Kann Rapid eine Religion sein?

 

Wie gläubig sind eigentlich Fußballer?

Beim SK Rapid wird dieses Thema auf in Österreich zumindest einzigartige Weise behandelt. Mit einem eigenen Andachtsraum im Allianz Stadion ging man neue Wege, mit Christoph Pelczar hat man sogar einen eigenen "Rapid-Pfarrer".

Dieser setzte nun seine Idee eines eigenen Buches mit dem Namen "Glaube. Liebe. Rapid." um, in welchem Rapid-Spieler persönliche Einblicke über ihr Verhältnis zu Gott, persönliche wichtige Werte und Kraftquellen geben.

Eine der Hauptfragen beim Medientermin am Stephansplatz war natürlich: Kann Rapid eine Religion sein, wie von vielen Fans oft skandiert wird?

Pelczar gibt gegenüber LAOLA1 eine klare Antwort: "Wenn mir etwas heilig und ganz wichtig ist, dann ist das absolut ein Hauch des Religiösen. Das sind in erster Linie die Rituale wie Hymne, Gesänge, Einzug, Schals, Bengalen - was alles zelebriert wird. Das ist das Äußerliche. Aber Religion muss auch erlösen. Religion, die keine Erlösung bietet, ist in Wirklichkeit keine Religion, aber es ist eine Sehnsucht nach etwas Größerem. Und das ist gut so, deshalb ist das für mich keine Blasphemie. Das ist der Anfang einer Suche nach etwas Größerem. Das ist vollkommen, ich kann mich mit dem auch sehr identifizieren, denn das, was mir wichtig ist, nenne ich auch meine Religion."

Cover-"Held" Ljubicic fand nach Skandal Hilfe im Glauben

Neben Beiträgen von Kapitän Stefan Schwab, Richard Strebinger, Stephan Auer, Ivan Mocinic, den Ex-Rapidspielern Steffen Hofmann und Louis Schaub so wie vielen anderen wird ein Spieler im neuen Buch, das um 18,99 Euro ab sofort im Handel erhältlich ist, besonders hervorgehoben: Dejan Ljubicic.

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Der erst 21-jährige Wiener prangt am Cover, mit den Zeigefingern gen Himmel gerichtet - wie bei seinem Torjubel. Er stellt ein Paradebeispiel für einen gläubigen Fußballer dar. Gott spielt in seinem Leben immer schon eine wichtige Rolle.

Ob Kreuzzeichen auf dem Feld, diverse Gesten oder innere Gebete - das ist nur das, was die Zuschauer auf dem Feld sehen.

Für Ljubicic ist es eine Ehre, das Buch zu zieren. Obwohl der Youngster vor knapp einem Jahr, als er im Heimaturlaub zusammen mit einem Freund eine Moschee betrunken mit Flaschen beworfen hatte, einen riesigen Ausrutscher leistete.

"Pfarrer Christoph hat mich damals gestärkt. Ich war am Boden, das war ein Riesenfehler von mir. Er hat mir die Kraft gegeben, wieder aufzustehen, mich wieder zu beweisen und zu zeigen, dass ich eine ganz gute Persönlichkeit bin", gesteht Ljubicic.

Auch der Pfarrer meint abschließend dazu: "Wie er daraus gelernt hat und gewachsen ist, verdient Respekt."

Rapid-Pfarrer kennt Spieler besser als jeder andere

Der 1996 aus Krakau nach Wien gekommene Pole ist katholischer Pfarrer im niederösterreichischen Weikendorf und war mitverantwortlich dafür, dass Rapid im vergangenen Jahr eine Privataudienz beim Papst bekam, die große Emotionen im Team und rundherum auslöste. Ansonsten ist er als Seelsorger für den Verein tätig.

Mittlerweile wagt er zu behaupten, die Spieler besser zu kennen als jeder andere im Verein, doch die Schweigepflicht verbietet ihm, ihm offenbarte Geheimnisse preiszugeben.

"Ich lerne liebende Menschen kennen, mit positiven Lebenseinstellungen, mit wachenden Herzen, mit Leidenschaft, Emotionen, aber auch verletzte Menschen. Verwundete Menschen, Spieler, die an der Schwelle zur Kriminalität waren, oder Menschen, die nichts zum Essen oder kein fließendes Wasser hatten. Die es aber trotzdem aus dem Glauben, aus der Liebe bis an die Spitze zu Stars geschafft haben", erklärt der Rapid-Pfarrer.

Offenes Ohr für die Spieler - im grün-weißen "Heimtrikot"

Der Austausch kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren. Ljubicic und Manuel Martic holen sich vor jedem Spiel den Segen ab, Strebinger sucht das persönliche Gespräch, Schwab zündet mit ihm Kerzen an oder mit Bolingoli wird aus der Bibel gelesen.

Pfarrer Pelczar beobachtete zum Beispiel auch Strebinger, der sich nach einigen Paraden gleich 17 Mal in einem Spiel bekreuzigte. Ljubicic betont, dass er mit dem Beten vor einem Match Gott für die Chance dankt, überhaupt hier spielen zu dürfen. Dabei geht es weniger darum, ein gutes Ergebnis zu erwirken. Dieses kann man nur selbst beeinflussen, der Glauben gilt jedoch für viele als zusätzliche Kraftquelle.

Pelczar ist mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil bei Rapid geworden, auch als Zufluchtsstätte. Eines darf dabei nie fehlen: Sein ganz persönliches "Heimtrikot", ein grün-weißer Talar.

Textquelle: © LAOLA1.at

Nach Auswechslung: Entwarnung bei Rapids Marvin Potzmann

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