Das offenbarte das 1. Bundesliga-Saisonviertel

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Neun von 36 Runden sind gespielt, das erste Saisonviertel der Bundesliga-Saison 2017/18 ist Geschichte.

Zeit, die erste Zwischenbilanz zu ziehen. Neben den üblichen Verdächtigen gab es die eine oder andere Überraschung. Sturm Graz führt die Tabelle nach sensationellem Start an, RB Salzburg ist knapp dran, Austria und Rapid ziehen zwiespältige Bilanz.

Auch Aufsteiger LASK, Admira, Altach, WAC, Mattersburg und St. Pölten ziehen ihre Lehren.

Diese Erkenntnisse offenbarte das erste Saisonviertel:

SK STURM GRAZ: Das verlorene Momentum

Traumstart, noch immer Tabellenführer - aber die Betonung liegt auf noch. Die Grazer sind wie schon in der vergangenen Saison wie aus der Pistole gestartet. Bei den sechs Siegen in Folge ging der Truppe von Franco Foda alles auf. Die Neuzugänge überstiegen die Erwartungen - Peter Zulj, Thorsten Röcher, Jörg Siebenhandl und Co. schlugen ein. Dazu glänzte Deni Alar mit seinem Torriecher (5 Tore). Es entwickelte sich eine Eigendynamik und Selbstverständlichkeit. Viele Torchancen, Mut und Leidenschaft hob Foda hervor, wusste aber auch: "Alle unsere Spiele waren spannend und wurden durch Kleinigkeiten entschieden." Seit dem ersten Rückschlag beim 1:2 beim LASK hingegen sind die Grazer weit von ihrem ansehnlichen, erfolgsverwöhnten Spiel entfernt, mit dem sie zu Beginn der Saison die Liga aufmischten. Das 1:2 wäre definitiv vermeidbar gewesen, ohne den Ausschluss von Sandi Lovric wäre auch mehr als ein 0:0 gegen Altach drin gewesen. Trotzdem wäre Enttäuschung bei den Blackies fehl am Platz. 6 Siege, 1 Remis und 2 Niederlagen zeugen trotzdem von Qualität, ebenso wie Platz eins vor RB Salzburg und Austria Wien. Das Momentum ist aber mal dahin.

FC RED BULL SALZBURG: Wieder am richtigen Weg

Wie viele Punkte hatte Salzburg nach dem ersten Viertel vorige Saison am Konto? 18. Wie viele Punkte hat Salzburg nach dem ersten Viertel diese Saison am Konto? 18. Fünf Siege, drei Remis und eine Niederlage, exakt wie 2016. Die einzige Niederlage kassierte der Meister - wie im Vorjahr - gegen Sturm. In diesem Jahr haben die "Bullen" aber sogar noch ein Tor mehr geschossen, dafür eines mehr bekommen. Klar ist aber, dass auch unter Neo-Trainer Marco Rose Salzburg wieder am richtigen Weg ist und der Titel nur über den Titelverteidiger führt. Zwar gewann Salzburg nur eines der vergangenen vier Bundesliga-Spiele - und das last Minute in Mattersburg - aber ob der Art und Weise, wie die beiden Remis und die Niederlage zustande kamen, müssen sich die Fans nur bedingt Sorgen machen. Die Mannschaft sucht definitiv wieder öfter den Weg durch die Mitte als zu Oscar-Zeiten und steht hier (noch) öfters an. Auf der anderen Seite sind mit Hannes Wolf (18) oder Amadou Haidara (19) offensiv sehr junge Spieler am Werk, die tradtionell Höhen und Tiefen haben. Auch legt Salzburg traditionell im Frühjahr zu und somit sind 18 Punkte für den Start in die neue Saison absolut akzeptabel.

