Die Erkenntnisse aus Lillehammer

Aufmacherbild
 

Es schien wie verhext.

Schon in Kuusamo meinte es der Wettergott nicht gut mit den Nordischen, auch in Lillehammer machte der Wind den Kombinierern und Springern zunächst einen Strich durch die Rechnung.

Doch wie heißt es so schön: Was lange währt, wird endlich gut – und siehe da, mit Fortdauer des Wochenendes fand Frau Holle ein Einsehen mit den Wintersportlern.

Das Resultat waren packende Wettkämpfe, die uns im Olympia-Ort von 1994 geboten wurden. Wir rollen die Bewerbe der Nordischen noch einmal auf und präsentieren die Erkenntnisse aus Lillehammer:

#1 Der Auftakt ist gelungen

Kombinierer-Herz, was willst du mehr? Lukas Klapfer auf Rang drei, Bernhard Gruber Vierter, Wilhelm Denifl auf Position acht. Der zweite Einzel-Bewerb im hohen Norden bewies, dass die Österreicher mannschaftlich deutlich geschlossener auftreten als letzte Saison. „Dass wir mit 3 Leuten in den Top-10 vertreten sind und zwei absolute Top-Resultate einfahren konnten, stimmt mich positiv und zeigt, dass unser Weg im Sommer gestimmt hat und wir jetzt die ersten Früchte ernten können“, schwärmte Cheftrainer Christoph Eugen. Der konnte sich schon am Samstag über eine starke Leistung seiner Mannen freuen. Mit Gruber (4.), Philipp Orter (10.), Klapfer (12.), Mario Seidl (13.) und Fabian Steindl (16.) landeten nicht weniger als fünf Athleten unter den Top-20.

#2 Der Langlauf lebt

Doping-Affäre 2002 in Salt Lake City, Doping-Affäre 2006 in Turin, Doping-Affäre 2014 in Sotschi und zuletzt auch Negativschlagzeilen rund um den suspendierten Harald Wurm. Wie einen Bissen Brot hat Österreichs Langlauf-Team daher die tolle Leistung von Teresa Stadlober benötigt. Die 22-Jährige glänzte im Skiathlon und wurde starke Neunte. Das ist zugleich das beste Weltcup-Ergebnis in der Karriere der Salzburgerin.“Es gibt uns noch“, erklärte sie nicht von ungefähr nach dem Rennen. Auch wenn es in der Vergangenheit immer wieder saftige „Watschn“ für die Langlauf-Sparte gab, ist es wichtig, nicht alle über einen Kamm zu scheren und die Leistungen von Stadlober und Co. richtig einzuordnen: Jene in Lillehammer war exzellent. 

#3 Die Zeit wird knapp

Es war auch dieses Mal nicht das Wochenende der rot-weiß-roten Adler, doch vorneweg das Positive: Stefan Kraft hat allemal das Potenzial, um Siege mitzuspringen. Der Salzburger verpasste am Samstag nur um zwei Punkte den Sieg sowie um 0,1 das Podest. Bei Michael Hayböck ist eine klare Aufwärtstendenz erkennbar, die sich mit Rang acht am Sonntag deutlich bemerkbar machte. Zudem zeigte Manuel Poppinger als Samstags-Zehnter auf. Nun zum weniger Erfreulichen: Mannschaftlich sind die Deutschen, Slowenen und Norweger derzeit ganz einfach besser und die Zeit bis zum ersten Saisonhöhepunkt, der Vierschanzen-Tournee, wird immer knapper. Gregor Schlierenzauer hat trotz zusätzlicher Trainingstage letzte Woche sein optimales Setup noch nicht gefunden, Manuel Fettner (immerhin mit den ersten Punkten) kommt vorerst weiterhin nicht über die Rolle des Platzspringers hinaus und Andreas Kofler hält nach drei Einzel-Wettkämpfen bei einem mickrigen Pünktchen. Viele Baustellen, die auf das Trainerteam um Heinz Kuttin warten.

#4 Das i-Tüpfelchen hat gefehlt

Fünf Damen am Start, vier in den Top-7, alle fünf unter den Top-15. Das Ergebnis der österreichischen Skisprung-Damen kann sich wahrlich sehen lassen. Einziger kleiner Wermutstropfen: Der ersehnte Podestplatz blieb aufgrund der Plätze vier (Daniela Iraschko-Stolz), fünf (Chiara Hölzl), sechs (Jacqueline Seifriedsberger), sieben (Eva Pinkelnig) und 14 (Elisabeth Raudaschl) leider aus. „Ich bin sehr zufrieden“, haderte Trainer Andreas Felder aber nicht, sondern freute sich über die geschlossene Performance seiner Mädels. Zwar erwartet er die eine oder andere Konkurrentin in den nächsten Wochen stärker, doch „wir haben auch noch Luft nach oben“. Speziell die starken Leistungen der Youngsters Hölzl und Raudaschl haben den ehemaligen Weltklasse-Springer beeindruckt.

Therese Johaug gibt nicht in der Loipe eine gute Figur ab. Die Bilder der Norwegerin:
Johaug gilt in Norwegen als absoluter Superstar, vergleichbar mit Anna Fenninger hierzulande.
Sie hat in ihrer Karriere bereits alles gewonnen: Gesamtweltcup und Tour de Ski, Gold bei WMs und Olympia.
Kein Wunder, dass die Blondineeine begehrte Werbepartnerin ist und viele Fotoshootings zu absolvieren hat.
Die besten Bilder von Therese Johaug:

#5 Die Dominanz hat einen Namen

In Abwesenheit von Marit Björgen, die in Kürze ihr erstes Kind erwartet, ist es Landsfrau Therese Johaug, die das Machtvakuum mit Leben füllt und dem Rest der Welt ihre Stärke demonstriert. Mit zwei Einzelerfolgen und dem Gesamtsieg beim Nordic Opening hat sie bereits angedeutet, dass der Weg zur großen Kristallkugel nur über sie führt. Mit einer Machtdemonstration im Skiathlon, den sie mit eineinhalb Minuten Vorsprung triumphal für sich entschied, hat sie dem Ganzen noch eins draufgesetzt. Der Staffel-Erfolg mit den norwegischen Damen war das Sahnehäubchen eines perfekten Wochenendes.

#6 Die kleine Schanze hat’s drauf

Die Verantwortlichen der FIS sind keine Freunde der Normalschanzen, anders kann man sich kaum erklären, dass sie bei den Spezialspringern für gewöhnlich nur noch bei Großereignissen zum Einsatz kommen. Die schwierige Wetterlage in Lillehammer zwang Renndirektor Walter Hofer und Co. jedoch zum Umdenken, statt der großen Schanze wurde die kleine besprungen. Und siehe da: Es waren extrem knappe Wettbewerbe. Speziell der reibungslos verlaufene Weltcup am Sonntag machte richtig Spaß zum Zuschauen und Lust auf mehr. Das Argument, dass die Leute vor Ort lieber weite Sprünge sehen, zählt in Norwegen ohnehin nicht, denn die Kulisse in Lillehammer war trotz toller Leistungen der Lokalmatadore einmal mehr sehr überschaubar.


Christoph Nister

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare