Brem kann sich in Aspen nur Camping leisten

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Aspen entwickelt sich zum Lieblingsort von Eva-Maria-Brem, nach einer Aufholjagd freut sich die 27-Jährige ein Jahr nach ihrem ersten und einzigen Weltcupsieg an ebendiesem Ort über Rang zwei.

Ihren Wohnsitz in die USA verlegen will sie aber vorerst nicht. "Ein Haus kann ich mir hier nicht leisten, eher nur einen günstigen Campingplatz", schmunzelt sie.

"Am Ende bin ich endlich wieder so gefahren, wie man es von mir kennt. Bis dahin, das war ja nicht ich", erklärt sie ihre Leistungssteigerung.

Ein Jahr, nachdem ihr dort der erste und bisher einzige Weltcupsieg gelungen ist, streifte sie 2015 den Preisgeldscheck (16.500 Euro) für Platz zwei hinter der Schweizerin Lara Gut ein.

Während der US-Verband einen Tag nach Thanksgiving einen "Schwarzen Freitag" erlebte, jubelte Brem nach einer Aufholjagd über ihren achten Podestplatz.

Brem mit Startschwierigkeiten

Für den sie sich freilich mächtig am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen musste. War in Sölden eine Erkrankung Hauptgrund für Endrang acht gewesen, traf sie in Aspen das gleiche Halbzeit-Ergebnis zunächst wie ein Keulenschlag.

Auch auf dem Finalkurs ihres Trainers Stefan Bürgler verhaute Brem dann die ersten zehn Tore, ehe sie sich endlich von allem Krampf befreite und mit Laufbestzeit noch auf das Podest carvte.

"Irgendwann hat es mir gereicht. Am Ende bin ich endlich wieder so gefahren, wie man es von mir kennt. Bis dahin, das war ja nicht ich", erklärte Brem den späten Umschwung und versicherte: "Ich hätte sogar einen Ausfall in Kauf genommen, um ein weiteres Ergebnis wie Sölden zu vermeiden."

Shiffin rutscht am drittletzten Tor aus

Dass sogar ein neuerlicher Sieg möglich gewesen wäre, blieb kein Geheimnis. "In Wahrheit hat am Ende ein dreiviertelter Lauf gereicht, um Zweite zu werden", gab die 27-Jährige aus Münster zu.

Der Sieg ging an die von ihrem Vater Paul, aber auch vom österreichischen Swiss-Ski-Damenchef Hans Flatscher betreute Gut, nachdem die überlegen führende Mikaela Shiffrin den Sieg vor Augen am drittletzten Tor ausgerutscht und wie Lindsey Vonn ausgeschieden war.

Einige Gründe, warum Brem trotz aktueller Hochform so lange gebraucht hatte, um in Aspen in Fahrt zu kommen, erklärte Bürgler. "Schnell Skifahren muss man zulassen, das kenne ich noch von der Marlies" (Schild, Anm.), ortete der ehemalige Vertrauenstrainer von Slalomkönigin Schild zunächst ein Kopfproblem bei Brem.

Zu schwierig für die Jungen

Auch für Lauf zwei hatte der ÖSV-Slalomchef die Erklärung rasch parat. Er hatte den ersten Teil seines Kurses etwas direkter gesetzt als gewollt, aber keine Zeit mehr für eine Korrektur gehabt. "Der Rest hat dann für Eva eh optimal gepasst, für die Jungen war es aber fast schon zu schwierig."

Die Jungen, das waren an diesem Tag Steffi Brunner (20.) und Ricarda Haaser (24.). Nur die beiden hatten sich neben Brem für die Entscheidung qualifiziert.

Der erste Podestplatz des Winters war deshalb doppelt wichtig, auch für das zwangsverjüngte ÖSV-Technikteam. Anna Fenninger fehlt verletzt, Nicole Hosp und Aspen-Spezialistin Kathrin Zettel sind zurückgetreten, Elisabeth Görgl fährt keinen Riesentorlauf mehr.

Fenninger-Fehlen schmerzt

Vor allem das Fehlen der Weltranglisten-Ersten Fenninger schmerzt. Damit muss Brem nicht nur derzeit die Kastanien im "Riesen" alleine aus dem Feuer holen, ihr fehlt auch der gewohnte Maßstab im Training.

Fenninger und Brem hatten vergangenen Winter den Riesentorlauf dominiert. "Mit Anna hatte man immer alles schwarz auf weiß. Der ständige Vergleich mit ihr war sicher der Grund, der uns so gut gemacht hat", ist Brem bewusst.

Jetzt, so Brem, "muss es halt ohne diesen ständigen Vergleich gehen." Den Job an sich empfinde sie aber ohnehin weniger problematisch als die ständigen Fragen danach. "Demnach bin ich jetzt die, die alle pünktlich von der Party heimbringen muss. Das ist schon ein bissl nervig."

Brem und die Euromillionen

Die beiden folgenden Slaloms ("Das ist wieder eine ganz andere Geschichte") gaben Brem die Möglichkeit, ihre Beziehung zum hippen Nobelort in Colorado weiter zu vertiefen. Einheimische hatten ihr schon nach dem Riesentorlauf scherzhaft nahegelegt, doch hierherzuziehen.

"Ein Haus kann ich mir hier nicht leisten, eher nur einen günstigen Campingplatz", lautete Brems gut gelaunte Antwort. Vielleicht geht es aber doch auch anders. Denn: "Mein Freund spielt eh Euromillionen ... "

Aber auch ohne Meldezettel bleibt Aspen alleine wegen der Erfolge ein Lieblingsort. Brem: "Ich hoffe aber, ich entdecke im Laufe des Winters noch weitere solche Orte."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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