Ebenbauer: "Fans? Salzburg große Ausnahme!"

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Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer blickt spannenden Zeiten entgegen. Im Sommer 2018 greift die Liga-Reform.

Doch werden sich überhaupt 16 Teams finden, die in der neuen 2. Liga mitmachen wollen? "Es könnte im ersten Jahr ein Problem geben", sagt Ebenbauer im LAOLA1-Interview. Außerdem spricht er über notwendige Veränderungen in den Regionalligen.

Der Liga-Vorstand erklärt auch, warum in Salzburg nur wenige Fans kommen, wie es um die Sicherheit in den Stadien wirklich bestellt ist und kommentiert das angespannte Verhältnis zwischen der Austria und Rapid.

LAOLA1: Es kommt eine neue zweite Liga und aus der Regionalliga West will eigentlich kein Klub aufsteigen. Überrascht Sie das?

Christian Ebenbauer: Nein. Ob niemand dabei sein wird, daran zweifle ich noch, vor allem Salzburger Vereine betreffend. Ich habe aber von Beginn an gesagt, dass Vorarlberger Vereine den größten Nachteil dieser Reform haben, wenn man sich die Distanzen ansieht. Bei Salzburger oder auch manchen Tiroler Vereinen ist es eine Ausrede, wenn sie sagen, dass sie wegen der Distanzen nicht aufsteigen wollen. Das kann man nicht faktisch belegen.

LAOLA1: Ist das so?

Ebenbauer: Wir haben uns sämtliche Kilometer-Distanzen ausgerechnet und klar, es ist eine Steigerung, aber im Schnitt sind es 100 Kilometer mehr. Das ist nicht die Welt. Und die Reisekosten sind auch ein Ausreden – Busse werden nicht stundenweise, sondern tageweise gemietet. Wenn man davon ausgeht, dass ein Vorarlberger auswärts immer übernachten muss – rechnen wir konservativ mit 100 Euro pro Einzelzimmer für 25 Leute bei 15 Auswärtsfahrten –, dann sind das 37.500 Euro. Wieviel bekommen die Klubs derzeit in der Regionalliga? Null Euro! Wieviel bekommen sie fix in der neuen zweiten Liga? Über 100.000 Euro! Wichtig ist aber, ob Spieler bereit sind, diese Wege auf sich zu nehmen, wenn sie Amateure und keine Profis sind.

LAOLA1: Werden sich 16 Klubs finden, die an der neuen zweiten Liga teilnehmen wollen?

Ebenbauer: Davon bin ich überzeugt. Die einzige Möglichkeit, nicht zu den 16 Klubs zu kommen, ist der Beschluss, dass aus jeder Regionalliga maximal drei Klubs raufkommen. Das könnte im ersten Jahr ein Problem werden, vor allem im Westen.

VIDEO: Best XI - Das UEFA-Team des Jahrtausends

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)


LAOLA1: Kann man den Beschluss aussetzen?

Ebenbauer: Das ist Sache der Landesverbände.

LAOLA1: Was sind die großen Herausforderungen in der neuen zweiten Liga?

Ebenbauer: Die größte Herausforderung ist es, den Sinn und Zweck zu transportieren. Die Positionierung der zweiten Liga ist entscheidend. Etwas mehr als ein Jahr nach der Reform wird schon wieder vergessen, warum wir sie gemacht haben. Die zwei Zehnerligen sind aus sportlicher Sicht ein gutes Modell, allerdings können sich die Klubs die zweite Liga nicht mehr leisten. Wir haben uns für ein Modell entschieden, von dem ich nicht weiß, wie lange und wie gut es funktioniert, ich bin aber überzeugt, dass es besser funktioniert als derzeit behauptet wird. Das Wichtigste ist die Drehscheiben-Funktion zwischen Profi- und Amateurfußball. Es muss eine Möglichkeit für junge Spieler geben, sich zu entwickeln. Und man muss die Regionalität in die Köpfe bringen.

