Ist der Ärger verflogen, Oscar?

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In wenigen Wochen jährt sich das Trainer-Engagement von Oscar bei Red Bull Salzburg zum ersten Mal.

Mit der Meisterschaft und dem Cupsieg sowie dem CL-Quali- und Europa-League-Aus gab es Höhen und Tiefen.

Atmosphärische Schwankungen gehörten ebenfalls dazu, doch der Katalane, der 54 Mal für den FC Barcelona spielte, scheint seinen Vertrag bis 2018 erfüllen zu wollen.

"Ich habe meinen Vertrag verlängert, um hier als Trainer zu bleiben", sagt der 43-Jährige beim Interview-Termin mit LAOLA1.

Der Spanier zeigt sich in seinem Büro ("Hier bin ich meistens von halb acht am Morgen bis halb acht am Abend") wie am Trainingsplatz locker, lächelt und scherzt mit Physiotherapeut Simon Egger, der an einem klirrkalten Dezember-Tag in kurzen Hosen erscheint: "Ist wie Sommer, oder?"

Auch im Interview gibt sich Oscar, der nach Roger Schmidt (2,24) und Adi Hütter (2,09) mit 2,08 den aktuell drittbesten Punkteschnitt eines Trainers in der Red-Bull-Ära aufweist, entspannt - zeigt dabei aber wie auch in der Öffentlichkeit sein Pokerface.

LAOLA1: Das Spiel gegen Schalke ist nur noch für die Statistik. Warum ist Salzburg in der Europa League bereits ausgeschieden?

Oscar: Ich denke, wir hatten zunächst kein Glück bei der Auslosung und uns fehlte auch das Glück bei den Spielen. Gegen Krasnodar und Nizza waren wir zu Hause besser, auf Schalke der Gegner und in Krasnodar wiederum wir. Doch dort konnten wir uns nicht belohnen.

LAOLA1: Nach dem 0:1 gegen Krasnodar haben Sie gesagt, die Mannschaft hätte mehr Möglichkeiten in der Meisterschaft als in der Europa League zu gewinnen. Sie ließen in diesem Spiel für viele überraschend Laimer und Wanderson auf der Bank. Hat man zu Beginn die Europa League zu sehr hinten angestellt?

Oscar: Wanderson und Konrad Laimer sind Spieler, bei denen nach drei, vier Spielen hintereinander eine hohe Verletzungsgefahr besteht. Deswegen haben wir damals die Entscheidung getroffen. Koni hat auch andere Spiele in der Europa League nicht bestritten und wir haben trotzdem gut gespielt. Daher teile ich diese Meinung nicht. Wir haben einen Kader, in dem alle imstande sind zu spielen. Es liegt dann nur an denen, die am Feld stehen, und welche Leistung sie abrufen, ob wir besser als der Gegner sind und gewinnen. So wie wir es auch des Öfteren bewiesen haben.

LAOLA1: Beim Spiel gegen Nizza in Salzburg (0:1) gaben Sie dann wiederum überraschend vielen Neuzugängen wie Wisdom, Radosevic, Rzatkowski und Gulbrandsen die Chance von Beginn weg und meinten: „Sie können uns zeigen, was sie können. Mal sehen, ob sie uns wirklich helfen können.“ Waren Sie zuvor weniger von diesen Spielern überzeugt und sind es seither?

Oscar: Ich wusste, dass sie uns helfen könnten, aber mir ging es darum, wie sehr. Das war das erste Mal, dass sie von Beginn weg gegen einen starken Gegner spielen würden. Da sieht man dann, auf welchem Niveau ein Spieler spielt und wie sehr er dir helfen kann. Ich war damals sehr zufrieden und man hat gesehen, dass sie uns sehr helfen können. Das freut mich auch, wenn Spieler von der Bank kommen und sehr gute Leistungen abliefern.

Seither bekamen auch alle Neuzugänge in der Bundesliga wie international ihre Chancen - außer Stefan Stangl. Der 25-jährige Ex-Rapidler hat im Nationalteam die Nase gegenüber Andreas Ulmer vorne, nicht aber in Salzburg. Oscar spricht im VIDEO über seinen Status quo:


LAOLA1: Im Sommer hingegen wirkten Sie sehr unzufrieden, vor allem nach dem Abgang von Bernardo zu Leipzig und sprachen in diesem Kontext von Liefering A und Liefering B. Ist der Ärger verflogen?

