Alaba als Quarterback

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Taktik-Analyse: Alaba überzeugt als Quarterback

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Es war kein Sieg der spielerischen oder taktischen Dominanz.

Vielmehr entschieden beim mühsamen 2:1 in Moldawien individuelles Können sowie das nötige Quäntchen Glück die Partie.

Im Vorfeld wusste das ÖFB-Team nicht so recht, was es vom Gegner halten solle. Mit Alexandru Curtianu  hatte Moldawien wenige Wochen vor dem Spiel einen neuen Trainer bekommen. Marcel Koller musste sich auf alles gefasst machen. Sein Gegenüber dagegen konnte nur überraschen. Das tat er mit seiner Aufstellung auch.

Alaba in der Xabi-Alonso-Rolle

Moldawien ging mit einem ungewöhnlichen 5-3-2 in das Spiel. Curtianu wollte Beton anrühren. Seine Fünfer-Abwehr mit den drei Verteidigern davor sollte sich am Sechzehner aufstellen und nichts durchlassen. Dazu arbeiteten auch die beiden Stürmer eifrig nach hinten.

Österreich fand jedoch immer wieder Lücken vor. Das lag einerseits am löchrigen Defensiv-Verbund des Außenseiters, andererseits an David Alaba. Der Bayern-Star tauschte in diesem Spiel mit Julian Baumgartlinger die Rollen. Diesmal war er der tiefer stehende der beiden Sechser.

Die Start-Aufstellungen: Moldawien tritt in einem 5-3-2-System auf, Österreich mit dem gewohnten 4-2-3-1.

Alaba spielte einen klassischen „Quarterback“ - also jene Rolle, die bei seinem Verein Xabi Alonso ausfüllt. Die tief stehenden Moldawier ließen dem Wiener an der Mittellinie sträflich viel Platz, den er zu nutzen wusste. Mit präzisen Vertikal-Pässen in den Zwischenlinienraum leitete er einen Großteil der Angriffe ein. 110 Ballkontakte sowie 86 Pässe untermauern seine herausragende Stellung.

„Wir haben versucht, zu rochieren. Zladdi sollte sich zwischen den Linien bewegen, David und ich uns mit Vorstößen abwechseln. So haben wir immer wieder die Zone zwischen Abwehr und Mittelfeld gefunden. Das war unser Plan“, erklärt Baumgartlinger.

Einige Schwächen beim ÖFB-Team

Eines überragenden Alabas zum Trotz funktionierte in der ÖFB-Offensive vieles auch nicht so gut. Das Zusammenspiel auf den Flügeln zum Beispiel. Christian Fuchs und der nach innen ziehende Marko Arnautovic lösten diese Aufgabe recht ordentlich, hätten jedoch noch mehr Potenzial, um offensiv Gefahr zu erzeugen. Ebenso könnte Florian Klein seinen Vordermann noch konsequenter hinterlaufen.

Der Stuttgart-Legionär war Teil einer Verteidigung, die sich bei hohen Bällen immer wieder in Verlegenheit bringen ließ. Die Moldawier hatten in diesem Bereich die Schwachstelle der Koller-Elf ausgemacht. Tatsächlich brannte es bei Flanken und Einwürfen des öfteren lichterloh im österreichischen Strafraum.

Insgesamt schien es in der ÖFB-Defensive aufgrund des unorthodoxen moldawischen Systems Zuordnungsprobleme zu geben. So wurde in den Minuten vor dem Ausgleich viel zu wenig Druck auf den Ballführenden ausgeübt. Alaba reagierte auf die Missstände mit wilden Gesten. Er forderte seine Kollegen auf, früher auf den Ball zu gehen.

Moldawien schränkt Alabas Kreise ein

In der zweiten Hälfte ließen die Österreicher – bis zur brenzligen Schlussphase – hinten weniger zu. Nach Marc Jankos Siegestor, erneut aus einer Standardsituation heraus, kontrollierten Alaba und Co. das Spiel ohne dabei viele Tor-Chancen heraus zu spielen.

Mit Martin Harnik statt Marcel Sabitzer brachte Koller für die rechte Seite einen neuen Mann. Der Stuttgart-Legionär zog öfter nach innen als sein Salzburger Kollege, rotierte auch manchmal mit Junuzovic und belebte so das österreichische Flügelspiel auf der rechten Seite. 

Die Aufstellungen in der zweiten Hälfte: Moldawien übt mit einem Mittelfeldspieler Druck auf Alaba aus. Bei Österreich ersetzt Harnik den unauffälligen Sabitzer.

Dem dritten Tor war Österreich trotzdem nie wirklich nahe. Moldawien gelang es, mit einer kleinen Veränderung im Mittelfeld Alabas Kreise einzuschränken. Einer der beiden Achter attackierte den „Quarterback“ des ÖFB-Teams nun konsequent weiter vorne.

Alaba ließ sich davon zwar kaum zu Ballverlusten provozieren, doch seine gefährlichen Pässe zwischen moldawisches Mittelfeld und Verteidigung wurden eingeschränkt. Das Spiel der Österreicher verlagerte sich dadurch mehr in die Breite, anstatt in die Tiefe. 

Hektische Schlussphase

Mit der Roten Karte gegen Janko bekam die Partie in der Schlussphase eine späte Wende. Mit vielen hohen Bällen drückte Moldawien auf den Ausgleich, der – glücklicherweise – nicht mehr gelang.

Bemerkenswert an den letzten Minuten ist zudem, dass Alaba nach Leitgebs Einwechslung erstmals seit Ewigkeiten im Nationalteam am linken Flügel zum Einsatz kam. Koller hält sich damit eine neue Option für seinen Superstar offen.

Moldawien Österreich
Ballbesitz 34,3% 65,7%
Zweikämpfe 38,4% 61,6%
Eckbälle 3 5
Torschüsse 11 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 4 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 7
Kopfballchancen 0 3
Abseits 1 3
Fouls 18 10

Fazit: Ein Sieg mit nur wenig Positivem

Das ÖFB-Team tat sich schwer mit einem Gegner, dessen Taktik im Vorfeld nur schwer abzusehen war. Die Moldawier überraschten mit ihrem 5-3-2-System und brachten die Defensive mit hohen Bällen in Verlegenheit.

Neben den wichtigen drei Punkten kann Teamchef Koller auch mit Alabas neuer Rolle als „Quarterback“ zufrieden sein. Während er von hinten das Spiel dirigierte, fand sich auch Julian Baumgartlinger als der offensivere Part der Doppelsechs gut zurecht. Diese variable Achse war gemeinsam mit Junuzovic der Motor des ÖFB-Spiels.

Ansonsten wird das Trainerteam bei der Analyse des „dreckigen Sieges“ (O-Ton Dragovic) nur wenig Positives finden. Gegen Montenegro sollte Österreich konsequenter nach vorne spielen. Auch das Pressing muss besser funktionieren.

Immerhin darf man am Sonntag im gewohnten Umfeld vor eigenem Publikum ran. Der schwierige Auswärtssieg ist eingefahren.

 

Jakob Faber

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