Die Black Wings Linz sind derzeit das Maß der Dinge in der Erste Bank Eishockey Liga.
Trotz zuletzt zweier knapper Niederlagen in Zagreb nach Penaltyschießen beziehungsweise gegen Villach in der Overtime, lachen die Black Wings mit sieben Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Medvescak Zagreb von der Tabellenspitze.
Die etwas verkorkste letzte Saison ist längst vergessen und mit Rob Daum hat ein neuer Heilsbringer die Geschicke in der oberösterreichischen Landeshauptstadt übernommen.
Neben dem neuen Trainer verpflichteten die Linzer 13 neue Spieler. Daum schaffte es aus den neuen und alt-eingesessenen Cracks eine Mannschaft zu formen, die zweifelsohne um die Meisterschaft mitspielen wird.
Bei LAOLA1 spricht der 53-jährige Kanadier über sein Coaching-Geheimnis, Kapitän Philipp Lukas, und den nächsten Gegner, die Vienna Capitals.
>>>Dienstag, ab 19:10 Uhr im LIVE-Stream: Capitals-Black Wings<<<
LAOLA1: Herr Daum, Linz hat die letzten zwei Spiele trotz einer Führung nach dem ersten Drittel aus der Hand gegeben. In Zagreb lag man mit 3:0 und gegen den VSV mit 2:0 in Front. Warum hat man die Partien am Ende aber doch verloren?
Rob Daum: Ein Spiel dauert bekanntlich 60 Minuten und alle Mannschaften in dieser Liga haben das Zeug nach einem Rückstand zurückzukommen. In diesem speziellen Spielen waren es unterschiedliche Faktoren, warum wir die Partien nicht nach Hause gespielt haben. In Zagreb haben wir uns zu Beginn des Mitteldrittels mit zwei haarsträubenden Fehlern binnen kürzester Zeit zwei Gegentore eingefangen und den Gegner somit zurückgebracht. Gegen Villach hatten wir die Möglichkeiten die Partie frühzeitig zu entscheiden, diese aber nicht genützt. Sie haben mit wenigen Chancen das Beste daraus gemacht. Zwei verschiedene Arten ein Spiel zu verlieren, das Ergebnis am Ende war aber das gleiche.
LAOLA1: War Mangel an Konzentration der Grund, warum man die Mannschaft zurückkommen ließ oder war man sich einfach zu sicher nach dem ersten Drittel und dem bisherigen Saisonverlauf?
Daum: Das ist eine gute Frage. Ich denke es lag mehr an der Konzentration, denn an irgendetwas anderem. Wir haben das Spiel nicht auf die leichte Schulter genommen. Unser Fokus war einfach nicht so, wie er hätte sein müssen.
LAOLA1: Wie schwer ist es als Trainer in diesen Situationen einzuwirken und die Spieler wieder wachzurütteln? Was tun sie um die Konzentration zurückzubringen?
Daum: Als erstes gilt es mal zu erkennen, dass man eingreifen muss. Dann muss man die Spieler darauf aufmerksam machen, was falsch läuft und um ein Zeichen zu setzen, haben wir meist zwei Varianten. Zum einen ändern wir unseren Spielstil und richten unser Spiel anders aus, damit die Spieler sich neu ordnen müssen und somit der Fokus zurückkehrt. Die andere Möglichkeit ist das Spiel simple zu halten und die Mannschaft daran zu erinnern, was unsere Basics sind und sich darauf zu besinnen, was die kleinen Unterschiede für uns als Team sind.
LAOLA1: Trotz der letzten beiden Niederlagen, spielt ihr eine starke Saison. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher gezeigten und glauben Sie, dass noch eine Steigerung möglich ist?
Daum: Wir müssen definitiv noch besser werden, aber ich bin mit dem Saisonverlauf bisher zufrieden. Ich denke es waren gerade mal drei Spiele, in welchen wir keinen Punkt geholt haben und das ist sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, wie gut diese Liga ist. Aber will man weiterhin erfolgreich sein, muss man sich ständig weiterentwickeln, denn auch die anderen Mannschaften schlafen nicht. Wenn wir stehenbleiben, werden die anderen an uns vorbeiziehen.
LAOLA1: Spricht man mit anderen wie Trainern, Experten oder Spielern, schwärmen diese in höchsten Tönen von Ihnen. Was macht Sie und ihre Arbeit so besonders und warum haben Sie so ein hohes Ansehen?
Daum: In erster Linie fühl ich mich sehr geschmeichelt, dass Kollegen und Spieler so über mich sprechen. Ich versuche zu vermitteln, dass es auf die Details in diesem Sport ankommt. Wir haben ein sehr gutes und positives Arbeitsklima und versuchen den Spielern bestmöglich zu erläutern, was wir als Trainerteam von ihnen erwarten. Wir wollen hart spielen und auch clever agieren, so dass uns unsere Gegner nicht überraschen können. (We want to play hard - we want to play smart). Wichtig ist es, diszipliniert zu bleiben und das vorgegebene penibel umzusetzen, damit wir dem Gegner nicht die Möglichkeit geben, sich zu entfalten.
