Lederer klärt über Verhältnis zu Admira auf

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Am Samstag (18:30 Uhr im LIVE-Ticker) kommt in der 9. Bundesliga-Runde es zu einem besonderen Duell.

Oliver Lederer bekommt es in seinem zweiten Spiel als SKN-Trainer mit Ex-Klub Admira zu tun. Trotz seiner kuriosen Entlassung im letzten Winter und der folgenden Schlammschlacht (Stichwort Stadionverbot) lässt der 39-Jährige gegenüber LAOLA1 mit großen Worten aufhorchen. "Die Träume und Dinge, die vor mir liegen, sollten größer sein als die Vergangenheit", so Lederers fast schon philosophische Aussage in Bezug auf die Südstädter.

Wieso er sich für den Job in St. Pölten entschied, wie es zur Zusammenarbeit mit Markus Schopp kam, ob er von seiner Spielphilosophie abweichen wird, wie es um eine Verpflichtung von Eldis Bajrami und sein Verhältnis zur Admira wirklich steht und ob es am Samstag zum Handschlag mit Ex-Trainerkollegen Ernst Baumeister kommt - das und vieles mehr verrät Oliver Lederer im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Mit etwas mehr Abstand – wie lautet Ihr Fazit nach dem ersten Spiel (1:5 bei Austria Wien) als Trainer des SKN St. Pölten?

Oliver Lederer: Wir versuchen in der Analyse, das Spiel in die Zeit vor und nach der ersten Roten Karte zu unterteilen. Bis zum Ausschluss waren wir gegen eine spielstarke Wiener Austria gut dabei, sind in Ballbesitz gut in die Positionen gekommen – auch, wenn die Abstände noch nicht optimal waren. Es war für das erste Spiel absolut okay. Fakt ist, dass die Mannschaft bislang die meisten Gegentore kassiert hat, in Unterzahl war es dann noch schwerer. Mit der Roten Karte war das Spiel praktisch entschieden, auch wenn wir dann noch einen Stangenschuss hatten. Wir hätten mit einer Führung in die Pause gehen müssen und hätten uns mehr verdient. Ich sehe nach wie vor Dinge, die wir gut gemacht haben.

LAOLA1: Konnte man Ihre Handschrift trotz der kurzen Zeit mit der Mannschaft schon in Ansätzen erkennen?

Lederer: Das will ich nicht beurteilen. Es ist auch gar nicht wichtig, mich selbst in den Vordergrund zu rücken. Ich konnte Dinge, die wir uns in der Woche davor erarbeitet hatten, erkennen. Ob das meine oder unsere Handschrift war, sollen andere entscheiden.


VIDEO - Highlights von Lederers SKN-Debüt:
(Interview wird unterhalb fortgesetzt)


LAOLA1: Anders gefragt: Wie lange wird es dauern, bis man von der Mannschaft verlangen kann, alle geforderten Dinge richtig umzusetzen?

Lederer: Ich bin geduldig, vor allem im Umgang mit meinen Spielern. Sie sind sehr hungrig und willig, wollen dazulernen. Ich werde als Trainer in der Öffentlichkeit niemals Zeit fordern - ich will nur, dass man der Mannschaft zugesteht, ein Gesicht zu zeigen, das sie bislang noch nicht gezeigt hat. Es fällt schwer, bei fünf Gegentoren die positiven Seiten hervorzukehren. Ich selbst habe aber erkannt, dass wir in vielen Phasen des Spiels schon Sachen richtig gemacht haben. Ich gehe davon aus, dass das kontinuierlich besser wird. Von uns bekommen die Jungs die Zeit, wie viel Zeit uns die Öffentlichkeit gibt, ist nebensächlich.

LAOLA1: Mannschaften in den unteren Regionen der Tabelle sind normalerweise nicht dafür bekannt, auf Ballbesitzfußball zu setzen. Das ist aber genau Ihre Herangehensweise als Trainer – werden Sie sich anpassen oder Ihre Linie durchziehen?

Lederer: Es geht nicht um meine Person. Man findet eine Mannschaft mit gewissen Qualitäten vor – unsere Aufgabe als Trainerteam ist es, diese Qualitäten in ein bestmögliches Spielkonzept zu verpacken. Mir geht es aber schon darum, dass die Spieler sich hauptsächlich damit beschäftigen, was wir in Ballbesitz tun und dass wir den Ball so schnell wie möglich zurückbekommen, wenn wir ihn nicht haben. Das hört sich banal an, ist aber unser Zugang. Wir sehen aber auch, dass wir die meisten Tore kassiert haben und deshalb dort den Hebel ansetzen sowie einige Schrauben drehen müssen. Die Mannschaft kann viele Dinge, ein Fundament ist da. Es wurde ja zuvor gute Arbeit geleistet, darauf kann man aufbauen. Natürlich habe ich Ideen, die drehen sich meistens darum, was wir in Ballbesitz machen. Ich möchte meine Jungs dafür begeistern.

