"Rote Teufel" auf Playoff-Kurs

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Scouting Report: "Rote Teufel" auf Playoff-Kurs

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Vierter Platz zur Hälfte der Saison, in den letzten sieben Spielen nur Tabellenführer Salzburg unterlegen – Fehervar AV19 segelt auf Playoffkurs.

>>>LAOLA1.tv zeigt die Partie Fehervar-VSV am Donnerstag LIVE ab 19:10 Uhr<<<

Mit einem Heimsieg gegen den VSV könnten die Ungarn einen weiteren Schritt in Richtung Top-6 machen. LAOLA1 wirft einen Blick auf das Erfolgsgeheimnis des wohl meist unterschätzten Teams der Liga.

Schlechte Vorzeichen zu Saisonbeginn

Der Sommer gab in Szekesfehervar nicht unbedingt Anlass zum Optimismus: Goalie Zoltan Hetenyi, in der letzten Saison Hauptgrund für die Playoff-Qualifikation, meldete sich im August mit einem Virus ab (und ist bis heute nicht davon genesen).

Zuvor schon stieg Headcoach Marty Raymond aus seinem laufenden Vertrag aus und ging zum italienischen Meister nach Ritten.Dementsprechend sahen die Saisonprognosen aus, kaum jemand traute dem Team einen Playoff-Platz zu.

Für Raymond übernahm sein bisheriger "Co" Rob Pallin – sein erster Job als Headcoach im Seniorenbereich. Er startete mit drei Siegen aus seinen ersten vier Spielen, danach fiel das Team aufgrund einiger Verletzungen in ein kleines Loch.

Über die Saison gesehen präsentierten sich die Ungarn jedoch als offensivstarkes Team mit einer aggressiven Spielweise. Pallin selbst sagt über sein System: „Wir versuchen stets, mit hoher Energie zu attackieren, senden zwei Mann in den Forecheck.“

Auch die Verteidiger sind bei ihm stets eingebunden: „In dieser Liga ist es sehr schwer, in Gleichzahl Offensive zu kreieren. Wir versuchen daher, unsere Verteidiger zu aktivieren und so Überzahlsituationen herzustellen.“

Palin setzt Raymonds Weg fort

Der 48-jährige Pallin, als Spieler fast ohne Karriere-Vita, setzte die vorjährige Arbeit von Marty Raymond nahtlos fort, agiert aber im Umgang mit Vorstand und Team etwas diplomatischer.

Er verfügt im Niederpreis-Sektor (vor allem College und ECHL) über gute Kontakte, was für eine Organisation wie Fehervar beim Beackern des internationalen Transfermarktes unabdingbar ist.

Nicht alle Zugänge schlugen hundertprozentig ein (ECHL-Topscorer Brandon Marino ist ok, aber nicht überragend), die Transferquote der Ungarn ist aber beachtlich. Vom einzigen Totalflop, Matt Register (Topscorer unter den ECHL-Defendern), trennte man sich schon vor Beginn der Saison.

Offensive ist Trumpf

Fehervar definiert sich über seine Offensive: 94 erzielte Tore sind die viertmeisten der Liga, trotzdem ist die Tordifferenz bei 95 Gegentreffern negativ.

Das liegt einerseits daran, dass bei aller Offensivwucht auch viele Gegenstöße zugelassen werden, andrerseits war die Goalieposition bis jetzt auch ein Schwachpunkt.

Josh Robinson schaffte es zwar, dass sein Probe- in einen Fixvertrag umgewandelt wurde, doch vor allem nach dem Novemberbreak schwächelte er sehr. Miklos Rajna hat zwar über den Sommer zehn Kilo abgenommen, ist aber in der EBEL nur Backup-Material. Mit dem Schweden Christian Engstrand stieß am letzten Wochenende der dritte Goalie der Saison zur Mannschaft und soll die Gegentorflut jetzt einmal eindämmen.

Aufschwung dank russischer Geldgeber?

