Dass die Arena Sturm nicht gehört, erschwert potenzielle eigene Investments des Vereins erheblich. "Unser Angebot war, dass wir uns einen Beitrag vorstellen können. Man muss jedoch die rechtliche Situation berücksichtigen. Du musst dann natürlich auch gewisse Eigentumsrechte für den Bereich erhalten. Der politische Wille geht jedoch nicht in diese Richtung", verdeutlicht Jauk.

Gedankenspiele, den Standort zu wechseln und andernorts ein neues Stadion anzustreben, würde es von Seiten des Klubs jedoch keine geben: "Wir sind sehr realistisch, was möglich ist. Wenn wir den zweiten Bauabschnitt so hinbekommen, dann haben wir ein modernes, zeitgerechtes und für uns so auch gut verwertbares Stadion, mit dem wir zufrieden wären", betont Jauk.

Wenn nicht, hat Sturm langfristig gesehen ein Problem. Ein großes sogar.

Rapids Quantensprung

Nicht ausgeschlossen, dass dann auch die Töne den Verhandlungspartnern gegenüber eine Spur weniger konstruktiv werden. Denn die Konkurrenz schläft eben nicht.

Jauk: "Es geht um die Entwicklung des Fußballs. Das Stadion ist genauso wie andere Themen, etwa das TV-Geld, eine Basis für die Weiterentwicklung. Die Vertreter von Rapid haben mir in Gesprächen bestätigt: Mit dem neuen Stadion wurde ein finanzieller Quantensprung vorgenommen, Ähnliches erwartet die Wiener Austria. Für uns ist diese Frage essentiell, was die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren betrifft."




Textquelle: © LAOLA1.at

Darum wollte Konstantin Kerschbaumer von Brentford weg

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare