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Rapid-Urteil: zu mild, zu hart – oder genau richtig?

Der Beschluss ist ein eindeutiges Zeichen gegen Diskriminierung jeder Art. Ob das Urteil gerecht oder nicht ist, müssen andere entscheiden.

Rapid-Urteil: zu mild, zu hart – oder genau richtig? Foto: © GEPA

Gleich vorneweg: Ich maße mir nicht an, die Beschlüsse des Bundesliga-Strafsenats gegen den SK Rapid zu beurteilen. Das gesamte Strafausmaß gibt es hier >>>

Ob diese nun zu mild, zu hart oder genau richtig sind - darüber dürfen sich Fans wie Sponsoren streiten. Die Entscheidung dürfte ohnehin eine äußerst schwierige gewesen sein, wie die Beratungszeit von über vier Stunden wohl belegt.

Auch wir Journalisten wurden am Montagabend lange auf die Folter gespannt, welches Statement tatsächlich gesetzt werden würde.

Dass Hass, Häme, Homophobie, Rassismus und jegliche andere diskriminierende Formen in unserer Gesellschaft nichts mehr zu suchen haben, wurde dieser Tage auf allen möglichen Ebenen gebetsmühlenartig betont. Zurecht.

Dass die Bundesliga die von Bayern-Ikone Oliver Kahn gewünschten "Eier" hatte, in dieser Causa auch tatsächlich ein Machtwort zu sprechen und den Beteiligten nicht nur auf die Finger zu klopfen, ringt Respekt ab.

Sportliche und gesellschaftliche Auswirkungen

Der Hammer wurde fallen gelassen, die aus Rapid-Sicht "äußerst harten Beschlüsse" werden ihre Wirkung zeigen. Sowohl aus sportlicher, als auch gesellschaftlicher Sicht.

Ersteres darf in diesem Zusammenhang – nun gut, dann kommt eben doch eine Prise Eigenmeinung ins Spiel – aber absolut keine Rolle spielen.

Ja, es geht für Rapid nächsten Sonntag in Klagenfurt noch um den Einzug in die Meistergruppe.

Ja, Robert Klauß wird dort mit Guido Burgstaller, Marco Grüll und Niklas Hedl auf drei absolute Stammspieler verzichten müssen. Auch Maximilian Hofmann wäre nach der Gelb-Rot-Sperre gegen Terence Kongolo wohl in die Startelf gerutscht.

Aber die mitunter entscheidende Phase der Saison hat alle Beteiligten – inklusive Geschäftsführer Steffen Hofmann, Co-Trainer Stefan Kulovits und Thorsten Schick – nicht davon abgehalten, eindeutig über die Stränge zu schlagen und ihre Vorbildwirkung zu verfehlen.

Diese geht, wie im Statement des Strafsenats richtig festgehalten, über das Geschehen am grünen Rasen hinaus.

Der erste Derby-Heimerfolg seit knapp zehn Jahren durfte und sollte natürlich gebührend gefeiert werden. Sich im Social-Media-Zeitalter auf eine Bühne zu stellen, unsittliche Parolen von sich zu geben und zu glauben, dass die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommen würde – das ist blauäugig.

Ein Präzedenzfall für die Zukunft

Spieler als auch Funktionäre hätten dem Senat glaubhaft dargelegt, dass ihnen die Vorkommnisse sehr leid tun würden, schreibt die Bundesliga. Außerdem wurde Bereitschaft gezeigt, "aktiv an bewusstseinsbildenden Workshops teilzunehmen."

Der Strafsenat würdigte dies entsprechend, indem mit teilbedingten Strafen vorgegangen wurde.

Betont wurde in diesem Zusammenhang zudem, "dass der vorgegebene Strafrahmen bei diskriminierenden Äußerungen oder Handlungen einerseits die Schwere der Vergehen dokumentiert und andererseits auch die Intention des Fußballgesetzgebers verdeutlicht, dass derartige Vorkommnisse entschieden zu verhindern sind."

Es ist ein wegweisendes Urteil der Bundesliga, die sich zugleich einen Präzedenzfall für die Zukunft schafft. Der Glaube besteht, dass dieser niemals herangezogen werden muss. Doch ob Rapid die Strafen in diesem Ausmaß überhaupt akzeptiert, wird sich erst am Dienstag zeigen.

Um 11:00 Uhr wollen Präsident Alexander Wrabetz und Vizepräsidentin Edeltraud Hanappi-Egger im Rahmen einer Pressekonferenz ausführlich Stellung beziehen und in weiterer Folge den "Maßnahmenkatalog des SK Rapid gegen Homophobie und Sexismus" präsentieren.

Das letzte Wort in dieser Causa ist wohl noch nicht gesprochen worden.


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