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Fragezeichen ÖEHV-Tor: Was vergangene WM-Turniere verraten

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller analysiert Österreichs Torhüter-Leistungen bei den vergangenen drei Eishockey-Weltmeisterschaften.

Fragezeichen ÖEHV-Tor: Was vergangene WM-Turniere verraten Foto: © GEPA

Die Goalie-Situation im österreichischen Eishockey – schon seit Jahren eine Dauerbaustelle, die für den ÖEHV seit dem Rücktritt von Bernhard Starkbaum im letzten Sommer noch größer geworden ist.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft vor der am Freitag startenden Eishockey-A-Weltmeisterschaft in Tschechien einen Blick auf die jüngste Torhüter-Historie des ÖEHV-Nationalteams - Österreich startet am Samstag (ab 16:20 Uhr im LIVE-Ticker) gegen Dänemark ins Turnier.

Spielplan der Gruppe A mit Österreich >>>

Genauer gesagt werden die letzten drei WM-Turniere unter die Lupe genommen – wie setzte Teamchef Roger Bader seine Torhüter ein und wie schlugen sich diese?

Bratislava 2019

David Kickert ging als Einser in das Turnier, stand anfänglich gegen Dänemark (2:5) und die Schweiz (0:4) im Kasten. Starkbaum zog gegen Russland (0:5) und Schweden (1:9) die Arschkarte.

Das Schwedenspiel beeinflusste dann auch den Rest des Turniers entscheidend – statt Dreier-Goalie Herzog als Backup aufzubieten, sollte Kickert auf der Bank sitzen, verletzte sich aber beim Warm-Up. Dadurch kam die Rotation ins Wanken, Starkbaum musste auch beim 3:5 gegen Norwegen in den Kasten (Defender Christian Bull mit einem Hattrick!).

Kickert war dann wieder fit, Bader entschied sich im Entscheidungsspiel gegen Italien auch für ihn, der Abstieg erfolgte im Shootout.

Statistiken & Fazit

Kickert: 3, 69 GAA/88, 68 Save % (11.)

Starkbaum: 6, 06 /82, 35 % (19. von 19 Goalies)

Das ganze Team spielte eine sehr schlechte WM, auch die beiden Torsteher, die vor allem gegen Dänemark und Norwegen vermeidbare Tore zuließen. Wäre der Abstieg mit Routinier Starkbaum im Entscheidungsspiel, das Österreich klar dominierte (41:23 Schüsse), vermeidbar gewesen?

Die WM 2020 fiel Corona zum Opfer, 2021 in Riga fand ohne Österreich statt. Das ÖEHV-Team wurde quasi per Einladung wieder in die Erstklassigkeit gehievt.

2022 Tampere

Bernhard Starkbaum begann das Turnier mit einem 1:3 gegen Schweden, David Kickert war am Punktgewinn gegen die USA (2:3 nach OT, Schüsse 16:39) sicher mitbeteiligt. Starkbaum stand dann bei der 2:1-SO-Sensation gegen die Tschechen im Kasten, Kickert beim 3:5 gegen Norwegen. Starkbaum dann wieder beim 3:4 nach Shootout gegen Lettland, Kickert beim 0:3 gegen Finnland.

Beide Goalies also mit drei Einsätzen und diese fielen weit besser aus als in Bratislava. Diesmal entschieden sich Bader und Goalie-Coach Reinhard Divis für Starkbaum im Entscheidungsspiel gegen Großbritannien. Der macht einige wichtige, aber auch hochspekulative Saves beim Stande von 0:2 und 1:3, sodass Österreich das Spiel in den letzten 10 Minuten noch auf ein 5:3 drehen konnte.

Statistiken & Fazit

Kickert: 3, 29/90, 29 % (10.)

Starkbaum: 2, 40/90, 20 % (11. von 19 Goalies)

Österreich spielte mit weit mehr Pep als in Bratislava, ohne auf dem Kopf zu stehen waren die Goalies auch an den Punktegewinnen gegen die USA, Tschechien und Lettland beteiligt. Es war nicht ihre Schuld, dass wieder ein (mitunter vogelwildes) Entscheidungsspiel zum Klassenerhalt herhalten musste.

