FIFA-Listen 2027
Ein nicht ganz unwichtiges Thema ist die Zusammenstellung der FIFA-Listen 2027.
Rausgekommen ist jedenfalls – auch ohne Kassai – etwas Vernünftiges: Es gibt mit den beiden Wienern Alain Sadikovski und Isa Simsek zwei Neue auf der Schiri-Liste. Sie ersetzen Walter Altmann, der zuletzt kaum mehr von der UEFA berücksichtigt wurde, und Jakob Semler.
Jakob Semler? Da war doch was.
Wie LAOLA1 vor knapp zwei Jahren berichtete, wurde der Steirer ohne die erforderlichen Qualifikationen zu erfüllen auf die FIFA-Liste gehievt. Maßgeblich beteiligt natürlich Kassai, aber auch der damals noch mit mehr Kompetenzen ausgestattete Administrative Leiter der Schiedsrichter-Abteilung, Ali Hofmann (>>> siehe LAOLA1-Exklusiv-Bericht vom Dezember 2024).
Es ist ein Armutszeugnis, dass Semler - egal aus welchen Gründen – nach nur zwei Jahren auf der FIFA-Liste ersetzt werden muss.
"Aktive an die Macht"
LAOLA1 hat bereits einmal darüber berichtet, dass mit Andreas Rothmann, verantwortlich für das Frauen-Schiedsrichterwesen, ein aktiver Schiedsrichter der Regionalliga Nord in der Schiedsrichterkommission sitzt.
Mit welchem Erfolg er zuletzt die Regionalliga-Nord-Partie SV Bad Schallerbach gegen SV Grödig leitete, entzieht sich unserer Kenntnis. Ausgestattet mit vollem Stimmrecht hat er wohl auch in der Frage der Zusammensetzung der FIFA-Listen 2027 seine Stimme abgegeben. Bemerkenswert, dass ein aktiver Regionalliga-Schiri in diesem Gremium mit vollem Sitz- und Stimmrecht mit dabei sein kann.
Davon ausgehend, dass dieser eigentlich unhaltbare Zustand abgestellt wird, hat Rothmann jetzt auch noch Gesellschaft erhalten: Markus Hameter, langjähriger Liga-Schiri, sitzt nun ebenfalls in der Kommission und pfeift gleichzeitig in der Regionalliga Ost, zuletzt Traiskirchen gegen FC Marchfeld.
Das bedeutet, dass der für die Schulungen der Spitzenschiedsrichter Verantwortliche sich selbst von einem Beobachter (zuletzt wurde diese Ehre Berthold Neunteufel aus dem NÖFV zuteil), sagen lassen muss, was er alles unrichtig gemacht hat…
Fortbildungsseminar in der Länderspielpause
All diese Themen werden sicher beim anstehenden Seminar Anfang Oktober nicht besprochen, dafür wohl aber die am letzten Spieltag vor der Pause neuen Stadiondurchsagen und Videowall-Bilder in der ADMIRAL Bundesliga.
Warum die Neuerung nur bei drei Spielen zu tragen kam, wird nicht weiter erklärt. Ebenso wenig, weshalb die Übertragung der Spiele mit deutlich weniger Kameras erfolgt als im Vorjahr und somit die Arbeit der Video Assistant Referees merkbar erschwert.
Das Beispiel des Onfield-Reviews bei der Partie Rapid gegen WSG Tirol untermauert, welcher enorme Druck auf den Schiri ausgeübt werden kann, wenn die Stadionbesucher etwas zu sehen glauben und der Referee dann deren lautstarker Meinung nicht folgt. Sei's drum: Schiri Harald Lechner jedenfalls ließ sich von der aufgebrachten Rapid-Familie im Stadion nicht in die Knie zwingen.
Rohrkrepierer oder Errungenschaft?
Es ist zu befürchten, dass ähnliche Entscheidungen gegen den Heimverein bei den Spitzenspielen durchaus Folgen haben könnten.
Nicht auszudenken, sollte die gleiche Szene bezüglich eines Handspiels kurz vor Spielschluss beim Stand von 0:0 und derselben Vorgangsweise von Lechner ablaufen.
Es bleibt abzuwarten, ob die gefeierte Transparenz (siehe ÖFB-Bericht zur VAR-Neuerung) speziell den Auswärtsteams nicht auf den Kopf fallen könnte.
Dabei herrschen gerade im VAR-Bereich so viele Unzulänglichkeiten, dass das hier unnötig aufgemachte Fass erst gar nicht von Nöten gewesen wäre.
Warten auf VAR: Runde 6 hatte es in sich
Einige Beispiele, die Wasser auf die Mühlen der Kritiker darstellen.
Endlos lange Abseits-Checks, wie in Runde 1 und 4 jeweils in Lustenau. Nach vier Minuten verliert die Linie die Glaubwürdigkeit, da die Situation offenbar nicht eindeutig ist.
Bei Ried gegen Salzburg (Schiri Schnur, 4. Offizieller Ciochirca) ist die gezeigte Gelbe Karte für den Ried-Trainer unrichtig. Er kritisiert deutlich außerhalb der Coaching-Zone den Referee und betritt dabei auch Spielfeld.
Hier hätte laut Regel 12 Rot gezeigt werden müssen. Ein Versagen auch des 4. Offiziellen Ciochirca, der den Referee auf den Ort des Vergehens aufmerksam hätte machen müssen. Im Nachhinein – offenbar um die beiden Offiziellen zu schützen – wurde dies von Kassai auch noch als richtig bestätigt, obwohl es zahlreiche vergleichbare Situation gab, bei denen der Ungar stets Rot einforderte.
