Manfred Schmid: "Ich kann Spieler mitnehmen!"

Manfred Schmid: Foto: © GEPA
 

Manfred Schmid ist dort, wo er immer hinwollte – als Chefcoach auf der Trainerbank der Wiener Austria.

Die Situation, in der der 50-Jährige seinen Herzensklub übernommen hat, könnte aber besser sein. Noch im Frühjahr herrschte am Verteilerkreis Weltuntergangsstimmung. Inzwischen hat sich das – auch durch die Europacup-Quali – gebessert. Die Veilchen plagen dennoch große finanzielle Probleme.

Gemeinsam mit Neo-Sportdirektor Manuel Ortlechner verantwortet Schmid nun die sportlichen Geschicke der Violetten.

„Wir haben uns für diesen Weg entschieden, wollen ihn gemeinsam gehen und wissen auch, dass es Rückschläge geben wird“, sagt der Trainer. Der Ball wird bei den Veilchen flach gehalten.

Schmid spricht im LAOLA1-Interview über seine Herangehensweise als Chefcoach, seine Spielidee, den Umgang mit jungen Spielern und die „Scheiß-Jahre“.

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LAOLA1: In wenigen Tagen beginnt die neue Saison. Wie sehr kribbelt’s schon?

Manfred Schmid: Sehr! Ich freue mich enorm, die Vorfreude ist riesig. Wir hatten ein gutes Trainingslager, haben versucht, unsere Spielidee zu entwickeln, aber wir wissen nicht, wo wir stehen. Jetzt geht es los und für uns gibt es wegen der Europacup-Quali zu Beginn auch kaum Verschnaufpausen.

LAOLA1: Wie schwierig ist das von der Trainingssteuerung her? Aufgrund der Europacup-Quali muss das Team von Beginn an gleich da sein.

Schmid: Wir haben es so gesteuert, dass es so sein sollte. Ob es dann so ist, weiß man ja nie. Man muss auch die Spieler mitnehmen, die vielleicht weniger zum Einsatz kommen, sie so belasten, dass sie dann da sind, wenn sie zum Einsatz kommen. Und man muss die Spieler schonen, die viel zum Einsatz kommen.

"Ich bin Cheftrainer geworden, um Entscheidungen treffen zu können, um dafür gerade zu stehen"

LAOLA1: Sie sind erstmals seit langer Zeit wieder Cheftrainer. Wie leicht ist es Ihnen gefallen, den Schalter umzulegen?

Schmid: Es war relativ einfach. Ich durfte bei meinen Cheftrainern – egal ob Peter Schöttel, Helmut Kraft oder Peter Stöger – eine andere Position einnehmen als nur Co-Trainer zu sein. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Was sich ändert, sind die Medientermine, aber das macht mir mittlerweile auch Spaß. Grundsätzlich ändert sich an meiner Trainerarbeit nichts. Ich muss den Spielern unter der Woche meine Ideen vermitteln. Der Umgang zu den Spielern wird sich auch nicht verändern, ich bin sehr offen und ehrlich zu ihnen. Es ist sehr wichtig, dass ich mich nicht verändere. Ich möchte authentisch bleiben und werde das auch.

LAOLA1: Sie haben als Co-Trainer den Ruf genossen, in Spielerkreisen immer sehr beliebt gewesen zu sein, sehr nah an den Spielern dran gewesen zu sein. Neu ist, dass Sie jetzt auch unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, die bisher eher der jeweilige Cheftrainer getroffen hat.

Schmid: Das gehört dazu. Aber ich bin Cheftrainer geworden, um Entscheidungen treffen zu können, um dafür gerade zu stehen. Ich freue mich darauf! Man muss das aber immer mit Respekt machen – ich denke, das kann ich ganz gut. Ich mache mir da keine Sorgen. Ich kann Spieler mitnehmen.

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LAOLA1: Stichwort Spielidee. Wofür wird die Austria in der neuen Saison stehen?

