Causa Monschein: Was Oliver Lederer missfällt

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Am Donnerstag entscheidet der Senat 2 der Bundesliga über die Zukunft von Christoph Monschein.

Der 24-jährige Angreifer und sein Berater-Team sind der Ansicht, dass der via Option verlängerte Vertrag bei der Admira ungültig ist, weshalb ihn Austria Wien verpflichtete.

Im Interview mit LAOLA1 bezieht Ex-Admira-Trainer Oliver Lederer, der den Stürmer zu den Südstädtern holte und ihm zum Durchbruch verhalf, erstmals Stellung zu der Causa. Außerdem spricht der 39-Jährige offen über seine Zukunft, Angebote anderer Klubs, sein gescheitertes Engagement beim SCR Altach, sein aktuelles Verhältnis zur Admira und vieles mehr.

LAOLA1: Sie sind seit einem halben Jahr ohne Trainerjob – wie geht es Ihnen mit so viel Freizeit?

Oliver Lederer: Es wäre gelogen, wenn ich sage, dass es mir super geht - ich würde natürlich gerne wieder auf der Trainerbank sitzen. Es ist schon erstaunlich, wie viel freie Zeit man plötzlich hat (lacht). Am Wochenende bin ich in der Steiermark beim FC Kopenhagen und sehe mir mit Markus Schopp das Training an. Ich versuche einfach, diese Situation so gut wie möglich zu nutzen. Ich beobachte viele Spiele und Trainings, blicke anderen Trainern über die Schultern. Ich will mich so gut es geht weiterbilden und als Persönlichkeit reifen. Schließlich hoffe ich ja, dass ich mich in Zukunft nicht allzu oft in einer Situation mit so viel Freizeit befinde.

LAOLA1: Hätten Sie gedacht, schneller wieder einen Verein zu finden?

Lederer: Mir war von Anfang an bewusst, wie der Markt in Österreich aussieht – und der ist nun einmal sehr klein. Viele sehr gute Trainer hoffen darauf, einen Job bei einem der zehn Bundesliga-Klubs zu ergattern. Deswegen muss man in gewisser Weise geduldig sein. Es ist ja nicht so, dass sich gar nichts tut. Bei Ried und Altach war ich jeweils im engeren Kandidatenkreis, das ist kein Geheimnis. Zudem hat mich das Interesse des ÖFB als möglicher Nachfolger von Andreas Heraf sehr geehrt. Es kam nichts davon zustande – aber es ist schön zu sehen, dass es Interesse gibt.

VIDEO - Admira-Manager schießt scharf gegen Monschein-Lager:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Wie lautet Ihre Herangehensweise? Geht es nun darum, einfach schnellstmöglich einen Verein zu finden oder wollen Sie ganz einfach auf das richtige Angebot warten?

Lederer: Es juckt mich schon in den Fingerspitzen, ich bin voller Tatendrang. Dennoch müssen ganz einfach mehrere Parameter stimmen. Ich mache etwas nur, wenn ich hundertprozentig davon überzeugt bin. Das Angebot und der Verein müssen zu mir, meiner Persönlichkeit und meiner Spielphilosophie passen bzw. ich muss dort hinpassen. Wenn man bereits bei den ersten Gesprächen merkt, dass es vielleicht nicht ganz so passt, wäre es falsch, das Angebot trotzdem anzunehmen. Das macht für keinen der Beteiligten Sinn. Ich möchte mir selbst am Ende des Tages sagen können, dass ich alles dafür getan habe, die Chance auf Erfolg für beide Parteien zu erhöhen.

LAOLA1: Wie Sie bereits gesagt haben, gab es unter anderem mit Altach Kontakt – zum bereits zweiten Mal. Dennoch wurde es wieder nichts, sind Sie deswegen enttäuscht?

Lederer: Im Winter stand ich noch bei der Admira unter Vertrag und habe mich voll auf diese Aufgabe fokussiert. Es war nie meine Absicht, den Verein zu verlassen. Jetzt war ich wieder im engeren Kandidatenkreis, die beiden Parteien konnten sich aber nicht einigen. Wir haben beide unsere Grundätze bekanntgeben und haben nicht zueinandergefunden. Das kommt im Fußball vor, daraus sollte man nicht mehr machen, als es ist. Mich freut es, dass mit Klaus Schmidt ein sehr guter Trainer verpflichtet wurde, er hat sich diese Chance lange verdient. Mit Thomas Hickersberger steht ihm ein toller Co-Trainer zur Verfügung, sie bilden sicher ein gutes Gespann. Altach hat sicher eine gute Entscheidung getroffen.

LAOLA1: Dass Ihr „Wunsch-Co-Trainer“ Thomas Hickersberger in Altach angeheuert hat, obwohl Sie doch nicht Cheftrainer wurden, hat viele verwundert. Sie auch?