FK AUSTRIA WIEN: Umbruch zufriedenstellend gemeistert

Mit zwei Niederlagen legte die Austria den schlechtesten Saisonstart seit knapp 40 Jahren hin. Doch just das Wiener Derby am 3. Spieltag brachte den Turnaround. Bis zur 73. Minute 0:2 zurück holten die Veilchen in Hütteldorf noch ein 2:2-Remis. Danach gab es vier Siege und zwei Remis. Mit 15 Punkten haben Holzhauser und Co. zwei mehr auf ihrem Konto als nach dem ersten Viertel in der Vorsaison und sind seit sieben Liga-Spielen ungeschlagen. Und das ist angesichts des unfreiwillig großen Umbruchs doch etwas überraschend. Galt gerade die Eingespieltheit der Truppe als großer Vorteil, kann davon keine Rede mehr sein. Von der Stammelf aus dem vergangenen Herbst (Almer; Stryger, Rotpuller, Filipovic, Martschinko; Holzhauser, Serbest; Venuto, Grünwald, Pires; Kayode) stehen aktuell – auch aufgrund von Verletzungen (Almer, Grünwald, Venuto) nur mehr vier Akteure zur Verfügung. Doch die Neuen wurden schnell integriert und konnten bisher über weite Strecken überzeugen. Wird die Austria in der Abwehr noch sattelfester, könnten die restlichen drei Saisonviertel durchaus erfolgreich werden.

SK RAPID WIEN: Alte Stärken kompensieren Stürmer-Flaute

Es war ein mehr als holpriger Start des SK Rapid in diese Spielzeit, Erinnerungen an die vergangene Seuchensaison wurden wach. Die Entwicklung in den vergangenen Wochen spricht jedoch für Trainer Goran Djuricin - der übrigens den besten Punkteschnitt eines Rapid-Coachs seit Ernst Dokupil hat - und die Mannschaft. Zwar wäre Euphorie verfrüht, trotzdem ist ein Aufschwung erkennbar - ergebnistechnisch, aber vor allem von den Leistungen her. Die einfachste Erklärung: Rapid sammelt im beliebten Offensivspiel wieder mehr Selbstvertrauen und traut sich etwas zu. Die besten Beispiele für den Sprung auf Rang vier sind Stefan Schwab, der langsam wieder an alte Zeiten erinnert, und Philipp Schobesberger. Dieser offenbart neue Möglichkeiten, gibt dem Spiel Tiefe, Dynamik und Schnelligkeit. Alles, was letzte Saison fehlte. Auch Thomas Murg und Louis Schaub zeigen wieder mehr, allesamt Mittelfeldspieler. Die Verteidiger - zu viele Gegentore (16) - und die Stürmer bleiben die Sorgenkinder. Joelinton erzielte bisher das einzige Tor eines Angreifers, ansonsten enttäuschten der Brasilianer, Giorgi Kvilitaia und auch Neuzugang Veton Berisha. Dieses Problem besteht jedoch seit dem Abgang von Robert Beric.

Teams Spiele Siege Remis Niederlagen Torverhältnis Punkte
  1. Sturm
9 6 1 2 16:12 19
  1. Salzburg
9 5 3 1 18:7 18
  1. Austria
9 4 3 2 19:13 15
  1. Rapid
9 3 4 2 19:16 13
  1. LASK
9 3 4 2 10:7 13
  1. Admira
9 4 1 4 17:17 13
  1. Altach
9 3 3 3 9:9 12
  1. WAC
9 3 2 4 10:12 11
  1. Mattersburg
9 1 3 5 9:18 6
  1. St. Pölten
9 0 2 7 8:24 2

LASK: Auswärts ausbaufähig

Der Aufsteiger ist mit Ende des ersten Saisonviertels genau dort, wo er sich selbst gesehen hat. Im Mittelfeld mit Blick nach oben. Vor Beginn der Meisterschaft hievten die Kollegen von Trainer Oliver Glasner dessen Mannschaft zu einem Geheimfavoriten, doch das gibt der Kader dann auch wieder nicht her - vor allem offensiv. Das drückt sich auch in der Tabelle aus. Mit zehn Toren haben die Oberösterreicher die mit Abstand am wenigsten jener Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Defensiv machen die Linzer, die in Pasching eine Festung haben (31 Spiele in Folge nicht verloren), einen sehr guten Job, die Abwehr ist mit jener aus Salzburg die beste der Liga. Glasner hat hier bereits im Frühjahr 2017 das Fundament gelegt, um in der Bundesliga zu reüssieren. Die offensive Standard-Stärke hat man aus der Ersten Liga mit ins Oberhaus genommen. Neben der offensiven Ausbeute gibt es auch in der Fremde Luft nach oben. In Salzburg, zwei Mal Wien und Wolfsberg reichte es bislang nur für zwei Zähler. Auch wenn das Programm schwierig war, war mehr drin. Klar ist aber, dass der LASK definitiv nach oben blickt und nicht nach unten. Mit 13 Punkten zum Start kann der LASK absolut leben.