Die Goalierochaden sowie die ungewöhnlich hohe Legionärszahl von neun Ausländern deuten auch darauf hin, dass in Ungarn heute mehr Geld im Umlauf ist als sonst.

So konnte Fehervar etwa im Sommer das (zugegeben sehr niedrige) Grazer Angebot an Jeff LoVecchio problemlos überbieten. Gerüchte sprechen von russischen Geldgebern, bleibt nur zu hoffen, dass das Budget abgesichert ist.

Die Gewohnheit, die letzten Saisongehälter nicht oder nur unvollständig auszuzahlen, hat Fehervar schon die Dienste von Derek Ryan gekostet. Derzeit erfolgen die Auszahlungen aber pünktlich und problemlos.

Hohe Kadertiefe

Die Tiefe im Kader ist ein weiteres Trumpfass im Rennen um die ersten sechs Plätze. Trotz der abermaligen Verletzung von Verteidiger Arnold Varga (Knie, fällt mindestens sechs Wochen aus) können die Ungarn weiter acht ligataugliche Verteidiger aufbieten, was Rob Pallin auch ab und zu macht. Für Teams wie Graz, Innsbruck oder Dornbirn geradezu exotische Vorstellungen!

Im Angriff verfügen die Ungarn über zwei schnittige Offensivlinien, vor allem die Paradeformation mit Banham-Sarauer-LoVecchio scort nach Belieben. Die hinteren zwei Linien können mit guter Physis und Kampfkraft aufwarten, Spieler wie Benk, Koger oder Raubein Magosi (heuer bereits zweimal gesperrt) halten körperlich stark dagegen.

Überhaupt scheinen auch die jüngeren Ungarn physisch stärker zu sein als ihre österreichischen oder slowenischen Gegenstücke. Mit dem 18-jährigen Csanad Erdely (derzeit bei der Junioren-WM) wächst eines der größten EBEL-Nachwuchstalente heran.

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In Salzburg aussortiert, bei Fehervar top: Michael Boivin

Ein Blick auf die Schlüsselspieler:

Michael Boivin: In Salzburg nicht mehr gebraucht, in Ungarn mehr als ein Punkt pro Spiel. Verfügt über einen krachenden Schuss, defensiv jedoch eine tickende Zeitbombe mit einem Hang zu Elementar-Fehlpässen.

Johan Ejdepalm: Solider Defensivmann, gerät nicht leicht in Panik. Verträgt viel Eiszeit. Hat aber seinen Peak bereits überschritten.

Attila Orban: Machte unter den heimischen Defendern die größten Fortschritte, entwickelte vor allem sein Spiel mit dem Puck weiter.

Jeff LoVecchio: Mit 20 Treffern zweitbester Torschütze der Liga, „19 davon kamen aus ein oder zwei Meter Entfernung“, so Pallin. Körperlich immens stark, übertraf die Erwartungen bei weitem. Hat schon mehrere EBEL-Anfragen für nächstes Jahr vorliegen. Spielt allerdings die beste Saison seiner Karriere – kann er diese auch anderswo wiederholen?

Frank Banham: Mit 39 immer noch ein Scharfschütze, wartet stets auf den One-Timer. Fiel letztes Jahr in der zweiten Saisonhälfte zurück, das gilt es heuer zu vermeiden.

Andrew Sarauer: Der Team-MVP, smart, spielte beide Wege, macht Spieler um ihn herum (erst Marino, jetzt Banham) besser, gute Reichweite, sieht das Eis sehr gut. Übertraf als fast reiner ECHLer die Erwartungen bei weitem. Linz fragte schon im Oktober bei seinem Agenten an, er steht aber auch für nächste Saison noch unter Vertrag.

Istvan Bartalis: Center der zweiten Linie, wurde während seiner Verletzungspause schmerzlich vermisst. Gute Hände und Übersicht, „ein NHL-Skater“, so Pallin.

Ladislav Sikorcin: Gebürtiger Slowake mit ungarischem Pass, kämpfte sich nach einem Kreuzbandriss wieder zurück. Absoluter Teamplayer.

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