Austria: Fink und die vielen Möglichkeiten

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Die Wiener Austria hat einen denkbar schwierigen Herbst hinter sich. Dem Lichtblick Europa-League-Gruppenphase folgten viele dunkle Tage.

Unzählige Verletzte machten Trainer Thorsten Fink beim Zusammenstellen einer schlagkräftigen Mannschaft das Leben von Woche zu Woche schwer. Der Jahresausklang wurde zudem von Dissonanzen rund um die Transferpolitik des Vereins begleitet.

Während die Veilchen mit dem Ziel, Meister zu werden, in die Saison gestartet sind, haben sie auf dem enttäuschenden sechsten Platz überwintert.

Zugänge

Abgänge
Stefan Stangl (leihweise von RB Salzburg) Ismael Tajouri (New York City FC)
Michael Madl (Fulham)
Patrizio Stronati (zurück von Mlada Boleslav)

Dementsprechend wurden die Ziele heruntergeschraubt. "Unser Ziel heißt Europacup-Qualifikation. Jeder weiß, worum es geht", ist sich Vorstand Markus Kraetschmer sicher. Fink ist das jedenfalls klar: "Wir wollen im Sommer in das neue Stadion mit internationalen Spielen einziehen. Zudem sind diese zusätzlichen Gelder auch für den Klub wirtschaftlich sehr wertvoll, deswegen wollen wir es unbedingt schaffen."

Nur noch ein halbes Jahr müssen die Fans der Violetten im ungeliebten, fast leeren Happel-Stadion verbringen, ehe die Rückkehr in die umgebaute Generali Arena gefeiert werden darf. Da ist auch Franz Wohlfahrt mit von der Partie - der Vertrag des Sportdirektors wurde unmittelbar vor dem Start ins Frühjahr um drei Jahre verlängert.

Davor schon durfte der Kärntner zwei neue Kräfte präsentieren: Stefan Stangl wurde von RB Salzburg ausgeliehen und Michael Madl kehrt nach siebeneinhalb Jahren als gestandener Profi zurück zu jenem Klub, der ihn einst ausgebildet hat. Mit Patrizio Stronati, dessen Leihzeit beim tschechischen Klub Mlada Bloeslav beendet ist, gibt es sogar einen dritten Neuen - auch er ist ein Defensivspieler.

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Nicht minder entscheidend für das Frühjahr ist der Umstand, dass Raphael Holzhauser seinen Vertrag bei den Favoritnern erfüllen wird. Den Verantwortlichen bleiben also ein paar Monate, um die sportliche Nachfolge ihres wichtigsten Spielers, der im Sommer ablösefrei gehen wird, zu klären. Der Abgang von Ismael Tajouri zum New York City FC fällt nicht großartig ins Gewicht.

Erfreulich aus Sicht der Violetten: Die meisten Verletzten sind schon wieder zurück bzw. werden in den kommenden Wochen fit.

Von der Spielanlage her wird sich nicht viel ändern: Fink setzt auf Ballbesitz-Fußball, baut auf Holzhausers Ideen und seine schnellen Dribblanskis auf den Flügeln.


VIDEO: Hängt bei der Austria zu viel von Markus Kraetschmer ab?

LAOLA1 hat die Wunschelf und Kaderbewertung der Austria:

TOR:

Der Kampf um die Nummer 1 ist bei den Veilchen voll entbrannt. Noch ist unklar, wer im Frühjahr das Tor hüten wird. Robert Almer ist es jedenfalls nicht, der 33-Jährige bastelt nach seiner schweren Knieverletzung weiterhin an einem Comeback. Im Herbst haben sich Osman Hadzikic und Patrick Pentz die Zeit im Tor einigermaßen aufgeteilt. Die beiden 21-Jährigen haben ihre Sache gut gemacht, doch beiden fehlt es freilich noch an Routine. Für Pentz spricht, dass er vor allem mit dem Fuß unheimlich stark ist, diesbezüglich die Nase vor seinem Konkurrenten hat, Hadzikic hat indes schon wesentlich mehr Profi-Spiele auf dem Buckel und wirkt konstanter.

