Österreich sah, dass es gut war

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Das Maximum herausgeholt

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Am Donnerstag-Abend (18 Uhr) endet mit dem Finale zwischen Deutschland und Portugal die U19-Europameisterschaft in Ungarn.

Geht es nach ÖFB-Teamchef Andreas Heraf ist die DFB-Elf Top-Anwärter auf den Titel.

"Wenn sie so spielen, sind sie riesiger Favorit", sagte der 46-Jährige nach der Semi-Final-Niederlage seiner Auswahl gegen die Deutschen. Jenem 0:4, das so gar nicht zu dem passte, was Österreichs Nachwuchs im Laufe des Turniers gezeigt hatte.

Das Debakel mag zwar den Gesamteindruck ein wenig mindern, doch der dritte Platz bei der Europameisterschaft und die erneute, diesmal souveräne, Qualifikation für die U20-Weltmeisterschaft, war das Höchste der Gefühle. LAOLA1 zieht Bilanz. 

Zwischen Pressing und Festung

Ohne Druck, aber doch mit einer gewissen Erwartungshaltung war Österreichs U19-Nationalteam vor zehn Tagen ins Auftakt-Spiel gegen Ungarn gegangen. Im Wissen, dass ein Sieg gegen den Gastgeber bereits ein großer Schritt in Richtung Primärziel Neuseeland ist, hinterließ die Heraf-Elf einen positiven Erst-Eindruck.

Bei jenem 3:1-Auftakt-Sieg offenbarte der ÖFB-Nachwuchs sogleich jene Stärken, die das Team auch im weiteren Turnier-Verlauf auszeichnen sollten. Eine davon war das aggressive Pressing, dass maßgeblich zur Entstehung der ersten beiden Treffer beitrug und die Begegnung bereits vor dem Pausenpfiff zu Österreichs Gunsten entschied.

Nach dem Seitenwechsel, als die Kräfte nachließen, zelebrierte das Team um Kapitän Francesco Lovric das, was teamintern nur als "die Festung" bezeichnet wird – kompromisslose Defensive, tief in der eigenen Spielhälfte.

Österreich bejubelte bei der EM in Ungarn zwei Siege

Keep it simple

Das Wechselspiel zwischen aggressivem Pressing und kräfteschonendem "Einigeln", das auch im weiteren Turnier-Verlauf den ÖFB-Spielstil definierte, stand allerdings nicht für die ganz große taktische Flexibilität und Variabilität. Doch diese war vom Teamchef auch nicht beabsichtigt.

Man habe das eigene Spiel auf wenige Elemente reduziert und diese dafür bis ins Detail ausgefeilt. "Nur so können wir große Nationen schlagen", erklärte Heraf. Österreich hatte also zumindest einen Plan, wenn auch einen "sehr einfach gestrickten", wie der Teamchef hinzufügte.

Dieser wurde auch gegen Israel befolgt. Obwohl sich die ÖFB-Elf beim zweiten EM-Auftritt erst schwer tat, durfte sie schlussendlich über einen klaren 3:0-Sieg, gleichbedeutend mit dem Semi-Final-Einzug und dem so wichtigen WM-Ticket, jubeln.

Untypisch 

ÖFB-Präsident Leo Windtner unterstrich nach dem Erreichen des Minimalziels eine weitere Qualität der Mannschaft. Die für eine österreichische Mannschaft "untypische" Effizienz vor dem Tor. In der Tat ließ die Offensiv-Abteilung um Florian Grillitsch, Sinan Bytyqi und Co gegen Ungarn und Israel kaum Großchancen liegen.

Darüberhinaus zeigte sich spätestens gegen Letztere, dass es Heraf und seinem Betreuer-Team gelungen war, eine Einheit zu formen, in der jeder seine Rolle kannte. So gab es von den gegen Ungarn sehr starken Valentin Grubeck, Alexander Joppich und Philipp Lienhart kein Murren, als diese im zweiten Spiel durch die Rückkehrer Michael Brandner, Lukas Gugganig und Grillitsch (alle Gelb-Sperre) ersetzt wurden.

Auch weil sie wussten, dass der Teamchef sie im dritten Gruppen-Spiel wieder einsetzen wird. Gegen Portugal schonte Heraf nämlich sechs Stammkräfte und stellte fest, dass auch der zweite Anzug passte.