LAOLA1: Was hat letztlich dafür gesprochen, den Job als SKN-Trainer anzunehmen?

Lederer: Das ist relativ einfach erklärt: Ich habe das Gefühl, dass der Klub wachsen will. Die Erwartungshaltung an uns ist sicherlich, kurzfristig Verbesserung herbeizuführen. Aber eben auch, mittelfristig etwas zu entwickeln. Wie eine Spielidee, mit der sich jeder einzelne Spieler besser weiterentwickeln kann. Deshalb war der Job extrem interessant. Es gibt herausfordernde kurzfristige Ziele und mittelfristige, mit denen ich mit zu hundert Prozent identifizieren kann.

"Ich glaube aber, dass der Großteil der Admira-Fans es versteht. Damit ist es für mich erledigt. Die Träume und Dinge, die vor mir liegen, sollten größer sein als die Vergangenheit. Mein Verein ist der SKN, ihm gilt mein voller Fokus. Ich thematisiere die Admira in dieser Woche nur, weil sie unser nächster Gegner ist."

LAOLA1: Mit Markus Schopp sitzt ein prominenter Mann als Co-Trainer neben Ihnen auf der Bank. Wie kam es dazu?

Lederer: Markus Schopp und ich tauschen uns schon seit ungefähr zwei Jahren aus, treffen uns regelmäßig. Wir haben dann bald gemerkt, dass wir viele Dinge ähnlich sehen und uns in gewissen Bereichen gut ergänzen. So gesehen war es eine günstige Konstellation, dass er auch von Vereinsseite der erste Ansprechpartner auf den Posten als Assistenztrainer war. Ich bin sehr froh, dass ein im Fußballgeschäft erfahrener Mann im Team dabei ist. Vor allem auch jemand mit der Bereitschaft, sich zu entwickeln und voneinander zu lernen. Das ist eine ideale Voraussetzung, um gemeinsam mit der Mannschaft erfolgreich zu arbeiten.

LAOLA1: Im Sommer ist beim SKN einiges passiert, ein Umbruch im Kader ist erfolgt. Wie würden Sie die Situation einschätzen?

Lederer: Der Kader hat absolut Qualität, ist auch groß. Das Hauptproblem ist – und das traf Jochen Fallmann genauso wie es mich nun trifft – das Verletzungsproblem. Auf Spieler wie Luxbacher, Hofbauer oder Schütz konnten weder er noch ich zurückgreifen, noch kann ich es. Das sind aber Spieler, die die Mannschaft mit ihren Stärken besser machen würden. Wenn sie zurückkommen, bin ich überzeugt, dass wir noch flexibler agieren und erfolgreicher sein können.

LAOLA1: Es soll ja auch die Überlegung geben, von außen nachzubessern. Der Name Eldis Bajrami fällt immer wieder, er wurde auch bereits beim SKN-Training gesichtet…

Lederer: Das stimmt, aktuell hält er sich bei uns fit, weil er vereinslos ist. Der Name geistert durch die Gegend, weil ich sehr gute Erfahrung mit ihm gemacht habe. Er ist ein sehr verlässlicher Spieler, der auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann. Ich habe einmal erwähnt, dass es für mich nicht ganz nachvollziehbar ist, dass die Admira seinen Vertrag nicht verlängert hat. Daher kommt wahrscheinlich der Zusammenhang. Ich bin jedoch hier unter der Voraussetzung angetreten, dass ich dem momentanen Kader zutraue, die kurz- und mittelfristigen Ziele zu erreichen. Tatsache ist aber auch, dass wir mit Devante Parker (Kreuzbandriss/Anm.) schon nach wenigen Tagen eine schwere Verletzung einstecken mussten und uns womöglich dazu entscheiden, nochmals aktiv zu werden. Das werden wir alle gemeinsam besprechen und entscheiden. Wenn wir zu dem Entschluss kommen, dass wir noch jemanden brauchen, ist Eldis Bajrami ein Thema.

LAOLA1: Das heißt es muss nicht unbedingt er sein. Sie haben auch andere Spieler im Blick?