Weitere Szenen
WAC gegen Rapid (SR Sadikovski, VAR Kijas): Piesinger (WAC) begeht ein absichtliches Handspiel, das ungeahndet bleibt. Dadurch wird jedoch eine offensichtliche Torchance vereitelt. Während das Vergehen für den Schiri schwierig zu sehen ist, muss in diesem Fall der VAR einen OFR empfehlen.
Austria Wien gegen Lustenau (Schiri Ciochirca, VAR Ebner): Austrias Kapitän Fischer wird von einem Tritt eines Lustenau-Verteidiger, der eindeutig nicht den Ball spielt, am Bauch getroffen. Weder für den Referee noch den VAR ist die Aktion ein Strafstoß. Klar unrichtige Entscheidung.
Nach einem Kopfball kommt ein FAK-Angreifer auf der Torlinie - von Lustenaus Tormann aus gesehen links von ihm - zu liegen. Den nachfolgenden Schuss kann der Goalie zum 1:1-Ausgleich der Wiener nicht abwehren. Es ist unstrittig eine Abseitsposition und eine Interpretationsfrage, ob der Austrianer "den Gegner beeinflusst" hat.
Aufgrund der Nähe des Tormanns zum Spieler ist davon auszugehen, dass jeder Goalie die Aktion als Behinderung sehen wird.
Ungeachtet dieses für Lustenau sicher ärgerlichen Ausgleichs wird Petru Ciochirca am darauffolgenden Wochenende (!) beim Vorarlberger Derby als VAR eingesetzt. Will da wer zusätzlich "Öl ins Feuer gießen"?
Lange Pause auch bei Rapid gegen Sturm Graz (Schiri Ebner, VAR Lechner) in der 5. Runde.
Auf ein Zurückhalten an der Schulter außerhalb des Strafraumes folgt ein leichter "Kontakt" mit dem Bein innerhalb des Strafraumes (im Vergleich zur Foulbewertungslinie des Referees im übrigen Spiel keinesfalls bestrafungswürdig), der Angreifer fällt und es gibt Elfmeter.
Erst eine fast vierminütige VAR-Überprüfung bestätigt die Entscheidung. Das Schiri-Team hat nämlich keine Audio-Verbindung mit der Zentrale im ÖFB-Campus, daher muss der 4. Offizielle mit dem Handy dazwischengeschalten werden.
Besetzungen und Anzahl der Schiedsrichter
Warum auch immer, in Österreich gibt es eine gemeinsame Liste der Schiedsrichter für sämtliche Spiele der zwei Bundesligen.
Trotzdem kommen nicht alle Referees in der ADMIRAL Bundesliga zum Einsatz. Aktuell sind 20 Schiedsrichter angeführt und vermutlich kommen noch einige Debütanten dazu.
Die hohe Zahl der Unparteiischen sucht ihresgleichen in den internationalen Ligen. Anstatt die Referees durch häufige Einsätze zu fordern, wird beim ÖFB herumexperimentiert und einige Refs kommen nur punktuell zum Einsatz.
Diese Schiris wären leicht zu ersetzen bzw. besitzen offenbar auch in Kassais Augen nicht die nötige Klasse, denn ansonsten würde er sie ja häufiger einsetzen. Auf weltfussball.at kann sich jeder ein Bild davon machen, welche Schiris davon betroffen sind (durch die Veränderung des Spieljahres ergibt sich ein noch deutlicheres Bild).
Österreichs Schiris leiten in der Bundesliga demnach im Schnitt nur 9,6 Partien pro Spieljahr.
In Deutschland kommen die Referees im Schnitt auf knapp 14 Spiele in einem Spieljahr, in Kroatien sind es im Durschnitt 13,8 Partien und in der Schweiz immerhin 12,8 Einsätze.
Kein Österreicher bei der FIFA Unter-17-WM
Die FIFA-Schiedsrichterkommission hat am 22. September die Schiedsrichter für die bevorstehende FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2026 offiziell benannt.
Insgesamt 27 Schiri-Trios aus allen sechs Konföderationen werden die Spiele der 48 teilnehmenden Nationen in Katar (19.11. bis 13.12.) leiten. Vizeweltmeister Österreich ist 2026 nicht dabei.
Die 7 UEFA-Teams - Spanien entsendet ein weibliches Trio - lauten:
Willy Delajod – Erwan Finjean, Alexis Auger (alle Frankreich)
Radoslav Gidzhenov – Petar Mitrev, Todor Vukov (Bulgarien)
Patrik Kolaric – Luka Pajic, Ivan Starcevic (Kroatien)
Elchin Masiyev – Elshad Abdullayev, Parvin Talibov (Aserbaidschan)
Milos Milanovic – Milan Pasajlic, Nikola Djorovic (Serbien)
Olatz Rivera Olmedo – Eliana Fernandez, Iragartze Fernandez (Spanien)
Damian Sylwestrzak – Adam Karasewicz, Bartosz Heinig (Polen)
Die Auflistung gewährt einen ersten Blick auf plausible Anwärter für die Teilnahme an der FIFA WM 2030.
Tatsächlich dürfte es sich um Namen handeln – zumal sie auch bereits im Fokus der UEFA stehen - , die angesichts des langen Zeitraums von vier Jahren potenziell im Rennen sein könnten.