Svindals Frühform macht "Angst"

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Sieg in Abfahrt und Super-G beim Speed-Comeback im Weltcup. Damit durften selbst die größten Bewunderer von Aksel Svindal nicht rechnen, aber was der Norweger am Wochenende in den Schnee von Lake Louise gezaubert hat, war beeindruckend.

"Zurzeit fährt er in einer eigenen Klasse", lobte Matthias Mayer, Zweiter im Super-G.

Svindal selbst rechnet hingegen nach seinen Siegen sieben und acht in den Rockies "sicher nicht damit, dass es einfach so weitergeht".

Svindal gewinnt nach der Abfahrt auch den Super-G in Lake Louise. Die Bilder:

Langzeit-Affäre immer "sehr nett" gewesen

In Summe hält Svindal nun bei zwei Abfahrts- und sechs Super-G-Erfolgen in seinem "Wohnzimmer".

Fast ein Drittel seiner 27 Weltcup-Siege hat er in Lake Louise herausgefahren. Mit Respektabstand Zweiter in der Bestenliste ist Hermann Maier mit vier Siegen, alle im Super-G.

Übertroffen wird Svindal allerdings von Lindsey Vonn, die in Lake Louise 15-mal (zwölf Abfahrtssiege, drei im Super-G) ganz oben auf dem Treppchen stand, wobei die Damen meist zwei Abfahrten im Banff-Nationalpark bestreiten.

"Ich habe mein erstes Weltcup-Rennen hier gewonnen, und es gibt keine andere Station, wo ich so viele gute Rennen gefahren bin", umriss Svindal seine Liebe zu Lake Louise. Seine kanadische Langzeit-Affäre sei immer "sehr nett" mit ihm gewesen, sagte der derzeit als Single durchs Leben gehende Frauenschwarm.

"Habe gewusst, dass ich in Form bin"

Was im Detail hinter der Erfolgsbeziehung steckt, konnte Svindal auch nicht restlos aufschlüsseln. "In Lake Louise sind immer die ersten Rennen der Saison (im Speed-Bereich; Anm.). Da hat man immer sehr viel Zeit, um sich vorzubereiten. Dazu kommt, dass es fast immer perfekte Winterbedingungen sind: kalt, guter Schnee, heute war auch die Sonne am Start", versuchte er eine Erklärung.

Dass es so gut gegangen ist, habe ihn aber doch überrascht. "Ich habe gewusst, ich war gut in Form, bin physisch stark und war schon im Training gut unterwegs. Aber logischerweise ist Training eine Sache, das Rennen eine andere."

Svindals Gespür für Schnee

Dass auch sein Gespür für die Schneeverhältnisse und das Gelände in den kanadischen Rocky Mountains eine gewichtige Rolle spielt, ist allerdings offensichtlich.

Nur so konnte es sich Svindal leisten, volles Risiko zu gehen und den Ski unwiderstehlich laufen zu lassen. Stellenweise kam das brutalen Harakiri-Aktionen gleich, letztlich ging das Kalkül jedoch auf. Beide Fahrten seien nicht perfekt gewesen, weiß Svindal. Doch letztlich habe die Einstellung gestimmt, dann dürften auch Fehler passieren.

"Ein bisschen Ahnung, wie man diesen Hang fahren soll, habe ich schon", sagte der zweifache Gesamtweltcup-Sieger, der fast die gesamte Saison 2014/15 verpasste hatte. Nach einem Achillessehnenriss bei einem Jux-Fußballspiel vor dem Sölden-Riesentorlauf hatte er nur bei den Weltmeisterschaften in Beaver Creek ins Geschehen eingegriffen. In Abfahrt und Super-G hatte jeweils Platz sechs herausgeschaut.

Hinsichtlich seiner Chancen im Kampf um die große Kristallkugel wollte sich Svindal nicht aus der Reserve locken lassen.

"Das ist jedes Jahr so. Wenn es gut anfängt, fängt auch die Diskussion wegen der Kugeln an. Das ist logisch. Aber nach einem Jahr weg freue ich mich richtig über das, was heute passiert ist, und denke ganz wenig an das, was nachher kommt. Ich genieße das einfach."

Höhenflug nach Hochzeit

Die heiße Phase des Weltcups ist freilich noch weit entfernt.

Dennoch schickte der 32-Jährige ein deutliches Zeichen an Titelverteidiger Marcel Hirscher und andere Kandidaten, dass mit ihm heuer wieder zu rechnen ist. Wie eine Drohung klang seine Replik auf den Südtiroler Fill, der nicht zuletzt die Hochzeit mit seiner Manuela im Frühjahr für seinen Höhenflug mit den Plätzen zwei und drei in Lake Louise verantwortlich machte.

"Ich muss vielleicht eine Frau finden und auch heiraten", meinte Svindal mit einem verschmitzten Lächeln.

Jansrud will "etwas verbessern"

Das Nachsehen hatte am Wochenende auch Kjetil Jansrud, der in zwei von drei Trainingsläufen Bestzeit aufgestellt hatte.

Der zweite aus dem norwegischen Super-Duo kam nicht über die Ränge neun (Abfahrt) und sieben (Super-G) hinaus, wollte daraufhin geringfügig am Setup tüfteln.

"Das ist nicht so, wie es sein sollte. Hoffentlich kann man was ändern für Beaver Creek", meinte der 30-Jährige, der im Vorjahr beide Rennen in Lake Louise gewonnen hatte. "Es geht mir okay. Aber etwas gibt es zu verbessern."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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