LAOLA1: Die Positionierung ist also "Fußball pur" und "Talententwicklung"? Das klingt ein wenig nach "Heute für Morgen"…

Ebenbauer: "Heute für Morgen" war darauf ausgerichtet, nur junge Spieler zu positionieren. Es geht darum, den Übergang vom Amateur zum Profi nicht nur für Spieler, sondern auch für Klubs zu ermöglichen. Ich glaube, die zweite Liga wird viel cooler als wir alle glauben.

"Es ist allen bewusst, dass das derzeitige Modell mit einer Zwölferliga, einer 16er-Liga und drei 16er-Ligen darunter nicht lange möglich sein wird"

LAOLA1: Gemeinsam mit dem ÖFB gilt es nun eine Lösung für die Schnittstelle zwischen der zweiten und dritten Leistungsstufe zu finden. Wie sieht es da aus?

Ebenbauer: Es ist allen bewusst, dass das derzeitige Modell mit einer Zwölferliga, einer 16er-Liga und drei 16er-Ligen darunter nicht lange möglich sein wird. Im November gibt es den ersten großen Termin mit den Landesverbänden.

LAOLA1: Was ist Ihr favorisiertes Modell?

Ebenbauer: Wir haben alle europäischen Länder verglichen: Wie schnell kommt man von der Spitze in die Breite? Mit unserer Struktur gibt es eine unglaublich flache Pyramide. Unser Land ist topographisch nicht günstig für den Fußball – durch den "Wasserkopf" Osten gibt es ein massives Ungleichgewicht, das schwer lösbar ist. Ob es drei, zwei oder eine Regionalligen sind… Für mich geht es eher um die Klubanzahl.

LAOLA1: Auf sportlicher Ebene sind sich die Bundesliga und der ÖFB in den vergangenen Wochen nähergekommen. Mit Franco Foda und Peter Schöttel haben nun zwei Männer das Sagen, die der Liga näher stehen, als das bei Marcel Koller und Willi Ruttensteiner der Fall war.

Ebenbauer: Das kann man wahrscheinlich so sehen, aber es war auch bei Koller und Ruttensteiner völlig unproblematisch. Es hat nie Probleme gegeben. Was bei uns aber sicher positiv aufgenommen wird, ist, dass jetzt mehr Bundesliga-Spieler im ÖFB-Kader stehen.

LAOLA1: Wir haben vorher über die Positionierung der zweiten Liga gesprochen, wie soll sich die oberste Spielklasse künftig positionieren?

Ebenbauer: Das ist der Profi-Fußball in Österreich, wo Komfort und Emotion im Stadion höherwertiger sein sollen. Das soll das High-End-Produkt sein. Man soll die erste und die zweite Liga getrennt voneinander betrachten. Auf der einen Seite Fußball pur und auf der anderen Seite Komfort und hochwertiger Fußball in Stadien.

LAOLA1: Wird es wieder Slogans geben?

Ebenbauer: Den klassischen Slogan wird es nicht geben. Nehmen wir die zweite Liga: Die ist dazu da, um Träume wahr werden zu lassen. In der ersten Liga geht es darum, Emotionen zu wecken, hier sieht man noch die Spieler, die dann in großen Ligen zu sehen sein werden. So wie wir es aktuell mit "Helden von morgen" haben. Es wird ein umfassenderes Mission-Statement als nur ein plakativer Satz.

LAOLA1: Der Slogan "Helden von morgen" war angesichts der Bundesliga als Ausbildungsliga logisch. Das funktioniert in Österreich aber irgendwie nicht. Da geht es gar nicht nur um die Bundesliga, auch die ÖFB-U21 besteht aus klassischen "Helden von morgen", trotzdem sieht sich kaum wer die Spiele im Stadion an. Warum?