FC ADMIRA WACKER MÖDLING: Die Wundertüte der Liga

Die Admira zeigt in dieser Saison zwei Gesichter: Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage, Niederlage, Sieg, Sieg und zuletzt das erste Remis der Saison gegen St. Pölten. Noch gravierender wird die Tatsache, dass die Admira die Wundertüte der Liga ist, wenn man sich die Ergebnisse ansieht. 0:3, 4:1, 1:5, 3:1, 0:2, 1:3, 5:0, 2:1, (1:1). Fad können die Südstädter in dieser Saison nicht, im Schnitt fielen bei Admira-Spielen fast vier Tore (3,8) pro Spiel. 17 erzielte Treffer sind stark, 17 Gegentore aber katastrophal (zweithöchster Wert nach St. Pölten). Neo-Trainer Ernst Baumeister muss versuchen, Stabilität ins Spiel der Niederösterreicher zu bringen. Mit 13 Punkten und dem (geteilten) sechsten Platz kann man in Maria Enzersdorf aber durchaus zufrieden sein, schließlich ist der Klassenerhalt - zumindest nach außen kommuniziert - nach wie vor das große Ziel.

SCR ALTACH: Kein Europa, keine Probleme mehr

Es ist die erste Bewährungsprobe für Klaus Schmidt in der Bundesliga. Und der 49-Jährige schlägt sich bisher beachtlich. Rang 7 täuscht ein bisschen darüber hinweg, dass die Ländle-Truppe nur drei Punkte hinter Rang drei liegt. Eine komplett ausgeglichene Bilanz (3 Siege, 3 Remis, 3 Niederlagen, 9:9 Tore) wurde vor allem in den letzten Wochen möglich gemacht. Denn eine neue Erfahrung hat den Vorarlbergern noch einen besseren Bundesliga-Start streitig gemacht. Altach war nämlich dort, wo Rapid und Co. gerne gewesen wären - im Europacup. Die internationalen Achtungserfolge ließen Österreich aufhorchen, die acht zusätzlichen Spiele und die Doppelbelastung waren die meisten Kicker aber nicht gewöhnt. Genau in dieser Phase kassierte Altach drei Niederlagen in Folge, mittlerweile ist der SCRA aber schon seit fünf Spielen ungeschlagen. Auffallend ist vor allem, dass man die vermeintlich Großen ärgern konnte. Gegen die Austria holte Altach einen Sieg, gegen Rapid und Sturm ein Remis und gegen Salzburg verlor man nur durch einen Treffer in der 93. Minute unglücklich mit 0:1. Die Leistungen sind ansprechend, das Team geformt, auch dank neuer Alternativen wie Kristijan Dobras oder Christian Gebauer. Kann Schmidt das Team weiter so formen, ist einiges möglich.

Verein bisherige Heimspiele Zuschauer pro Spiel Vergleich Vorjahr 2016/17
  1. SK Rapid Wien
4 20.402 -3,23 %
  1. SK Sturm Graz
3 10.296 +0,92 %
  1. FC Red Bull Salzburg
4 8.177 +4,62 %
  1. FK Austria Wien
4 6.308 -20,36 %
  1. LASK Linz
3 5.291 -
  1. SCR Altach
3 5.133 -6,81 %
  1. SKN St. Pölten
3 3.308 -4,10 %
  1. SV Mattersburg
5 3.194 -11,47 %
  1. Wolfsberger AC
5 3.122 -15,83 %
  1. Admira Wacker
4 2.890 +8,73 %