Schmid: Es ist kein Geheimnis, wie die Austria spielen sollte und wie wir spielen wollen. Wir wollen offensiv spielen, wollen dominierend sein. Aber ich werde meine Mannschaft in nichts reinzwingen, was sie nicht umsetzen kann. Ich muss mich an Spielermaterial anpassen. Ich glaube, wir haben jetzt ein System gefunden, das zur Mannschaft passt. In den nächsten Monaten werden wir versuchen, das immer einen Schritt weiterzuentwickeln. Und irgendwann sehen wir die Austria vielleicht wieder so spielen, wie sich das jeder Fan wünscht.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Kader?

Schmid: Ich bin zufrieden. Ich wusste, was auf mich zukommt. Natürlich gibt es auf der einen oder anderen Position Handlungsbedarf. Ich habe einen tollen Draht zu Sportdirektor Manuel Ortlechner, wir sind ständig im Austausch und haben schon den einen oder anderen Spieler im Hinterkopf. Ich mache mir da keine Sorgen.

LAOLA1: Mit Isaac Monti wurde zuletzt ein argentinischer Innenverteidiger getestet. Wird er verpflichtet?

Schmid: Wir werden ihn nicht verpflichten. Er ist ein guter Spieler mit Potenzial, hat sich super in die Mannschaft eingefügt, aber er war nicht zu 100 Prozent fit. Es wäre ein zu großes Risiko, ihn zu verpflichten.

"Ich werde die jungen Spieler schützen, wo es geht, wenn sie bereit sind, ihr Herz auf den Platz zulegen, werden sie in mir immer einen Fürsprecher finden"

LAOLA1: Es gibt sehr viele junge Spieler, die eigentlich den nächsten Schritt machen müssen, damit die Austria in der Bundesliga reüssieren kann. Wird das gelingen?

Schmid: Ich bin zuversichtlich. Ich habe großes Vertrauen in junge Spieler. Ich war vier Jahre lang Nachwuchstrainer in der Stronach-Akademie. Da wurden Spieler wie Markus Suttner und Rubin Okotie auch in Frage gestellt, ein Jahr später hat das dann funktioniert. Potenzial und Talent sind da, aber die Zeitfrage ist wichtig. Man muss diesen Spielern Vertrauen geben, muss sie starkreden und dann werden sie ein Konzept auf den Platz mitbekommen, das sie umsetzen können. Ich werde die jungen Spieler schützen, wo es geht, wenn sie bereit sind, ihr Herz auf den Platz zu legen, werden sie in mir immer einen Fürsprecher finden.

LAOLA1: Also junge Spieler ins kalte Wasser werfen?

Schmid: Auf jeden Fall! Wenn man sich den Kader ansieht, sind elf Spieler 22 Jahre oder jünger. Es werden zwangsläufig junge Spieler spielen. Ich fürchte mich nicht davor. Sie haben Talent, wie weit sie dann sind, wird sich auch darin zeigen, wie sie mit Druck umgehen, wie sie mit Zuschauern umgehen. Sie werden die Chance bekommen.

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LAOLA1: Bei der Austria ist alles neu. Mit Manuel Ortlechner als Sportdirektor, Florian Mader als Akademieleiter und Ihnen als Trainer sind drei Männer mit violetter Vergangenheit am Werk. Wie wichtig wird das sein, um Geduld von den Fans verlangen zu können?

Schmid: Natürlich wird uns das eine Zeitlang helfen, viel wichtiger ist aber, dass diese Leute mit Herzblut für den Verein arbeiten. Jeder Außenstehende soll merken, wie viel uns dieser Verein bedeutet. Wir sind in einer ganz schwierigen Situation zum Verein gekommen, es hätte sicher leichtere Aufgaben für uns gegeben. Aber wir haben uns ganz bewusst so entschieden, weil wir jetzt etwas bewegen können. Wir sind eine Gruppe, in der alle für etwas stehen. Wir haben uns für diesen Weg entschieden, wollen ihn gemeinsam gehen und wissen auch, dass es Rückschläge geben wird.

LAOLA1: Sie haben bei Ihrer Präsentation gesagt: „Es können ein, zwei Scheiß-Jahre werden.“ Sie werden seither immer wieder darauf angesprochen. Bereuen Sie diesen Satz?

Schmid: Nein, gar nicht! Ich habe gesagt, es KÖNNEN ein, zwei Scheiß-Jahre werden. Ich hoffe und gehe davon aus, dass es vielleicht nicht so lange dauern wird.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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