Lederer: Es gibt sehr viele interessante Spieler am Markt, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns besser machen könnten. Es muss einfach sehr vieles passen. Zum einen müssen wir uns entscheiden, dass wir jemanden brauchen. Er muss in der Sekunde zum Team passen und uns besser machen. Sprache, Spielauffassung und andere Punkte sind sehr wichtig. Wir können in unserer Situation keinen Spieler auf Perspektive holen, er muss uns jetzt besser machen. Wir sind aber nicht ungeduldig und schlagen wild zu. Es muss sehr sorgfältig ausgewählt werden.

LAOLA1: Am Samstag kommt es zum Duell mit Ihrem Ex-Klub Admira. Bei dem einen oder anderen Fan kam Verwunderung auf, als Sie beim „Rivalen“ St. Pölten unterschrieben hast. Haben Sie dafür Verständnis?

Lederer: Für Unverständnis nicht, für Enttäuschung schon. Ich glaube aber, dass der Großteil der Admira-Fans es versteht. Damit ist es für mich erledigt. Die Träume und Dinge, die vor mir liegen, sollten größer sein als die Vergangenheit. Mein Verein ist der SKN, ihm gilt mein voller Fokus. Ich thematisiere die Admira in dieser Woche nur, weil sie unser nächster Gegner ist. Die Admira wird immer ein Teil von mir sein, mein Sohn spielt dort – das war es. Die Vergangenheit verbindet uns, die Gegenwart und Zukunft gehört einzig und allein St. Pölten.

LAOLA1: Sie schaffen es also, das emotionale Thema Admira ganz nüchtern zu betrachten?

Lederer: Absolut, alles andere wäre unprofessionell. Das würde die Qualität meiner Arbeit einschränken, das lasse ich nicht zu. Es ist ein Heimspiel, ein sehr wichtiges noch dazu. Wir wollen endlich den ersten Heimsieg der Saison landen und die nicht gerade erfolgsverwöhnten Fans wieder mit ins Boot zu holen. Wir wollen drei Punkte – für uns als Mannschaft, für die Fans und die Region. Es ist ein unangenehmer Gegner, das kann ich vielleicht ganz gut beurteilen. Es ist aber ein Gegner wie jeder andere, für Emotionalität ist kein Platz.

Ein Bild aus besseren Tagen
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LAOLA1: Auffällig ist, dass man von Ihnen trotz der ganzen Geschehnisse seit dem Abgang kein schlechtes Wort über die Admira hört. Warum eigentlich nicht?

Lederer: Das ergibt sich aus der Situation, weil ich der Admira viel zu verdanken habe. Die Menschen, die mich begleitet haben, bedeuten mir sehr viel. Es sind Freundschaften entstanden, deshalb gibt es kein schlechtes Wort. Ich empfinde nichts Böses. Alles, was positiv war, behalte ich. Es war eine wunderschöne Zeit, für die ich dankbar bin. Ich betone aber nochmals: Die Gegenwart und Zukunft ist der SKN. Ich möchte etwas aufbauen und dem Verein helfen, die Ziele zu erreichen.

LAOLA1: Dennoch ist es eine spezielle Situation: Auf der einen Seite Sie, auf der anderen Ernst Baumeister, mit dem sie als Trainer-Doppel 2015/16 große Erfolge gefeiert haben. Die Beziehung ist seit Ihrer Entlassung abgekühlt, wie steht es aktuell um das Verhältnis?

Lederer: Jede Beziehung durchlebt auch schwierige Phasen. Wir haben ein neutrales Verhältnis, aber das spielt keine große Rolle. Am Wochenende spielt nicht Ernst Baumeister gegen Oliver Lederer, sondern Admira gegen St. Pölten. Da sind Akteure auf dem Spielfeld am Werk, die das viel besser können als wir. Ernst wird kein Tor schießen, ich genauso wenig. Wir beide werden versuchen, unsere Mannschaften so gut es geht vorzubereiten und einzustellen. Dass er jemand ist, der den Erfolg anscheinend gepachtet hat, hat man schon in seinem ersten Match gemerkt. Wir werden versuchen, das „Glücksvogerl“, das dauerhaft auf seiner Schulter sitzt, für das eine Spiel zu verscheuchen.

LAOLA1: Zum obligatorischen Handschlag zwischen den Trainern wird es also schon kommen?

Lederer: Selbstverständlich, so wurde ich erzogen. Den Handschlag gibt es immer, egal mit wem. Es kann höchstes sein, dass er mir hin und wieder verweigert wird (lacht). Am Ende des Tages ist es nur Fußball. Nicht jeder ist mein bester Freund, umgekehrt ist es genauso.

Textquelle: © LAOLA1.at

St.Pölten macht bei Verpflichtung von Eldis Bajrami ernst

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