WOLFSBERGER AC: In der Fremde die alte Leier

Ab in den Bus und los geht's zum nächsten Auswärtsspiel - ein Horror-Szenario für den Wolfsberger AC. Mit dem bisherigen Abschneiden im ersten Saisonviertel kann Trainer Heimo Pfeifenberger durchaus zufrieden sein. 3 Siege, 2 Unentschieden, 4 Niederlagen - bis zur 2:4-Niederlage bei Rapid rangierten die Kärntner sogar auf Rang vier, nun auf Rang acht, aber nur vier Punkte hinter Rang drei. Mit Bernd Gschweidl (4 Tore) und Dever Orgill (3) hat der WAC zwei Stürmer, die treffen - was andere nicht von sich behaupten können. Nach dem schwachen Saisonfinish gelang der Turnaround. Aber: In der Fremde klappt es weiterhin nicht. In dieser Saison holte man auswärts nur einen Punkt - bei der Austria. Doch die Negativserie zieht sich schon viel länger. Den letzten Auswärtssieg konnten die Wölfe am 30. November 2016 in St. Pölten (4:0) feiern. Gelingt auf fremdem Terrain keine Kehrtwende, wird diese Saison doch noch schwierig werden.

SV MATTERSBURG: Der Baumgartner-Zauber ist vorbei

Gerald Baumgartner kam beim SV Mattersburg, sah und siegte - zumindest im Frühjahr, als er die Burgenländer mit einem sensationellen Lauf vor dem Abstieg rettete und zur zweitbesten Frühjahrs-Mannschaft nach RB Salzburg machte. Von diesem Zauber ist allgegenwärtig wenig übrig geblieben. Die Mattersburger hängen in den Seilen und können sich glücklich schätzen, dass St. Pölten noch einen schlechteren Start erwischte. Nach neun Spielen steht nur ein Sieg zu Buche. Zu drei Remis gesellen sich fünf Niederlagen. Trotz Umbruch wollte man sich im Sommer keinen Qualitäts-Verlust eingestehen, doch Spieler wie Patrick Farkas, David Atanga oder Thorsten Röcher gehen an allen Ecken und Enden ab. Alles in allem macht der SVM zu wenige Tore (9) und kassiert zu viele (18). Die Abwehr ist nicht sattelfest. In die Torschützenliste konnten bisher nur Stefan Maierhofer (3 Tore) und Thorsten Mahrer (2) mehr als einen Treffer erzielen. Eine schwierige und neue Situation - eben weil seit Baumgartners Anstellung fast alles funktionierte. Den Burgenländern ist jedoch zuzutrauen, dieses Tief zu durchtauchen und wieder zurück in die Spur zu finden.

SKN ST. PÖLTEN: So steigen die Niederösterreicher (nicht) ab

Positives zu finden, erscheint nach dem ersten Saisonviertel schwierig. Lediglich zwei Punkte konnten die Niederösterreicher aus den ersten neun Spielen einfahren. Und das, obwohl nach dem vermiedenen Abstieg im Vorjahr alles besser werden hätte sollen. Sportdirektor Frenkie Schinkels ist Geschichte, Markus Schupp sollte das Steuer herumreißen. Und auf Trainerebene vertraute man Jochen Fallmann. Dass dieser mit zehn Abgängen und elf Neuen nicht zaubern kann, war abzusehen. Dass die Wölfe jedoch nicht die Zeit für eine lange Integration haben, war auch klar. Im Endeffekt war es - bisher - auf allen Ebenen zu wenig. Bisher - denn die Hoffnung heißt Oliver Lederer. Nach der zu erwartenden Trennung von Fallmann soll der Ex-Admira-Coach das Ruder herumreißen. Seine Expertise ist ligaweit bekannt, kleine Verbesserungen waren gegen die Austria und Admira erkennbar. Doch auch er benötigt Zeit. Zeit, die St. Pölten nicht hat. Denn: Mit nur zwei Punkten nach dem ersten Saisonviertel ist bisher nicht jedes Team abgestiegen. Zuletzt nur zwei Punkte nach 9 Spieltagen hatte die Admira 2005/06 und stieg ab, auch Vorwärts Steyr 1995/96. Den Turnaround nach nur 2 Punkten schafften aber die Admira (2000/01) oder auch der LASK (1999/00).


Textquelle: © LAOLA1.at

Goran Djuricin: Bester Rapid-Trainer seit Ernst Dokupil

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