Die Spieler müssen folgendes begreifen: Es ist das Team, das zählt und wir konzentrieren uns nicht auf den persönlichen Erfolg. Es ist eine schöne Sache, wenn die Spieler ihre individuellen Triumphe feiern, aber wir wollen ein Commitment an die Mannschaft und dass diese immer im Vordergrund steht. Aber das machen wahrscheinlich viele Coaches gleich, also sehe ich mich in keiner Weise als etwas Besonderes an. Weiter ist mir der Prozess wichtiger, als das schlussendliche Ergebnis. Wir beschäftigen uns nicht damit, ob wir gewonnen oder verloren haben, sondern die Art und Weise wie wir gespielt haben. Haben wir gewonnen, aber schlecht gespielt, werde ich mich über den Erfolg nicht freuen. Wir wollen eine Sieger-Mentalität etablieren und ein positives Umfeld schaffen.
LAOLA1: Obwohl das Team für Sie im Vordergrund steht, gibt es doch sicher Spieler, die sie sowohl positiv als auch negativ überrascht haben?
Daum: Mike Ouellette, Pat Leahy und Gregor Baumgartner starteten sehr gut in die Saison. Sie haben zu Beginn unsere Offensive getragen und zu diesem Zeitpunkt waren wir ein wenig enttäuscht, wie Rob Hisey, Justin Keller und Danny Irmen sich präsentiert haben. Wir wussten aber auch, dass sie mehr können und dass die Linie einen Gang zulegen würde. Gleiches gilt für Daniel Oberkofler, Martin Mairitsch und Martin Grabher Meier. Sie haben langsamer begonnen, als ich es erhofft habe, aber in der letzten Zeit machen sie einen sehr guten Job, sowohl in der Offensive als auch in der Verteidigung. Es ist eine solide Linie und wenn alle gesund sind, haben wir auch noch eine sehr starke vierte Reihe mit unserem Kapitän Philipp Lukas.
LAOLA1: Sie sprechen ihren Kapitän an. Er spielt „nur“ in der vierten Linie. Wie schwer ist das für ihn?
Daum: Phil ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns und deswegen auch der Kapitän der Mannschaft. Er akzeptiert jede Rolle, von der wir glauben, dass sie am besten auf ihn zugeschnitten ist. Er ist ein Teamplayer wie er im Buche steht und erfüllt jede Aufgabe, die man ihm stellt, auch wenn sie nicht so viel Prestige mit sich bringt wie andere. Um als Team erfolgreich zu sein müssen viele Rollen ausgefüllt werden und Phil macht das hervorragend. Für ihn war es nie ein Problem in der vierten Linie aufzulaufen und das spiegelt seinen Charakter wieder. Er ist multifunktional einsetzbar und besonders in Unterzahl extrem wichtig für uns. Wir wissen was wir an ihm haben und er ist sich bewusst, dass wir ihn als Spieler und Person sehr schätzen.
LAOLA1: Nächster Gegner sind die Vienna Capitals. Die Wiener spielen eine sehr inkonstante Saison. Wie schwer ist es die Caps aufgrund des bisher gezeigten einzuschätzen?
Daum: Sie sind ein sehr starkes und talentiertes Team. Du musst immer Angst davor haben, was sie mit dir anstellen können, denn ihre Spielweise ist sehr explosiv. Mit Gratton, Fortier, Ferland und Robinson haben sie sehr starke Spieler in ihren Reihen, die dich vorführen, wenn du ihnen nur einen Zentimeter Platz auf dem Eis gibst. Sie sind eine Mannschaft die man aufgrund des Talents immer auf der Rechnung haben muss und wir respektieren ihre Stärke, noch dazu da sie zu Hause spielen. Wir werden versuchen dagegenzuhalten und müssen besser spielen als zuletzt.
>>>Dienstag, ab 19:10 Uhr im LIVE-Stream: KAC-Ljubljana<<<
LAOLA1: Zuletzt hat Danny Irmen gefehlt. Ist er wieder fit und haben sie andere Ausfälle zu beklagen?
Daum: Danny wird wieder zurück sein, aber Patrick Spannring wird nicht im Line-Up stehen. Uns wird seine Spielweise fehlen, aber es ist auch eine Chance für einen anderen Spieler sich zu beweisen. Es ist sehr wichtig für uns, dass Danny zurück ist, denn wenn man sich seine Statistiken vor seiner Verletzung ansieht, dann ist er einer der besten Scorer der Liga. Das ist für mich überraschend, denn eigentlich ist er nicht gerade der große Torjäger. Aber er macht die Treffer weil er dorthin geht, wo es weh tut und auf dem Eis sehr viel arbeitet. Außerdem ist er stark im Penaltykilling und bekommt sehr viel Eiszeit. Ist er nicht im Aufgebot schmerzt uns das in der Offensive als auch in der Defensive. Das Danny zurück ist, hilft uns sehr.
LAOLA1: Danke für das Gespräch.
Das Interview führte Sebastian Rauch