Die Streberin als Nachzügler

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"Ich gehe nicht vom Platz und dann zum McDonald's!"

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23 Jahre – manche Weltklasse-Spielerin ging mit diesem Alter bereits in die Tennis-Pension.

Lisa-Maria Moser gehört nicht zu dieser Sorte. Die junge Steirerin kämpft sich gerade im WTA-Ranking nach oben.

Derzeit ist sie die Nummer 315 der Welt. Am Donnerstag (11 Uhr) trifft sie beim Nürnberger Gastein Ladies im Achtelfinale auf die ein Jahr jüngere Italienerin Camila Giorgi, die im Ranking allerdings schon auf Position 40 zu finden ist.

Die Nachzüglerin aus der grünen Mark kann für ihren verspäteten Eintritt in den Profi-Sport allerdings einen guten Grund vorweisen. Erst nach der erfolgreichen Matura in einem Grazer Sportgymnasium konzentrierte sie sich auf ihre Tennis-Karriere.

Angenehmer für den Trainer

„Das habe ich meinen Eltern versprochen und dafür unterstützen sie mich jetzt auch“, erzählt Moser bei einem Treffen mit LAOLA1 in Bad Gastein. An ihrer Seite befindet sich seit mittlerweile eineinhalb Jahren Karl-Heinz Wetter.

„Es gibt Vor- und Nachteile, ob du einen Teenager oder einen etwas älteren Spieler nach oben führst“, weiß der ehemalige Betreuer von Jürgen Melzer und Ernests Gulbis. Ältere könnten besser mit konstruktiver umgehen. Dafür würde vor allem bei Burschen jugendlicher Leichtsinn vieles kaschieren.

Für Moser sei es unter dem Strich „immer gleich schwer. Die anderen Spielerinnen hatten diese Situation mit 17 oder 18, ich muss sie jetzt eben mit 22, 23 bewältigen. Vielleicht kann ich manche Sachen leichter lernen, als ein Teenager, schwierig ist es aber immer.“

Für den Trainer sei es laut Wetter auf jeden Fall angenehmer, „wenn du keinen Teenager hast, der gegen alles revoltiert und den du nicht auch noch ein bisschen erziehen musst. Manchmal hat man einen Jungen, der zuhause nicht einmal die Grundregeln mitbekommen hat. Das ist aber nicht meine Aufgabe.“

Perfekte Einstellung

Moser sei aber nicht nur aufgrund ihres Alters ein dankbarer Schützling. „Einstellungsmäßig ist sie absolut top“, lobt Wetter. „Ich kann mich an kein schlechtes Training erinnern. Das ist sicher nicht normal. Sie muss es auch leben, anders geht es nicht. Für die Einstellung bekommt sie von mir einen Einser“, stellt ihr Wetter ein gutes Zeugnis aus. „Ich war eben immer schon ein Streber“, lächelt Moser über die schmeichelnden Worte ihres Trainers.

Dem Youngster ist allerdings auch bewusst, dass es anders auch kaum nach oben gehen könne. Im Aufbautraining stehe sie bis zu sieben, acht Stunden täglich auf dem Platz.

Coach Karl-Heinz Wetter glaubt an die Top 50

„Der Unterschied ist sehr groß. Mit Sicherheit größer als jener von Challenger- auf die WTA-Tour. Am Anfang habe ich mich auf der Challenger-Ebene nicht wohl gefühlt. Letztlich steckt viel mehr dahinter, als man eigentlich sieht. Deshalb habe ich dort auch noch keine großartigen Ergebnisse einfahren können. Man sagt nicht umsonst: Einmal gewinnt man, einmal lernt man. Und ich habe im letzten Jahr relativ viel gelernt“, nimmt Moser die schwierige Lernphase mit Humor.

Erfahrungen auf Hartplatz sammeln

Wetter ist mit der Entwicklung seines Schützlings „grundsätzlich zufrieden. Es ist nicht alles nach Wunsch gelaufen, dass tut es bei einer Sportlerkarriere aber sowieso nie. Du hast immer Auf und Abs“, weiß der erfahrene Coach, dass ein Spieler auch mit Rückschlägen umgehen können muss.

Zudem war Moser bis vor Kurzem eine reine Sandplatz-Spezialistin. „Für Lisa war Sand immer ihr Haus-und-Hof-Belag. Dieses Bewusstsein hat man auch erst einmal aus ihr rauskriegen müssen. Mittlerweile weiß sie, dass sie auf allen Belägen gut spielen kann. Wir haben sechs Wochen in Amerika auf Hartplätzen trainiert. Heuer war es ein Lernprozess, für das nächste Jahr erwarte ich mir schon mehr.“

Aufnahme ins „Generali Young Ladies“-Programm

Den Glauben an Moser haben mittlerweile auch andere gefunden. Erst vor wenigen Tagen wurde die Steirerin in das  „Generali Young Ladies“-Programm aufgenommen.

„Es hört aber nicht auf, wenn man vom Platz geht. Man muss auf die Ernährung schauen, früh schlafen gehen – das ist mehr eine Lebenseinstellung als ein Job. Ich gehe nicht vom Platz und dann zum McDonald’s.“

Top 100 als Mindestziel

Langfristig will sie es dadurch auf jeden Fall in die Top 100 schaffen. „Was dann passiert, wird sich zeigen“, so Moser, die bei der Beantwortung der Frage nach der Zielsetzung aber sofort von ihrem Coach unterbrochen wird: „Ich will in die Top 50“, legt Wetter sogleich die Latte etwas höher.

Der Weg dorthin sei lang, die Richtung stimme bislang aber. Nachdem Moser im vergangenen Jahr als Wild-Card-Spielerin in Bad Gastein mit dem Einzug ins Viertelfinale überraschte und in der Weltrangliste innerhalb kürzester Zeit von einem vierstelligen Platz in die Top 400 stürmte, stand der Fokus in den vergangenen Monaten auf Stabilisierung des eigenen Spiels.

Schwieriger Umstieg auf Challenger-Ebene

„Ich habe mich im Verlauf des letzten Jahres stark verbessern können. Da ist einiges weitergegangen.  Sowohl was den Spielplan angeht, als auch mental und körperlich“, kann Moser eine deutliche Steigerung erkennen.

Von Turniersiegen war sie im Jahr 2014 zwar weit entfernt, das lag allerdings auch am Sprung von Future- auf Challenger-Ebene.

Der Versicherungskonzern unterstützt dabei fünf Tennis-Talente auf ihrem Weg nach oben und bietet ihnen für ein Leben nach der aktiven Karriere einen Einstieg ins Berufsleben an.

Wetter, der schon viele Talente kommen und gehen gesehen hat, ist von dieser Idee überzeugt: „Diese Geschichte ist eine gute Sache, weil die Spieler ein Fangnetz haben, wenn es mit dem Tennis doch nicht klappen sollte.“

Wenig ÖTV-Talente

Notwendig scheinen derartige Förderungen auf jeden Fall zu sein. Schließlich sind Österreicherinnen auf der WTA-Tour nicht gerade zahlreich vertreten.

„Es gibt nicht wirklich viele“, weiß Moser, die auf ihren Reisen meist mit der Wiener Yvonne Neuwirth unterwegs ist, aus eigener Erfahrung. Ab und an treffe sie auch auf Janina Toljan oder Melanie Klaffner.

„Es sind schockierend wenig“, bestätigt Wetter den aktuellen Mangel am rot-weiß-roten Nachwuchs.

Christian Frühwald

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