Oscar: Jeder weiß, was im Sommer passiert ist. Ich habe natürlich gewisse Dinge gesagt, man hat dem auch viel Aufmerksamkeit geschenkt und die Betonung lag immer auf „Liefering A, Liefering B.“ Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte. Ich will aber nicht mehr zurückschauen. Ich habe am nächsten Tag schon wieder an andere Dinge gedacht, nämlich wie ich die Mannschaft verbessern kann.

LAOLA1: Nach dem Ende der Herbstsaison haben Sie 54 Spiele als Salzburg-Trainer absolviert und wären so lange wie noch nie bei einem Verein Trainer. Sie haben Vertrag bis 2018, aber es klang nicht immer so, als wollen Sie ihn auch erfüllen. Deswegen: Wollen Sie ihren Vertrag erfüllen und was sind Ihre Ziele?

Oscar: Ich habe damals meinen Vertrag verlängert, um hier als Trainer zu bleiben. Natürlich haben wir auch gewisse Ziele.Wir wollen zunächst wieder Meister werden und es dann erneut versuchen, international zu spielen und, wenn möglich, in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Wir wollen aber auch Spieler entwickeln, um jedes Jahr sagen zu können, dass ein Spieler wieder auf höherem Niveau spielt.

Jeder weiß, was im Sommer passiert ist. Ich habe natürlich gewisse Dinge gesagt, man hat dem auch viel Aufmerksamkeit geschenkt und die Betonung lag immer auf „Liefering A, Liefering B.“ Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte. Ich will aber nicht mehr zurückschauen. Ich habe am nächsten Tag schon wieder an andere Dinge gedacht, nämlich wie ich die Mannschaft verbessern kann.

Oscar

LAOLA1: Ist es dahingehend kein Problem für Sie, dass Sie Spieler auch für Leipzig entwickeln? Hatten Sie auch schon einmal Kontakt zu Ralf Rangnick?

Oscar: Ich habe vor längerer Zeit schon einmal mit Ralf Rangnick gesprochen. Und ich denke einfach, es ist das Beste, die Philosophie und Ziele des Vereins zu kennen.

LAOLA1: Haben Sie Wünsche für die Winter-Transferzeit? Was muss passieren, um Ziele wie die Champions-League-Gruppenphase zu erreichen?

Oscar: Ich denke, dass diese Entscheidung betreffend des Kaders nicht ich als Trainer treffen muss oder soll. Ich rede aber fast jeden Tag mit Christoph Freund, er ist auch fast jeden Tag hier in Taxham und schaut sich die Trainings an. Die Kommunikation zwischen uns ist flüssig.

LAOLA1: Das wirkte im Sommer nicht immer so. Sie ließen immer wieder mit Aussagen aufhorchen, etwa dass Wanderson ein Spieler war, „den ausdrücklich ich herbringen wollte“.

Oscar: Ich wollte damals nur sagen, dass ich den Spieler von früher kannte und dass er eine Empfehlung von mir war. Das ist normal im Fußball. Manchmal gibt der Sportdirektor, manchmal der Trainer, manchmal die Scouting-Abteilung eine Empfehlung ab.



LAOLA1: Werden Sie aber im Winter Empfehlungen abgeben und wenn ja, welche Spieler-Typen würden sie gerne holen?

Oscar: Das ist eine Entscheidung, die der Verein treffen wird. Ich werde mich darauf beschränken, mit den Spielern zu trainieren, die mir zur Verfügung stehen.

LAOLA1: Sie werden nicht mit dem Sportlichen Leiter über mögliche Neuzugänge sprechen?

Oscar: Mit Christoph Freund spreche ich jeden Tag.

LAOLA1: Auch über Neuverpflichtungen?

Oscar: Das, worüber ich mit ihm spreche, bleibt privat.

Oscar beim LAOLA1-Interview

LAOLA1: Es ist Halbzeit in der Bundesliga und Salzburg liegt nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer. Ist man nach einem schwierigen Start nun wieder in einer komfortablen Lage?

Oscar: Ich wäre natürlich gern weiter oben in der Tabelle. Aber wenn man die Verletzungen, die wir hatten und haben, sowie die 36 Spiele, die andere in der gesamten Saison spielen, hernimmt, so können wir mit der Situation zufrieden sein.

LAOLA1: Eines interessiert mich noch: Sie kritisierten zwei Mal die Spielansetzungen der Bundesliga. Stört Sie das wirklich so eklatant, zumal Red Bull Salzburg jener Klub mit den größten Möglichkeiten ist?

Oscar: Ich sage immer das, was das Beste für mich, meine Mannschaft und den Verein ist. Ich versuche immer unsere Interessen zu verteidigen. Schlussendlich entscheidet die Liga, aber das verbietet mir dennoch nicht, meine Meinung zu sagen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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