Qualitätsfrage

Heraf nüchtern: "Mit einer Führung wäre etwas drinnen gewesen, mit dem 0:2 war es erledigt." Der Teamchef reagierte zwar, brachte Grubeck anstelle des schwachen Horvath, doch der erhoffte schnelle Anschluss-Treffer blieb aus und man lief schlussendlich in eine "Watschn", so Heraf. 

Im Semifinale ließ das Team die Tugenden aus den ersten drei Auftritten vermissen. Das Pressing blieb wirkungslos, die Defensive – im Übrigen spielte Österreich in vier Spielen mit vier verschiedenen Abwehr-Reihen – hielt nicht wie gewohnt stand, die wenigen Chancen wurden liegen gelassen. 

Man musste erkennen, dass, der bisherigen Leistungen zum Trotz, die eigenen Qualitäten – auch die körperlichen – nicht ausreichen um den letzten Schritt, jenen in Richtung europäische Elite, noch gehen zu können. 

Hätte eine Freigabe von Spielgestalter Valentino Lazaro dem Team weitergeholfen? Nur bedingt. Zwar hätte Bytyqi dann auf seine bevorzugte Position an die Seite ausweichen können, ob das etwas am Ausgang des Turniers geändert hätte, darf aber bezweifelt werden.

Die Grenzen aufgezeigt

Aufgrund der simplen Spiel-Anlage, taten die zahlreichen Umstellungen der österreichischen Leistung keinen Abbruch. Obwohl das Team den Spielverlauf diesmal nicht auf seiner Seite hatte, kam die Heraf-Elf dem Sieg zumindest Nahe.

Die erstmalige Niederlage (1:2) bedeutete Platz zwei in der Gruppe und ein Semi-Final-Duell mit Deutschland.

Gegen den Turnier-Favoriten offenbarte sich den ÖFB-Youngsters die Abhängigkeit vom günstigen Spielverlauf in großem Maße. Schon in der ersten Spielhälfte zeigten ihnen die deutschen Alterskollegen die Grenzen auf. Ein Comeback schien in weiter Ferne, Österreich konnte der DFB-Elf nicht zusetzen.

Minuten Einsätze Tore Assist
Blutsch Markus
341 4 1
Brandner Michael
270 3
Bytyqi Sinan
315 4 2 1
Casali Tino
90 1
Grillitsch Florian
270 3 2 1
Grubeck Valentin
216 4 1 3
Gugganig Lukas
135 2
Horvath Sascha
239 4 1
Joppich Alexander
189 3
Laimer Konrad
132 4
Lienhart Philipp
271 4
Lovric Francesco
270 3
Lucic Ivan
270 3
Maderner Daniel
45 1
Michorl Peter
240 3 1
Puchegger Patrick
47 2
Rasner Martin
359 4
Rosenbichler Daniel
261 3

Heraf formte eine Mannschaft

Was bleibt?

Es sollte jedoch nicht jenes 0:4 von Budapest sein, das von Österreichs EM-Auftritt in Erinnerung bleibt. "Die Mannschaft wurde unter ihrem Wert geschlagen", wusste auch der anwesende Sportdirektor Willi Ruttensteiner.

Österreichs "sehr dünner" (Heraf) 1995er-Jahrgang hat, wie von Präsident Leo Windtner oftmals gefordert, "ein Ergebnis" erbracht, hat einen Plan verfolgt, strukturierten, effizienten Fußball gezeigt und die EM schlussendlich auf Platz drei beendet. Vor Nationen wie Frankreich, Holland, Italien oder England und nur hinter Portugal und Deutschland, den einzigen Teams, denen sich der ÖFB-Nachwuchs geschlagen geben musste.

Zudem wurde das wichtigste Ziel, die Qualifikation für die U20-WM 2015, souverän erreicht. "Eine Bestätigung des Weges", so Windtner, der sich nun auf das zwölfte Nachwuchs-Großereignis mit österreichischer Beteiligung seit 2003 freut.

Ungarn war eine wertvolle Erfahrung für die Entwicklung der Jung-Kicker, die aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Um zu bewerten, wie gut diese Generation wirklich ist und ob mit Grillitsch, Lovric, Bytyqi und Co Spieler am Werk waren, die früher oder später auch im A-Team Fuß fassen, ist es jedenfalls noch zu früh.

Der Weg dahin stimmt.

 

Kevin Bell

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