Die blinde Stabhochspringerin

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Mit dem Blindenhund zur Sieger-Ehrung

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Anlaufen, einstechen, sich hoch ziehen, seinen Körper möglichst elegant über die Stange verfrachten und beim Runterfallen ja dem eigenen Stab aus dem Weg gehen.

Nicht umsonst gilt Stabhochsprung als einer der komplexesten Bewegungsabläufe, die es quer durch den Sport-Gemüsegarten gibt.

Und jetzt stellen wir uns das Ganze mit geschlossenen Augen vor. Das kann nicht gehen!

Umso erstaunlicher ist deshalb die Geschichte von Charlotte Brown, einer praktisch blinden 17-Jährigen, die sich ohne Augenlicht von Jahr zu Jahr steigert und jüngst bei den texanischen Highschool-Meisterschaften mit 3,50 Meter für großes Aufsehen sorgte.

Zur Siegerehrung ihres dritten Platz kam sie mit ihrem Blindenhund.


Im Säuglingsalter erkrankt

Charlotte Brown leidet seit frühester Kindheit am Grauen Star. Bis zu ihrem elften Lebensjahr half ihr der Einsatz von künstlichen Linsen. Seither nahm ihr Sehvermögen aber sukzessive ab. Heute kann das hübsche Mädchen nur noch helle und dunkle Flecken wahrnehmen.

Doch das Ganze hindert sie nicht, ihrer Passion, dem Stabhochsprung, nachzugehen. Eine für Menschen mit ihrem Leiden sehr ungewöhnliche Leidenschaft, was alleine schon die Tatsache belegt, dass es in ihrer Disziplin keinerlei Wettkämpfe für Sehbehinderte gibt.

„Ich habe mir Stabhochsprung ausgesucht, weil ich etwas Riskantes und Aufregendes machen wollte“, erklärt Brown ihre Wahl.

Andere geschärfte Sinne

Stellt sich die Frage, wie es ihr gelingt, sich dennoch über so luftige Höhen zu schwingen?

Ausgehend von einem viel geschulteren räumlichen Vorstellungsvermögen besteht ihr Anlauf aus sieben genau ausgemessenen Schritten. Um zu wissen, wo sich der Einstechkasten für den Stab befindet, orientiert sie sich an einem an der Matte montierten Tonsignal. Das genügt ihr.

Für Normalsterbliche bleibt dies schlichtweg unvorstellbar!

Als Botschafterin an Leidensgenossen will sich das Talent, dass nach Rang acht (2013) und vier (2014) nun erstmals auf dem Meisterschafts-Podest stand, nicht unbedingt verstanden wissen:

„Es geht nicht um mich, es geht um jeden Einzelnen, der mit und gegen etwas zu kämpfen hat. Es geht darum, dass jeder etwas finden sollte, dass ihn glücklich macht, egal welche Hindernisse überwunden werden müssen.“

Einfach inspirierend.

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