Ebenbauer: Der wichtigste Punkt ist immer noch der sportliche Erfolg. Bei der Damen-Nationalmannschaft waren die Einschaltquoten nach der EM wesentlich höher als davor. Der sportliche Erfolg und die damit einhergehende mediale Berichterstattung sind ein wesentlicher Punkt. In der Bundesliga merken wir das auch massiv. Wenn ein Klub erfolgreich ist, gehen die Zuschauerzahlen rauf, dann sacken sie wieder ab, beispielsweise beim WAC und bei Mattersburg konnte man das in den letzten Jahren erkennen. Salzburg ist die große Ausnahme.

"Der Klub kann Einfluss nehmen auf seine Kurve, aber nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was beispielsweise in der U-Bahn passiert"

LAOLA1: Warum?

Ebenbauer: Man muss sich nur ansehen, wie die Medien teilweise über Salzburg berichten. Das Verpassen der Champions League ist drei Monate lang ein Thema, dass sie dann in der Europa League aber einen Klub nach dem anderen, der das doppelte Budget hat, zerschießen, geht unter. Ein zweiter Punkt ist: Das Stadion ist einfach sehr groß. Das Problem hat die Austria im Happel-Stadion auch.

LAOLA1: Erwarten Sie sich mehr Zuseher durch den Umstand, dass nicht jede Woche ein Live-Spiel im Free-TV zu sehen sein wird?

Ebenbauer: Wir haben sehr oft gemerkt, dass weniger Fans vor dem TV sitzen, wenn weniger im Stadion sind. Beides wächst oder schrumpft gleich, es geht immer um das Gesamtinteresse

LAOLA1: Kommen wir zum Thema Sicherheit.

Ebenbauer: Das ist ein sehr zweischneidiges Thema. Es wird medial immer nur behandelt, wenn etwas vorgefallen ist. Wenn man sich die letzten Wochen in Europa so anschaut, ist die Situation in Österreich wirklich gut. Die Anzahl der Anzeigen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung wurde in den letzten Jahren halbiert. 27 Prozent davon sind im Stadion passiert, in Deutschland sind es über 40 Prozent. Das sagt aber keiner. Da bleibt ein Bus mit GAK-Fans vor dem Grazer Stadion stehen und wir sind schon im Chronik-Teil. Dabei ist im Stadion nichts passiert, alles war friedlich.

LAOLA1: Zuletzt gab es Probleme beim Amateure-Spiel zwischen Austria und Rapid.

Ebenbauer: Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Das ist ein Grundsatz-Thema, das die Klubs nicht alleine lösen können. Irgendwo hört die Verantwortung der Klubs auf. Unsere Stadien sind sehr sicher.

LAOLA1: Zwischen Rapid und Austria ist das Klima aktuell aber wirklich vergiftet.

Ebenbauer: Das stimmt von außen betrachtet. Der wesentliche Punkt ist: Im Fan-Bereich gibt es keine Patentlösung. Jeder Klub hat völlig unterschiedliche Philosophien. Die Austria hatte vor den Vorfällen gegen Athletic Bilbao ein Sozialkompetenz-Zentrum, war dann aber der Meinung, dass das nicht funktioniert und ist rigider vorgegangen. Man kann jetzt sagen: Hätten sie es anders gemacht, hätten sie viel mehr Fans. Aber wer weiß das schon? Und wen will man überhaupt haben? Rapid sagt: Die Emotionalität ist bei uns wichtig, wir wollen diese Tribüne mit 6.000 Leuten, damit auch andere Fans kommen. Die Zuschauerzahlen sprechen für sich, auf der anderen Seite hat man von den Nebengeräuschen her Probleme. Kurzum, der Klub kann Einfluss nehmen auf seine Kurve, aber nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was beispielsweise in der U-Bahn passiert.

LAOLA1: Deeskalierend haben in den vergangenen Monaten aber weder die Austria, noch Rapid auf ihre Fans eingewirkt.

Ebenbauer: Man sollte auf jeden Fall ein ordentliches Gesprächs-Niveau haben. In den Bundesliga-Sitzungen funktioniert es. Ich finde es besser, wenn es auch besser nach außen getragen wird.

Textquelle: © LAOLA1.at

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