Wieviel Europa steckt in der EM?

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Rasche Einbürgerungen sorgen für Diskussionen

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Einbürgerungen im Spitzensport sind nichts Neues, jedoch nimmt das rasche Tempo, mit dem solche Verfahren durchgezogen werden, diskussionswürdige Ausmaße an.

"Da gibt es eine Athletin, die startet bei Olympia in London für ein ostafrikanisches Land und bei der darauffolgenden Hallen-EM in Göteborg ist sie eine Schwedin", veranschaulichte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber anhand eines Beispiels.

Es gehe nicht darum, einen Fall explizit herauszugreifen, oder darum, dass eingebürgert werde, vielmehr müsse man über das Tempo der Einbürgerungen sprechen, sagte Gruber.

In manchen Disziplinen müsse man sich schon die Frage stellen, ob man wirklich von Europameisterschaften sprechen könne, meinte er im Vorfeld der derzeit laufenden Kontinentaltitelkämpfe in Zürich.

Neue Gegner bekommen

In anderen Disziplinen ist es freilich noch augenscheinlicher, aber auch Österreichs 1.500-m-Läufer Andreas Vojta hat in den vergangenen Jahren nach Nationenwechseln zwei neue, starke Gegner auf Europaebene bekommen.

Seit 2012 ist der gebürtige Kenianer Ilham Tanui Özbilen (Saisonbestleistung 3:32,09 Min.) Türke, der seit einem Jahr für Deutschland starberechtigte Homiyu Tesfaye (3:31,98) ist äthiopischer Herkunft.

Verglichen mit seiner ersten EM vor vier Jahren in Barcelona sei die Konkurrenz in Europa nach Einbürgerungen doch stärker geworden, meinte Vojta, der mit 3:36,11 aktuell Nummer 16 in Europa ist.

"Es sind Leute mit internationalen Topzeiten, mit denen sie auch bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ganz vorne dabei sein können. Das macht die Sache natürlich nicht leichter, aber ist für mich ist es jetzt unerheblich, weil ich sowieso ganz vorne sein will. Das macht halt die Aufgabe ein bisserl spannender sozusagen", sagte Vojta.

Neue Russen

Einer, der die Szene stets ganz genau im Auge behält, ist sein Trainer Wilhelm Lilge.

"Das waren noch Zeiten, als bei Europameisterschaften um die Titel der besten Europäer gekämpft wurde. Die Kenianer Evans Kiplagat, Isaac Kipkemboi, Nicolas Chepseba und Amos Kibitok starten nicht nur bei den russischen Meisterschaften nächste Woche in Kazan, sondern werden auch umgehend die russische Staatsbürgerschaft erhalten", schrieb Lilge im Juli auf Facebook.

Er bedanke sich bei den europäischen Funktionären, die das alles ermöglichen. "Sie fördern damit enorm den Höhenflug der europäischen Leichtathletik."

Im Endeffekt rausgekauft

Vom internationalen Leichtathletik-Verband kann ein Athlet nach einem Nationenwechsel nicht mit einer Stehzeit belegt werden, sobald er über eine neue Staatsbürgerschaft verfügt, erläuterte Gruber.

"Der IAAF gefällt das auch nicht, aber rechtlich kann man nichts dagegen tun. Bei einer EM oder WM geht es um die Erhöhung des Marktwertes. Wenn ich Profisportler bin, möchte ich mir auch nicht ein zweijähriges Arbeitsverbot auferlegen lassen."

Nach Bestimmungen der IAAF könne das nur der ehemalige Verband. "Der kann den Athleten für einen gewissen Zeitraum nicht freigeben. Aber da im Normalfall immer Geld im Spiel ist, wird er von dem jeweiligen Verband rausgekauft", erklärte Gruber.

Spiegelbild der Gesellschaft

Einbürgerungen seien, so Gruber, ein genereller Trend im Zuge der Globalisierung.

"Auch europaweit werden Arbeitsplätze ausgetauscht. Man sagt ja, der Sport ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und in der Gesellschaft ist es auch so, dass Studenten und Arbeitskräfte nach Wien kommen. Dass Firmen aus Portugal einen Auftrag in Wien bekommen. Und genauso ist es im Sport. Das ist für mich nichts Außergewöhnliches."

Nicht prinzipiell gegen Einbürgerungen

Im Sport sei es sichtbar und daher stelle sich die Frage, wie man im Sport damit umgehe.

"Es gibt Länder, da wissen wir, dass sie aktiv Einbürgerungen vornehmen. Wir haben das nie gemacht und wir werden das auch in Zukunft nicht anstreben, dass wir aktiv einbürgern. Aber wenn jemand seinen Lebensmittelpunkt nach Österreich verlagert, aus welchen Gründen auch immer, Ausbildung, Partnerschaft, dann werden wir sehr wohl dieses Einbürgerungsansuchen unterstützen. Das haben wir in der Vergangenheit auch gemacht", meinte Gruber.

Jüngstes Beispiel ist der gebürtige Kenianer Edwin Kemboi, der mit einer Österreicherin verheiratet ist.

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