Aus einer anderen Zeit

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Mit Klaus Augenthaler war ein Weltmeister Trainer des GAK und mit Hans Krankl saß einer, der von seinem Selbstverständnis her zumindest Weltmeister war, auf der Bank der Salzburger.

Die Welt war sich gar nicht so sicher, ob die Computer die Umstellung von 1999 zu 2000 problemlos hinkriegen würden oder in einigen Monaten schlichtweg das Chaos ausbrechen wird.

Und im Arnold Schwarzenegger Stadion, später Stadion Graz-Liebenau, später UPC-Arena, jetzt Merkur Arena, wurde ein 18-jähriger Bursche namens Joachim Standfest eingewechselt.

Wie damals üblich mit kurzen Ärmeln, die weit über die Ellbogen hinausreichten, und schwarzen Fußballschuhen mit Klappzunge. Es war der 14. April 1999.

„Schwarze Schuhe kriegt man ja gar keine mehr, das ist das Problem“, lacht Standfest 18 Jahre später. Die Eintönigkeit der Schuhe ist längst Geschichte, Standfest ist noch immer da. Am Samstag wird der 36-Jährige sein 500. Spiel in der österreichischen Bundesliga bestreiten. Ein Meilenstein, den nur fünf Fußballer vor ihm erreicht haben.

Die Rekordspieler seit Gründung der Bundesliga 1974:

Platz Spieler Bundesliga-Spiele
1. Heribert Weber 573
2. Michael Baur 566
3. Wolfgang Knaller 518
4. Leo Lainer 514
Dieter Ramusch 514
6. Joachim Standfest 499
7. Walter Kogler 495
Christian Mayrleb 495
9. Roland Kirchler 490
10. Erich Obermayer 483

„Momentan bedeutet mir das gar nicht so viel. Allen rundherum ist das wichtiger als mir selbst“, sagt der Steirer und hat eine simple Erklärung dafür, warum ihm dieses Jubiläum vergönnt ist, „ich habe immer konstant meine Leistungen gebracht.“

Yoga? Standfest lacht!

Volkan Kahraman sitzt in der Simmeringer Bezirksvertretung, Markus Kiesenebner vermittelt Fußballer nach Dubai, Roland Linz verkauft Immobilien und Paul Scharner nervt Teamchef Marcel Koller. Sie alle haben gemeinsam mit Standfest in der ÖFB-U21 gekickt. Ihre Karrieren sind längst vorbei. Wie macht das der Standfest?

Er lacht, als er auf Yoga, das Erfolgsgeheimnis von Ryan Giggs, angesprochen wird. „Ich mache nichts Besonderes. Ich hatte das Glück, kaum schwere Verletzungen gehabt zu haben. Und meine Gene dürften nicht die schlechtesten sein.“

Keine 700 Einwohner hat Radmer, das Dorf mitten in den Bergen der Obersteiermark, in dem Standfest aufgewachsen ist. Da ging man am Wochenende eben auf den Fußballplatz. Sonst gab es ja auch nicht viel. Wobei der 34-fache ÖFB-Teamspieler durchaus anderweitig Talente zeigte.

Verein Jahre Bundesliga-Spiele Titel
GAK 1999-2006 216 1x Meister, 3x Cupsieger
Austria 2007-2010 107 2x Cupsieger
Sturm 2010-2012 59 1x Meister
WAC 2013-2017 117

Zwischen zehn und 14 Jahren war er nämlich auch Skispringer. Gemeinsam mit Wolfgang Loitzl ist er einst gesprungen. Teilweise schon 70 Meter weit. Die Entscheidung für den Fußball und gegen das Skispringen sei ihm schwer gefallen, erzählt Standfest gerne. Wie er sie getroffen hat, war letztendlich wohl richtig.

Wobei er zwischendurch schon gehadert hat. 2012, ein Jahr nachdem er mit dem SK Sturm Meister wurde, war er in Graz nicht mehr gefragt. Plötzlich blieb nur mehr der Kapfenberger SV. Und nach einem Jahr in der zweiten Liga sah es dann 2013 sowieso nach dem Karriereende aus.

"Eigentlich war es vorbei"

„Eigentlich war es da vorbei“, sagt Standfest. Durch Zufall traf er Michael Liendl, der sich anschließend beim WAC für eine Verpflichtung des Rechtsverteidigers stark machte. „Ich habe für diese zehn Monate unterschrieben, ohne groß daran zu denken, dass ich länger bleibe. Ich wollte mir selbst noch etwas beweisen. Jetzt sind fast vier Jahre daraus geworden. Unglaublich“, lacht der Steirer.

Und so wird er am Samstag zum 50. Mal in seiner Karriere gegen den SK Sturm spielen. Gegen Rapid lief er sogar schon 58 Mal auf. Spaß macht ihm das alles immer noch.

Die besten Bilder aus der Karriere des Joachim Standfest:

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„Es ist doch nicht ungewöhnlich, mit 36 Jahren noch gerne Fußball zu spielen. Ich habe Freunde, die sind jetzt 50 und treffen sich immer noch zum Kicken. Der Spaß vergeht nicht. Und wenn man es dann auch noch beruflich machen kann und halbwegs erfolgreich ist, ist der Spaß von Haus aus da“, sagt er.

Obwohl sich der Routinier, der Ende Mai 37 Jahre alt wird, noch nicht festlegen will, ob er noch eine Saison dranhängt, will er aktuell keinen Tag missen: „Mir wurde schon öfter angeboten, dass ich mich mal rausnehme. Aber ich mache jedes Training mit. Das ist mir wichtig. Ich hätte sonst ein schlechtes Gewissen.“

„Und in der Kabine muss ich dann schon das eine oder andere Gschichterl aus alten Zeiten erzählen“, grinst er. Ja, es habe sich extrem viel verändert: „Aber das trifft ja auf jeden Bereich des Lebens in den letzten 20 Jahren zu.“

Mit dem Handy in der Kabine

„Es ist alles viel professioneller geworden. Die Mannschaften sind athletischer und taktisch viel besser ausgerichtet. Früher hast du oft einfach nur drauf los gekickt. Da bist du als große Mannschaft irgendwo hingefahren und die Frage war nur, wie hoch du gewinnst“, meint Standfest.

Mit der Liga hat sich auch der Steirer selbst verändert. Früher im rechten Mittelfeld unterwegs, ist er längst zum Rechtsverteidiger umfunktioniert worden. Eine Position, die in seinen Anfangstagen mangels Vierer-Abwehrkette noch nicht bei allen Mannschaften existiert hat.

Doch auch in der Kabine ist einiges anders. „Früher wäre es undenkbar gewesen, dass einer mit einem Telefon in der Kabine sitzt. Jetzt erwische ich mich selbst dabei, dass ich mit dem Handy in der Hand aufs Training warte“, lacht der Familienvater. Dabei galt er seit jeher als eher technikaffin, inskribierte einst sogar Telematik an der Uni in Graz.

Das ist aber schon lange her. Irgendwie scheint der Fußballer Joachim Standfest ein wenig aus der Zeit gefallen. Auslandsangebote hatte er, der Familie zuliebe hat er aber verzichtet. Dem zwischenzeitlichen Jugendwahn zum Trotz hat er auch als über 30-Jähriger immer noch einen Klub gefunden.

18 Jahre nach seinem Bundesliga-Debüt ist er immer noch da. Schwer vorstellbar, dass das nach ihm so schnell noch einem Fußballer in Österreich gelingt.


VIDEO: Standfest erzählt ein Schmankerl aus der WAC-Kabine!

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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