Endstand
0:1
0:0, 0:1
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Barisic: "Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren"

Der Ärger über den Patzer vor dem Gegentor ist groß. Wenn man schon keine Tore erziele, müsse man dem Gegner nicht auch noch den Ball in die Füße spielen.

Barisic: Foto: © GEPA

Der gute Saisonstart des SK Rapid erlitt binnen weniger Tage einen heftigen Dämpfer.

Nach dem souveränen 7:0-Erfolg im ÖFB-Cup gegen Donaufeld, dem starken und zugleich bitteren 1:1-Auswärtsremis gegen den LASK und dem 4:0-Heimerfolg über den SCR Altach war in Hütteldorf eine gewisse Euphorie im Umfeld spürbar.

Doch das Heim-0:0 in der Conference-League-Qualifikation gegen Debreceni VSC sowie das 0:1 gegen den TSV Hartberg lassen die Grün-Weißen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. Zoran Barisic war stets bemüht, auf die Bremse zu treten, Fehler herauszustreichen und die ersten Saisonspiele nüchtern zu betrachten.

Trotzdem weiß auch der Cheftrainer, dass "bei Rapid alles passieren kann. Es ist immer sehr emotional und kurzfristig. Ich habe mich nicht blenden lassen, als es gut gelaufen ist", sagt Barisic auf der Pressekonferenz nach der Heim-Niederlage.

"Das war zu billig"

Fünf neue Spieler brachte Barisic im Vergleich zum Europacup-Heimspiel, zu Beginn lief gegen die Oststeirer auch alles nach Plan - nur ein Tor fehlte. Zwar zappelte schon in der zweiten Spielminute der Ball im Netz, doch beim vermeintlichen Führungstreffer von Martn Koscelnik stand Guido Burgstaller in der Entstehung im Abseits.

Auch in den folgenden Minuten war Rapid am Drücker. "Wir haben uns genug Chancen herausgespielt, aber wie so oft ist es uns nicht gelungen, in Führung zu gehen. Das hätte uns das Leben erleichtert", weiß der Rapid-Coach.

"Vielleicht waren sie zu nervös, vielleicht zu sehr angespannt - oder vielleicht ist die Erwartungshaltung zu groß. Vielleicht ist die Erwartungshaltung auch von mir zu groß."

Zoran Barisic

Mit Fortdauer kam Hartberg nämlich immer besser ins Spiel, war den Grün-Weißen mehr als nur ebenbürtig. Auch, weil eben jene "zu viele Fehler im Aufbauspiel gemacht haben", so Barisic. "Wir waren nicht einfach und handlungsschnell genug."

Vor allem in der 68. Spielminute nicht, in der Maximilian Moormann einen kapitalen Fehlpass genau in die Füße von Christoph Lang spielte - wenige Augenblicke später netzte Christoph Urdl freistehend vor dem Rapid-Tor aus kürzester Distanz zum 1:0 ein.

Barisic ist erzürnt: "Wenn wir es schon nicht schaffen, ein Tor zu erzielen, ist es nicht notwendig, dem Gegner den Ball in die Füße zu spielen. Das war zu billig, darf uns nicht passieren."

Zu nervös? Zu große Erwartungshaltung? Oder doch jugendlicher Leichtsinn?

An Laufbereitschaft oder Kampfeswillen habe es seiner Mannschaft nicht gefehlt, dafür aber an Präzision im Spiel mit dem Ball. 

Es sei bemerkbar gewesen, dass man durch die Rotationen "nicht so flüssig wie in den Spielen zuvor war, wo die Abläufe stimmen", sagt Barisic. Warum das Quintett bestehend aus Koscelnik, Moormann, Moritz Oswald, Oliver Strunz und Patrick Greil nicht die Erwartungen erfüllen konnte?

"Vielleicht waren sie zu nervös, vielleicht zu sehr angespannt - oder vielleicht ist die Erwartungshaltung zu groß. Vielleicht ist die Erwartungshaltung auch von mir zu groß", meint Barisic kryptisch. Vielleicht wollte der eine oder andere auch zu viel, fügt der Coach hinzu.

Für Thorsten Schick, der zu Beginn der zweiten Hälfte für den enttäuschenden Strunz kam, könnte dies mit "jugendlichem Leichtsinn in unserer Mannschaft zu tun haben. Wir sind doch eine relativ junge Truppe", betont der Routinier, der sich an die letzte Saison erinnert fühlt.

Rapid muss arbeiten, um "eine Spitzenmannschaft zu werden"

"Ich weiß nicht, ob es Konzentration oder Qualität ist, wir müssen die Spiele einfach über die Zeit kriegen. Dafür arbeiten wir die ganze Woche. Dafür spielen wir Fußball, damit wir die Spiele gewinnen und nicht so leichtfertig herschenken", stellt der Steirer klar.

Barisic schlägt in dieselbe Kerbe: "Wenn wir das Spiel mit 0:0 beenden, ist es okay. Dann nimmst du wenigstens den Punkt mit." So stehen die Hütteldorfer aber mit leeren Händen da, was den Wiener in Rage bringt.

"Es ärgert mich am meisten, dass wir es schaffen, dem Gegner den Ball in die Füße zu spielen, damit wir das Gegentor bekommen. Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren. Entsprechend müssen wir daran arbeiten, damit wir eine Spitzenmannschaft werden."

"Wir machen uns den guten Saisonstart mit so einem Spiel kaputt", seufzt Schick.

Sommergrippe lässt Barisic um Gesundheit der Spieler bangen

Das Gefühl vor dem Conference-League-Rückspiel am Donnerstag? "Schlecht", so Barisic.

Es sei aber wieder ein anderes Spiel, ein anderer Bewerb, "worauf wir uns explizit vorbereiten werden", will der Übungsleiter nach vorne blicken. Ihm ist wichtig, dass in Debrecen wieder alle Spieler zur Verfügung stehen werden.

Der Coach verrät: "Wir haben es doch mit einem Sommergrippevirus zu tun, der uns Probleme bereitet." Stammspieler Marco Grüll fiel deshalb kurzfristig gegen Hartberg aus, Neuzugang Lukas Grgic hat sich gerade erst wieder davon erholt.

Andere Spieler seien davon ebenfalls betroffen und geschwächt in die Bundesliga-Partie gegangen. Auch deshalb wurde also die Rotationsmaschine angeworfen. In Ungarn sollen alle Spieler "bei hundert Prozent sein." Denn: "Das wird notwendig sein, wenn wir erfolgreich sein wollen."


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