Lederer: Das Interesse von Altach an Thomas Hickersberger bestand schon seit Winter. Er ist eine eigenständige Person und kann völlig frei entscheiden, unabhängig von mir. Er hat sich entschlossen das Angebot anzunehmen, das ist völlig legitim. Natürlich wäre es mir lieber gewesen, dass wir gemeinsam etwas starten. Meine Reise ging nicht nach Altach, seine schon - ich bin ihm aber nicht böse, das ändert nichts an meinem freundschaftlichen Verhältnis zu ihm.

Die Auftaktspiele der Bundesliga-Aufsteiger seit 2000!

2000: FC Tirol – Admira (Aufsteiger) 6:1

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2001: FC Kärnten (Aufsteiger) – Ried 1:2

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2002: Pasching (Aufsteiger) – FC Kärnten 3:0

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2003: Mattersburg (Aufsteiger) – Sturm 3:1

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2004: Wacker (Aufsteiger) – GAK 1:0

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2005: Ried (Aufsteiger) – Wacker 0:0

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2006: Altach (Aufsteiger) – Pasching 2:3

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2007: LASK (Aufsteiger) – Kärnten 1:0

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2008: Kapfenberg (Aufsteiger) – LASK 0:1

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2009: Wr. Neustadt (Aufsteiger) – Austria Kärnten 3:1

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2010: Wacker (Aufsteiger) - Rapid 4:0

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2011: Rapid – Admira (Aufsteiger) 2:0

(Geisterspiel wegen Derby-Ausschreitungen in Vorsaison)

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2012: WAC (Aufsteiger) – Austria 0:1

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2013: Grödig (Aufsteiger) – Ried 0:0

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2014: Altach (Aufsteiger) - Sturm 1:0

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2015: Mattersburg (Aufsteiger) – RB Salzburg 2:1

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2016: St. Pölten (Aufsteiger) – Austria 1:2

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LAOLA1: Ärgert es Sie, dass Sportdirektor Georg Zellhofer im Nachhinein extra oft betonte, Altach habe die Gespräche beendet und nicht Sie dem Klub abgesagt?

Lederer: Nein, darüber ärgere ich mich nicht. Wie gesagt, konnten sich die beiden Parteien nicht einigen. Es wäre müßig darüber zu diskutieren, wer das letzte Wort hatte – zumal ich nie behauptet habe, Altach abgesagt zu haben. Herr Zellhofer wird schon seine Gründe gehabt haben, warum er das so deutlich klargestellt hat – diese kenne ich aber nicht.

LAOLA1: Ganz ohne Aufgabe sind Sie aktuell auch nicht. Neben dem Trainer-Lehrgang sind Sie als TV-Experte bei „Sky“ tätig. Freuen Sie sich auf diese Aufgabe?

Lederer: Das stimmt, beim Trainerlehrgang zur UEFA-Pro-Lizenz ist noch ein Modul zu absolvieren, dann folgt die Abschlussprüfung. Dann ist dieses ewige Thema auch endlich einmal beendet (lacht). Die Aufgabe als TV-Experte nehme ich gewissenhaft wahr, ich bereite mich darauf vor. Es ist eine gewisse Anspannung da, weil ich es gut machen möchte. In letzter Zeit habe ich mir viele Experten im deutschsprachigen Raum angesehen, wie sie diese Aufgabe bewältigen. Es geht darum, als Persönlichkeit bunter zu werden und den Fußball aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich will das nicht einfach nebenbei irgendwie machen, sondern mit vollem Einsatz.

LAOLA1: Bleibt die Frage, ob es Probleme bei einem möglichen Einsatz in der Südstadt gibt. Stichwort Stadionverbot…

Lederer: Ganz sicher nicht. Das war ein temporäres Stadionverbot für dieses eine Spiel und ist längst wieder aufgehoben. Ich bin sicher nicht ganz frei von Schuld, dass es damals so gekommen ist. Letztlich hat dieses Thema sowohl der Admira als auch mir geschadet, jetzt sollte man es ruhen lassen.

LAOLA1: Ist mittlerweile Gras über die ganze Sache mit der Admira gewachsen oder ist das nach wie vor ein emotionales Thema für Sie?

Lederer: Es gibt im Prinzip keinen Kontakt, ich kenne die handelnden Personen ja kaum. Einzig Ernst Baumeister kenne ich noch aus meiner Zeit. Ich finde es einfach schade, was bei der Admira alles passiert. Ständig schreibt der Verein neue Schlagzeilen, meistens negativ. Egal, was passiert ist, die Admira als Klub wird zu einem Teil immer „mein Verein“ bleiben, weil ich so lange dort tätig war. Gerade deswegen geht es mir nahe, wenn ich sehe, was aus dem Klub geworden ist. Bislang gab es viele Entlassungen, so gut wie alle Posten wurden ausgetauscht, fast alle Jugendtrainer sind weg. Ich verstehe nicht wirklich, wie man als Vereins-Führung so vorgehen kann. Aber gut, vielleicht muss ich da als junger Trainer einfach noch viel lernen, wie es ein gewisser Admira-Manager einmal gesagt hat. Doch auch er wird in Zukunft an seinen Taten gemessen und wird zeigen müssen, dass er dazugelernt hat.