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2023 Tampere

Erstes Spiel, erster Punkt – beim 1:2 gegen Frankreich nach Overtime startete Kickert. Es sollte der letzte Vorrundenpunkt bleiben: 0:5 gegen Schweden (Starkbaum), 2:6 Dänemark (Kickert), 1:4 gegen die USA (Starkbaum) und 2:4 gegen Deutschland (Kickert). Ein weiteres Entscheidungsspiel gegen Ungarn stand damit schon fest, sodass Dreier-Goalie David Madlener gegen Finnland ran durfte und beim 1:3 stark hielt.

Starkbaum durfte dann wieder gegen die Ungarn ran, es sollte das letzte Spiel seiner langen Karriere werden. Wieder sprach das Schussverhältnis (33:18) klar für Österreich, aber erst ein Shootout entschied über den Klassenerhalt und da war Starkbaum ein Faktor zugunsten des ÖEHV-Teams.

Statistiken & Fazit

Starkbaum: 3, 57/86, 25 % (18.)

Kickert: 3, 67/85, 90 % (19. von 20 Goalies)

Das Team war der Bratislava-Form weit näher als der von Tampere ein Jahr zuvor. Allerdings konnte gerade Kickert in den Spielen gegen Dänemark und Deutschland so gar nicht mit Quality Saves aufwarten. Starkbaums letztes Hurra sicherte den Klassenerhalt.

Rückblick und Vorschau auf Prag

Die Spitzennationen eh schon weggerechnet (da gehört Deutschland mittlerweile vor allem auch aufgrund ihrer Goalies dazu): Die Quantität und Qualität der österreichischen Schlussmänner ist schon seit Jahren überschaubar und gerade in Spielen gegen Dänemark, Norwegen, Lettland oder Frankreich oft der entscheidende Faktor, ohne dass diese Nationen ihrerseits auf Weltklasse-Goalies zurückgreifen können.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Allerdings entschieden die Torhüter die Entscheidungsspiele zumindest mit und das zweimal für Österreich: Andreas Bernard spielte in Bratislava eine sehr starke WM und war auch im Entscheidungsspiel der Matchwinner für Italien. Seit damals ging es mit seiner Karriere rapide bergab – vom Starter in der Liiga zum Backup in der ICE.

Bei Großbritannien machte Ben Bowns gegen Österreich einen fahrigen Eindruck, brach zum Schluss total ein – keine Überraschung für die, die ihn spätestens von seinem Graz-Gastspiel kannten.

Auch wenn Bence Balizs im ungarischen Tor während der WM hochgejazzt wurde – ich erinnere mich heute noch an den Treffer von Lukas Haudum von der Seitenbande im Entscheidungsspiel, als Balizs erstarrt wie Lots Frau agierte.

Was gegen die Mittelklasse der A-WM noch fehlt, reicht dann eben mitunter gegen die Abstiegskandidaten und das gilt hoffentlich auch heuer wieder, wenn es wie vermutet auf ein Schlüsselspiel gegen Großbritannien am Schlusstag hinausläuft.

Die Turnier-Hierarchie dürfte aber interessant werden: Logischerweise hätte David Kickert von der Nr. 1B zum Einsergoalie aufrücken sollen. David Madlener sammelte aber sowohl während der ICE-Saison als auch in der WM-Vorbereitung Pluspunkte, könnte das Turnier durchaus als Starter (erstes Spiel: Dänemark) beginnen.

Thomas Höneckl wird wohl der klare Dreier werden. Beim ihm muss sich Bader fast schon bedanken, dass er sich zur Verfügung stellte. Mit 34 Jahren spielte er nicht einmal im Nachwuchsbereich eine WM, brachte es bis zu dieser Saison auf gerade drei Operetten-Länderspiele und gilt seit Jahren in der Liga als Karriere-Backup.

Dass ein Teamchef auf einen Mann mit seinem Profil überhaupt zurückgreifen muss, sagt alles über die Torhüter-Misere in Österreich aus. Doch Leute wie Stefan Müller, Sebastian Wraneschitz, Florian Vorauer oder Alps-Goalie Max Zimmermann überzeugten im heurigen Länderspieljahr noch weniger und/oder sagten von sich aus ab…

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