"Da kriege ich einen Anfall"

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Walke: "Da kriege ich einen Anfall"

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Unverhofft kommt oft.

Im Sommer durfte sich Alexander Walke eigentlich keine große Hoffnungen darauf machen, Nummer eins von Red Bull Salzburg zu werden. Obwohl sich Peter Gulacsi nach Leipzig verabschiedet hatte.

Schließlich hatte der Meister bereits Monate zuvor Grödigs Cican Stankovic, der im Mai als „Torhüter der Saison“ ausgezeichnet wurde, verpflichtet. 

Der 23-Jährige war auch als Nummer eins in die Spielzeit gegangen, verlor aber nach seinen Fehlern beim 2:2 gegen die Admira diese Position an den 32-jährigen Deutschen, der 2010 von Salzburg verpflichtet wurde.  

Im Gespräch mit LAOLA1 spricht Walke vor seinem 101. Spiel für Salzburg über die Tormann-Situation beim Meister und warum es in Ordnung geht, wenn Valon Berisha ab und zu ein Arschloch ist.

LAOLA1: Hand aufs Herz: Hast du im Sommer damit gerechnet, im Dezember die Nr. 1 zu sein?

Alexander Walke: Das ist schwierig zu sagen. Man hofft ja schon immer darauf zu spielen. Das ist klar. Dass es sich so entwickelt, konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Es ist aber auch so gekommen, weil die Mannschaft einfach nicht so gut gespielt hat, wie wir uns das erhofften.

LAOLA1: Konntest du es dir auch deswegen nicht vorstellen, weil Salzburg "Österreichs Tormann der Saison" verpflichtete?

Walke: Es wird ja in so einem Fall nicht von Anfang an kommuniziert, dass der oder der die Nummer eins ist. Cican muss ja auch seine Leistung bringen. Hinzu kam ein neuer Trainer, mit dem beide vorher nicht gearbeitet hatten. Es gab die gleiche Ausgangsposition. Natürlich kam Cican mit vielen Vorschusslorbeeren, aber das muss man hier auch erst einmal auf den Platz bringen.

LAOLA1: Salzburg hat ihn wohl nicht für die Bank geholt, du willst freilich deinen Stammplatz nicht hergeben, musst ihm aber gleichzeitig helfen. Ist das für dich nicht eine komische Situation?

Walke: In erster Linie will ich jedes Spiel machen. Wir trainieren aber auch gut zusammen, kommen gut miteinander aus und das passt super. Er ist auch ein guter Torhüter, kann aber sicher noch etwas lernen und sich weiterentwickeln. Da geht bei mir nicht mehr so viel. Er wird früher oder später spielen. Aber ich bin nicht dazu da, um zu sagen: Heute spielst du, ich mache nichts. Meine Aufgabe ist es, so gut zu sein, wie es geht, um es ihm so schwer zu möglich zu machen, damit er besser wird.

LAOLA1: Wie hast du ihn, seit er die Reservistenrolle einnehmen musste, erlebt?

Walke: Er gibt Vollgas und versucht alles dranzusetzen, wieder ins Tor zu kommen. Ich sage immer: Alles, was dich nicht umbringt, macht dich noch stärker. Cican kann sicher das Positive mitnehmen.

LAOLA1: Nicht wenige heben deine Wichtigkeit für die Mannschaft hervor, obwohl du etwa vergangene Saison kaum gespielt hast. Bist du eine Art Vaterfigur innerhalb dieser doch jungen Mannschaft?

Walke: Ich habe natürlich schon etwas erlebt und wir haben viele junge Spieler, einige sind halb so alt wie ich. Denen kann man schon helfen. Andererseits muss man der Jugend auch ab und an in den Arsch treten. Ich glaube, das kriege ich ganz gut hin (lacht). Auf dem Fußballplatz geht es um taktische Sachen, wo man mit ihnen über gewisse Dinge spricht. Abseits gibt es mehr Gesprächsstoff.

LAOLA1: Ein Beispiel bitte.

Walke: Das beste Beispiel ist, dass manchmal acht bis zehn Junge nicht in der Lage sind, die Bälle entsprechend aufzupumpen. Da kriege ich einen Anfall. Wir müssen alle eine Stunde vorher da sein und da gibt es viel Zeit, um diese Dinge einfach zu machen.

"Meine Aufgabe ist es, so gut zu sein, wie es geht, um es ihm so schwer zu möglich zu machen, damit er besser wird."

LAOLA1: Womit beschäftigen sie sich stattdessen?

Walke: Mit ihrem Handy.

LAOLA1: Sind ältere Spieler als Gegenpol wichtig?

Walke: Ich glaube schon. Und es ist auch nicht verkehrt, wenn man zwischendurch als älterer Spieler ein Arschloch ist. Nicht nur als älterer Spieler, Valon Berisha ist auch ein gutes Beispiel dafür.

LAOLA1: Warum ist Valon Berisha ein Arschloch?

Walke: Er ist zwar noch ein junger Spieler, aber einer der professionellsten bei uns. Er kommt früh, geht spät, kümmert sich um seinen Körper. Er ist ein fleißiger Spieler und sagt auch, was Sache ist.

LAOLA1: Hat sich die Situation im Vergleich zu deiner Jugend trotzdem komplett verändert?

Walke: Absolut! Als ich jung war, war wirklich alles anders. Da warst du mit 30 Jahren in der Blüte deines Fußballerlebens, heute bist du der Älteste. Früher gab es den Jüngsten, der alles machen musste, wie Bälle aufpumpen und so weiter. Heute schaffen das manchmal eben acht bis zehn nicht.

Berisha, Stankovic und Walke

LAOLA1: Liegt es an der Einstellung?

Walke: Manchmal geht man einfach mit seinem Beruf nicht so bewusst um. Dabei geht es so schnell: Es kann in die andere Richtung gehen und dann bist du weg. Man sollte sich nie zu schnell ausruhen sondern immer weitermachen. Man muss immer wieder kämpfen, um zu spielen, gute Leistungen zu bringen und einen neuen Vertrag zu bekommen. Das ist aber auch nicht nur bei der Jugend so.

LAOLA1: Du hast in diesem Jahr einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. War es immer klar, dass du in Salzburg verlängern würdest? Und kannst du dir vorstellen, dort deine Karriere zu beenden?

Walke: Es gab natürlich vorab Gespräche, aber klar ist auch: Wenn Peter Gulacsi geblieben wäre, wäre ich gegangen. Es hätte keinen Sinn gemacht, mit uns drei in die Saison zu gehen. Peter hat sich für einen anderen Weg entschieden, ich wollte sowieso in Salzburg bleiben und so hat sich das dann ergeben. Und zu Salzburg: Also für mich gibt’s nichts Schöneres. Ich wohne ja in einem Urlaubsland. Immer ein schöner Sommer, immer ein toller Winter. Meine Familie und ich fühlen sich pudelwohl. Wenn es möglich wäre, die Karriere hier zu beenden und etwas anderes zu machen – dann sofort. Aber ich hoffe schon, dass im Fußball noch einige Jahre etwas geht. Das ist eine körperliche Frage.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA Meins

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