LAOLA1: Ein bestimmendes Thema ist aktuell die „Causa Christoph Monschein“. Wie sehen Sie dieses Theater?

Lederer: Eigentlich bin ich zu weit weg, um das wirklich beurteilen zu können. Wie ich das sehe, leiden sowohl die Admira als auch Christoph Monschein darunter. In erster Linie tut mir der Spieler Leid, weil „Monschi“ wirklich ein netter Typ ist. Es zeigt aber, wie die Admira mittlerweile vorgeht. Die Kommunikation im Verein fehlt einfach, dabei wäre sie sehr wichtig. Bislang gab es wie bereits erwähnt fast nur Entlassungen im Klub, auf der anderen Seite im Kader noch keine Neuzugänge. Da frage ich mich schon, was los ist. Wobei eigentlich ehrt es mich, dass auch die neue Führung an „unserem“ Kader aus meiner Zeit festhält, so schlecht kann er ja nicht sein. Christoph Monschein haben wir damals ablösefrei aus der Regionalliga Ost geholt, er hat eine tolle Entwicklung gemacht. Dass er jetzt den nächsten Schritt machen will, ist verständlich. Die Admira war immer ein Ausbildungsverein, das muss ja nicht schlecht sein.

LAOLA1: Wie denken Sie wird die „Causa Monschein“ enden?

Lederer: Am Donnerstag soll es ja bereits die Entscheidung des Bundesliga-Senats geben. Ich habe keinerlei Insider-Informationen, aber meine private Meinung sieht so aus: Wenn die Austria den Spieler verpflichtet und damit ein gewisses Risiko eingeht, wird sie sich ihrer Sache sicher sein. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass die Admira recht bekommen wird.

"Ich finde es einfach schade, was bei der Admira alles passiert. Ständig schreibt der Verein neue Schlagzeilen, meistens negativ. Egal, was passiert ist, die Admira als Klub wird zu einem Teil immer „mein Verein“ bleiben, weil ich so lange dort tätig war. Gerade deswegen geht es mir nahe, wenn ich sehe, was aus dem Klub geworden ist. Bislang gab es viele Entlassungen, so gut wie alle Posten wurden ausgetauscht, fast alle Jugendtrainer sind weg. Ich verstehe nicht wirklich, wie man als Vereins-Führung so vorgehen kann."

LAOLA1: Ist es reiner Zufall, dass Monschein und Sie bei derselben Beraterfirma sind oder können die beiden Parteien einfach nicht (mehr) miteinander?

Lederer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es am Berater liegt. Was ich weiß, wurden ja bereits seit Winter zahlreiche Gespräche geführt – die klaren Ansagen haben aber gefehlt. Außerdem hat die Admira aktuell auch mit anderen Managern zu kämpfen, nicht nur mit Christian Sand.

LAOLA1: Was will die sportliche Leitung mit diesen Aktionen bezwecken?

Lederer: Ich glaube gar nicht, dass das beabsichtigt ist. Die Admira gerät derzeit einfach in solche Situationen – das ist nicht verwunderlich, wenn man die ganze administrative Abteilung entlässt und neu besetzt. Es handelt sich nach wie vor um einen Bundesliga-Klub, den schupft man nicht einfach so im Vorbeigehen – auch nicht, wenn man aus Deutschland kommt. Der Verein will sein Image aufpolieren, der Schuss geht aber in gewisser Weise nach hinten los.

LAOLA1: Man hat das Gefühl, die Admira will mit aller Macht vom Image der „Grauen Maus“ wegkommen. Braucht es dazu vielleicht sogar gewisse Schritte bzw. Schwierigkeiten wie diese?

Lederer: Die Admira war immer ein kleiner Verein und wird wohl immer ein kleiner Verein bleiben. Alleine aufgrund der Nähe zu den beiden Großklubs Austria und Rapid ist das einfach so. Es kommen nicht massenweise Fans, da kann man noch so viele Aktionen starten. Die Fans, die kommen, sind treu und absolut top. Das Image kann und soll man ja aufpolieren, es kommt aber auf die Art und Weise an. Ich bin sicher nicht unbefangen und objektiv, das kann ich aufgrund meiner persönlichen Vergangenheit gar nicht sein. Aber auf mich wirkt das ganze Vorgehen einfach nicht sympathisch. Ich bin mir sicher, da geben mir viele Leute recht.

LAOLA1: Zusammengefasst: Das Engagement von Flyeralarm hatte Ihrer Meinung nach bislang also mehr negative als positive Auswirkungen?

Lederer: Das würde ich gar nicht sagen. Wenn man den Klub als wirtschaftliches Unternehmen sieht, sind die Auswirkungen mit Sicherheit positiv. Finanzielle Unterstützung war schon lange notwendig, das ist keine Frage. Ich finde aber, das müsste auch anders möglich sein. Die Admira war immer ein familiärer Klub mit einer guten Atmosphäre, das geht nun verloren.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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