ABWEHR:

Die Abwehrprobleme, die die Violetten schon in der Vorsaison phasenweise geplagt haben, waren im Herbst nicht zu übersehen. Das war nicht zuletzt dem großen Verletzungspech und dem ungeplanten Umbruch durch die Abgänge der Stammkräfte Petar Filipovic sowie Jens Stryger Larsen geschuldet. Die einzige Konstante war der Wandel - nicht weniger als 15 (!) verschiedene Spieler haben Positionen in der Viererkette bekleidet. Im Frühjahr wird diese Zahl auf 17 bis 18 anwachsen. Denn mit Stefan Stangl wurde ein neuer Linksverteidiger von RB Salzburg ausgeliehen, er soll den verletzten Christoph Martschinko ersetzen. Rückkehrer Michael Madl soll in den Innenverteidigung für Stabilität sorgen. Wer neben ihm spielt, ist offen. Patrizio Stronati ist zurück von Mlada Boleslav und vor allem zu Beginn ein heißer Anwärter. Denn Heiko Westermann, der vermeintliche Königstransfer des Sommers, ist noch nicht fit und Abdul Kadiri Mohammed hat sich im Frühjahr nur selten mit Ruhm bekleckert. Auf der rechten Seite hat Florian Klein bis zu seinem Mittelfußbruch bewiesen, dass er Strygers Abgang problemlos kompensieren kann. Hinzu kommen zahlreiche junge Spieler, die im Herbst erste Erfahrungen sammeln durften. Fink hat also zahlreiche Möglichkeiten, ob die richtige Mischung dabei ist, bleibt aber abzuwarten.

MITTELFELD:

Raphael Holzhauser ist geblieben und wird somit in sein letztes Halbjahr als Um und Auf der Austria gehen. Coach Fink hat das Spiel des FAK auf den Blondschopf zugeschnitten, daran wird sich vorerst nichts ändern. Am besten funktioniert der Go-to-Guy der Veilchen mit Tarkan Serbest an seiner Seite, der 23-Jährige hat allerdings einen schwierigen Herbst hinter sich und muss erst wieder zu alter Stärke zurückfinden. Auf den Flügeln regieren technische Finesse und Speed. Durch die Rückkehr von Lucas Venuto, der nach seinem Kreuzbandriss wieder voll fit ist, und die sportliche Weiterentwicklung von Felipe Pires im Herbst ist die brasilianische Flügelzange hoch einzuschätzen. Spannend wird zu beobachten sein, wie gute Alexander Grünwald nach seiner vierten schweren Knieverletzung in die Spur findet und ob er Dominik Prokop, der im Herbst einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, sofort wieder aus der Startelf spielt. Der "zweite Anzug" ist hingegen eher biederer Durchschnitt, Spieler wie Ibrahim Alhassan und Jin-Hyun Lee konnten noch nicht überzeugen.

STURM:

Kevin Friesenbichler ist aus dem Schatten von Larry Kayode getreten und hat mit acht Toren und vier Assists einen - öffentlich gar nicht so wahrgenommen - richtig starken Herbst hinter sich. Christoph Monschein musste sich in seinem ersten Halbjahr als Austrianer die meiste Zeit mit der Joker-Rolle begnügen, bringt es bei der Hälfte der Spielzeit auf die Hälfte der Tore von Friesenbichler, nämlich vier. Toni Vastic, im Sommer eigentlich für die Amateure geholt, rückte im Winter noch näher an den Profi-Kader heran. Der Angriff der Wiener ist quantitativ schwach besetzt, doch die Austria hat etwas, wovon die meisten Bundesliga-Klubs nur träumen können: Zwei Stürmer, die im Schnitt keine 180 Spielminuten pro Tor benötigen.

TRAINER:

Das dritte Jahr als Cheftrainer der Wiener Austria stellt sich für Thorsten Fink als das bislang schwierigste heraus. Der Deutsche stand im Herbst vor der großen Herausforderung, zahlreiche verletzungsbedingte Ausfälle zu kompensieren, nachdem im Sommer einige Leistungsträger abhandengekommen sind. Mit seiner teils sehr unerfahrenen Mannschaft ließ der 50-Jährige im Herbst mehr Punkte liegen, als ihm lieb war. Hinzu kommen das frühe aus im ÖFB-Cup und der Umstand, dass sich Fink durch die öffentliche Kritik an der Transferpolitik seines Vereins zwischenzeitlich den Unmut der Klub-Bosse zugezogen hat. Auf der Haben-Seite steht wiederum der erneute Einzug in die Gruppenphase der Europa League.

LAOLA1-PROGNOSE: Die Austria wird im Frühjahr wesentlich stärker auftreten als im Herbst, dank der zahlreichen Rückkehrer, die ihre Verletzungen überstanden haben, ist die Qualität des Kaders wieder gegeben. Im letzten Halbjahr im ungeliebten Happel-Stadion dürfte eine erfolgreiche Qualifikation für einen internationalen Startplatz gelingen. Ob gleichzeitig die nötige Euphorie vor der Rückkehr in die Generali Arena entfacht werden kann, steht jedoch in den Sternen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Österreichische Bundesliga: Transferliste Winter 2017/18

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